Jump to ratings and reviews
Rate this book

Cahier

Rate this book
»die Existenz musz poetisch sein.«

Friederike Mayröcker hat keine Zeit. Nicht für Resümee und Erinnerung, nicht fürs ausschweifende Betrachten und Räsonieren und erst recht nicht fürs Geschichtenerzählen. Sie hat noch nicht einmal Zeit für das Leben selbst, sofern es nicht das Schreiben ist. Was zählt, sind allein die Poesie und »die echoartigen Erfindungen« eines fast schon ein Jahrhundert währenden Lebens, die in ihren Schriften aufgehoben sind. Mag dieses Leben im Äußeren den Zumutungen der Endlichkeit aller menschlichen Existenz unterworfen sein – im Inneren und in seiner Transformation in den ewigen Augenblick wird es immer nur reicher an Formen des Erlebens: »(Die Jahre werden immer unglaublicher), die blauen, Schlitze des Himmels, bin sehr ambivalent.«

Nach den études, den »Fetzchen« und Splittern, schreibt Friederike Mayröcker nun ein »cahier oder Heftchen«, wie sie es nennt; es ist gleichzeitig der zweite Band einer Trilogie. In radikal konzentrierter Sprache und bezwingend schönen Bildern führt sie darin ein Leben vor, das nur einer Maxime folgt: »nicht nur das Geschriebene auch die Existenz musz poetisch sein«.

192 pages, Hardcover

First published October 20, 2014

14 people want to read

About the author

Friederike Mayröcker

109 books52 followers
Friederike Mayröcker (born 20 December 1924 in Vienna) is an Austrian poet. From 1946 to 1969 Mayröcker was an English teacher at several public schools in Vienna. In 1969 she took a release from working as a teacher and in 1977 she retired early.

She started writing as a 15-year-old. In 1946, she meet Otto Basil who published some of her first works in his avant-garde journal Plan. Mayröcker's poems were published a few years later by renowned literary critic Hans Weigel. She was eventually introduced to the Wiener Gruppe, a group of mostly surrealist and expressionist Austrian authors.

Friederike Mayröcker is recognized as one of the most important contemporary Austrian poets. She also had success with her prose and radio plays. Four of them she wrote together with Ernst Jandl, with whom she lived together from 1954 until his death in 2000.

Her prose is often described as autofictional, since Mayröcker uses quotes of private conversations and excerpts from letters and diaries in her work.

Mayröcker describes her working process as follows: "I live in pictures. I see everything in pictures, my complete past, memories are pictures. I transform pictures into language by climbing into the picture. I walk into it until it becomes language."

A German biographical movie documenting Mayröcker's life and work was released in 2008

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
4 (80%)
4 stars
0 (0%)
3 stars
1 (20%)
2 stars
0 (0%)
1 star
0 (0%)
Displaying 1 of 1 review
Profile Image for Susanne.
199 reviews41 followers
November 7, 2016
Ich lese momentan noch mehr Bücher gleichzeitig als sonst. Macht aber nichts. Ich lese immer abwechselnd, je nach Lust und Laune, was gerade in der jeweiligen Situation passt und sobald ein Buch einen gewissen Zug entwickelt, lese ich nur noch in diesem. Das war in den letzten Wochen nicht mehr so wirklich geschehen. Seit Die Liebe unter Aliens fühlte ich mich lesend ein wenig heimatlos. Was selten vorkommt. Im Normfall lese ich ein Buch nach dem anderen. Selten ein Vakuum. Dann, am Montag, plötzlich und für mich unerwartet die Mayröcker diesen Zug mit dem cahier (es ist der zweite Band einer Trilogie, zu der noch die Bände études und fleurs gehören) plötzlich entwickelt. Damit hatte ich nicht gerechnet. Immer mal wieder hatte ich in der Vergangenheit eine Seite darin gelesen und sie hatte mir eher wenig als viel gesagt. Ich war sogar zwischenzeitlich zu der Überzeugung gekommen, dass sie für mich zu jenen Autorinnen gehörte, mit denen ich nicht wirklich etwas anfangen konnte, obwohl sie natürlich gut sind. Es liegt an mir. Ich verstehe sie nicht. Und plötzlich kann ich nicht mehr aufhören, solche Sätze zu lesen wie: "Aus dem Staub, aus dem Müll, sagst du, aus dem tiefsten Unrat entsteigt der Rausch glühendster Blüten: ---" Jeder Satz spricht mir direkt aus der Seele und ich bin regelrecht verliebt in die Lektüre.
Ich schätze ihre filigrane und doch mit präziser Genauigkeit ins Ziel treffende Sprache, ihre zärtliche Eleganz, ihre traumwandlerische Sprachmelodie, die sie als Meisterin unter den deutschsprachigen Schriftstellern offenbart und mir die Frage aufdrängt, ob sie, warum sie nicht für den Nobelpreis im Gespräch war, aber auch die unglaubliche Reichhaltigkeit sowohl der Themen als auch der seelischen Noten. Dass die Mayröcker über 90 Jahre alt ist (genaugenommen wird sie am 20. Dezember 92 Jahre alt), das denkt man nicht. Obwohl man die ganze Fülle eines bewusst gelebten, eines intellektuell wach und emotional intensiv gelebten Lebens auf jeder Seite spürt. Das ist so unglaublich nährend. Lesen und sich nach jeder Seite rund und satt fühlen.

den Rest der Besprechung und meiner Gedanken könnte Ihr gerne unter http://lobedentag.blogspot.de/2016/11...
nachlesen
Displaying 1 of 1 review

Can't find what you're looking for?

Get help and learn more about the design.