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Geoökonomie: Anatomie der neuen Weltordnung

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Als Corona die Zerbrechlichkeit der Lieferketten aufzeigte, war bald von »De-Globalisierung« die Rede. Aus dem Aufstieg Chinas werden protektionistische Forderungen abgeleitet. Und angesichts zunehmender internationaler Spannungen sprechen viele von einer Rückkehr der Geopolitik.

Daraus zu schließen, die neoliberale Globalisierung sei passé und der (National-)Staat wieder da, ist aus Sicht Milan Babićs jedoch zu einfach. Staaten verabschieden sich nicht aus transnationalen Netzwerken. Stattdessen erleben wir eine Regionalisierung, die auch wirtschaftlichen Imperativen folgt. Und im Kampf um globale Infrastrukturen sind Unternehmen weiterhin zentrale Akteure. Wer die neu entstehende Weltordnung begreifen will, so Babić, muss sie daher aus der Perspektive der Geoökonomie betrachten.

237 pages, Paperback

First published May 19, 2025

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Milan Babic

8 books

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Displaying 1 - 6 of 6 reviews
Profile Image for Florian Lorenzen.
170 reviews192 followers
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October 10, 2025
In der Diskussion um den derzeitigen Status der globalen Wirtschaftsordnung legt der Ökonom Milan Babić mit „Geoökonomie. Anatomie der neuen Weltordnung“ einen Beitrag zur Versachlichung vor. Er konstatiert: Ja, die neoliberale Wirtschaftsordnung befindet sich auf dem Rückzug, was mit einer Revitalisierung des Nationalstaates einhergeht. Dies münde jedoch nicht, wie manche Kommentatoren behaupten, in einer weitreichenden De-Globalisierung, sondern in das, was Babić Geoökonomie nennt. Geoökonomie meint, dass Staaten, insb. Großmächte wie die USA und China, die Vorteile der Globalisierung weiterhin für sich nutzen wollen, ohne jedoch die Nachteile der bisherigen neoliberalen Ordnung, wie unsichere Lieferketten, Deindustrialisierung oder Sicherheitsrisiken, in Kauf nehmen zu müssen. Dazu re-politisieren Staaten ihre Wirtschaftspolitik, indem sie bspw. Lieferketten regionalisieren und diversifizieren, den Export wichtiger Technologien untersagen oder Sanktionen und Zölle verhängen. Also ziemlich genau das, was sich zuletzt in den Zoll-Exzessen Donald Trumps aber auch in dem Verbot des Verbaus von Huawei-Komponenten im deutschen 5G-Netz, zeigte.

Während Babić seine Kernthese nüchtern und präzise auf den Punkt bringt, so fällt sein Fazit ungleich zweckoptimistisch, ja geradezu naiv aus. Babić sieht in den genannten Verschiebungen den Anbeginn einer „progressiven Wirtschaftspolitik“, wodurch der Klimawandel international-koordiniert aufgehalten würde. Doch gerade durch die Rückbesinnung auf nationale Interessen sowie dem Versuch, nationalökonomische Nachteile von internationaler Wirtschaftspolitik abzufedern, wird gerade jene international koordinierte Klimaschutzpolitik unwahrscheinlicher, die es bräuchte, um den Klimawandel aufzuhalten. Das Dilemma, dass eine umfassende Klimaschutzpolitik für den Einzelnen nur dann wirtschaftlich rational ist, insofern alle (größeren) Ökonomien mitziehen – was offenkundig aber nicht der Fall ist – bleibt auch im neuen Modus der Geoökonomie bestehen.

Abgesehen vom Fazit aber ganz lesenswert

Review auf Instagram: https://www.instagram.com/p/DPnqfoXgtWP
Profile Image for Thomas Becker .
66 reviews7 followers
June 2, 2025
Das Buch ist wirklich sehr interessant und lesenswert.

Milan Babic führt hier mehrere wirtschaftliche und politische Veränderungen und Beobachtungen auf ein Ende der neoliberalen Globalisierung zurück bzw. stellt sie damit in Zusammenhang.
Die daraus folgende globale Ordnung der "Geoökonomie" stellt dabei, seinen Beobachtungen nach ganz neue Herausforderungen an die Wirtschaft und vor allem Nationalstaaten.

