Ab jetzt ist Ruhe« – dieser Spruch, den die unruhigen Kinder mit ihrer Mutter aufsagten und der sie in den Schlaf geleiten sollte, liegt wie ein Motto über dem Familienroman von Marion Brasch. Die jüdischen Eltern, die sich im Exil in London kennenlernten, gründeten die Existenz ihrer jungen Familie in Ostberlin, wo der Vater nach dem Krieg seine Ideale als Politiker verwirklichen wollte. Die drei Söhne – zwei davon wurden Schriftsteller, der mittlere Schauspieler – revoltierten gegen die Autorität der Vätergeneration und scheiterten an der Wirklichkeit, während die kleine Schwester Versöhnung und Ausgleich suchte und oft genug damit an Grenzen stieß, auch an die eigenen. Marion Brasch ist mit diesem Roman ein bewegender, oft witziger Rückblick auf die Geschichte ihrer Familie gelungen, gleichzeitig erzählt sie ihr eigenes Leben in einem Land, das es heute nicht mehr gibt.
»Meine drei Brüder hatten schon so wichtige Dinge getan, als sie in meinem Alter waren. Sie hatten rebelliert, um ihre Träume ins Leben zu holen. Und ich? Keine Leidenschaft für nichts. Stattdessen rief ich in meiner eigenen Wohnung an.
Marion Brasch wurde 1961 in Berlin geboren. Nach dem Abitur arbeitete die gelernte Schriftsetzerin in einer Druckerei, bei verschiedenen Verlagen und beim Komponistenverband der DDR. 1987 begann sie als Musikredakteurin beim Jugendsender »DT64« und ist heute als freie Rundfunkjournalistin und -moderatorin bei »Radio eins« (RBB) tätig. Ihr erster Roman ›Ab jetzt ist Ruhe‹ ist 2012 bei S. Fischer erschienen.
Eigentlich sollte das hier eine ziemlich kurze Rezension werden, da ich der festen Überzeugung war, dass es doch auch manchmal reicht, einfach zu sagen: super Buch, unbedingt kaufen und erst recht unbedingt lesen. Doch irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass dieses Buch beides und noch viel mehr verdient hat und doch keine Rezension ihm gerecht werden wird. Auch meine folgende nicht....
Bewegend und teilweise auch sehr traurig erzählt die Autorin die Geschichte ihrer Familie, einer Familie, welche geteilt und zerissen ist wie das Land selbst, in welchem sie lebt. Gleichzeitig schafft sie es aber auch dieses kleine, ehemalige Land DDR wieder auferstehen zu lassen, vermittelt die andere Seite des Lebens in diesem Land, die Seite des normalen Mädchens, welches die große Unzufriedenheit mancher Mitbürger nicht so recht fassen kann. Die Seite, welche heute in den Medien nicht mehr vermittelt wird, der ganz normale Alltag. Ein Alltag, der vielleicht oft stark vorgegeben Normen unterlegen hat, aber trotzdem eine Sicherheit bot, die es heute nicht mehr gibt. Behütet sein, aufgehoben sein...diese Gefühle verbinden viele nicht mit der DDR. Und genau das macht dieses Buch so besonders. Es beschöhnt nicht, zeigt Misstände des Sozialismus auf, verweist aber gleichzeitig darauf, dass das normale Leben auch schön gewesen ist.
Marion Brasch hat mich mit ihrer Geschichte überzeugt, da sie es geschafft hat, das typische DDR-Gefühl wieder in mir zu erwecken, mich in die Zeit zurück zu führen, in der auch ich aufgewachsen bin.
