Sommerschwüle über Niederösterreich. Suchanek urlaubt - nicht ganz freiwillig - in einem traurigen Ort namens Feuchtkirchen. So viele Gelsen (hochdeutsch: Stechmücken) wie hier und heuer gab es noch nie! Beim Kennenlernabend auf dem «Erlebnisbauernhof» erklärt Suchanek den anderen Gästen deshalb die «Ceausescu-Methode»: Der Diktator habe Gefangene im Donaudelta durch Millionen von Gelsen zu Tode kommen lassen. Darüber amüsiert man sich prächtig am Grillfeuer. Aber nur bis zum nächsten Morgen, als eine gefesselte Leiche gefunden wird. Sie ist von Stichen übersät. Aber auch nicht unerheblich von Wildsauen angefressen. Hat Suchanek einen Psychopathen inspiriert? Vielleicht den Krisenspinner mit dem Bunker unterm Haus? Oder den seltsamen Grafen in seinem erzhässlichen Herrenhaus? Und das Morden geht weiter...
Wenn mich ein Krimi schon im ersten Absatz so zum Lachen bringt, dass im Lieblingskaffeehaus vom Nebentisch vier amerikanische Touristen alle zu mir herüberschauen, als sei ich nicht ganz bei Tost, dann könnte es ein Nikowitz sein. Mit gewohnt absurdem Konzept in der Dramaturgie und grandiosem Wortwitz ist zu rechnen
„Der Kommissar hatte schon viel gesehen. Aber das hier das war echt was Besonderes. Wegen der ausgeweideten Leiche auch, klar. Wobei er so eine ähnliche sogar schon einmal gehabt hatte, als sich seinerzeit im Mostviertel dieser stille Buchhalter urplötzlich eingebildet hatte, im zweiten Bildungsweg Kannibale werden zu müssen. Obwohl er doch bis dahin Veganer gewesen war.“
Und es geht munter so weiter …
Im zweiten Bande der Krimireihe um den Ermittler wider Willen Suchanek, der den Kannibalen von Wulzendorf ermittelt hat, bekommt dieser vom niederösterreichischen Landeshauptmann Erwin Pröll als Dank einen Urlaub versprochen. Als diesen auch tatsächlich frecher Weise massiv und lästig einfordert, wird er von einem genervten subalternen Beamten eine Woche an den Arsch der Welt geschickt. Zusammen mit der Reaktion seiner mit einer Engelsgeduld gesegneten Freundin Susi entwickelt sich das Setting zu Beginn in einen sehr vergnüglichen und ganz normalen Touristenhorror, der aber nicht lange andauert, denn die erste Leiche steht, beziehungsweise hängt schon in den Startlöchern.
Die Mordideen, mit denen Nikowitz sein tödliches Feuerwerk abbrennt, sind genial. Opfer Nummer eins stirbt nach der Ceausescu Methode, nackt angebunden und wahrscheinlich von den Gelsen ausgesaugt (muss ich noch verifizieren, ob das überhaupt funktioniert) und dann den Körper den Wildschweinen zum Fraß vorgeworfen, ala Snatch – Schweine und Diamanten. Das Töten nach Ceausescu Art hat bedauerlicherweise Suchanek beim Grillabend in der Touristenhölle als Witz aufs Tapet gebracht, deshalb fühlt er sich auch verantwortlich und versucht, gegen den Willen des Kommissars Wimmer, den er schon vom ersten Fall aus Wulzendorf her kennt und auch gegen den Willen seiner Freundin Susi, die genervt abreist, auf eigene Faust zu ermitteln. Selbstverständlich eilt dem Suchanek wieder der alte Freund Grasl als Dr. Watson zu Hilfe und so watet das ermittlungstechnische Duo infernale erneut durch Blut und kuriose Leichen
Aber die genialen Ideen sind noch nicht alle ausgereizt, ein vereitelter vermeintlicher Mordanschlag wird mit einer anderen wohlbekannten Methode ala Bürgermeister Hirzberger/ Spitz/Wachau begangen, indem ein vergiftetes Mon Cheri auf dem Auto mit einer Nachricht deponiert wird. Das tatsächliche zweite Opfer, die Touristin und Psychotherapeutin, wegen ihrer grauslich deformierten Zehe von Suchanek mit dem Spitznamen Dr Hallux bedenkt, wird übrigens von Pferden gevierteilt und der Bürgermeister der kleinen Ortschaft am Arsch der Welt, namens Feuchtwangen, wird an seinem Herzensprojekt, nämlich dem Windrad wie am Galgen gehenkt.
Hier geht also ein Täter um, der entweder sehr kreativ grausam gestrickt ist und seine Obsessionen wahllos abwechselnd an Touristen und Einheimischen auslässt, nur um einer Dramaturgie im Inneren zu folgen, oder jemand mit sehr viel Wut hat tatsächlich etwas mit den total unterschiedlichen Opfern gemeinsam und will sich auf perfide Art rächen. Suchanek und Grasl schaffen sich in der kleinen Ortschaft einige Freunde und ermitteln immer dem Herrn Inspektor Wimmer eine Nasenlänge voraus im Hintergrund. Dass sich die beiden ungelernten Hobbydetektive dabei auch noch in Gefahr geben, versteht sich von selbst.