Der Autor untermauert seine Argumentation mit vielen, sehr interessanten Fallbeispielen und geht zudem auf die ebenfalls interessante Rolle der Rechtspopulisten in diesem Zusammenhang ein.

Das Buch ist wirklich sehr gut geschrieben, äußerst interessant und liest sich in einem wunderbaren Fluss und ist dabei noch höchst aktuell.
Profile Image for Jakob Palmer.
106 reviews9 followers
October 6, 2025
Ist nen richtig guter neuer Turn in internationaler politischer Ökonomie
Babic geht vom Ende neoliberaler Globalisierung aus und skizziert eine Geo ökonomische Ordnung statt der üblichen geopolitischen
Fands sehr nice, Horizont erweiternd und aktuell (von Mitte 2025)
Profile Image for Jonas.
232 reviews7 followers
November 28, 2025
4/5- Kurze Gedanken dazu:
- Es wird ein Ende des Neoliberalismus argumentiert
- Stattdessen gäbe es eine Verschiebung hin zu mehr nationalstaatlichem Protektionismus, bzw. Ausnutzung der Globalisierung ohne die Nachteile des Neoliberalismus - Geoökonomie
- Diese Entwicklungen werden anhand von der Trennung an unsicheren Lieferketten o.ä. festgemacht
- Stattdessen gäbe es mehr Regionalität oder Diversifizierung (am Beispiel Lieferketten jetzt)
Das Buch argumentiert sehr gut und es lässt sich sehr angenehm lesen und verstehen
Nur das Ende liegt mir komisch im Kopf. Da wird ein Optimismus projiziert, den ich aus diesen Entwicklungen nicht teile, bzw. nicht in der Art wie der Autor diese beschreibt, aber wie immer - selber lesen lohnt sich & bildet am Besten.
Profile Image for F.
23 reviews1 follower
May 9, 2026
Babić liefert einige gute konzeptionelle Beobachtungen zur aktuellen Weltlage. Er kritisiert die These der "Deglobalisierung" als verkürzt und zeigt, dass sich die Weltwirtschaft durch De-Risking und horizontale Fragmentierung neu konfiguriert, unter zunehmenden Sicherheitsaspekten der weaponized interdependence.

Seine Heuristik des Übergangs vom neoliberalen, nach innen gerichteten "Wettbewerbsstaat" zum strategisch nach außen agierenden "geoökonomischen Staat" ist scharf und angesichts der sich häufenden Krisen unserer Zeit, die technokratisches, auf wirtschaftliche Integration abzielendes Regieren erschweren oder sogar verunmöglichen, analytisch gerechtfertigt.

Das ist leider auch schon so gut wie alles Gute, was ich über das Buch sagen kann. Sobald Babić zur politökonomischen Analyse der Geoökonomie übergeht, offenbaren sich konzeptionelle und analytische Schwächen. Geopolitische Machtressourcen (endowments) werden über eine Unterscheidung zwischen Großmächten und Nicht-Großmächten und deren Kontrolle über Infrastrukturen hinaus kaum behandelt. Auch findet keine Analyse, geschweige denn eine Auflistung der Palette an geoökonomischen Instrumenten statt, die eben wesentlich mehr umfassen als nur die genannte Betrachtung von Lieferketten und (wie auch immer gearteter) Infrastruktur.

Das Buch bewegt sich insgesamt eher auf einer linken, ideologiekritischen Ebene, anstatt sich mit harten Trade-offs auseinanderzusetzen. Einige Beispiele:

- Wirtschaftliche und technologische Lernkurven bei erneuerbaren Energien werden ignoriert und das Rendite-Paradoxon wird rein einem Marktversagen zugeschrieben, anstatt es als Funktion unausgereifter kapitalistischer Skalierungslogiken in einem hochdynamischen, sich entwickelnden Markt zu begreifen. Soweit ich weiß, haben Politiker und Nicht-Kapitalisten jedenfalls noch keine effizienteren Solarpanele oder Batterien herbeigeredet.

- Die eigene Eingrenzung des Begriffs des Neoliberalismus wird später wieder ignoriert und so alles Mögliche dazu gezählt. Ich wusste jedenfalls nicht, dass die Durchsetzung von geltendem deutschem Haushaltsrecht (BVerfG-Urteil zum KTF) neoliberal ist. Man lernt nie aus!

