Dunkle Mächte fühlt sich an wie ein Krimi, der einem langsam die Luft abdrückt. Kein reißerisches Geballer, sondern dieses stetige, unangenehme Ziehen im Bauch, wenn klar wird: Hier geht es nicht um Spinner am Rand, sondern um Ideologien, die leise wachsen und tödlich enden können. Genau diese Nähe zur Realität macht das Buch so verdammt wirkungsvoll.
Bruno Cavalli verschwindet in einer völkisch-esoterischen Parallelwelt, und mit jeder Seite wird spürbarer, wie dünn die Grenze zwischen Beobachten und Verlorengehen ist. Die Regeln, die Rituale, das Gerede von Reinheit – das alles wirkt erschreckend plausibel. Petra Ivanov gelingt es, diese Szene ohne sensationslüsterne Überzeichnung darzustellen. Kein plattes Bösewicht-Theater, sondern Menschen, die glauben, im Recht zu sein. Und genau das macht Angst.
Regina Flint steht daneben, außen vor, abgeschnitten. Dieses Nichtstun-Müssen, dieses Warten, ob der andere noch lebt, frisst sich tief ins Herz der Geschichte. Die Dynamik zwischen Flint und Cavalli trägt den Roman emotional und hebt ihn deutlich über den klassischen Ermittlerkrimi hinaus. Da ist Vertrauen, da ist Zweifel, da ist diese leise Frage, ob beide noch dasselbe Ziel haben.
Sprachlich sitzt das alles trocken, präzise und ohne unnötige Umwege. Der Plot entwickelt sich kontrolliert, fast kühl, und schlägt dann punktgenau zu. Kein Wohlfühlkrimi, sondern einer, der hängen bleibt, weil er unangenehme Fragen stellt. Genau deshalb wirkt dieser zehnte Fall so stark und so aktuell.
Ein Buch, das nicht nur unterhält, sondern nachhallt. Und das ist im Krimi-Genre alles andere als selbstverständlich.