In Fascholand begibt sich Canberk Köktürk auf eine autobiographisch-investigative Reise durch ein Deutschland, das nicht nur Menschen mit Migrationsgeschichte das Fürchten lehrt. Seine erzählerisch angelegte Ermittlungsakte untersucht subjektiv und temporeich die Lage der Nation. Hass und Hetze, Rechtsruck und Rassismus vergiften das Land und treiben es an den Abgrund.
Köktürk sammelt Indizien, spricht mit Betroffenen und trägt Wissen von zusammen. Sein launiger und mit beißendem Humor getränkter Ton helfen zu verstehen, wie gefährlich die Lage geworden Unser Land inszeniert sich als wehrhafte Demokratie, setzt aber den strukturellen Problemen und der Radikalisierung im politischen Diskurs nichts entgegen. Ein rasanter und rasend wichtiger Text, der trotz der düsteren Diagnose Spaß zu lesen macht.
Sehr wichtiger und erschütternder Sachbuch-Krimi, Köktürks Humor hat nur nicht ganz mit meinem gematched und ich hätte mir ein paar Quellenangaben gewünscht.
Es war amüsant, dat muss ich schon sagen. Jedoch kam leider sonst nur immer das und genau das, was ich erwartet habe. Politische Phrasen in ganz alltäglichen Erzählungen und Erlebnissen eingebettet. Die Meinung des Lesers soll gleich auf Kurs gebracht werden. Herr Koktürk erzählt wie er die Dinge um sich rum so wahrnahm, ohne dabei zuviel eigene Meinung wiederzugeben und was dabei rauskommt ist eben genau das was man erwarten konnte: man spielt die Opferrolle, zählt auf was man alles durchmachen musste, was man alles aufgeben musste um sich zu integrieren usw. Wieder diese Identitätskrise die nichtdeutsche in Deutschland ständig durchmachen. Wirklich sehr schlimm wie die Deutschen oder die "Weißen" - umgekehrter Rassismus wie hier manchmal gebraucht wird - einfach erwarten die eigene Identität, also z.B. den Slang, die "brudas" und "diggas" in einem Büro, wegzulassen. Wird in der Türkei etwa nicht erwartet dass man sich sprachlich anpasst?
Dann zählt Herr Koktürk auf womit er als Türke, Entschuldigung Deutschtürke, alles immer so durch den "positiven Rassismus" assoziiert wurde: "Das ging von großen Familien im Mehrfamilienhaus mit ihrem vielen Verwandtschaftsbesuch und dem mit Schuhen zugestellten Flur über die rechtspopulistische Propaganda zu frauenfeindlichen Moslems bis hin zu 9/11 oder die Belagerung von Wien durch die Osmanen im sechzehnten Jahrhundert. Eine irrwitzige Gedankenkette, allein ausgelöst durch den Anblick meines schwarzen Barts!" An solchen Stellen war ich des öfteren verwirrt. Wer viel Lebenserfahrung hat weiß dass gerade all das was er da aufgezählt hat einen sehr hohen Wahrheitsfaktor hat, gerade das mit dem Verwandtschaftsbesuch z.B. Das ist doch zunächst weder schlimm noch beleidigend, so sind sehr viele Türken nun mal. Ich weiß also gar nicht wieso diesen Umstand als nicht Nichttürke zu erwähnen plötzlich rassistisch ist? Und was ist rassistisch wenn man einen türkisch-stämmigen auf die Belagerung von Wien anspricht? Ich mein... sie haben Wien nun mal belagert und das ist Geschichte, warum darf man einen türkisch-stämmigen darauf nicht ansprechen oder damit assoziieren? Immerhin stammt er aus jenem Volk ab und er hätte an der Belagerung genauso teilgenommen wäre er in jenen Zeiten geboren.
Solcherart Verwirrung war ich konsequent ausgesetzt bis ich endlich begriff dass hier eigentlich politische Polemik in eine bestimmte, also linke Richtung betrieben werden soll. Der Grund? Die Rassisten und Faschos sollen endlich zum Schweigen gebracht werden, ja der Gedanke an unterschiedliche Rassen soll ganz verboten werden und jede kleinste Kritik gegenüber nichtdeutschen - an der Stelle versteh ich auch nicht, als was sich Koktürk denn jetzt identifiziert - soll im Keim erstickt werden. Einerseits sagt Herr Koktürk er sei deutsch, aber Deutsche neigen doch oft zum Rassismus, er also auch wenn er Deutsche kritisiert? Ich als Polin darf also keine Türken oder deren geschichtlichen Gräueltaten kritisieren weil das rassistisch ist, aber deutsche Gräueltaten schon?