- Besonders eklatant ist der Bias bei der Analyse von Wählerverhalten. Anstatt anzuerkennen, dass breite Bevölkerungsschichten aus einem soziotropen Interesse heraus Populisten wählen, erklärt Babić dieses Verhalten herablassend als "falschen Populismus", weil – und hier ist die Ironie dick aufgetragen – diese Wähler gerade nicht einer individuellen Kosten-Nutzen-Analyse folgen, bei der sie am Ende rein ökonomisch mehr hätten. Die handfesten wirtschaftlichen und sozialen Kosten progressiver Luxuspolitiken (offene Grenzen, Klimapolitik, Umwelt- und Artenschutzgesetzgebung um jedes Bauvorhaben zu stoppen, Mietdeckel etc.) werden jedenfalls gänzlich ignoriert.

- In einer von Wunschdenken erfüllten Passage zu Umfragedaten bezüglich einiger progressiver Politiken ignoriert Babić die offenbarten Präferenzen (revealed preferences) an der Wahlurne völlig, sobald materielle Verteilungskonflikte tatsächlich anklopfen. Die meisten finden Umwelt- und Klimaschutz gut, zumindest in abstracto (ähnlich wie bei Umfragen zur "Demokratie"). Allerdings sieht die Welt in der Regel anders aus, wenn reale Kosten ins Spiel kommen.

Auch die eigens von ihm betonte Differenz von Geopolitik und Geoökonomie ignoriert er später im Buch. So verklärt er die potenzielle Inbesitznahme des Panamakanals durch die Trump-Regierung als Geoökonomie. Dabei gibt es kein besseres Beispiel für einen von der Ausflankierungslogik eines potenziellen maritimen Konfliktes (USA vs. China) bestimmten, geopolitischen Schachzug zur Sicherung der eigenen Hemisphäre, um den Transit von atlantischen US-Kräften in den Pazifik zu sichern. Auch interpretiert er diesen Schachzug als unsicherheitsfördernd, obwohl klar ist, dass dieser durch die Sicherstellung des Transits von US-Atlantikflotten in den Pazifik die Kredibilität US-amerikanischer Sicherheitsgarantien in Ostasien erhöht, somit die Abschreckung gegenüber China verbessert und damit Sicherheit fördert (über die Legalität sei hier nichts gesagt, es geht um den abstrakten strategischen Punkt).

Mein Fazit ist, dass die Ordnungsperspektive analytisch durchaus zweckdienlich sein kann. Dafür ist es aber unabdingbar, die Mechanismen und vor allem die Instrumente der Geoökonomie, die eine solche Ordnung überhaupt erst konstituieren, fundiert zu konzeptualisieren. So jedenfalls lässt sich hier keine Perspektive darüber entwickeln, wie man in der geoökonomischen Ordnung zweckmäßig handelt, egal welche politische Orientierung man dabei verfolgt. Die wiederholten Fehlinterpretationen sicherheitspolitischer Dynamiken deuten darauf hin, dass der Autor diese entweder nicht versteht oder nicht verstehen will.

2/5
Profile Image for Florin.
58 reviews2 followers
February 21, 2026
Babić argumentiert, dass die Welt sich in einem Prozess der Geoökonomisierung (Strategisierung von Verflechtungen, Fragmentierung & Regionalisierung, Transformation von Staatsmacht) befindet. Zuvor stellt Babić noch die "Leitlinien" der neoliberalen Globalisierung vor, die die Realität geschaffen haben, in der die Geoökonomisierung stattfindet.
Im weitern Verlauf legt er den Fokus jeweils auf den Staat, die Wirtschaft und die Politik. Gerade den Teil zu Politik mit seinen Betrachtungen zur Inkongruenz von Politik - Ideologie - Interessen in Zeiten der Geoökonomisierung und der daraus abgeleiteten 'Erklärung' von "falschem Populismus" fand ich interessant.
Das Fazit ist mMn etwas zu optimistisch in Bezug auf entstehenden Handlungsmöglichkeiten durch den Klimawandel und man hat das Gefühl, dass hier versucht wurde das im vorderen Teil festgestellte Fehlen von politisch attraktiven & populären Projekten/Visionen selbst in die Hand zu nehmen. Das Thema des Buchs ist auch ziemlich groß und bei 200 Seiten bleibt wohl nicht aus, dass die Argumentation manchmal etwas springt und eher wenige, aber detaillierte Beispiel herangezogen wurden.
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