Mein Fazit Geht in den Buchladen, kauft euch das Buch und fangt einfach an zu lesen! Besser kann man DDR-Geschichte und das Gefühl, wie es war dort aufzuwachsen, nicht erleben! Die DDR aus der Sicht eines normalen DDR Kindes mit einer fabelhaften Familie. Nicht wie in den Medien einseitig und verzerrt dargestellt, sondern ehrlich und so, wie Leben in der DDR nun mal war! Eine Liebeserklärung an eine nicht ganz so perfekte, aber außergewöhnlich gewöhnliche Familie. Eine Liebeserklärung an ein nicht ganz so perfektes, aber nicht minder schönes Land. Ein Land, dass es nicht mehr gibt. Danke fürs Teilhaben an einem kleinem Stück Lebensweg und danke für ein paar Stunden alte Heimat!
Marion Brasch entwirft mit zauberhafter Leichtigkeit das Portrait einer fabelhaften Familie. Ja, es ist die Geschichte einer Familie, die zerbricht, wie ihre Heimat die DDR. Dennoch entlässt Brasch den Leser mit einem warmen, heiteren Gefühl. Ein Roman, wie das Leben. Traurig, aber auch lustig, berührend, aber auch befremdlich. Da ist die ganz normale DDR, mit ihrem Alltag, wie man ihn fast schon vergessen hat, da sind Pubertät und Jugendflausen, aber auch Gefängnisstrafen und Ausweisung. Da beginnt das Leben, aber es endet auch. Angenehm unprätentiös und so gar nicht pathetisch, schwebt die Autorin durch ihre Familiengeschichte. Große Namen bleiben unerwähnt, große Gesten werden aus der letzten Reihe beschrieben, so wirkt der Text herrlich erfrischend. Es scheint fast so, als sei es mit Familien genau so wie mit untergehenden Ländern. Man liebt sie und hasst sie, doch was am Ende des Tages bleibt ist schlicht: man kann nicht ohne sie. Ein wunderbarer Roman, den ich unbedingt empfehlen möchte!
5/5 - Fand es ganz, ganz toll! Marions Geschichte ihrer Adoleszenz und des Erwachsenseins in der DDR hat mich wirklich sehr berührt und mitgenommen. Nicht, weil es so traurig ist per se, sondern vor allen weil ich mich so gut in dieses Buch hineinversetzen konnte. Ich habe schon gehört, dass dieses Buch das Aufwachsen im Osten sehr gut porträtiert und anhand dessen habe ich das Gefühl ein sehr gutes Verständnis vom klassischen Leben in der DDR durch dieses Buch bekommen zu haben. Besonders gut werden Konflikte und Spannungen beschrieben, die durch die Parteimitgliedschaft des Vaters und den Druck des politischen Systems auf die Familie entstehen. Man bekommt ein Gefühl dafür, wie schwierig es für die Kinder war, in einem Umfeld aufzuwachsen, das von Ideologie und hohen Erwartungen geprägt war. Die persönliche Erzählweise macht die DDR-Geschichte greifbar und zeigt, wie stark Politik und Privatleben miteinander verwoben waren. Es ist fantastisch geschrieben, es wird nicht langweilig und ich wollte wirklich weiterlesen die ganze Zeit. Der tolle Schreibstil macht es wirklich einfach sich in die komplexen Familienstrukturen hineinzuversetzen. Natürlich gibt es auch hier keine Klimax, was bei einer Biographie auch sehr schwierig ist, allerdings brauchte es diese auch nicht. Besonders beeindruckend fand ich die Authentizität und Ehrlichkeit, mit der die Geschichte erzählt wird. Die Mischung aus persönlicher Erfahrung und historischem Hintergrund schafft eine dichte Atmosphäre, die mich von Anfang bis Ende gefesselt hat. Absolut empfehlenswert zu lesen!