Ihr seht das Buch ist verwirrend ohne Ende. Es hinterlässt ein politisches Rauschen im Kopf wenn man einfach nur gesunden Menschenverstand hat und nicht politisch denkt. Ich selbst denke sowohl die Linken wie auch die Rechten sind beide meistens Idioten, aber natürlich kritisieren beide Seiten Dinge die wahr sind. Die Linken kritisieren genau wie Herr Koktürk an vielen Stellen die neoliberalen Zustände, die mehr zerstört haben als manche sich das das vorstellen können und sie haben Recht. Die Rechten kritisieren die Massenmigration, die viele Opfer und Probleme mit sich brachten und auch sie haben Recht. Aber beiden entgeht der gesunde Menschenverstand sobald sie anfangen Narrative und Framework zu betreiben.
Genau das wird hier von vorn bis hinten betrieben. Ich halte Herr Koktürk auch nicht für allzu ehrlich, viele seine Erzählungen wirken gestellt um gewisse Bilder hervorzurufen. Natürlich gibt es deutsche Rassisten und Rechte aber es auch türkische Rassisten und Rechte, sehr viel sogar. Ich kenne Türken die einen krankhaften Nationalstolz bezeugen. Und solche Figuren fehlen hier komplett, obwohl sie alles andere als rar sind.
Dann erzählt Herr Koktürk auf wie wütend und emotional er wird, wenn er Männer die ihn vorher gefragt hatten wo er ursprünglich herkomme laut lachen. Jemandem diese Frage zu stellen ist jetzt also auch rassistisch? Einem türkisch-stämmigen mit Mashallah oder Habibi zu kommen ist stereotypisch? Ja aber so reden doch nun mal mega viele von ihnen... Wenn sie damit nicht assoziiert werden wollen warum tun es dann so viele? Warum ist das jetzt rassistisch? Ich werde von Türken so oft mit Sallam Aleikum gegrüßt und wenn ich dann sage Mashallah Bruda bin ich rassistisch...
Der Schreibstil ist lockerflockig und für mich langweilig.
Naja wie dem auch sei, politische Bücher waren aus gutem Grund nie was für mich. Ich halte mich lieber an Fantasy und Klassiker.
Fascholand von Canberk Köktürk ist in unserer heutigen Zeit ein unfassbar wichtiges Buch, das eigentlich jede und jeder lesen sollte. Es ist klug, inhaltlich dicht und gleichzeitig so eindringlich und lebendig erzählt, dass man durch die Seiten fliegt oder, im Falle des Hörbuchs, dem Sprecher stundenlang gebannt zuhört. Was dieses Buch besonders macht, ist die Verbindung von politischer Analyse mit persönlicher Erfahrung. Köktürk schreibt mit einer schonungslosen Offenheit über seine eigene Geschichte, seine Verletzlichkeit und auch über die Belastungen seiner mentalen Gesundheit während des Schreibprozesses. Das hinterlässt bei mir ein Gefühl aus Wut über die gesellschaftlichen Verhältnisse, Trauer über das erlittene Leid, Verständnis für die geschilderten Kämpfe und zugleich den tiefen Wunsch, den Autor für seinen Mut zu umarmen. Fascholand zeigt, wie wichtig es ist, Diskriminierung und Machtstrukturen intersektional zu betrachten. Rassismus, Klassismus, Sexismus und weitere Unterdrückungsformen greifen ineinander und können nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Dieses Buch gehört für mich zu den besten und wichtigsten, die ich in diesem Jahr gelesen habe.
