Isabelle und Annika haben verlernt, miteinander zu sprechen. Nun, am Sterbebett ihrer Mutter, müssen sie es tun. Auch ihre Tante Dagmar ist da. Drei Frauen, drei Einzelkämpferinnen. Und noch während sie sich an das Gefühl herantasten, als Familie zusammenzugehören, launcht ein internationaler Tech-Milliardär seine Idee einer revolutionär neuen Gemeinschaft. Er will der Gesellschaft ein Update verpassen. Per App. Und alle können sich dabei einbringen. Der Start für das Projekt soll ausgerechnet hier bei ihnen in Weimar. Schon Tage später sind die drei Teil in einer öffentlichen Debatte. Denn was da auf sie zukommt, klingt so vielversprechend wie rätselhaft. Ist das der Neustart für die Demokratie? Oder der Anfang vom Ende?
3.5 Sterne. Die Geschichte der drei Frauen zwischen Sterbebett der Mutter/Schwester und dem Launch einer Demokratieapp lässt sich gut runterlesen. Ich hätte mir noch mehr Tiefe in der persönlichen Geschichte gewünscht, kam mir schon etwas komisch vor dass die App den Tod so sehr überschattet hat, ein paar mehr Gedanken besonders zu den Mutter-Tochter Beziehungen wären angebracht gewesen. Ansonsten gefielen mir die unterschiedlichen Perspektiven gut. Die Medieneinachübe fand ich etwas nervig, wahrscheinlich da ich auch im echten Leben ungern X und Co Diskussionen lese. Allgemein empfehlenswerte Lektüre.
Mir hat es leider überhaupt kein Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen… Die drei Hauptcharaktere (2 Schwestern und deren Tante) waren mir allesamt zu flach beschrieben. Ich habe keinen Zugang in die einzelnen Gefühlswelten erhalten und konnte dementsprechend der Beziehung zwischen den drei Frauen nicht folgen oder die Konstellation nachvollziehen. Ich hab mir von der Familiendynamik viel mehr erhofft! Dann diese ganze Sache mit der App eines Tech-Milliardär, der die Demokratie in Weimar effizienter gestalteten möchte: hat mich alles genervt, es war mir zu vage und die Einschübe von Social Media Kommentaren, Podcasts oder WhatsApp Gruppen haben mich jedes Mal aufs Neue aus der Geschichte geworfen.
Isabell ist Lehrerin in Weimar und unterrichtet unter anderem Politik. Sie ist eine der drei Hauptfiguren des Romans "Gesellschaftsspiel" von Dora Zwickau. Neben Isabell gibt es noch ihre Schwester Annika, die aus dem Silicon Valley der USA anreist und ihre Tante Dagmar. Die drei kommen zusammen, weil die Mutter Annikas und Isabells, Gabi, im Sterben liegt. Gabis Tod ist der erste Einschnitt im Leben dieser drei Frauen, aber ein zweiter lässt nicht lange auf sich warten, als ein Tech-Milliardär namens Doube Z die Nachricht verkündet, in Weimar eine neue Gesellschaft errichten zu wollen. Diese neue Gesellschaft soll mithilfe seiner App, "The Syndicate", entstehen, zum Mitmachen einladen und zum demokratischen Miteinander auffordern. Die Bürger*innen Weimars können also per App diese Gesellschaft mitgestalten.
Die Handlung wird erzählt, indem sich die Erzählperspektiven dieser drei Frauen abwechseln. Das ist der erste Handlungsstrang. Es gibt aber noch einen zweiten. Zwischen den Kapiteln schauen wir immer in Live-Chats, Interviews, Podcastdiskussionen oder Foren und sehen dort die Reaktionen der Gesellschaft auf das Vorhaben von Double Z.
Wenn ein Tech-Milliardär eigene Vorgaben macht, was demokratisch sein soll, ist das dann eigentlich überhaupt noch demokratisch und wenn alle diesem Tech-Milliardär zustimmen oder zumindest eine große Mehrheit - ist dieser dann demokratisch legitimiert? Nein, natürlich nicht! Läuft es nicht auf eine Bewegung hinaus, die populistisch sein kann? Was müssen wir als Gesellschaft tun, um demokratisch zu wirken, aber auch die Wehrhaftigkeit der Demokratie zu erkennen? Lässt sich eine Demokratie überhaupt von "null" an aufbauen, wenn am Ende doch nur eine Person alles verwaltet und lenkt?
Die drei Frauen müssen sich im Lauf der Handlung überlegen, wie sie sich zu diesen Fragen positionieren, aber auch wir als Lesende sind dazu aufgefordert, Stellung zu beziehen. Ein Roman, der zur rechten Zeit kommt.
„Gesellschaftsspiel“ ist der erste Roman von Dora Zwickau. Er umfasst 288 Seiten und ist im Hardcover bei dem Verlag Piper erschienen.
In dem Roman geht es um verschiedene Themenbereiche. Zum einen haben wir eine entzweite Familie, die aus zwei Schwestern, Annika und Isabelle, sowie ihrer Tante Dagmar besteht. Alle drei haben nur noch wenig miteinander zu tun, doch der plötzliche Hirntod der Mutter bzw. Schwester bringt sie wieder näher zueinander. Der Roman ist vorwiegend, abwechselnd aus Sicht dieser drei Frauen geschrieben. Es handelt sich um unabhängige, starke Frauen, die gelernt haben für sich selbst zu sorgen und einzustehen. Isabelle ist während ihres Lehramtsstudium schwanger geworden. Dank der Unterstützung ihrer Mutter konnte sie das Studium erfolgreich abschließen und unterrichtet nun u.a. Politik in der Oberstufe. Sie zieht ihren Sohn Alexander alleine auf. Dagmar lebt zusammen mit ihrem Kater in einer großen Wohnung und ist Dozentin an der Universität von Weimar. Sie ist in allen aktuellen Themen investiert, Feministin und hat einen tollen Humor. Annika hat Karriere im Silicon Valley gemacht, befindet sich in Therapie wegen einer jahrelangen Essstörung und ist eine richtige Workaholic.