Der Krimiplot und die letztendliche Täterermittlung sind überraschend und recht plausibel implementiert. Aber mit dem lustigen Mörderraten ist es eher nicht so anspruchsvoll in diesem Krimi, denn die falschen Fährten werden nicht ausgelegt, sondern Grasl und Suchanek stolpern wie immer zufällig über die richtigen Hinweise. Im Hintergrund gibt es viel vergnügliches Politisches inklusive Korruption durch die Vorteilnahme von Umwidmungen in Zusammenhang mit Grundstücksspekulationen und auch Gesellschaftspolitisches, denn die kleine Ortschaft ist zweigeteilt: in die ursprünglich Ortsansässigen und die Bungalesen, die in den neugebauten Bungalows wohnen, mit denen einige der Alteingesessenen sich eine goldene Nase verdient haben, aber die nun natürlich als Fremdkörper in der Dorfgemeinschaft wahrgenommen werden.
Dafür gibt es sehr viel Wortwitz und wundervolle absurde Szenen, die man bezüglich der politischen Komponente möglicherweise als NiederösterreicherIn noch witziger findet.
"„Der Landeshauptmann verspricht mir zum Dank für meinen selbstlosen Dienst an der Allgemeinheit einen Erholungsurlaub. Aber sowie die Kamerateams weg sind, hat er das wieder vergessen. Das wäre doch ein gefundenes Fressen für die Presse!“ „Für die Niederösterreichische Presse? Sie sind nicht von hier, oder?“"
„Er entspannte sich nach Suchaneks Rezept [ein Joint] auch gleich so sensationell, dass er länger als allgemein üblich brauchte, um zu verstehen, dass dieses eine Würstchen am Grillrost, das sich von den anderen doch deutlich unterschied, sein Daumen war.“
Fazit:Sehr witzig, ein guter unterhaltsamer Krimi, den ich wie alle anderen in dieser Reihe ( Volksfest, Altenteil) absolut empfehlen kann.
The start of this book was wonderful and hooked me immediately. It quickly petered out, helped by many loathsome characters. Some of the book was incredibly funny and astute, but most of it was just a confused mess.
William Faulkner hat einmal geschrieben, “In writing, you must kill all your darlings.” Ein guter Rat für Schriftsteller, den der Journalist Nikowitz beim Schreiben des Kriminalromans aber leider nicht befolgt hat.
Ich mag die "profil"-Kolumnen von Rainer Nikowitz und den Schreibstil seiner Kolumnen. Das Buch wurde im gleichen Schreibstil verfasst. Leider. Denn die Kolumnen von Nikowitz sind deshalb so gut, weil er seine ganze Persönlichkeit darin einfliessen lässt und die Absurdität einer Situation und die Absurdität von Menschen auf nur einer einzigen Seite kurz und prägnant darstellt.
Bei einer einzigen Seite Text zählt jedes Wort. Die Sätze müssen Aufsehen erregen. Aber wenn bei einem laaangen Buch jeder einzelne Satz schreit "Look.At.Me!", dann ist das unheimlich mühsam und nervtötend.
Ich konnte mich nicht auf die Geschichte konzentrieren und mich nicht in der Geschichte verlieren, weil der laute Kolumnen-Schreibstil von Nikowitz das einfach nicht erlaubt. Ein gutes Buch führt dazu, dass ich beim Lesen die Welt um mich herum vergesse und komplett in die Welt des Buches eintauche. Das war bei diesem Buch nicht möglich.
Bei einem Kriminalroman mit fiktiven Figuren bedeutet dieser Schreibstil zudem, dass alle Figuren gleich sind. Sie denken und sprechen alle auf die gleiche Art und Weise (z. B. Verwendung von englischen Redewendungen, gleiche kulturelle Referenzen aus den Jugendjahren von Nikowitz trotz unterschiedlichen Alters der Figuren). Die Figuren sind alle...Rainer Nikowitz.
Mir gefällt die Absurdität der Geschichte, weshalb ich dem Buch auch zwei Sterne gebe. Aber in Zukunft werde ich mich auf das Lesen der Kolumnen beschränken. Eine Seite Kolumne im Schreibstil von Rainer Nikowitz ist brilliant, 218 Seiten Kriminalroman im gleichen Schreibstil sind 217 Seiten zu viel.
Gelungene Fortsetzung des Österreichkrimis mit Amateurheld
Wiewohl der zweite Teil der Serie sehr stark am in Teil 1 eingeführten Charakter Suchaneks und seiner 'Partner in crime' aufbaut - auch unabhängig gelesen macht dieser Teil 2 mächtig Spaß!
Tolle, teilweise unglaublich absurd weit hergeholte und trotzdem passende, sprachliche Vergleiche machen das Lesen zum Vergnügen. Schmunzelnd und immer wieder verständnislos ungläubig blickt man dem unbeholfenen und gerade deshalb so sympathischen Helden über die Schulter. Und fragt sich dabei: "Ernsthaft jetzt?!?" =)
Ich lese selten Krimis, doch dieser hier hat mich als Fan von Romanen sehr gut unterhalten und mir ein paar schöne Abende beschert.
Wie schon der erste Teil, war auch dieser Teil sehr unterhaltsame Lektüre. Man darf freilich keine Ansprüche an die Qualität der Geschichte per se stellen. Dafür finden wir sehr viele Anspielungen auf die österreichische Innenpolitik und deren Figuren und Selbstverständnis.
Es ist also wiederum mehr Kabarett als Roman und dafür lasse ich diesemal auch fünf Sterne da, denn schon vor dem Ende habe ich mich gefragt, ob ich den nächsten Band gleich als nächstes lesen sollte. Das spricht wohl für sich.