Fascholand „Ein guter Mensch zu sein, ist unglaublich anstrengend und erfordert Fehler, Eingeständnisse und Zeit.“ Für Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Deutschland ist es doppelt so anstrengend. Von uns wird so viel verlangt – und das immer wieder. Manche erleben es folgendermaßen: „Meine Religion, meine Traditionen, meine Sprache, Familie und FreundInnen – alles hatte ich auf diesem Weg aufgegeben, um als Teil meiner Heimat anerkannt zu werden. Nichts Geringeres wurde von uns verlangt.“ Und doch erfährt man oft: Zugehörigkeit wird einem verweigert. „Das Gefühl der Nichtzugehörigkeit war alltäglich für mich. Mit diesem Gefühl bin ich in Deutschland groß geworden.“ Canberk Köktürk beschreibt in seiner „Ermittlungsakte“ Fascholand die aktuelle Lage in Deutschland. Er verbindet politische Analyse mit persönlichen Erfahrungen, Fakten mit der deutschen Geschichte. Er rechnet mit Deutschland ab und benennt klar, was viele nicht auszusprechen wagen. Köktürk erzählt von seiner Kindheit, seinen Eltern, seiner Verletzlichkeit und davon, wie das Leben in Deutschland seine mentale Gesundheit beeinflusst. „In erster Linie stand Deutschland für meine Heimat, die mir wöchentlich mindestens eine Identitätskrise bescherte. Ich hatte mich in diesem Land nie wirklich zu Hause fühlen dürfen. Doch in letzter Zeit wurde die Lücke in meinem Herzen – dort, wo ein wohliges Gefühl liegen sollte – immer größer, obwohl ich mich jeden Tag assimilierte.“ Die gelesenen Zeilen hinterlassen Wut, Trauer, Angst – und noch viel mehr. Köktürk ist mutig, diese Themen in aller Offenheit auf Papier zu bringen. Dafür verdient er Standing Ovations und eine ganz feste Umarmung. „Deshalb hatten auch viele Migrantinnen der ersten und zweiten Generation zwar gespürt, dass sie diskriminiert wurden, konnten es aber nicht wirklich verbalisieren. Es fehlten Ressourcen, Achtsamkeit und mutige Stimmen, die darauf aufmerksam machten.“ Leider ist das in vielen Bereichen noch immer so – und bekommt kaum Beachtung. Fascholand ist ein unfassbar wichtiges Buch, das gelesen werden muss. Es bringt vieles auf den Punkt, regt zum Nachdenken an und fordert dazu auf, gesellschaftliche Missstände nicht zu ignorieren. Canberk Köktürk erzählt von seinem Alltag und seiner Geschichte mit solcher Offenheit, dass man das Buch nicht so schnell vergisst. Der Satz „Wir werden hier sterben“ bleibt dabei erschütternd im Gedächtnis (Gözyaslari pit 😭). Danke, Canberk, für dieses mutige und bewegende Buch.
10 von 10! Wer ein Buch über Deutschland lesen möchte, sollte das hier nehmen. Spannende Herangehensweise für durchaus bekannte Themen und wichtige Impulse. Köktürks Theoriezusammenfassungen fand ich extrem gut, ebenso die Schilderungen der Gespräche mit den Interviewpartner:innen. Der Humor des Autors hat mir das Thema erträglich gemacht, ich habe stellenweise sehr gelacht. Was vielleicht auch ein Problem ist, weil leider anscheinend viel zu viele Menschen diesen abgefuckten Fachoscheiß ertragen (können).
"Fascholand" ist ein wütendes, ironisch erzähltes Zeitzeugnis über Rassismus, Rechtsruck und mediale Verharmlosung in Deutschland. Köktürk verbindet autobiographische Beobachtungen mit investigativen Recherchen und schafft so ein subjektives, temporeiches Porträt eines Landes, das sich als wehrhafte Demokratie inszeniert, aber strukturellen Problemen oft wenig entgegensetzt.
Der Ton ist bissig, sarkastisch und unterhaltsam – was das Zuhören angenehm macht, aber den Zugang zu den ernsten Themen nicht immer erleichtert. Als Einstieg in die rassistische Geschichte Deutschlands ist das Buch weniger geeignet, dafür ist es zu aktuell und zu kommentierend. Es lebt von der Gegenwart und wird in einigen Jahren vor allem als Zeitdokument interessant sein.
Inhaltlich bietet es keine völlig neuen Erkenntnisse, doch die Perspektive eines migrantischen Medienschaffenden ist ein grosser Mehrwert. Besonders stark ist die Kritik an der Medienlandschaft: die Zurückhaltung gegenüber Politiker*innen, das Hofieren verfassungsfeindlicher Positionen und die einseitige Berichterstattung zum Nahostkonflikt und dem Genozid in Gaza werden mutig und klar benannt.