Während die Mutter von Annika und Isabelle im Sterben liegt, befindet sich Weimar in Aufruhr. Ein Tech-Milliardär hat eine neue App – The Syndicate - entwickelt und möchte in der deutschen Stadt seine Vision einer Gesellschaft umsetzen. Dazu lässt er die Anwohner mitbestimmen und zieht alle in seinen Bann. Die gesamte Handlung spielt innerhalb eines Zeitraums von drei Wochen. Das Buch ist neben den drei Perspektiven auch immer wieder in kurze Zwischenkapitel unterteilt. Hierbei werden mal Klassenchatverläufe von Isabelles 11. Klasse abgedruckt oder Ausschnitte / Tweets aus Social Media, Zeitungen oder Mitschriften von Podcasts angeführt.
Neben den zwischenmenschlichen, familiären Themen geht es vor allem um die Frage, was Demokratie ist, wie eine Gesellschaft sein sollte und ob man durch mehr Mitbestimmung, also direkter Demokratie, der herrschenden Politikverdrossenheit entgegenwirken kann. Es geht auch um die Nutzung sozialer Medien, um Mediensucht, aber auch um ein Gemeinschaftsgefühl. Das Gedankenexperiment war spannend zu verfolgen. Die Autorin ist sehr vielschichtig mit diesem Thema umgegangen und hat die verschiedensten Blickwinkel und Meinungen thematisiert. Es kam mir sehr echt vor, wie die Figuren mit diesem neuen System umgehen und was sich daraus für Fragen und Handlungsschritte ergeben. Mich persönlich hat das familiäre Konstrukt aber mehr angesprochen. Ich mochte es die drei Frauen für eine Weile in ihren Leben zu begleiten und auch die Familiendynamik habe ich gerne verfolgt. Insgesamt ein kurzweiliger Roman, der gesellschaftskritisch und zeitgemäß ist. Wer Lust auf Gedankenexperimente und Politik hat – sollte diesen Roman lesen.
Im Mittelpunkt stehen die Schwestern Isabelle und Annika sowie deren Tante Dagmar. Die drei Frauen haben nicht viel gemeinsam und treffen am Sterbebett ihrer Mutter bzw. Schwester aufeinander.
Gleichzeitig hat ein Tech-Milliardär eine neue App entworfen, die der Demokratie ein Update verpassen soll und wodurch es zu einem interessanten Gedankenspiel kommt.
Das alles findet im historisch / politisch bedeutsamen Weimar statt, was ich als sehr treffend gewählt empfinde.
Dora Zwickau wechselt in ihrer Erzählweise zwischen fließenden Texten, Mails, Dialogen und Chats, was gut in den Handlungsverlauf passt.
Die Kombination aus Familiengeschichte und politischen Fragen wird hier gut kombiniert, so dass der Roman in unsere Zeit passt und zum Nachdenken anregt. Mich hat das Buch durch seine Aktualität, Vielzahl an Themen und die Tiefe der Charaktere positiv überrascht.
Dora Zwickaus Roman „Gesellschaftsspiel“ war ein Zufallsfund. Der Rezensionsstapel wurde immer dünner und ich habe in vielerlei Leseproben hineingelesen. Hier war mir schnell klar, dass ich dieses Buch gern lesen mag. Die Hauptfiguren Isabelle, Annika und Dagmar haben alle ihre Ecken und Kanten, sind aber jede auf ihre Art äußerst liebenswert und werden von mir schnell ins Herz geschlossen. Dazu ist Zwickaus Sprache sehr gut verdaulich und das gewählte Format zwischen Romanpassagen und Auszügen erdachter Social Media zu springen etwas, das genau zu meinem Leserhythmus passt. Zum Inhalt des Romans mag ich dann gar nicht spoilern. Es geht um ein großes Sozialexperiment eines Milliardärs in Weimar und die Idee ist spannend und faszinierend. So faszinierend, dass diese Idee es ist, die hauptsächlich dieses Buch trägt und ein sehr solides Fundament durch diesen Handlungsstrang ist. Gerne würde ich einen zweiten Teil lesen, der die Idee weiterführt. Ähnlich geht es mir aber auch mit den Figuren. Die Frauen sind alle alleinstehend und stark und es wird das weibliche Leben der Unabhängigkeit aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Ich als Leser nehme auch durch die Perspektiven und das Leben der Frauen neue Impulse für mein Weltbild mit. Charaktere und Handlungsstränge sind klar und ausgewogen ausgearbeitet. Insgesamt macht das „Gesellschaftsspiel“ zu einem meiner liebsten Bücher aus 2025. Es ist ein erstes Highlight meines Lesesommers und ich habe Angst, dass die nachfolgende Lektüre da leider nicht rankommen wird. Unverhofft ein Hit. Ich empfehle dieses Buch vollen Herzens weiter!
