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Muttermale: Roman

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Virtuos, behutsam und Dagmar Leupold bringt Dinge zum Sprechen – sie erzählen von der Mutter, aber auch von Krieg, Flucht und Fremdheit.


Wie erzählt man von der eigenen Mutter? Vor über hundert Jahren in Ostpreußen geboren, vor der Roten Armee geflohen, auf Umwegen irgendwo im deutschen Westen angekommen und dort, im neuen Leben, in der neuen Zeit nach dem Krieg, von dem bald keine Rede mehr war, immer fremd geblieben. Fremd auch der eigenen Tochter, die sich weiter und weiter entfernte, bis die Geschichte der Mutter irgendwann unbegreiflich geworden war. Muttermale ist der Roman einer Annäherung. In immer neuen Anläufen versucht Dagmar Leupold, Verlorenes wiederzugewinnen. Sie greift dazu auf das zurück, was vom Leben der Mutter geblieben ist, Alltagsgegenstände, Gewohnheiten, Fotos, gern gebrauchte Wörter und Sä alles, was über die Zeit hinweg von der Mutter zu ihr spricht. Sie lauscht diesem Sprechen, um ihm Geheimnisse und Unausgesprochenes abzulauschen, und findet immer wieder Spuren eines Traumas.

161 pages, Kindle Edition

Published September 16, 2025

56 people want to read

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Dagmar Leupold

22 books5 followers

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17 reviews
September 16, 2025
In „Muttermale“ begibt sich die Erzählerin in eine „Asservatenkammer“ voller Erinnerungen an ihre Mutter: Fotos, Gegenstände, Worte – alles wird behutsam betrachtet, erfühlt und poetisch reflektiert. Es ist kein klassischer Familienroman, sondern eine literarische Spurensuche durch Zeit und Leben einer Frau.

Die Mutter ist komplex: streng, verschlossen, geprägt von Krieg und Flucht. Doch zwischen Schweigen und Härte blitzen kleine Momente auf – winzige Heiterkeit, flüchtige Zuwendung, ein Lächeln oder ein Lied –, die besonders berühren. Dennoch bleibt vieles ungesagt.

Leupold erzählt in Fragmenten, springt zwischen Kindheit, Jugend und späterem Alter und verknüpft Alltagsbeobachtungen mit Reflexionen über Krieg, Flucht und Nachkriegszeit. Die Sprache ist dicht, voller feiner Nuancen.

Mich hat das Buch stark berührt. Auch ich bin Tochter einer Mutter, die über ihre Vergangenheit schweigt, und konnte das Wechselspiel von Nähe und Fremdheit, Sehnsucht und Erstarrung unmittelbar nachempfinden. Der Titel „Muttermale“ ist treffend: Er meint nicht nur körperliche Zeichen, sondern auch die Spuren – sanfte Male wie schmerzliche Kerben –, die Mütter im Leben ihrer Kinder hinterlassen.

Fazit: „Muttermale“ ist ein Buch über Erinnerung, Schweigen, Liebe und Versäumnis – sensibel, klug und von beeindruckender literarischer Qualität.

Empfehlenswert für Leser*innen, die keine lineare Familiengeschichte suchen, sondern offen sind für das Erkunden von Sprachlosigkeit und Generationserbe. Ein stilles, nachhallendes Werk, das zum Nachdenken über die eigenen „Muttermale“ einlädt.
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52 reviews
February 1, 2026
Sehr überzeugend! Ich teile die Einschätzungen von Andrea Köhler und Carsten Hueck unbedingt (Rezensionen in Die Zeit und im Deutschlandfunk, s. Perlentaucher), hier aus dem Perlentaucher:

"Jedes Wort ist in Dagmar Leupolds neuem Buch am richtigen Platz, findet Rezensentin Andrea Köhler: In der Du-Ansprache richtet sich das Buch an ihre Mutter, die aus Ostpreußen geflohen ist und zeit ihres Lebens geschwiegen hat dazu. Ein "fortlaufendes Band der Verfehlungen" läuft in der gemeinsamen Geschichte von Mutter und Tochter ab, was Leupold Köhler zufolge in den alltäglichen Szenen des Familienlebens deutlich macht. Trotz aller Trostlosigkeit und Kriegstraumatisierung gibt es immer wieder auch wärmende Momente zwischen tröstendem Essen und nächtlicher Geborgenheit, erfahren wir. Für die Rezensentin ein Buch, das durch seine präzise Sprache und seine Befreiung des Schweigens zwischen Mutter und Tochter überzeugt."

"Eine "sprachkundige Künstlerin" ist Dagmar Leupold für den Kritiker Carsten Hueck: In ihrem neuen Buch widmet sie sich der Beziehung zu ihrer Mutter, die sie als stellvertretend für eine ganze Generation be- und erschreibt. Die Mutter ist vom Krieg geprägt, musste fliehen, hat sich schwer getan, der Tochter Liebe und Zuneigung offen zu zeigen, viele traumatische Erinnerungen werden in der "Asservatenkammer" des Gedächtnisses aufbewahrt, Hueck liest von vielen Verniedlichungen, die die Mutter anwendet, um das kalte Leben etwas erträglicher scheinen zu lassen. Für ihn ist das Buch eine wunderbare Mischung aus Empathie, Sprachkunst und Genauigkeit."
1,391 reviews6 followers
November 22, 2025
Die Autorin hatte wohl schon ein Problem mit ihrer Mutter oder auch umgekehrt. Viele Sätze zeigen gegenseitige Verletzungen und Unverständnis auf. Die Sätze und Aussagen sind sehr dicht und manches muss man nochmals lesen, um es zu verstehen.
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