Als Betroffenen, der selber 11 Jahre Kindheit in der DDR erlebt hat, hat mich Marion Braschs Roman sehr neugierig gemacht. Trotz (oder gerade wegen) des eingängigen Plaudertons fand ich ihr Werk unerträglich. Nicht dass sie das Leben in der DDR als Kind einer privilegierten Familie etwas anders erfahren hat als ich, dem die Lebensperspektive in diesem System verwehrt war, ist ihr anzulasten. Nicht dass sie den Alltag in einer Diktatur aus kindlicher und jugendlicher Perspektive schildert und nicht politisch reflektiert und analysiert, werfe ich ihr vor. Auch sie hat das Recht auf ihre eigene Geschichte jenseits der politischen Historie. Aber auch ein Kind kann verstehen, wie es durch einen Staat missbraucht wird. Die Unbeschwertheit, mit der Marion Brasch als Normalität beschreibt, dass schon Kinder und Jugendliche in der DDR zu Selbstzensur und Lüge gezwungen wurden, macht ihr Buch unaufrichtig. Angesichts der Verbrechen, die die SED an den Seelen der Menschen - zumal in der Familie Horst Brasch - begangen hat, kann man nicht so seelenruhig bleiben, ohne zum Komplizen zu werden.
Marion Brasch war mir bisher als Autorin gänzlich unbekannt. Doch je näher ich mich mit ihr beschäftige, desto spannender wird sie als Person. Besonders ihre Familie hat einen schicksalshafte Weg hinter sich. Davon handelt dieses Buch.
Es ist eine Art Biografie im Roman, geschrieben von der Protagonistin selbst. Marion wächst als Kind einer liebenden und leidenden Mutter und eines DDR Funtionärs der zweiten Reihe auf. Für ihre drei Brüder, ist sie die kleine Schwester, und sie kämpft ständig um Anerkennung. Der Vater hat sehr hohe Ansprüche an seine Kinder, die diese aber nicht bereit sind, zu erfüllen und so kommt es nach dem Tod der Mutter zu einem Verwürfnis mit seinen Söhnen. Diese ziehen bald aus und Marion ist alleine mit dem Papa. Er ist ein ambivalenter Typ. Einerseits ist er aufbrausend und herrisch, will das Leben seiner Kinder bestimmen und scheitert immer wieder. Andererseits lässt er sich nie in die Karten gucken und ist meinem empfinden nach ein sehr einsamer Mensch. Marion dient als Puffer zwischen ihm und ihren Geschwistern. Sie versucht es ihm recht zu machen, aus Mitleid, Angst, aber auch ein großes Stück aus Antriebslosigkeit. Es ist eben leichter, in die Partei, einzutreten und den Werdegang anzustreben , den ihr Vater für sie sieht, als sich in dem autoritären Regime auf rebellische Wege zu begeben zumal sie von ihm auch noch emotional manipuliert wird. Doch sie bricht immer wieder aus, lernt Menschen kennen, die es ihr leicht machen, zumindest erst einmal, hält Kontakt zu ihrem Brüdern, die alle in der Künstler Szene beheimatet sind (Thomas Brasch ist ihr Bruder), und schafft es letztendlich dem Vater ein bisschen was entgegenzusetzen. Als ihr mittlerer Bruder stirbt, verschieben sich noch mal die Parameter. Alle Brüder sind dem Alkohol und dem Konsum von gewissen Substanzen verfallen, was sie letztendlich töten wird. Dass Marion sich davon fernhalten kann, zumindest was den Überkonsum betrifft, grenzt fast an ein Wunder. Viele Themen, die uns in der DDR allgegenwärtig erscheinen werden in diesem Buch erzählt: die subtile Rebellion gegen die Funktionäre und ihre Schergen, Ausreiseanträge und ihre Folgen, aber auch die Suche nach der Nische, der Ruhe in der Realität die es einem ermöglicht einfach zu