Schriftstellerisch ein sehr ausgetüfteltes Buch! Es gibt (massive) Vor- und Rückblenden, Interviews, Briefe, archäologische Fundstücke, Videos (natürlich :)), alles zusammen eine Handlung schaffend, die so derbe in die Hose hätte gehen können, wenn sie nicht so genial zusammengeführt worden wäre.
Das Buch funktioniert auf mehreren Ebenen. Zuerst wäre da der Voyeurismus der Menschen. Natürlich will man absolut abartigerweise alles sehen und miterleben. Wenn man schon die Möglichkeit bekommt, warum nicht auch die Kreuzigung Jesu? Wie kann ein Autor dieses "Problem" lösen?
Zweitens ist da natürlich was alles unter dem Deckmantel der Religion passieren kann. Braucht es Fanatiker mit perfektem Bibelwissen und dem nötigen Kleingeld um etwas Vorhergesagtes, warum nicht gleich die Apokalypse, hervorzurufen? WEGEN der Religion und FÜR die Religion, aber viel wichtiger, für diesen Fanatiker selbst?
Drittens, wie weit geht man, um das eigene Kind zu retten? Noch besser, diesen elterlichen Instinkt kontrastieren zu lassen mit dem fehlenden elterlichen Instinkt des Fanatikers? Der sich nicht scheut seine Kinder zu opfern um das zu bekommen was er will, während andere Eltern sich selbt opfern, um das Kind zu retten? Wahn und Wirklichkeit wie Genie und Wahnsinn unweigerlich miteinander verbunden.
Wenn man als Schriftsteller die Möglichkeit bekommt, historische Ereignisse zu ändern, wie es Fiktionalität erlauben würde, wie geht man damit um? Ich finde, eine bessere Lösung, als sie Eschbach für sein Buch gewählt hat, hätte man eigentlich nicht wählen können. Es wird dem Leser sogar erklärt und von wem besser als von einem der es wissen muss?
Ich fand die erste Hälfte des Buches extremst spannend, dann der Teil mit der Apokalypse... den ich massivst in die Länge gezogen fand - da wäre ich beinah ausgestiegen - weil es irgendwie so abstrus war, und man wollte doch so gerne wissen wie es mit der Zeitreise voranging - versöhnt hat mich das Ende des Buchs, da ja nicht wirklich ein Ende ist, da gäbe es ja noch sooooo viel zu erzählen, was Eschbach auch hoffentlich noch tun wird.
Ich finde das Buch wirklich genial gemacht, einen Stern musste ich aber abziehen wegen dem bereits erwähnten "Kaugummi-Teil". Ich würde das Buch dringend empfehlen wollen. :)