Isabelle, Annika und Dagmar haben gerade ihre Mutter bzw. Schwester verloren und so finden sie sich zu diesem Schicksalsschlag wieder in Weimar zusammen und fangen an, sich wieder richtig kennenzulernen. Sie alle haben in dieser Zeit jedoch nicht nur mit dem Verlust zu tun, sondern auch mit den Dingen, die in der Vergangenheit passiert sind und sie daran gehindert haben ein enges Verhältnis zueinander aufzubauen. Trotzdem rücken all diese persönlichen Probleme in den Hintergrund, weil ein Tech-Gigant aus dem Silicon Valley mit Weimar ein Experiment wagen möchte. In Syndicate sollen alle Bürger*innen aus Weimar zu einem parallelen Staat zusammenkommen – finanziert aus dem Vermögen des Tech-Giganten. Nach der Ankündigung brechen politische Debatten, Ängste und auch Hoffnung für die Zukunft auf … doch keiner ist sich wirklich sicher, ob das eine gute Idee ist. Im Roman verfolgen wir die Handlung aus der Sicht der drei Frauen und bekommen Ergänzungen durch Transkripte von Podcasts oder Twitter-Feeds. So schafft es Dora Zwickau, dass wir sowohl den drei Protagonistinnen näher kommen können und ihre jeweiligen Probleme und Entwicklungen erfahren können als auch das große Ganze im Blick zu behalten. Zusätzliche Perspektiven werden hinzugefügt, weil Dagmar und Isabelle als Dozentin an der Uni bzw. als Politiklehrerin mit Gruppen von Studierenden und Jugendlichen in der Schule reden und somit auch jüngere Meinungen abgebildet werden. Thematisch berührt Dora Zwickau mit diesem Roman die großen politischen und gesellschaftlichen Fragen, die ostdeutsche Städte aktuell haben. Wie sollte man mit der Politikverdrossenheit umgehen? Vertreten uns die deutschen Politiker oder sind sie uns zu fern? Was machen mit Menschen, die sich mit oder aufgrund der AfD radikalisieren? All das wird andiskutiert und es werden Argumente ausgetauscht – eine Lösung dazu sollte man in einem Roman dazu jetzt nicht erwarten. Auch die Fragen rund um den Konsum und die Macht von Medien stehen im Mittelpunkt. So wird recht schnell klar, dass der Tech-Gigant die App zu seinem Parallelstaat genauso aufgebaut hat wie Apps, die leicht Süchte auslösen. Auch die Frage, wer denn Verantwortlich für Übergriffe ist, wird angedacht. Insgesamt war das Lesen der knapp 300 Seiten dieses Buches für mich eine große Freude. Der Schreibstil war leicht zugänglich. Trotzdem waren häufig Absätze oder Passagen, die mich zum Denken angeregt haben, enthalten. Ich hätte es vielleicht noch etwas besser gefunden, wenn sich Dora Zwickau auf weniger Problemstellungen konzentriert hätte und diese dann tiefer behandelt hätte. So werden viele Dinge angedacht und es bleibt an der Oberfläche. Trotz dieses kleinen Punkts kann ich dieses Buch all jenen empfehlen, die gerne eine ostdeutsche Sichtweise lesen möchten und sich mit den aktuellen Problemen unserer Gesellschaft belletristisch auseinandersetzen möchten.
Interessantes Gedankenspiel mit etwas hohem Theorieanteil
Eine Gesellschaft, die sich selbst mithilfe einer App verwaltet, in der alle mitbestimmen können - ist das die Zukunft der Demokratie oder ihr Untergang? Diese Frage beleuchtet Dora Zwickau in ihrem Romandebüt Gesellschaftsspiel aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Besonders gut gefallen haben mir dabei die Auszüge aus der digitalen Welt zwischen den Kapiteln. Die Autorin hat verschiedenste Schnipsel aus unserem digitalen Alltag - unter anderem Social Media-Kommentare, Auszüge aus Gruppenchats, die Betreffzeilen in einem E-Mail-Posteingang, Pressemeldungen, einen Slack-Channel, einen Podcast - zusammengestellt, die auf mich größtenteils ziemlich realistisch wirken. So könnte das Internet tatsächlich reagieren. Zwickau spielt auf kreative Art und Weise mit diesen Textformen, zoomt damit aus dem Leben der drei Protagonistinnen hinaus und ermöglicht einen breiteren Blick darauf, was “The Syndicate” in Weimar und der Welt auslöst.
Am Umgang der drei Frauen mit der App hat mir gut gefallen, dass ihr Verhältnis zu dem Experiment von Anfang an von Unsicherheit geprägt und ambivalent ist und sie nicht von vornherein eine feste Meinung haben. Annika, Isabelle und Dagmar sind interessante und facettenreiche Charaktere. Leider geht ihre private Geschichte gelegentlich in der theoretischen Darstellung und politischen Diskussion rund um “The Syndicate” unter. Es entsteht der Eindruck, dass Isabelle nur Politiklehrerin ist, damit die Lesenden ebenso wie ihre Schüler*innen Unterrichtseinheiten zum Thema Demokratie erhalten. Die Art und Weise, wie Isabelle und ihre Klasse das Thema “The Syndicate” aufgreifen und die ernsthaften politischen Diskussionen im Klassenchat gehören zu den wenigen Dingen, die ich dem Roman nicht abkaufe (ebenso, dass diese Klasse scheinbar täglich Politikunterricht hat und Isabelle nichts anderes zu unterrichten scheint als Politik in der elften Klasse). Auch manche Diskussionen unter den drei Protagonistinnen waren mir zu sehr darauf ausgelegt, alle Vor- und Nachteile des neuen Systems darzulegen, wodurch sie eher wie theoretische Abhandlungen als wie lebensechte Unterhaltungen wirkten.