leben. Für Marion nicht so einfach, sie scheint ständig auf der Hut zu sein, ohne es wirklich zu registrieren. Ganz nebenbei kriegt man sehr anschaulich deutsche Geschichte erzählt, die meine Generation zwar miterlebt hat, die aber immer mehr ins Abseits rückt. Der Wandel zum „geeinten“ Deutschland hat auch in dieser Familie Spuren hinterlassen, und die Ambivalenz der Gefühle wird sehr sichtbar. Das „nicht wollen“ vieler Bürger in Ostdeutschland, und der wachsende Nationalsozialismus ist ein Erbe einer 40 Jahre währenden Abschattung und der mangelnden Weitsicht, an dem wir heute mehr denn je zu knabbern haben. Marion Brasch schreibt so packend, dass ich das Buch in einem Rutsch gelesen habe. Stilistisch ist es zwar keine Meisterleistung, denn besonders die Dialoge sind sehr knapp und umgangssprachlich gestaltet. Es ist aber sehr interessant zu lesen, wie am Beispiel einer Familie, Ursache und Wirkung eines wichtigen Teils deutscher Geschichte Gestalt annimmt. Am nahsten war mir die ICH Erzählerin, Marion. Sowohl die Brüder als auch der Vater blieben mir nur schemenhaft umrissen. Und so wirkt das Buch manchmal etwas gehetzt. Trotzdem hat es mir gut gefallen und ich möchte eine Empfehlung aussprechen für alle, die sich mit dieser Zeit beschäftigen möchten und dafür gerne einen niedrigschwellige Zugang hätten.
Das Buch fesselt und verärgert. Was erzählt wird, ist über weite Strecken durchaus erzählenswert: Kultur- und Politikgeschichte in der DDR und im Nachkriegsgesamtdeutschland. Das Leben hochrangiger Funktionärsfamilien und jüdische Kommunisten in der DDR. Vom Aufwachsen einer Funktionärstochter in der DDR. Vom Verschwinden einer Familie. Von der Liebe für Vater und Mutter. Vom Mythos der Kunst. Vom einfachen Überleben und Weiterleben.
Wie es erzählt wird, ist über weite Strecken unerträglich. Die naive Sprache, die selbst eine 20jährige noch als unwissend-unschuldig begreifen möchte. Ein ewig gleicher Sound, der sich in immer gleichen vorhersehbaren Formulierungen durch die Seiten windet. Die alberne Eitelkeit, mit der die Namen aller irgendwie bekannten Personen, von Heiner Müller über K. Thalbach bis hin zu Gorbatschow, durch naive Charakterisierungen (der Dichter mit der weiten Stirn, die Schauspielerin mit den kindlichen Augen) übersetzt werden.
Über weite Strecken wird auch erzählt, was schon hunderte Male erzählt wurde und schon beim ersten Mal zum Gähnen war. Da legt also ein Ungar dem mit großen Augen durch die Welt trampenden Mädchen die Hand aufs Knie. Aha. Wie schrecklich. Da wird die Funktionärstochter gedisst von Leuten, die wegen eines Ausreiseantrages mit einem Bein im Knast stehen - und das nur, weil ihr Funktionärsvater ihr eine Reise nach London ermöglichte! Das arme Hascherl aber auch! Wie diese Geschichten erzählt sind, verrät auch viel über das Leben und Selbstverständnis einer Funktionärstochter in der DDR.
Und letztendlich erzählt das Buch davon, wie Menschen, die mit einem bestimmten Verständnis von Kunst als politischem Mittel aufgewachsen sind, daran verzweifeln, wenn ihre Kunst angesichts fehlender relevanter Probleme unrelevant wird. Und obwohl solche Tragödien in der zeitgenössischen Literatur des öfteren erzählt wurden ("Herr Lehmann" von Sven Regener, in "Neue Leben" von Ingo Schulze etc.), lohnt sich das Buch dennoch vielleicht gerade deshalb. Ein schönes Paradoxon.
