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Drüben und drüben

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Zwei Deutschlands und zwei Jungen, fast zeitgleich geboren, nur nicht im selben Staat. Der eine wächst im Westen auf, unweit der Bundeshauptstadt Bonn, der andere im in Berlin, der Hauptstadt der DDR. Sie spielen in der Wohnung, im Garten, zwischen Plattenbauten oder auf Baustellen und warten darauf, dass endlich das Fernsehprogramm beginnt. Sie fahren Rad mit Freunden, klauen ihren Geschwistern Süßigkeiten und streiten sich mit ihnen auf der Rückbank des Familienautos um den besten Platz. Sie träumen von der Fußballnationalmannschaft, üben wieder nicht Klavier und hören in der Schule, «"drüben» sei die Welt schlechter.
Zwei der erstaunlichsten Schriftsteller ihrer Generation erzählen von der Jochen Schmidt, Jahrgang 1970, lebte in einem Neubaugebiet in Ost-Berlin, David Wagner, Jahrgang 1971, in einem Einfamilienhaus am Rhein. Von Kindheitsraum zu Kindheitsraum – Kinderzimmer, Wohnzimmer, Küche, Spielplatz, Viertel, Schule, bei Freunden, in den Ferien – durchmessen die beiden Meister der literarischen Alltagsbeobachtung ihre Vergangenheit. In unnachahmlich präzisen, aufeinander zu geschriebenen Erzählungen zeigen sie, was die eigene Kindheit links oder rechts der innerdeutschen Grenze ausgemacht Alles war politisch, aber was weiß ein Kind davon. So entsteht das deutsch-deutsche Panorama zweier Kindheiten, die sich voneinander unterscheiden und doch auch wieder nicht.

336 pages, Hardcover

First published January 1, 2014

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About the author

David Wagner

112 books13 followers
David Wagner (* 17. April 1971 in Andernach) ist ein deutscher Schriftsteller. Sein Werk umfasst Romane, Erzählungen, Gedichte, Feuilletons, sowie Prosaformen, die sich nicht eindeutig einer Gattung zuordnen lassen und wurde mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet.

David Wagner wuchs im Rheinland auf und studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte in Bonn, Paris und Berlin. Er hielt sich längere Zeit in Rom, Barcelona und Mexiko-Stadt auf und lebt derzeit (2013) als freier Schriftsteller in Berlin.

Bekannt wurde David Wagner durch seinen im Jahr 2000 erschienenen Debütroman Meine nachtblaue Hose, in dem er eine Kindheit im Rheinland der siebziger und achtziger Jahre des 20. Jahrhunderts schildert. Es folgten ein Band mit Kurzgeschichten (Was alles fehlt, 2002) sowie ein Gedichtband und zahlreiche Erzählungen, die er in der Reihe Schöner Lesen des Independent-Verlags SuKuLTuR veröffentlichte. Von 1999 bis 2001 schrieb Wagner Feuilletons für die Berliner Seiten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 2002 und 2003 eine Kolumne für Die Zeit.

2009 erschienen der Roman Vier Äpfel, der auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis stand, sowie der Roman Spricht das Kind. Wagner leidet unter einer Autoimmunhepatitis, aufgrund deren er auf eine Lebertransplantation angewiesen war. Diese Erfahrung verarbeitet er in dem Buch Leben, das aus 277 durchnummerierten Miniaturen besteht und den Preis der Leipziger Buchmesse 2013 erhielt. Er ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.

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September 9, 2019
Für den Teil von Jochen Schmidt hätte es vier Sterne geben sollen.
Für denjenigen von David Wagner mit viel gutem Willen zwei.
Im Schnitt sind somit leider nur drei Sterne zu vergeben.

Als jemand, die weder zeitlich noch räumlich weit von jedem der beiden Autoren (im westlichen Deutschland) aufgewachsen ist, war das Thema sowieso spannend. Das "Wendebuch zur Wende" hat zudem ein interessantes Konzept, insofern beide Autoren zu den selben gliedernden Kapitelüberschriften etwas zu Papier gebracht haben.