Empfehlenswert für alle, die sich bereits mit Rassismus und Medienkritik auseinandergesetzt haben und eine frische, wütende Stimme hören möchten, die nicht belehrt, sondern anstösst.
Vielen Dank an NetGalley und den Hörbuch Hamburg Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
In FASCHOLAND geht Canberk Köktürk der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Lage Deutschlands auf den Grund. Verfasst ist das Buch in Form einer Ermittlungsakte gegen Deutschland. Innerhalb dieser Akte geht er auf eigentlich alle relevanten politischen Ereignisse der letzten Zeit ein, und versucht einzuordnen, inwiefern wir es hierbei mit Faschismus zu tun haben.
Für ein Sachbuch liest/hört sich das Ganze überraschend gut weg. Das liegt unter anderem daran, dass Köktürk mit einer humorvollen Art aus seiner eigenen Perspektive schreibt und von seinen Ängsten berichtet, anstatt nüchtern und sachlich Fakten herunterzubeten. Er wird dabei auch nicht allzu theoretisch, weshalb sich das Buch auch für Menschen gut eignet, die sich nicht ganz sicher sind, ob sie sich an ein solches Buch heranwagen sollen. Mir persönlich war es stellenweise ein bisschen zu dünn, weil ich mich selbst in letzter Zeit viel mit dem Thema auseinandergesetzt habe. Dennoch fand ich es lesenswert.
Vielen Dank an Netgalley und Hörbuch Hamburg für das kostenlose Rezensionsexemplar!
Deutschland wird zum Detektivfall. Irgendwie wird alles immer rechter und rassistischer. Ist das schon Faschismus? Woran können wir es festmachen? An Medien, die sich vor Nazis und Konservativen wegducken und ihnen immer mehr eine Bühne geben. An rechter Gewalt, die zunimmt. An dem Bundestagswahlkampf dieses Jahr, an dem (fast) alle Parteien für Abschiebungen geworben haben. An nie aufgearbeitetem Rassismus und Verbrechen in der Kolonialzeit. An einer fehlenden Entnazifizierung. An einer Erinnerungskultur, bei der es nicht um die Opfer, sondern mehr um das Image der Täter:innen geht.
Wichtigste Erkenntnis aus dem Buch für mich: eine rechtspopulistische Regierung oder einen rechter Politikwechsel ist noch näher als gedacht. Rechtspopulist:innen wie die AfD, wie Trump, Orban und Co. werden das System nicht stürzen und eine Diktatur aufbauen. Sie nutzen das bestehende System, kaufen und lenken die Medien, sie argumentieren im Sinne der Demokratie sich selbst als die wahren Demokrat:innen und lassen sich wählen.
Eine spannende, informative und zugleich persönliche Detektivgeschichte, die mich schmerzhaft wieder aufgerüttelt und in die Realität gebracht hat. Widersetzen statt wegschauen 161
Ein wirklich gelungenes Buch, das ich nur empfehlen kann. Der kleine Abzug liegt daran, dass mir an einigen Stellen Literaturhinweise oder Belege gefehlt haben, um die Aussagen noch stärker abzustützen. Aus diesem Grund 4,5 Sterne.
Davon abgesehen hat mich das Buch sehr beeindruckt: Es schafft es, die Thematik der aktuellen Politik in Deutschland und die Aufarbeitung der deutschen Geschichte auf eine andere, sehr zugängliche Ebene zu bringen. Es bewegt sich zwischen Sachbuch und Erzählung, vermittelt gleichzeitig historische Zusammenhänge und macht deutlich, wie Betroffene die heutige Politik erleben.
Für mich ein super, super gelungenes Werk, das mehr Menschen in Deutschland in die Hand nehmen sollten!!
Ok, wer in der Thematik drin ist, erfährt wahrscheinlich nicht viel Neues. Für alle anderen ist das Buch ein guter Einstieg in das Thema „wie rechts ist Deutschland“. Viele Fakten in einer kurzweiligen Geschichte verpackt mit einer unterhaltsamen Erzählweise.