Als Buch angefangen und als Hörbuch zu Ende gehört, die Lektüre für unserer Juli-Leserunde. War ich beim Reinschnuppern sofort angetan von Braschs Erzählstil und hätte mich fast festgelesen, so war er mir auf Dauer dann doch zu "jugendlich". Nun ja, es ist ja auch eher die Geschichte ihrer Jugend in den 70er und 80er Jahren und weniger diejenige ihrer Familie, auch wenn diese - nicht überraschenderweise - im Leben der Heranwachsenden bzw. jungen Erwachsenen oft vorkommt. Ach ja, diese Jugend fand in der DDR statt, in privilegierten Umständen (Braschs Vater bekleidete wichtige Ämter). Kein Wunder, dass die Politik nur eine Nebenrolle in dem Roman spielt, denn Brasch stellte, nach einem Besuch in London zurück in der DDR, fest: "Mir geht's gut hier". Wer nicht bereits über entsprechende "Systeminformationen" verfügt, könnte sogar über viele euphemistisch kurz oder banal gehaltene Stellen hinweglesen.
Der biografische Roman ist gut zu lesen, sehr auf die junge Marion konzentriert (z.B. werden ihre Brüder nie mit Namen, sondern nur in der Rangfolge ihrer Geburt genannt), die sich überwiegend treiben lässt innerhalb der Möglichkeiten, die sie hat. Große Pläne oder Träume kommen nicht vor, ihre Brüder sind diejenigen, die früh und bestimmt ihre Wege eingeschlagen haben.
So ist der Roman letztendlich für mich nicht viel mehr als die unterhaltsam erzählte, aber nicht sonderlich spannende oder interessante Geschichte einer langen Jugendzeit. Eine nette Ergänzung: In Braschs Blog finden sich Fotos zu den entsprechenden Stellen im Buch.
Berührend, die Geschichte des Nesthäkchens Marion Brasch zu lesen, nach dem sie doch für mich eine Heldin aus dem Radio war, damals in der Wendezeit bei Jugendradio DT64 in der noch existierenden, gerade untergehenden DDR. Erstaunlich (oder soll ich verblüffend schreiben?), wie man beim Lesen an die eigenen Gedanken jener Zeit erinnert wird? Wie ähnlich man doch gefühlt und erlebt hat, obgleich ich nun einen ganz anderen Weg gegangen bin.
Koskettavan autofiktiivisen romaanin näkemys on lapsen ja nuoren kasvavan tytön, jonka perhe elää etuoikeutettua elämää Itä-Berliinissä. Isän korkea poliittinen asema suo vapauksia, joita tavallisilla kansalaisilla ei ole. Brasch sanoo lehtihaastatteluissa, että voi nyt kertoa kaiken, koska on perheestään ainoana jäljellä. Itävaltalainen äiti Gerda kuoli syöpään tytön ollessa vasta teini ja juutalaisesta isästä Horstista tuli DDR:n apulaiskulttuuriministeri, mies huipulla. Marionin kaikista kolmesta veljestä tuli isää ja sosialistista järjestelmää kritisoivia taiteilijoita. Perhe repeytyi rajusti kahtia ideologian vuoksi.
Perheen tragediaa selittävät Marionin veljien elämänkohtalot. Runoilijaveli Thomas kritisoi julkisesti Tsekkoslovakian miehitystä 1968, sillä seurauksella, että isä ilmiantoi poikansa Stasille ja tämä joutui vankilaan. Isälle toisinajattelija perheessä oli kova paikka ja tiesi myös siirtoa vähempiarvoiseen virkaan. Myöhemmin Thomas loikkasi länteen, alkoholisoitui ja sortui huumeisiin. Klausista tuli ohjaaja ja näyttelijä, joka teki kolmikymppisenä itsemurhan alkoholilla ja lääkkeillä. Peteristä tuli radiotoimittaja, dramaturgi ja kirjailija. Myös hän kuoli nuorena.