Alles in allem habe ich Gesellschaftsspiel von Dorau Zwickau sehr gerne gelesen. Die Autorin hat ein interessantes Gedankenspiel auf äußerst kreative Weise in einen spannenden Roman voller überraschender Wendungen und Denkanstöße verpackt.
Das Cover ist klar gestaltet und zeigt die 3 Hauptfiguren des Romans - die beiden Schwestern Isabelle und Annika, sowie deren Tante Dagmar. Die 3 verbindet am Anfang wenig. Erst der Tod deren Mutter bzw. Schwester führt sie wieder zusammen. Parallel zu diesem Handlungsstrang möchte ein großer Tech-Investor und Spieleentwickler in deren Heimatstadt Weimar eine App einführen, die den Bewohner mehr politische Mitbestimmung und Einflussnahme ermöglicht. Der Roman ist nah an den aktuellen politisch-gesellschaftlichen Themen dran. Zwischen den Kapiteln gibt es immer wieder Einschübe aus diversen Medien, die sehr gut den zum Teil aufgepeitschten, in der Anonymität des Internets radikal formulierten Ton wiedergeben. Wie gehen die beiden Stränge am Ende zusammen auf? Für mich tatsächlich leider nicht ganz. Vermutlich bin ich mit anderen Erwartungen in den Roman gestartet, z.B. wie sich die Frauen in einer möglichen Utopie/Dystopie weiterentwickeln. Annika arbeitet in der Tech-Branche, Isabelle ist Lehrerin für Politik und Dagmar unterrichtet Soziologie an der Hochschule. So hatte ich bei manchen Dialogen oft den Eindruck eher ein Sachbuch zu lesen. Die Figuren und deren Beziehungsleben blieben für mich kühl und irgendwie blass. So sitzen die 3 Frauen wenige Tage nach dem Tod der Mutterin/Schwester in der Sauna zusammen und diskutieren die gesellschaftliche Neuordnung und sind am Ende froh, wieder zueinander gefunden zu haben. Ahja... vieles bleibt im Kopf, wird aber wenig fühlbar. Die Auseinandersetzung mit der zu erwartenden Trauer, möglicherweise auch Ambivalenz gegenüber der Verstorbenen und insgesamt eine emotionale Tiefe in der Figurenzeichnung wird man beim Lesen eher wenig finden. Andererseits merkt man dem Roman die Expertise der Autorin mit der Tech-Branche und Medien sowie ihre intensive Auseinandersetzung mit deren gesellschaftlichen Verantwortung/Möglichkeiten an. Wenn man es so liest, wird man als Leser mit vielen Denkanstößen belohnt und bekommt einiges an Diskussionsstoff.
📖 Inhalt (spoilerfrei): In ihrem Debütroman entwirft Zwickau ein Szenario, das sich mit den Möglichkeiten einer direkten Demokratie auseinandersetzt. Im Zentrum stehen drei Frauen aus derselben Familie, die sich trotz persönlicher Konflikte gemeinsam politisch engagieren. Sie beteiligen sich an einem partizipativen Gesellschaftsprojekt, bei dem Bürger:innen per App über politische Entscheidungen abstimmen können, um das hypothetische gesellschaftliche Miteinander aktiv zu gestalten. Dabei werden politische, familiäre und persönliche Konflikte miteinander verwoben, ebenso wie aktuelle gesellschaftliche Diskurse rund um Radikalisierung, Teilhabe, Medien und Gerechtigkeit.
🖋️ Erzählstil: Der Inhalt besteht aus wechselnden Perspektiven der drei Protagonistinnen Dagmar, Isabelle und Annika. Außerdem wird ihr Erleben durch zahlreiche mediale Einschübe ergänzt: Chatverläufe, X-Posts, Podcast-Transkripte und Forenbeiträge durchziehen den Text und verleihen ihm einen fast schon einen interaktiven Charakter.
👥 Figuren und Symbole: Isabelle, ihre Schwester Annika und ihre Tante Dagmar spiegeln unterschiedliche Generationen, Lebensmodelle und politische Haltungen wider. Isabelles Engagement für ihre Schüler:innen und ihre emotionale Entwicklung sind eindrücklich gezeichnet. Annika hingegen bleibt m.E. stellenweise unauthentisch, ihre Essstörung eher randständig und nicht so gut integriert. Dagmar wiederum überzeugt als charismatische, eigenwillige Frau mit klaren Positionen. Das Zusammenspiel der drei Frauen bildet das Herzstück des Romans. Es dient als Projektionsfläche für Utopien, Ängste und politische Wünsche. Leider bleibt dieses Konzept im Verlauf des Romans etwas blass und austauschbar. Statt tiefere Einblicke in gesellschaftliche Prozesse zu ermöglichen, scheint es manchmal nur Kulisse für politische Kritik und eine grobe Abrechnung mit rechten Kräften.
💡Fazit: spannender, extrem aktueller politisch aufgeladener Roman mit emotionaler Tiefe! Am Ende bleibt mir das Gesamtbild doch etwas zu vage.
Dieses Buch hat mich nachdenklich zurückgelassen und das meine ich sowohl positiv als auch mit einem kleinen Fragezeichen. Gesellschaftsspiel kombiniert eine familiäre Geschichte mit einem ziemlich ambitionierten politischen Gedankenspiel: Drei Frauen – zwei Schwestern und ihre Tante – treffen sich am Sterbebett der Mutter wieder, gleichzeitig wird in Weimar eine Demokratie-App getestet, die die Gesellschaft umkrempeln soll.