„Es ist die Bereitschaft, andere Menschen zu opfern, um eine Illusion von Freiheit aufrechtzuerhalten, die zugleich die Freiheit von anderen einschränkt.“
Ein sehr starkes Buch, auch wenn es bei Zeiten sehr ernüchternd ist — aber womit sollte man bei diesem Thema auch sonst rechnen?
„zuständige Ermittler:in = alle“ hat Dinge mit mir gemacht ( das Hörbuch ist auch sehr sehr sehr gut aufgenommen, kann ich empfehlen )
"Wir sind hier immer noch in Deutschland!" Dieser Satz bewegt was in Canberk Köktürk. Und er findet keine Ruhe mehr. Ist Deutschland rassistisch? Hat die Nation überhaupt was gelernt? Und wie geht es Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland? In seiner angelegten Ermittlungsakte macht sich Canberk Köktürk auf Spurensuche. Und die tut nicht nur ihm weh.
"Fascholand" ist mir (Achtung! Flachwitz) ins Auge gefallen. Und die Kurzbeschreibung hat mich neugierig gemacht. Denn obwohl ich glaube, dass ich mir einiger Dinge wie internalisiertem und strukturellen Rassismus bewusst bin, war ich auf die Sichtweise des Autors gespannt.
Und diese Sicht ist schonungslos offen, hart und getrieben von dem Wunsch nach Bewusstmachung und der gleichzeitigen Erkenntnis, dass marginalisierte Menschen wieder mehr leisten müssen, um überhaupt gesehen zu werden. Canberk Köktürk nimmt eine Rücksicht auf mögliche Befindlichkeiten. Er benennt die Fakten und schaut nicht nur auf Rassismus, sondern auch aufs Patriarchat, Kapitalismus, Bildung und Feminismus. Tut das weh? Ja. Muss es weh tun? Auf jeden Fall!
Sprecher Raschid Daniel Sidgi verleiht Köktürks Buch Ausdruck und Kraft. Beim Hören fühlte ich mich wie in einem Dialog, auch wenn ich nichts zu sagen hatte. Das fand ich großartig.
Eine klare Empfehlung für alle, egal für wie aufgeklärt man sich hält!
In einem großartig humorvollem und lockerem Schreibstil ermittelt Canberk Köktürk als selbsternannter Ermittler gegen Deutschland und geht der Frage nach, ob Deutschland sich jemals dem Faschismus wirklich abgewandt hat und wie weit fortgeschritten der Weg hin in eine illiberale Demokratie Deutschlands ist.
Das Buch ist beängstigend, wenn man sich der Faktenlage bewusst ist, und dennoch ist es sehr persönlich und auch lustig, weil wie sonst wäre es sonst erträglich? Besonders die Teile zum Aufbau des Bundesnachrichtendienstes und die schrecklichen Zitate der AfD haben es in sich! Auch die Expert*innen Interviews von renommierten Forscher*innen hinzu zu erfahren Taxifahrern sind hervorragend aufbereitet und nacherzählt.
Am Ende fragt man sich, warum eigentlich wirklich niemand gegen Deutschland ermittelt? Es ist längst an der Zeit! Oder ist es bereits zu spät?
P.S. Auch sehr empfehlenswert als Hörbuch. Wahrscheinlich mit die beste Stimme voller Emotionen, die ich je ein Buch vorlesen gehört habe. Ich habe abwechselnd gehört und gelesen.
In „Fascholand“ nimmt Canberk Köktürk seine Leser:innen mit auf eine schonungslose investigative Reise. Ausgangspunkt ist die provokante Frage: „Sind wir hier immer noch in Deutschland – oder schon im Fascholand?“ Stück für Stück legt er dabei offen, wie tief autoritäre, rassistische und ökonomische Strukturen in unsere Gesellschaft eingewoben sind. Sein Fazit ist unbequem: Faschistische Strukturen haben sich lediglich einen neuen Namen gegeben und passen sich den zeitgenössischen Machtverhältnissen an. Kapital und Macht sind, so seine These, käuflich und sichern sich durch Einflussnahme auf politische Strukturen fortwährend ab. Köktürk deckt auf, wer von Unterdrückung profitiert, wie Medien, die aus Angst vor ökonomischen Verlusten teils gewollt, teils ungewollt Propaganda verstärken und Menschen mit Migrationsgeschichte in ein begrenztes Selbstbewusstsein sozialisiert werden. Er erklärt nicht nur die Bewegung und Dynamik dieser Strukturen, sondern konfrontiert mit der Frage wie viel Kontinuität es zwischen historischen und heutigen Machtverhältnissen gibt. Definitiv keine leichte Urlaubslektüre, sondern ein Plädoyer für das Hinsehen und Verstehen und letztlich für Veränderung.