Marion kuvaa avoimesti vaikeaa suhdetta isäänsä ja ikävää veljiään kohtaan, joista joutui jo varhain eroon. Jännitteet ja puhumattomuus hiersivät poikien ja isän välejä. Itäsaksalaisesta elämästä saa kirjassa hyvän kuvan ja myös Marionin päättäväisyydestä, sillä tyttö ei kelpuuttanut isän suhteilla saatuja asuntoja. Kirjassa on paljon myös Marionin kasvamista nuoreksi naiseksi, rakastumista ja uraa radiotoimittajana. Nämä nuoren tytön asiat keventävät traagista perhetarinaa. Liikuttava ja surullinen perhetarina.
Der jüngste Bruder, der mittlere Bruder, der älteste Bruder, die Freundin des Bruders (welcher gemeint ist, ist nicht immer eindeutig), der Dichter mit der weiten Stirn usw usw... diese gekünstelte Bezeichnung der handelnden Menschen geht nach einer Weile einfach nicht mehr... Es fällt wirklich schwer, auseinanderzuhalten, wer jeweils gemeint ist, oder eine konsistente Figur raus zu lesen. Anstatt die Menschen einfach beim Namen zu nennen, oder meinetwegen ein bisschen zu verfremden, ist dieser Ansatz für mich nicht gelungen. Bsp. S. 150: "Ist ja alles schön und gut", sagte mein Bruder. "Aber ich will, dass sie sich auch bei meinen Geschichten wissend anschauen. Ich will, dass sie sagen: Seht an, er ist ein großer Schriftsteller. Er ist genauso gut wie sein großer Bruder, der in den Westen gegangen ist. " Doch die Leute sagen immer nur: Seht an, er will genauso gut sein wie sein großer Bruder, der in den Westen gegangen ist.
Es ist immer spannend für mich, in die Zeit meiner Eltern (DDR Kinder) zurückzuspringen und auf direkte oder indirekte Art etwas zu lernen. Marion Brasch schreibt sehr zugänglich und kreiert ein angenehmes Lesetempo. Mich persönlich hat die Hauptfigur in ihrer zur Schau gestellten Passivität jedoch immer mal wieder genervt, auch wenn ich weiß, dass es durchaus eine aufgezwungene Passivität durch das DDR Regime war. Ich halte das Buch für gut, bin froh es gelesen zu haben, behalte es im Regal, weil es ein Stück meiner eigenen Familiengeschichte spiegelt, würde es aber nicht zwingend meinen Freund:innen empfehlen es sei denn sie sind auch späte Ostkinder mit Hang zur Politik.
Het gaat niet alleen over een bevoorrechte familie in de DDR, maar zeker ook over het jongste zusje, dat het minst beroemd en wellicht het minst talentvol is, maar dat wat mij betreft iedereen qua ontwapenende menselijkheid overtreft. In elk geval qua leven, want de andere vijf zijn overleden. Heerlijk, zoals veelbelovende zaken worden beschreven, die als het ware leeglopen. Net als in het echte leven gebeurt. Argeloos, dapper, meegaand, eerlijk, pretentieloos.
Vielen Dank JH für diesen Buchtipp. Von der Autorin gelesen, kann man richtig in das Leben der Protagonistin eintauchen.
Es wird das Leben einer Person und ihrer Brüder und Eltern erzählt, die von den 60er bis zu den Nullerjahren die Themen des Kommunismus im Alltag hatten und wie jeder damit umgeht oder auch weggeht.
Marion Brasch hat die Zerrissenheit der Wendegeneration sehr gut dargestellt.
Der autobiografische Roman saugt mich auf, nimmt mich mit und spuckt mich aus, Melancholie, Schmerz, Taubheit bleiben an mir haften, aber auch Gelassenheit, Witz und die Lust aufs unbestimmte Neue. Ich werde Zeit brauchen, bis ich verstanden habe, was mir da heute beim Lesen passiert ist. Ich mag Marion Braschs Art eloquent, lebendig, warm und klug zu moderieren, jetzt mag ich auch ihre Art zu schreiben.