Die Idee dahinter finde ich total spannend. Gerade weil das Thema Demokratie heute so präsent ist wie lange nicht mehr. Sei es bei Wahlen, in Talkshows oder im ganz normalen Gespräch beim Abendessen. Plötzlich reden alle wieder über Politik, über Mitbestimmung, über Spaltung, über digitale Räume. Da wirkt das Szenario, das Dora Zwickau hier entwirft, fast schon prophetisch: Was, wenn wir unsere Gesellschaft per App „neu denken“ könnten? Oder wollen wir das lieber gar nicht?
Gleichzeitig war ich beim Lesen aber auch etwas hin- und hergerissen. Die Figuren blieben für mich auf Abstand. Ich konnte sie beobachten, aber selten wirklich fühlen. Das Buch wirft viele Fragen auf, aber gibt wenig Antworten. Vielleicht ist das gewollt. Vielleicht soll man sich selbst seinen Reim darauf machen. Aber an manchen Stellen hätte ich mir mehr Klarheit oder Tiefgang gewünscht, gerade auch emotional.
Was mir gefallen hat: die ruhige Sprache, die moderne Erzählform mit Mails und Chats, und dass das Buch sich traut, unbequem zu sein. Was mich etwas gestört hat: der fehlende Knall, den der Klappentext suggeriert. Es plätschert eher auf hohem Niveau, aber eben ohne echten Sog.
Trotzdem: Wenn man sich für gesellschaftliche Entwicklungen interessiert und auch mal einen Blick in unsere nahe Zukunft werfen will, ist Gesellschaftsspiel definitiv lesenswert. Kein einfacher Roman, aber einer, über den man reden möchte und das ist ja auch eine Form von politischer Teilhabe.
„Gesellschaftsspiel“ ist ein interessantes Gedankenexperiment verpackt in einem tollen und interessanten Roman von der Autorin Dora Zwickau.
Wir lernen zunächst die Schwestern Isabelle und Annika kennen, dazu kommt dann noch ihre Tante Dagmar. Alle Frauen haben sich entfremdet und schultern ihre eigene Last. Wir erhalten kleine Auszüge aus ihren Leben bis ein Tech-Milliardär seine neue App vorstellt. In Weimar soll das App-Projekt starten und revolutionär für die Gesellschaft werden. Doch wie weit geht dieser Eingriff in die Gesellschaft und welchen Nutzen oder welche Gefahren lauern in dieser hoch wissenschaftlich entwickelten App?
Mir hat diese Geschichte wirklich sehr gut gefallen. Die Protagonistinnen sind zwar etwas distanziert aber auch authentisch. Man kann sich ihre Gedanken und ihre Probleme gut vorstellen und nachvollziehen. Die Idee von dieser neuen App für die Gesellschaft, ist zunächst super interessant und doch fragt man sich schnell wie weit darf der Fortschritt tatsächlich in das Leben eingreifen? Die Meinung über die App, dreht sich kontinuierlich und kann wirklich gut nachvollzogen werden. Mir haben der Wandel und die Hinterfragung der App wirklich sehr gut gefallen.
Die kritische Hinterfragung von dieser neuen Technologie finde ich super spannend, gerade wenn diese stark in die Gesellschaft eingreifen können. Dies ist wohl oder übel ein Thema mit dem wir uns in den nächsten Jahren immer wieder auseinandersetzen können. Wie wäre z.B. Eine Wahl-App für die Landtagswahlen usw. Wie sicher und nützlich sind solche Apps für unser gemeinsames Leben als Gesellschaft?
Insgesamt fand ich das Buch wirklich gut und 288 Seiten waren gut gefüllt mit viel Inhalt. Ich kann für „Gesellschaftsspiele“ auf jeden Fall eine Leseempfehlung ausgeben. Lediglich das Cover könnte modern zur App gestaltet worden sein, es spricht mich eigentlich nicht direkt an und wirkt sehr distanziert und wenig dynamisch.
„Gesellschaftsspiel“ ist ein interessantes Gedankenexperiment verpackt in einem tollen und interessanten Roman von der Autorin Dora Zwickau.
Wir lernen zunächst die Schwestern Isabelle und Annika kennen, dazu kommt dann noch ihre Tante Dagmar. Alle Frauen haben sich entfremdet und schultern ihre eigene Last. Wir erhalten kleine Auszüge aus ihren Leben bis ein Tech-Milliardär seine neue App vorstellt. In Weimar soll das App-Projekt starten und revolutionär für die Gesellschaft werden. Doch wie weit geht dieser Eingriff in die Gesellschaft und welchen Nutzen oder welche Gefahren lauern in dieser hoch wissenschaftlich entwickelten App?
Mir hat diese Geschichte wirklich sehr gut gefallen. Die Protagonistinnen sind zwar etwas distanziert aber auch authentisch. Man kann sich ihre Gedanken und ihre Probleme gut vorstellen und nachvollziehen. Die Idee von dieser neuen App für die Gesellschaft, ist zunächst super interessant und doch fragt man sich schnell wie weit darf der Fortschritt tatsächlich in das Leben eingreifen? Die Meinung über die App, dreht sich kontinuierlich und kann wirklich gut nachvollzogen werden. Mir haben der Wandel und die Hinterfragung der App wirklich sehr gut gefallen.