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Ich fand es so gut, ich werde es sogar meiner Mutter zum lesen geben.
Nein ernsthaft, durch das Buch hab ich ein bisschen einen Crush auf Canbi der so reflektiert, verantwortungsbewusst und dabei aber auch noch cool und witzig ist. Ich hab gelernt, dass unser Problem mit dem Rechtsextremismus mit dem Kolonialismus angefangen hat und nur weil wir eine Demokratie haben, wir noch lange nicht vor faschistischen Strukturen gefeit sind. Wir sind diejenigen die aufarbeiten müssen was passiert ist, weil unsere Großeltern fucking Nazis waren und einen Scheiß reflektiert haben. Wir müssen handeln: erinnern und aufklären!
Wirklich witzig, wenn es den eigenen Humor trifft - und eine gute autobiografische Zusammenfassung/Resümee der politischen Geschehnisse des letzten Jahres und den dazugehörigen Kontext.
Aber auch sehr anekdotisch und nicht so tiefgehend.
Bitte als Pflichtlektüre in der Schule einführen!!!! Eine nachhaltige und zum Denken anregende Mischung aus persönlichen Erfahrungen und wissenschaftlicher/ politischer Ausarbeitung. Mir gefällt der harte, schonungslose und zynische Schreibstil des Autoren sehr. In dem Buch werden wichtige Ereignisse in der Geschichte Deutschlands ab 1945 aufgegriffen und in den aktuellen gesellschaftlichen und politikwissenschaftlichen Kontext gesetzt. Das Buch tut weh beim lesen und das ist wichtig. Man sollte sich in Anbetracht des Rechtsruck in Deutschland mit genau den Themen des Buches beschäftigen, Haltung zeigen und nicht wegschauen.
Fascholand – Wir sind hier immer noch in Deutschland von Canberk Köktürk ist ein Sachbuch anderer Art – kein trockenes Lehrbuch, sondern ein investigativer Sachbuchkrimi. Das Buch ist als Reihe von „Fallakten“ aufgebaut, die einzelne Fälle und Zeug:innenberichte zusammenführen. Expert:innen wie Professor Roger Griffin und Betroffene wie Mirza Odabaşı machen die Geschichten besonders eindrücklich. Genau diese Mischung macht das Buch so besonders: Man spürt die Bedrohung, erlebt die Fälle hautnah und kann gleichzeitig über die schrägen, manchmal absurden Momente schmunzeln. Jede:r von uns könnte theoretisch eine eigene Fallakte hinzufügen – ein kraftvoller Appell, Rassismus und Rechtsextremismus ernst zu nehmen. Ich wünsche mir mehr solcher Bücher, die Wissen, Spannung und Empathie so gekonnt verbinden.
4-5 Sterne. Die einzige Kritik ist, dass ich mit dem ständigen Wechsel aus Intimität und Inhalt nicht zurecht gekommen bin. Ansonsten sehr authentisch geschrieben, Canberk Köktürk hat es in seiner Akte geschafft relevante Themen verständlich runter zu brechen. Man kann sich durch die vielen persönlichen Anekdoten sehr gut in ihn hinein versetzen. Das Buch macht wenig Hoffnung und Freude auf die Zukunft.
Bei all den Bewertungen fehlen mir viele andere Punkte außer die Rassismuserfahrungen des Autors. Das ist eine humorvolle, satirische, hochgradige politische Analyse und am Ende eine klare Kritik am Kapitalismus. Auch wenn man politisch nicht der Meinung des Autors ist, sind die Herleitungen über die Theorie (Adorno/Arendt/Trotzki und Griffin) bis hin zur aktuellen politischen Lage in Deutschland (Sozialstaat Abbau/ Migration) sehr stark und analytisch. Plus humorvoll und paar Hot Takes mit historischen Zusammenhängen. Das erzählerische macht Spaß! Man könnte meinen es ist eine sehr gute Kolumne, die 320 Seiten lang ist! Freu mich auf seine nächsten Werke!