Ich hatte meine Heldin aus alten DT64-Tagen ein wenig aus den Augen verloren. Doch man trifft sich immer zweimal im Leben. Auch dieses Mal war es ein Hochgenuss, wenn auch auf einer ganz anderen Welle.
Der erste Satz:„Ich war vier Jahre alt, als ich das erste Mal von zu Hause fortlief.“
Das Innere: Marion Brasch erzählt die Geschichte ihrer Kindheit und Jugend und ihre Erlebnisse als junge Erwachsene. Aufgewachsen in der ehemaligen DDR, sind ihre Erlebnisse dabei oftmals von äußeren Zwängen geprägt. Mit drei Brüdern, einer jung verstorbenen Mutter und einem Vater, der sich der Politik der DDR mit Leib und Seele verschrieben hat, hat sie so viel erlebt, dass sie ein ganzes Buch damit füllen kann. Am Untertitel „Roman meiner fabelhaften Familie“ erkennt man schon, wie viel ihr diese Familie bedeutet.
Das Äußere: Das Buch ist als Hardcover-Ausgabe erschienen – es hat sogar ein hochwertiges Lesebändchen. Auf dem Cover ist eine Frau mit langem Haar zu sehen, die ganz gelassen am geöffneten Fenster steht und hinaussieht. Hier wird die Ruhe aus dem Titel des Romans richtig greifbar. Das Wesentliche: Marion Braschs Familie besteht aus einigen namhaften Persönlichkeiten: so war nicht nur ihr Vater stellvertretender Kulturminister der ehemaligen DDR, ihre drei Brüder sind Schriftsteller, Schauspieler oder Filmemacher geworden. Da stand Marion als „kleine Schwester“ im wahrsten Sinne des Wortes oftmals vor einem Berg unüberwindlicher Ansprüche. Ihre Erlebnisse als Kind, Jugendliche und junge Erwachsene hat sie in diesem autobiographischen Roman zusammengefasst.
Zu Beginn des Romans ist die Ich-Erzählerin noch klein, allzu oft versteckt sie sich unter dem Wohnzimmertisch, wenn die älteren Brüder mit den Eltern – und vor allem mit dem Vater, der sehr an seinen Prinzipien festhält, streiten. Während die Brüder sich einer nach dem anderen gegen den Vater auflehnen, versucht sie als einzige Tochter – typisch Frau – eher eine Vermittlerrolle in der Familie einzunehmen. Dies umso mehr, als die Mutter recht früh verstirbt.
Gefühle offen auszusprechen – daran scheitert es ja häufig in Familien. Das merkt man hier auch sehr deutlich. Gerade der Vater schafft es nicht, auf seine Söhne zuzugehen – genau wie die Söhne viele Gelegenheiten ungenutzt verstreichen lassen, sich mit dem Vater auszusöhnen. Letztlich steht der Vater häufig allein auf weiter Flur, denn die Geschwister unter sich halten sehr deutlich zueinander.
Aus Sicht der Protagonistin lernt der Leser nicht nur den Alltag in der DDR kennen, er nimmt auch Anteil an den Gedanken und Gefühlen einer jungen Frau, die ihren eigenen Weg sucht und zuletzt auch findet. Die Zeit der Kindheit wird zunächst in Form von einzelnen Momentaufnahmen aus dem Leben geschildert – ganz so, wie man selbst auch seine eigene Kindheit in Erinnerung hat. Es gibt dabei noch keinen deutlichen roten Faden, denn jedes Erlebnis steht zunächst für sich. Dabei ist sehr bemerkenswert, wie detailreich Marion Brasch diese Erlebnisse noch in Erinnerung hat – ich wollte, ich könnte mich so detailliert an meine Kindheit erinnern, wie sie es tut.
