Als Corona die Zerbrechlichkeit der Lieferketten aufzeigte, war bald von »De-Globalisierung« die Rede. Aus dem Aufstieg Chinas werden protektionistische Forderungen abgeleitet. Und angesichts zunehmender internationaler Spannungen sprechen viele von einer Rückkehr der Geopolitik.
Daraus zu schließen, die neoliberale Globalisierung sei passé und der (National-)Staat wieder da, ist aus Sicht Milan Babićs jedoch zu einfach. Staaten verabschieden sich nicht aus transnationalen Netzwerken. Stattdessen erleben wir eine Regionalisierung, die auch wirtschaftlichen Imperativen folgt. Und im Kampf um globale Infrastrukturen sind Unternehmen weiterhin zentrale Akteure. Wer die neu entstehende Weltordnung begreifen will, so Babić, muss sie daher aus der Perspektive der Geoökonomie betrachten.
In der Diskussion um den derzeitigen Status der globalen Wirtschaftsordnung legt der Ökonom Milan Babić mit „Geoökonomie. Anatomie der neuen Weltordnung“ einen Beitrag zur Versachlichung vor. Er konstatiert: Ja, die neoliberale Wirtschaftsordnung befindet sich auf dem Rückzug, was mit einer Revitalisierung des Nationalstaates einhergeht. Dies münde jedoch nicht, wie manche Kommentatoren behaupten, in einer weitreichenden De-Globalisierung, sondern in das, was Babić Geoökonomie nennt. Geoökonomie meint, dass Staaten, insb. Großmächte wie die USA und China, die Vorteile der Globalisierung weiterhin für sich nutzen wollen, ohne jedoch die Nachteile der bisherigen neoliberalen Ordnung, wie unsichere Lieferketten, Deindustrialisierung oder Sicherheitsrisiken, in Kauf nehmen zu müssen. Dazu re-politisieren Staaten ihre Wirtschaftspolitik, indem sie bspw. Lieferketten regionalisieren und diversifizieren, den Export wichtiger Technologien untersagen oder Sanktionen und Zölle verhängen. Also ziemlich genau das, was sich zuletzt in den Zoll-Exzessen Donald Trumps aber auch in dem Verbot des Verbaus von Huawei-Komponenten im deutschen 5G-Netz, zeigte.
Während Babić seine Kernthese nüchtern und präzise auf den Punkt bringt, so fällt sein Fazit ungleich zweckoptimistisch, ja geradezu naiv aus. Babić sieht in den genannten Verschiebungen den Anbeginn einer „progressiven Wirtschaftspolitik“, wodurch der Klimawandel international-koordiniert aufgehalten würde. Doch gerade durch die Rückbesinnung auf nationale Interessen sowie dem Versuch, nationalökonomische Nachteile von internationaler Wirtschaftspolitik abzufedern, wird gerade jene international koordinierte Klimaschutzpolitik unwahrscheinlicher, die es bräuchte, um den Klimawandel aufzuhalten. Das Dilemma, dass eine umfassende Klimaschutzpolitik für den Einzelnen nur dann wirtschaftlich rational ist, insofern alle (größeren) Ökonomien mitziehen – was offenkundig aber nicht der Fall ist – bleibt auch im neuen Modus der Geoökonomie bestehen.
Das Buch ist wirklich sehr interessant und lesenswert.
Milan Babic führt hier mehrere wirtschaftliche und politische Veränderungen und Beobachtungen auf ein Ende der neoliberalen Globalisierung zurück bzw. stellt sie damit in Zusammenhang. Die daraus folgende globale Ordnung der "Geoökonomie" stellt dabei, seinen Beobachtungen nach ganz neue Herausforderungen an die Wirtschaft und vor allem Nationalstaaten.
Der Autor untermauert seine Argumentation mit vielen, sehr interessanten Fallbeispielen und geht zudem auf die ebenfalls interessante Rolle der Rechtspopulisten in diesem Zusammenhang ein.
Das Buch ist wirklich sehr gut geschrieben, äußerst interessant und liest sich in einem wunderbaren Fluss und ist dabei noch höchst aktuell.
Ist nen richtig guter neuer Turn in internationaler politischer Ökonomie Babic geht vom Ende neoliberaler Globalisierung aus und skizziert eine Geo ökonomische Ordnung statt der üblichen geopolitischen Fands sehr nice, Horizont erweiternd und aktuell (von Mitte 2025)
4/5- Kurze Gedanken dazu: - Es wird ein Ende des Neoliberalismus argumentiert - Stattdessen gäbe es eine Verschiebung hin zu mehr nationalstaatlichem Protektionismus, bzw. Ausnutzung der Globalisierung ohne die Nachteile des Neoliberalismus - Geoökonomie - Diese Entwicklungen werden anhand von der Trennung an unsicheren Lieferketten o.ä. festgemacht - Stattdessen gäbe es mehr Regionalität oder Diversifizierung (am Beispiel Lieferketten jetzt) Das Buch argumentiert sehr gut und es lässt sich sehr angenehm lesen und verstehen Nur das Ende liegt mir komisch im Kopf. Da wird ein Optimismus projiziert, den ich aus diesen Entwicklungen nicht teile, bzw. nicht in der Art wie der Autor diese beschreibt, aber wie immer - selber lesen lohnt sich & bildet am Besten.