"Fascholand" von Canberk Köktürk, gesprochen von Raschid Daniel Sidgi, zeigt in knappen, scharfen Zügen auf, wie sehr Deutschland noch immer mit Rassismus, Rechtsruck und strukturellen Ausschlüssen ringt. Köktürk, 1990 im Ruhrgebiet als Kind einer türkischen Gastarbeiter:innenfamilie geboren, bringt aus eigener Erfahrung und mit journalistisch-investigativem Ansatz seine Analyse aufs Papier. Sidgi als Sprecher gibt der Mischung aus Ernst, Wut und Ironie eine beeindruckende Stimme.
Worum geht’s genau?
Köktürk begibt sich in Fascholand auf eine autobiographisch-investigative Spurensuche durch ein Deutschland, das Menschen mit Migrationsgeschichte zunehmend als Zwangsheimat erleben. Er verknüpft persönliche Erlebnisse mit Gesprächen mit Betroffenen, Expert:innen, mit Fakten und Zahlen, um aufzuzeigen, wie Hass und Hetze, Rechtsruck und Rassismus das Land vergiften. Ein Leitsatz zieht sich durch: „Wir sind hier immer noch in Deutschland.“ – basierend auf einem Erlebnis des Autors, ein Hinweis darauf, dass trotz aller Zugehörigkeit die Erfahrung von Ausgrenzung und Nicht-Ganzdaheimsein bestehen bleibt. Er macht deutlich: „Wo Träume wahr werden, werden auch die Albträume vieler, der ausgegrenzten, der Unterprivilegierten wahr.“ (Zitat aus dem Buch) Neben der Analyse von politischen und gesellschaftlichen Strukturen beleuchtet Köktürk die Rolle marginalisierter Gruppen, wie ökonomische Krisen als Bühne für Sündenbock-Narrative dienen, wie Sprache und Normalisierung diskriminierender Strukturen wirken, und warum der Diskurs links/mitte/rechts komplexer ist, als er oft dargestellt wird. Die Hörbuchfassung dauert ca. 7 Std 40 Min. (ungekürzte Ausgabe) und wird von Sidgi mit entsprechender Würde und Energie vorgetragen.
Meine Meinung
Ich wollte das Buch eigentlich nicht lesen (bzw. hören) – der Klappentext sprach mich iwie nicht ganz so an. Aber ich habe mich dann doch nicht zuletzt aufgrund der Empfehlung durch Julia (@chuliakaya) dazu hinreißen lassen … und zum Glück! Das Buch ist es nämlich echt wert. Es besticht vor allem durch die Herangehensweise, in der der Autor sowohl persönliche Erlebnisse aus der Vergangenheit und Gegenwart, Gespräche mit Freundinnen und Expert:innen, aber auch Fakten und Zahlen miteinander in Verbindung bringt und so eben ein sehr versiertes und differenziertes Bild von Fascholand zeichnet.
Ich bin zwar aus Österreich, aber gerade in geschichtlicher Hinsicht unterscheiden sich D und AT nicht sehr oft; im Gegenteil: Österreich ist ja oft noch konservativer unterwegs, von daher kann man vieles auch hier übertragen. Besonders spannend war für mich die Diskussion rund um Links, Mitte, Rechts – die es so nicht gibt – und warum die AfD aktuell trotz allem immer noch als demokratische Partei angesehen werden kann. Der Sprecher des Hörbuchs ist perfekt gewählt: Er transportiert die Mischung aus Ernst, Wut und Ironie so überzeugend, dass die Inhalte noch stärker wirken.