Die kritische Hinterfragung von dieser neuen Technologie finde ich super spannend, gerade wenn diese stark in die Gesellschaft eingreifen können. Dies ist wohl oder übel ein Thema mit dem wir uns in den nächsten Jahren immer wieder auseinandersetzen können. Wie wäre z.B. Eine Wahl-App für die Landtagswahlen usw. Wie sicher und nützlich sind solche Apps für unser gemeinsames Leben als Gesellschaft?
Insgesamt fand ich das Buch wirklich gut und 288 Seiten waren gut gefüllt mit viel Inhalt. Ich kann für „Gesellschaftsspiele“ auf jeden Fall eine Leseempfehlung ausgeben. Lediglich das Cover könnte modern zur App gestaltet worden sein, es spricht mich eigentlich nicht direkt an und wirkt sehr distanziert und wenig dynamisch.
Schon das Cover von Gesellschaftsspiel hat mich neugierig gemacht: Es ist schlicht, fast kühl, mit subtilen Details, die beim genaueren Hinsehen viel über die Atmosphäre verraten. Diese Zurückhaltung passt perfekt zum Inhalt, denn Dora Zwickau erzählt hier keine laute Geschichte, sondern eine, die sich leise, fast schleichend entfaltet.
Die Handlung dreht sich um eine Gruppe von Menschen, die in einem scheinbar harmlosen Spiel soziale Rollen und Machtgefüge ausloten. Viel mehr möchte ich nicht verraten, denn gerade das Ungewisse macht den Reiz aus. Zwickau schafft es, das Thema Gruppendynamik und subtile Manipulation spannend umzusetzen, ohne ins Klischee abzurutschen. Die Geschichte wirkt realistisch und gleichzeitig leicht surreal – ein Balanceakt, der ihr gut gelingt.
Der Schreibstil ist präzise und dicht. Zwickau hat eine klare Sprache, die aber immer wieder poetische Momente zulässt. Besonders gefallen hat mir, wie sie Stimmungen zeichnet: Mit wenigen Worten schafft sie es, ein Unbehagen zu erzeugen, das lange nachhallt.
Die Figuren sind meiner Meinung nach die größte Stärke des Romans. Sie wirken alle greifbar, haben Widersprüche und Abgründe, die nicht plakativ erklärt werden. Ich konnte mich in viele ihrer Gedanken hineinversetzen, auch wenn ich ihre Entscheidungen nicht immer gutheißen mochte. Genau das macht sie so authentisch.
Für mich war das Buch vor allem deshalb interessant, weil es unsere alltäglichen „Spiele“ in sozialen Gefügen so treffend beschreibt. Dora Zwickau kannte ich vorher nicht, werde mir aber sicher auch ihre anderen Werke anschauen, wenn sie stilistisch ähnlich sind.
Fazit: Gesellschaftsspiel ist ein kluges, atmosphärisches Buch für alle, die psychologische Spannung mögen, ohne blutige Effekte zu brauchen. Wer feine Beobachtungen und vielschichtige Figuren schätzt, sollte Dora Zwickau unbedingt eine Chance geben.
Eine neu gedachte Demokratie und drei Frauen im Zentrum? Klingt nach einem super Konzept für ein aktuelles und relevantes Buch. Die Umsetzung war für mich allerdings nicht immer ganz stimmig.
Das lag vor allem daran, dass ich es anfangs sehr kühl und emotionslos fand. Gerade bei den behandelten Themen wie Tod eines Elternteils, aufgestaute Familiengefühle und Demokratie fand ich das verwirrend und nicht ganz passend. Dementsprechend hat es für mich auch bis zur Hälfte des Buches gedauert bis die zwei Erzählsträge sich wirklich zusammengefügt haben. Anfangs hatte ich eher das Gefühl, dass das Set Up mit der Mutter sehr unnötig war, am Ende fand ich es auch nicht wirklich voll ausgeschöpft. Die Mutter selbst hatte eine sehr krasse politische Meinung, die Prägung, die das auf ihre Töchter hatte war mir hier zu wenig erforscht.
Was Dora Zwickau allerdings sehr gut gemacht hat in meinen Augen ist es, die aktuelle Diskussionskultur widerzuspiegeln. Die Zwischenkapitel, die die Diskussionen in der Gesellschaft, Medien und Socials widergeben fand ich sehr passend, weil sie so universal lesbar waren. An sich war das Gedankenexperiment extrem interessant und hat ein Buch geschaffen, dass man nicht einfach so wegliest. Man muss sich mit den eigenen Meinungen beschäftigen, mit dem eigenen Verständnis von Demokratie und Teilhabe und damit hat das Buch ein wichtiges Denkmal gesetzt.
An sich ein super spannendes Buch, das man mit anderen Menschen zusammen lesen sollte. Im Großen und Ganzen hat es für mich das Potential nicht ganz ausgeschöpft. Ich könnte mir allerdings vorstellen, dass es Fans von "Views" von Marc-Uwe Kling gut gefallen könnte, es hat sich für mich sehr ähnlich angefühlt.
Der Roman/Das Hörbuch "Gesellschaftsspiel" von Dora Zwickau wurde für den Piper-Verlag von Simone Kabst und Richard Barenberg souverän eingesprochen. In dem Buch geht es um eine aus Weimar stammende Familie (die Schwestern Annika und Isabelle, ihre Tante Dagmar so wie deren Umfeld). Parallel dazu wird die Geschichte von Weimar als "Future City" erzählt, ein Projekt des Tech-Milliardärs "Double Z", bei dem er die Geschicke der Stadt/Bewohner per App steuern möchte.