Der Westjunge David allerdings ist - das kann ich aus den o.g. Gründen der Zeitgenossenschaft sicher sagen - alles andere als ein archetypischer Vertreter, schon aus rein wirtschaftlichen Gründen. Es spricht nichts dagegen, einen Schriftsteller aus begütertem und privilegiertem Hause zu einem solchen Projekt zu bitten - aber es ist eine vertane Chance, wenn auch der heutige Erwachsene noch derart unreflektiert angeberisch (anders kann man es leider nicht nennen) seine (vermeintliche) Sonderstellung auf jeder Seite des Buches hervorheben läßt. So lief die Durchschnittskindheit der späten 70er und frühen 80er Jahre im Westen nicht ab. Und der Ton hat mir den Autor zudem extrem unsympathisch erscheinen lassen - durchgängig durch alle Kapitel. Auch die Wortwahl, die zum Teil - vor allem im aufkeimenden Sexualinteresse - sehr grob ist, mag dem damaligen Jugendlichen entsprechen, den Wagner hier nochmal aufleben läßt. Konsequenterweise hätte man sich dann aber gewünscht, daß auch andere, vor allem die aus heutiger Sicht geschilderte damals (fehlende) Wahrnehmung der DDR aus der Kindersicht mit Kinderworten geschrieben worden wären. Statt dessen gibt es sehr erwachsene Darlegungen, warum die muffige DDR für den damaligen Teenager eben auch so langweilig und öde, komplett uninteressant sein MUSSTE, wie sie ihm nun mal vorkam. Exkulpation des jüngeren Selbst - nein, trägt nicht zu wachsender Sympathie für den Autor und sein (halbes) Buch bei.

Den Ostteil von Schmidt konnte man dafür mit umso mehr staunendem Interesse und interessiertem Staunen lesen. Die DDR-Grenze war zu meiner eigenen Kindheit zwar keine 35km entfernt, aber der Vorhang gefühlt ausreichend eisern, als daß es mich heute überrascht, daß die Spiele bei Kindergeburtstagen, selbst die Sprache in Ostberlin an vielen Stellen exakt die selbe wie diejenige im Hamburger Osten war. In meinem heutigen hessischen Wohnort werde ich für den Begriff "Knallplätzchen" ausgelacht, den ich bei Schmidt - nach vielen Dekaden, in denen ich seltens an ihn dachte - nun wiederfinde. Mit einer gewissen Sozialromantik, sicherlich - aber mit deutlich mehr Sympathie für den Autor aus dem eigentlich gefühlt fernen, fremden Land DDR als für seinen "Counterpart" in der Bonner Republik.

Mein Tip: Den Teil von Wagner zunächst kursorisch lesen und dann den wunderbar trocken-lakonischen Teil von Schmidt als "Belohnung" dran hängen.
Profile Image for Melza.
13 reviews
September 1, 2022
Nette kleine Zeitreise in zwei Kindheiten in den 70er/80er Jahren in Ost- und Westdeutschland.
Profile Image for Steven Lawrie.
Author 6 books3 followers
Read
December 15, 2014
David Wagner/ Jochen Schmidt, Drüben und drüben: Zwei deutsche Kindheiten (Reinbek: Rowohlt, 2014), 336pp.

Towards the centre of this book lies a picture. Spread across a verso and recto leaf is a photograph of a wall of reinforced concrete with a small gap, the latter situated in the book gutter area. The image is a reminder of the existence of the Berlin Wall, while the small opening in the pictured wall suggests either the existence of a cultural porousness between the German Democratic Republic and the Federal Republic of Germany or, alternatively points towards the breakdown of the Wall in 1989 and the subsequent unification of Germany.