"Fascholand" ist unbequem, anstrengend, wichtig. Es fordert volle Aufmerksamkeit und genau das macht es meiner Meinung nach so stark. Köktürk legt den Finger in die Wunde einer Gesellschaft, die sich für modern hält, aber noch immer weiße, christliche, heteronormative Normen als Maßstab setzt. Besonders freue ich mich über die gendergerechte Sprache, ein Aspekt, der für mich heutzutage nicht mehr verzichtbar ist. Und: die Form als Klageschrift ist super gewählt. Vor Gericht steht? Deutschland als Land. "Ein Meister darin zu sein, sich selbst zu verlieren und dafür Komplimente bekommen?", lautet ein provokantes Zitat, das zeigt, wie Selbstaufgabe und Anpassung von marginalisierten Gruppen häufig als Leistung gefeiert werden und wie problematisch das ist. Köktürk erinnert uns daran: „4 Jahre nach Gründung des Bundesinnenministeriums waren 40 % der Mitarbeiter:innen Nazis.“ Ein Satz, der erschüttert und zugleich nicht einfach als historische Anekdote abgetan werden darf. Und er mahnt: „Wo Träume wahr werden, werden auch die Albträume vieler, der ausgegrenzten, der Unterprivilegierten wahr.“ Das trifft ins Mark. Allerdings und das ist mein einziger wirklicher Kritikpunkt ist das Buch in der Sprache nicht immer niederschwellig. Wer sich nicht einigermaßen mit politischen Begriffen, Strukturen oder Diskursen auskennt, könnte sich stellenweise überfordert fühlen. Die Kombination aus lange Zeit erklärungsbedürftigen Begriffen, Divergenzen und persönlichen Erfahrungsberichten fordert.
Fazit
"Fascholand" ist eine kraftvolle und brennend relevante Hörbuch-Erfahrung, die wirksam aufrüttelt und zum Denken bringt. Ich empfehle es allen. Punkt. Denn die Themen Rassismus, Identität, gesellschaftlicher Normierung und Machtstrukturen gehen uns alle an, nicht nru diejenigen, die sich tagtäglich schon unfreiwillig damit auseinandersetzen müssen.
Ich danke herzlich Netgalley Deutschland und dem Hörbuch Hamburg Verlag für das Rezensionsexemplar.
Tja ja, noch so eins von diesen "ich bin anders als andere Kanacken" Büchern, nur mit etwas weniger Vulgärsprache: ein "schwitzender Arsch" hier, ein "Wichser" dort, aber gut, muss ja authentisch sein. Der Autor beschwert sich am laufenden Band über mangelnde Differenzierung, schreit aber non stop "Alles Nazis" herum. Es fiel mir auch auf, dass wichtige Punkte, die zu einem Verständnis der gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahre führen könnten, in der "Ermittlungsakte" des Autors komplett fehlten. Warum übt der Berufsmigrant der ja doch hier geboren ist denn nicht auch mal Kritik an all den Umständen, die den Rassismus fördern, wie etwa die steigende Kriminalität auf den Straßen und die größere Unsicherheit vulnerabler Gruppen vor arabischen und türkischen Gruppen und Gangs? Ob nun religiös verbrämten Terroranschläge, ob nun Ereignisse wie zu Silvester in Köln, die vielen Vergewaltigungen und Belästigungen in den Schwimmbädern wie in Gelnhausen, usw. Darf man darauf im Umkehrschluss auch aufmerksam machen oder ist das dann auch gleich wieder Rassismus?
Der Köktürke will über Rassismus aufklären, will aber nicht erkennen dass Rassismus eher selten einfach nur willkürlich und aus Unwissenheit entsteht. Wenn Eltern eines 16 jährigen Mädchens, dass von 5 Migranten in einem Schwimmbad missbraucht wurde rassistisch werden, tja, auf solche Umstände geht Köktürk nicht mal ansatzweise ein. Oder all die zahlreichen Messerattacken, die die sonst so migrantenfreundlichen und verlogenen Medien ständig überall berichten, führen die nicht auch zum Rassismus?
Nein, nein. Bei Köktürk geht aller Rassismus einfach aus einer Dummheit der "Weißen" heraus. Ständiges Rumgejammer über die bösen Nachbarn am Kiosk, die in ihm eben einen Türken und keinen Deutschen sehen wollen, sein Geheule dass er im Büro nicht seinem Türken Slang gebrauchen kann und wie schlimm es ist sich sprachlich anpassen zu müssen, wie doof es ist eine nationale Identität zu finden, da man ja eben Türke ist, aber hier geboren, usw. usw.
Ich bin selber nicht ethnisch deutsch, bin Jude und scheine mich mit meinem Dasein hier mehr als nur arrangiert zu haben. So schwer ist das nicht. Erwachsen müssen diese Berufsmigranten werden.