Der Tod der Mutter von Annika und Isabelle gibt dem Leben der Betroffenen genauso eine neue Wende wie das Projekt von "Double Z", welches nach dem Modell "Inspiration, Reaktion und Partizipation" operiert. Begriffe und Realitäten von Lebensmodellen, Beziehung und Familie werden in "Gesellschaftspiel" genauso beleuchtet wie Demokratie, Dystopie oder Utopie. Im Zentrum dieser Fragestellungen steht: "Was ist Demokratie heute und wird sie der Zukunft standhalten?" Das Projekt des Milliardärs bringt die Frage auf wie man das Leben der Menschen verbessern kann (Equal pay, bessere Pflege, Rechtsextremismus verhindern oder Barrierefreiheit) und wie man dieses politisch etablieren, umsetzen und organisieren kann. Das Vorhaben "Future City Weimar" zeigt, was so ein Projekt mit einer Stadt und ihren Bewohnern machen kann. Zudem stellt sich die Frage, inwiefern es überhaupt auf die ganze Welt übertragen werden könnte und wie man es fair für alle gestalten könnte.
Die Zukunft geht uns alle an und alle sollten sich dazu Gedanken machen. Daher halte ich das Buch und sein Thema für sehr wichtig!
Die Schwestern Isabelle und Annika treffen sich nach Jahren am Sterbebett ihrer Mutter wieder. Während Annika in den USA lebt, ist Isabelle Lehrerin und Mutter. Auch ihre Tante Dagmar, Hochschuldozentin, ist bei ihnen. Es folgt eine zarte Annäherung zwischen den drei Frauen, die alle mit dem Tod konfrontiert sind. Parallel dazu verkündet ein Tech-Milliardär, dass er die Gesellschaft revolutionieren möchte. Das soll Modellhaft in Weimar passieren und die Menschen können sich in einer App registrieren und dann Vorschläge einreichen und so aktiv eine neue Gesellschaft mitgestalten.
Dora Zwickaus Idee der Dystopie oder vielleicht auch Utopie fand ich grundsätzlich sehr interessant. Die Beschreibungen der ersten Reaktionen innerhalb der App, die Debatten die dadurch entstehen und sich vom Digitalen auch in den Alltag verlagern, fand ich sehr anschaulich und nachvollziehbar. Alles, was die App angeht, fand ich fesselnd. Der Erzählstrang rund um Isabelle, Annika und Dagmar bezüglich der toten Mutter bzw. Schwester empfand ich jedoch als immer distanzierter. Ich konnte zu keiner der Figuren eine Bindung herstellen, manchmal fiel es mir mittendrin auch schwer, sie auseinanderzuhalten - gerade wenn es um die Gedanken ging. Auch was die App und die Folgen angeht, endete alles irgendwie abrupt. Ich hatte das Gefühl, dass vieles gar nicht (mehr) erzählt oder eingebettet wurde.
Ein interessantes Gedankenspiel, das mich jedoch mit einem leicht diffusen Gefühl und offenen Fragen zurückließ.
Das Buch 'Gesellschaftsspiel' von Dora Zwickau habe ich die letzten Wochen als Hörbuch gehört. Besonders gut hat mir gefallen, dass zwischen den Perspektiven der Hauptfiguren und digitalen Medien hin un her gewechselt wird. So gibt es Einschube aus Podcast, E-Mail Eingängen und Chatverläufen. Dies wirkt auf den Lesefluss sehr erfrischend. Das Buch regt den Lesenden dazu an, die Demokratie und vor allem wie wir sie hier in Deutschland aktuell leben in Frage zu stellen. Es soll motivieren sich nicht von einzelnen lauten Meinungen in die Irre führen zu lassen und zeigt neue Wege auf, wie man als Bürgerin oder Bürger mehr in die politischen Entscheidungen mit einbezogen werden kann. Um dies möglich unterhaltend zu verpacken, wird eine Geschichte rund um einen Todesfall und eine fiktionale Paralellgesellschaft gesponnen. Ich fand das Buch angenehm zum Nebenbei hören. Jedoch gibt es gerade beim Anhören der digitalen Medien aufgefallen, dass mir vor allem gelöschte Chatnachrichten oder Änderungvermerk in einem Dokument (welche dann alle vorgelesen wurden) beim Lesen wahrscheinlich besser gefallen hätten.
In Dora Zwickaus "Gesellschaftsspiel" passieren viele spannende Dinge. Zuerst einmal gibt es die beiden Schwestern Annika und Isabelle, die außer einer gemeinsamen Kindheit so gut wie keine Berührungspunkte mehr haben. Diese Tatsache wird auf den Kopf gestellt, als die Mutter der beiden einen Schlaganfall erleidet. Es sieht nicht gut aus, und so versammelt sich die restliche Familie, inklusive der eigenwilligen Tante Dagmar, rund um das Krankenbett.
Ein Gesprächsthema ist dabei die Nachricht eines Tech.-Milliardärs, der ausgerechnet in der Heimatstadt der Familie, Weimar, eine revolutionäre Gesellschaftsform testen will. Alle Familienmitglieder haben dazu unterschiedliche Berührungspunkte und somit auch Einstellungen, Der Fließtext wird durch Nachrichtentexte aus den Internet durchbrochen, die über die neuesten Entwicklungen von Syndicate berichten.
