Von "Geschwister" habe ich mir sehr viel erwartet und zum Teil wurden diese Erwartungen auch bestätigt. Sitzler versteht es persönliche Erfahrungen und wissenschaftliche Studien miteinander zu verarbeiten, dass ein außergwöhliches Leseerlebnis ensteht und den Leser zu fesseln vermag. Enttäuscht war ich aber von der durchweg negativen Einstellung zu geschwisterlichen Beziehungen, die wenn man dem autobiographischen Teil glauben darf, aus den Beziehungen der Autorin zu ihren Geschwistern rührt. Auch scheint mir die Geschwisterforschung eher eine nicht aussagekräftige, was sich auch darin widerspiegelt, dass sich Sitzler und ihre Quellen des öfteren zu unterschiedlichen Sachverhalten mit Aussagen widerholen. Ohne diese Widerholungen, wären die getroffenen Aussagen aber auch nur leere Behauptungen gewesen, die aus persönlichen Erfahrungen getroffen werden.
Dieses Buch scheint mir passend für Leute, die ebenfalls ein problematisches Verhältnis zu ihren Geschwistern haben und Absolution erhalten wollen. Für Menschen mit einer geglückten Beziehung zu ihren Geschwistern, die laut Sitzler sehr selten sind, ist dieses Buch oft unverständlich und nicht zu empfehlen. Will man sich zur Geschwisterforschung informieren, sollte man vielleicht auch lieber auf Sitzlers wissenschaftliche Quellen zurückgreifen, als auf ihr Buch.