Über die Kraft der Kunst und der lebenslangen Freundschaft
Der Schauspieler Bruno und sein Freund Michael, Schriftsteller, lernen auf einer Bahnreise die junge Marietta kennen. Die Kunststudentin ist merkwürdig unruhig und scheint vor etwas auf der Flucht zu sein. Spontan nehmen sich Bruno und Michael ihrer an und begleiten sie bis nach Venedig, wo sie nach wenigen Tagen einfach verschwindet. Erst Jahre später begegnet Michael ihr auf einer Lesung wieder. Diese Begegnung ist der Beginn einer Fürsorge für eine traumatisierte Frau, deren Geschichte auch die Lebenswege von Michael und Bruno verändert.
Sten Nadolny hat einen klugen, hintersinnigen Roman über lange Freundschaften, tiefe Versehrungen und die Kraft des Erzählens geschrieben.
»Sten Nadolny ist ein Erzähler unvergesslicher Geschichten.« FAZ
Sten Nadolnys Longseller »Die Entdeckung der Langsamkeit« ist ein moderner Klassiker
Sten Nadolny, (born 29 July 1942, in Zehdenick, Province of Brandenburg) is a German novelist. His parents, Burkhard and Isabella Nadolny, were also writers.
His best known work is "The Discovery of Slowness" (1987; originally published in 1983 as "Die Entdeckung der Langsamkeit"), a fictionalized meditation on the life and lessons of British Arctic explorer Sir John Franklin. A pre-publication portion of the novel titled "Kopenhagen 1801" (which would become the fifth chapter) had earned Nadolny the Ingeborg Bachmann Prize in 1980.
Leider enttäuschend! Seltsam blutleer. Es gibt den hochsensiblen, introvertierten Schriftsteller Michael, der sich eine Zweitkarriere als Lebensberater aufgebaut hat. Es gibt den Schulfreund Bruno, einen polternden Schauspieler und Theaterchef, der aufgrund falscher Anschuldigungen (Cancel Culture) sein bisheriges Leben aufgeben muss. Und es gibt Marietta, die eigentlich Irina heißt und für die Polizei gelegentlich als Super Recognizer tätig ist. Sie erkennt Gesichter von Verbrechern sicher. Kriminelle Clans sind daher hinter ihr her. In ihrer Kindheit ist sie sexuell missbraucht worden und schleppt das Trauma und schwer diagnostizierbare körperliche Erkrankungen mit sich herum. Die zwei Männer lernen Marietta/Irina auf einer Bahnfahrt kennen und sind von der jungen Frau fasziniert. Gemeinsam reisen sie nach Venedig. Dort aber verschwindet Marietta. Michael findet sie irgendwann wieder, avanciert zu ihrem Helfer (sie sitzt inzwischen im Rollstuhl), erklärt ihr aber nie seine Liebe. Ein großer Fehler. Der Roman dreht sich um die Liebe, die Perspektiven auf das gelebte Leben, den Wert des Geschichten-Erzählens. Erzählt wird die Geschichte von einem dritten Schulfreund Titus, der die Unterlagen vom depressiven Michael erhält. Titus kann den Roman nicht beenden. Allerdings meldet sich im Epilog der „nicht erfundene Autor“ (Sten Nadolny) und gibt den Lesern aus der Perspektive des Jahres 2027 einen Überblick über das weitere Leben der Protagonisten. Verschachtelt also und kompliziert. Das könnte reizvoll sein, wenn die Figuren nicht so papieren wirken würden und die Dialoge mehr Pep hätten. Dennoch entwickelt die Geschichte einen gewissen Sog. Schließlich möchte man erfahren, wohin sich Mariettas/Irinas Geschichte entwickelt. Die der männlichen Protagonisten und des Erzählers ist weniger spannend. Viele Querverweise auf Filme und andere Werke und Schauplätze Nadolnys, das Segeln, das Bahnfahren. Leiser Humor zwischendrin, aber auch recht schmalzige und/oder unglaubwürdige Episoden (Titus‘ Liebesgeschichte mit einer Theologin, die ganz zufällig auch die Freundin Irinas/Mariettas ist) und etwas abgeschmackte Kommentare zum realen Zeitgeschehen.
Eine Geschichte über eine hochintelligente, missverstandene Frau und zwei alte Männer, die um ihre Liebe buhlen. Sten Nadolny spielt in „Herbstgeschichte“ mit den Übertreibungen, zum Beispiel: Wie viele Zufallsbegegnungen kann man einbauen, bevor die Lesenden einen nicht mehr ernst nehmen? Sprachlich und rein handwerklich ist die Geschichte gut gemacht. Die Protagonisten und der Plot waren jedoch wirklich gewöhnungsbedürftig. Das Hörbuch hat Peter Kaempfe lebendig, aber nicht übertrieben eingesprochen. Insgesamt konnte er aber auch die Schwierigkeiten, die ich mit dem Inhalt hatte, nicht wettmachen.
Zwei alte Schulfreunde treffen im Zug eine faszinierende Frau - der Startpunkt einer dicht geknüpften Geschichte rund um Trauma, Freundschaft und Konkurrenz, Helfen und Helfenden - und über das Schreiben. Gerade wegen des Bezugs zum Schreiben verzeiht man die komplexe Konstruktion - und der Mann kann erzählen.