Grundsätzlich hat mir das Buch sehr gut gefallen: Das Konzept ist originell, ich mag ungewöhnliche Formate und Geschichten über Schwestern bzw. Frauen. Die dystopische Grundstimmung durch die technischen Entwicklungen und die Veränderungen in der Gesellschaft sind dabei gar nicht mal so unrealistisch. Der Schreibstil lässt sich ebenfalls sehr angenehm lesen.
Trotzdem fand ich, dass die vielen Themen oft nur oberflächlich behandelt wurden. Auch die drei Protagonistinnen blieben für mich leider etwas zu distanziert.
Zum Inhalt: Annika und Isabelle sprechen eigentlich nicht mehr miteinander, doch jetzt am Sterbebett der Mutter sind sie dazu gezwungen. Auch ihre Tante Dagmar ist da und sie müssen sich erst wieder langsam an ein Familiengefühl herantasten. Währenddessen bringt ein Tech-Milliardär eine App raus, mit der er die Welt verändern will. Start ist in Weimar, doch ist diese App wirklich so vielversprechend oder eher der Anfang vom Ende. Meine Meinung: Ich weiß gar nicht so recht, wie ich das Buch finden soll. Einerseits die doch nicht ganz einfache Familiengeschichte, andererseits diese App, die die Welt auf den Kopf stellen soll. Dieses Gesellschaftsspiel stellt alles schon ganz schön auf den Kopf. So richtig kann ich mir gar nicht vorstellen, wie es wäre, wenn jeder so seine Ideen einbringen könnte, über die dann quasi abgestimmt wird. Stell ich mir schwierig vor. Als Gedankenspiel aber sehr interessant. Die Familiengeschichte ging bei dieser Kombination fast unter, aber dennoch fand ich auch diesen Teil recht interessant. Fazit: Interessant
Für mich persönlich kein wirklich inspirierender Roman. Vielleicht aber interessant für Leute, die noch nie reale Basisdemokratie erlebt haben, wie diese z. B. in größeren Vereinen oder einzelnen Parteien schon länger stattfindet. Im Roman halt nur dann in App-Form.
Leider fehlte hier mir auch der sozialkritische Blick. Auch wenn es im Roman so wirkt, die deutsche Gesellschaft besteht nicht nur aus wohlhabenden und gut gebildeten Lehrer und Lehrerinnen, Uni-Dozentinnen, Projektmanagerinnen oder Oberstufenschüler und Studierenden. Der typische Supermarkt-Mitarbeiter, der 9 Stunden am Tag mindestens schuftet, wird wahrscheinlich weder körperlich noch intellektuell die Ressourcen haben, sich am Abend noch ernsthaft mit irgendwelchen komplex geschriebenen Proposals zu beschäftigen. Oder gar selber welche einzubringen. Und viele Migranten wären schon durch die Sprachbarriere stark ausgegrenzt. Oder wer neben dem Beruf noch Care-Arbeit leisten muss.
Im Buch "Gesellschaftsspiel" erzählt die Autorin über drei Wochen im Leben von Isabelle, Annika und Dagmar, die sich am Sterbebett von Isabelles und Annikas Mutter wiederfinden. Parallel wird in Weimar eine Demokratie-App namens „The Syndicate“ eingeführt – ein soziales Experiment eines Tech-Milliardärs, das die Gesellschaft digital „neu denken“ soll.
Ich finde die Idee für das Buch sehr intuitiv - Moderne Demokratie via App – ein konkretes Gedankenexperiment mit gesellschaftlicher Reichweite. Hohe Relevanz in der heutigen Zeit, und das macht das ganze Buch gleich nochmals interessanter.
Was nicht so gelungen ist, sind die Protagonistinnen - sie wirken sehr distanziert und Emotionen kommen bei mir einfach nicht auf. Die Skizzierung der Charaktere ist in meinen Augen leider nicht gelungen. Konflikte haben keinen wirklichen Höhepunkt.
Tolle Idee, jedoch einige Abstriche bei der Umsetzung.
Prinzipiell fand ich die Idee das ein Tech - Milliardär quasi einen neuen Staat, basierend einer App, gründet spannend. Meine Erwartung war, das wir 3 Frauen beobachten, die sich in dieser Welt zurechtfinden. Jedoch wurde der Familienkonflikt vorranig thematisiert und Syndicate war ( für mich ) eher ein Nebenschauplatz. Leider konnte ich nicht mit den Nebenprotas nicht wirklich mitfühlen, da hat mir die Empathie zu diesen einfach gefehlt. Es wurden jedoch viele interessante und aktuelle Themen angesprochen und kurz bearbeitet. Die Vorbereitung der Autorin konnte man absolut spüren. Es war ein gutes Buch, vielleicht hätte ich es besser gefunden wenn ich den Klapptext nicht so missverstanden hätte. So hatte ich einfach eine falsche Erwartungshaltung.
Das Buch war insgesamt nicht schlecht, allerdings habe ich mir leider etwas Anderes erhofft. Ich hab mit einer handfesten Gesellschaftskritik gehofft, eher so Richtung Satire, habe aber eher einen schwermütigen Roman rund um eine zerrüttetete Familie mit vielen traurigen Einzelschicksalen. Der Schreibstil war ganz ok, aber leider war es wenig spannend, sehr wenige konkrete gesellschaftliche Ideen, das habe ich ein wenig vermisst...
Interessanter Ansatz- Wie würde ich mich verhalten, wenn das in meiner Stadt wäre? Es bleibt insgesamt sehr offen, sowohl im Hinblick auf das Buchende wie auch auf die Schicksale der Hauptpersonen. Als Anregung für ein Gedankenexperiment sehr gut.