M ist tot. Barbara hat ihre geliebte Schwester verloren. Die Schwester, der sie in ihrer chaotischen Geburtsfamilie am nächsten stand, der sie alles anvertrauen konnte und die sie verstanden hat. Jetzt ist sie gestorben, ohne dass sie sie auf ihrem letzten Weg begleiten konnte, die Pandemie hat es nur möglich gemacht, sie in den letzten Tagen zu besuchen.
Der Tod der Schwester nimmt Barbara die Möglichkeit, das auszusprechen, was sie ihr noch sagen wollte. Das holt sie in jetzt nach. Auf unzähligen Spaziergängen durch den Griffith Park mit ihrem Hund formuliert sie Briefe, in denen alles steht, was sie M nicht mehr sagen konnte.
Gleich am Anfang sind mir die Hilflosigkeit und die Wut aufgefallen, die B empfindet. Es ist so viel passiert, über das sie mit ihrer Schwester nicht mehr sprechen konnte, obwohl sie ihre Hilfe so dringend braucht. Ein Sohn kämpft seit Jahren gegen die Sucht, B und ihr anderer Sohn stehen hilflos daneben. Es gibt kaum Kontakt zur anderen Schwester, die sich schon lange aus der Familie zurückgezogen hat.
Auch über diese Familie redet B. Über die Eltern, die sich so liebten, dass die älteste Schwester wie ein Störenfried in der Beziehung angesehen wurde und wie sehr M sich auf B, die neue kleine Schwester freute. Es war keine einfache Kindheit, die bei jeder der drei Schwestern Narben hinterlassen hat.
Für ihre Briefe wählt B eine interessante Herangehensweise. Am Anfang steht immer eine Pflanze oder ein Tier, das sie auf ihrer immer gleichen Runde sieht. Damit verknüpft sie das, was sie im jeweiligen Brief erzählt. Das meiste dreht sich um schwere Themen, was gerade am Anfang bedrückend ist. Aber nach und nach erzählt sie auch davon, wie sie aus den schweren Zeiten gelernt hat und stärker geworden ist. Es gibt Hoffnung, auch wenn gerade die Krankheit ihres Sohns immer ein Thema bleiben wird. Manchmal ist sie für mich ein wenig zu spirituell, das liegt aber daran, dass ich zu dem, was sie dann erzählt, eine andere Einstellung habe. Ich frage mich auch, ob sie mit ihrer Schwester so ehrlich geredet hat, als sie noch am Leben war.
Aber die Briefe erfüllen ihren Zweck. Nach und nach sind sie nicht mehr so wütend, sondern ich habe den Eindruck, dass B ihre Trauer zulässt. Vergehen wird sie nie, aber sie hat einen Weg gefunden, ihr einen Platz in ihrem Leben zu geben und sie kann sich wieder an ihre Schwester erinnern, ohne dass der Schmerz sie überwältigt.