The photograph also marks the boundary between the two texts which lie on either side of this division – one written by David Wagner, born in 1971, who grew up in the Rheinland of the Federal Republic, and the other written by Jochen Schmidt, 1970, who grew up in East Berlin in the German Democratic Republic. The unusual use of this illustration is echoed in the rest of the design of the book. There are two front covers to this book, each respectively highlighting one of the two authors and each reversing the order of two further Berlin Wall pictures, one of these grey and dreary (the GDR side of the Wall), one sprayed with colourful graffiti (the FRG side). On the book spine, part of the title is turned on its head, while the text by Wagner and Schmidt are also upside down when compared to one another. Wagner and Schmidt (or Schmidt and Wagner) write ‘towards one another’, so to speak, and eventually meet on either side of the wall picture where page 151 (Wagner) and page 183 (Schmidt) meet – a fact which reveals immediately that Schmidt is the more loquacious of the two.

The two authors have agreed upon (or been set by the publisher) a series of topics (‘Kinderzimmer’, ‘Wohnzimmer’, ‘Küche’ etc. – children’s room/ bedroom, living room, kitchen) upon which they base their respective, although not so fundamentally different, recollections of childhood and adolescence in each of the two countries. Not surprisingly, perhaps, despite the existence of two separate German states the two accounts betray many commonalities in the description of the preoccupations and interests of childhood. Both accounts are marked, too, by the haunting memory of the fear of nuclear war, a very real fear which – as anyone old enough to remember will confirm – was not just restricted to the east and west of Germany in the Cold War era.

Readers unfamiliar with the division of Germany, or – perhaps more probably – with the history and culture of the German Democratic Republic (now more alien to democratic Europe than the pre-1990 Federal Republic) will be particularly interested in Schmidt’s description of the milieu and circumstances in which he grew up: the restrictions imposed by the state, the uncomfortable position of Schmidt’s religious family within that state, the lack of consumer goods, the fascination with (the quality of) all things (food, music, technology) which made their way from the west to the east.

One striking difference in the two accounts, which may or may not be taken as typical of the east-west divide, is the attitude to the respective neighbour. While Schmidt recalls a pronounced admiration of and interest in the Federal Republic, Wagner remembers a great lack of interest in his school class when the topic of the GDR was dealt with, and he continues: ‘Wiedervereinigung? […] Was hatten wir im Westen […] mit dem Osten zu tun? […] War die deutsche Teilung, fragte ich mich, nicht der gerechte Preis für den Krieg? […] Die Teilung war in Ordnung, mir fehlte nichts.’ (Engl.: ‘Unification? […] What did we in the west […] have to do with the east? […] Was the division of Germany, I wondered, not the just price to pay for the war? […] The division was fair enough, I wanted for nothing.’) Wagner’s sentiments in respect of the GDR, which, at least in the experience of the writer of this review, were far from unique amongst younger West German citizens in the period to which Wagner refers, suggest that by the 1980s and 1990s the German-German status quo looked unlikely to change and that the relationship between the populations of eastern and western Germany had become something akin to one of unrequited love. Hence, Wagner’s and Schmidt’s recollections of the day the Berlin Wall opened imply that the event came unexpectedly amidst the preoccupation of their daily routines, as these recollections are not marked by the monumental pathos of the televised scenes from Berlin: Wagner recalls the banalities of a Latin exam in school; Schmidt cites the unpleasant experience of early morning army kitchen duties, while his reaction to the news of the opening of the Berlin Wall is to note that he would have been more interested in having a few hours of sleep.

This publication, although timed, presumably by the publisher for marketing reasons, to coincide with the 25th anniversary of the opening of the Berlin Wall in 1989, is concerned less with the demise of the GDR, with the opening of the Wall and with the subsequent unification of Germany, but concentrates instead on two childhoods in states which at the time did not look at all as if they were moving towards one another.

This book, which was published in August 2014, is currently only available in the German language.


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