Romanhafter und dadurch auch für mich persönlich interessanter wurde die Handlung aber erst später. Die Momentaufnahmen werden durch richtige Handlungsstränge abgelöst. Es entstehen und zerbrechen Freundschaften, Urlaubsreisen werden gemacht, eine Ausbildung wird begonnen. Der rote Faden dabei ist und bleibt die Familie. Nach dem Auszug der Brüder bleibt Marion als letzte bei ihrem Vater daheim, bis auch sie sich eine eigene Wohnung nimmt und endlich eigener Wege geht. Auf ihrem Weg erlebt der Leser mit der Protagonistin schöne, aufregende, traurige und auch Mut machende Erlebnisse. Das Auf und Ab des Lebens wird dabei in manchmal fast erschreckend ruhigen Worten erzählt.
Leider geht das Buch sehr schnell zu Ende, nachdem die Grenzen der DDR im Jahr 1989 zum Westen hin geöffnet wurden. Gerade hier hätte ich gerne mehr darüber erfahren, wie die Umwälzungen ins Leben der Protagonisten eingegriffen haben.
Das Fazit: Dies ist eher ein Roman der leisen Töne. Für Freunde ruhiger Literatur mit (auto)biographischen Inhalten sicher eine Empfehlung. Schön ist zu lesen, wie die junge Frau nach und nach ihren eigenen Weg geht. Der Schreibstil macht die Lektüre zusätzlich zu einer angenehmen Leseerfahrung. Mich persönlich konnte das Buch jedoch eben aufgrund des autobiographischen Charakters leider nicht durchgängig auf hohem Niveau fesseln.
Ich komme aus Hamburg und kenne die DDR nur vom Hörensagen und aus "zeithistorischen" Darstellungen. Nachdem ich das Buch von Marion Brasch gelesen habe, hat sich die eindimensionale Vorstellung, die ich vom Leben in der DDR hatte, sehr relativiert. Sicher ist die Geschichte ihrer Familie nicht repräsentativ, doch das ist vermutlich keine Familiengeschichte. Ich bin froh, dass ich das Buch gelesen habe und mein schwarzweißes Bild der DDR durch so einige farbliche Nuancen ergänzt wurde. Sehr zu empfehlen!
Die berührende aber mit viel trockenem Humor erzählte Geschichte einer privilegierten Familie in der DDR. Den ständigen ideologischen Streit zwischen dem bis zum Schluss dem DDR System loyalen Vater und den drei "abtrünnigen" Brüdern versucht die kleine Schwester immer wieder auszugleichen. In abwechselnd amüsanten und traurigen Passagen verfolgt der Leser die Geschichte der Braschs, die, so wie das Leben, auch in aller Tragik den Leser immer wieder lächeln lässt.
Zeitgeschichte in Romanform. Marion Brasch schildert in unterhaltsamer und anrührender Weise die Geschichte ihrer Familie aus der Sicht der jüngsten Tochter. Mir als westdeutsch sozialisiertem Menschen ohne verwandtschaftliche Bindungen in die "Zone" ist die DDR durch die Lektüre dieses Buches ein gutes Stück näher gekommen.
Vor allem ist es ein Roman über die Familie Brasch, aber es ist auch eins der besten Bücher, die ich nach der Wende über die DDR gelesen habe. Gibts auch als Hörbuch mit der einzigartigen Stimme von Marion Brasch.
Ich habe es gern gelesen, muss aber einigen kritischen Rezensenten Recht geben. Der nüchterne Ton verwundert. Die Dinge geschehen, sie verhält sich nicht dazu, vieles bleibt unausgesprochen... Wie in ihrer Familie.
With a very simple style, it express very well the former DDR's way of life and the conflicts between the members of a family that are parallell to the conflict between East and West Europe.
Witzig, unterhaltsam, im Stil der Romane die über ostdeutsche Familien im Wandel der 90er schon existieren, nicht zu schwer aber schon an den wichtigen Themen dran.
As a novel this was good, as an autobiography I didn't see the point of it. Then again I hadn't heard of the author or of her family. I liked the reading and the story was captivating.