Kein Ort gilt so sehr als Gegenstand der Literatur und als Tummelplatz für Literaten wie die ehemalige Reichshauptstadt – die Stadt im permanenten Ausnahmezustand. Der Traum des Dichters, sollte man meinen, wenn dieser nicht ein offensiver Liebhaber der Normalität, ein poptrainierter Anbeter der Gegenwart und der Oberfläche wäre, der in dieser Erzählung nun folgerichtig eine groteske Leidensgeschichte hinter sich zu bringen hat – eine selbstverständlich unglückliche Liebesgeschichte mit drei lesbischen Republikflüchtlingen ist da nur die Spitze des Eisbergs. Einem solchen Jammertal, so dämmert es unserem Mann bald, entsteigt man nur durch eine heroische Tat, die ultimative Aktion.
Thomas Meinecke wurde am 25.08.1955 in Hamburg geboren. Ab 1977 in München lebend, war er dort von 1978 bis 1986 Mitherausgeber und Redakteur der Avantgarde-Zeitschrift Mode & Verzweiflung. In den 80er Jahren erschienen in unregelmäßigen Abständen in der ZEIT Kolumnen von ihm, 1986 der Kurzgeschichten-Band Mit der Kirche ums Dorf. Es folgten die Erzählung Holz (1988) und die Romane The Church of John F. Kennedy (1996), Tomboy (1998), Hellblau (2001) und Musik (2004). Thomas Meinecke ist außerdem Musiker in der 1980 von ihm mitgegründeten Band Freiwillige Selbstkontrolle (FSK) und Radio-DJ in seiner Sendung Zündfunk (BR 2). 1994 zog er mit Frau und Tochter in ein oberbayrisches Dorf.