Eine Tiefgarage, ein Kellerabteil, ein alter Schrank. Darin zusammengekrümmt eine tote Frau in einem grünen Sommerkleid. Die Frau ist schnell identifiziert, doch wo ist ihre kleine Tochter? Und wer hat sie umgebracht? Ist es möglich, dass ein Mörder gemordet hat, um das Kind des Opfers zu retten? Für den Münchner Kommissar Polonius Fischer gibt es keine Routine. Nicht erst seit er seine Mönchskutte abgelegt hat, zählt für ihn vor allem das Rätsel des Bösen. Friedrich Anis Roman erzählt die Suche nach den Gründen eines Verbrechens als Suche nach den dunkelsten Kräften des menschlichen Handelns.
Friedrich Ani, 1959 in Kochel am See geboren, lebt heute als freier Schriftsteller und Drehbuchautor in München. Neben Kriminalromanen schreibt er Lyrik, Erzählungen, Jugendromane und Drehbücher. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen u. a. den Tukan-Preis und dreimal den Deutschen Krimipreis.
Keine Frage, Ani kann schreiben...um nicht zu sagen er kann schreiben. Sein Talent für Sprache ist wirklich überragend, es gibt ganze Kapitel in denen Leute ohne Punkt und Komma (und gelegentlich auch ohne Respekt für korrekte Grammatik) erzählen...oft sind das Verdächtige, die sich rausreden wollen und deswegen absoluten Müll erzählen. Bei vielen anderen Autoren würde das wahrscheinlich nervtötend wirken aber bei Ani kleben meine Augen an der Seite und ich fühle mich fast ein bisschen außer Atem wenn das Kapitel zu Ende ist. Soweit so gut. Wenn es aber nicht nur ums schreiben sondern ums Krimi schreiben geht ist das was anderes. Ja, das kann er auch. Meistens. Hier gelingt es ihm nicht so ganz. Es ist alles ein bisschen zu viel. Zu viel Charaktere: PFs Team besteht aus gleich 12 Personen und die können auf knapp 350 Seiten einfach nicht so ausführlich vorgestellt werden, dass mehr als ein vages Knäul aus Namen und Backstories, die man aber nicht richtig zusammensetzen kann, bleibt. Im Gedächtins bleibt nur Liz, und die nicht aus positiven Gründen. Sie wirkt zu kindisch und naiv und wie eine absolute Fehlbesetzung als Polizistin. Zu viel Zufälle...bzw. ein zu großer Zufall, der zwei Fälle, die nichts aber irgendwie doch vieles gemeinsam haben verbindet. Zu viele Exkurse über Gott und die Welt (oder eher nur Gott).
Mein erster Polonius Fischer-Roman war Totsein Verjährt Nicht, der hat mir um einiges Besser gefallen hat, da ich das Gefühl hatte, das der Fokus wesentlich stärker auf dem tatsächlichen Kriminalfall liegt.
Rein sprachlich ist dies ein ungewöhnlich guter Krimi. Die Dialoge wirken auf Authenzität abgeklopft und insgesamt gibt es eine große Variabilität in der Nutzung von Worten und Satzzusammenstellungen und eben keine Aneinanderreihung von öden Subjekt-Objekt-Prädikat-Standardsätzen, wie sie in so vielen Vertretern dieses Genres anzutreffen sind. Nun, Sprache ist das Eine... in Krimis geht es aber eben auch immer um den Inhalt und den Spannungsbogen. Spannung kommt leider aufgrund der Entscheidung, den Mörder in einem Nebenstrang parallel zur Polizeiarbeit in der Erzählung laufen zu lassen, quasi nie auf. Dass die Polizisten zufällig einen weiteren Todesfall entdecken und aufklären, weil ein Beteiligter zufällig auch mit dem eigentlichen Opfer Kontakt hatte ist schon fragwürdig. Dass dann aber der ehemalige Mönch und heutige Kommissar, der aus dem Kloster geflüchtet ist und dessen Mutter in einem See ertrank, einen Todesfall einer ehemaligen Nonne aufklärt, die aus dem Kloster geflüchtet ist und deren Mutter in einem See ertrank, DAS....das muss doch wirklich nicht sein....
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Selten einen so langweiligen Krimi gelesen. Die zwei Mörder gestehen nach jeweils wenigen Sätzen des Kommissars mit einem verworrenen Monolog, der über mehrere Seiten geht und in denen doch nichts gesagt wird. Das Genugtuungsgefühl bleibt voll aus und die Spannung ebenso. Die Beweggründe einiger Charaktere sind unnachvollziehbar und deren (teils hirnrissige) Handlungen teilweise noch viel mehr. Der Erzählstil ist interessant und hätte Potential, scheitert aber daran, dass sich das Buch viel zu ernst nimmt. Scheinbar banale Vorkommnisse und Gedanken zu erwähnen und plötzlich zwischen Charakteren und Situationen zu wechseln kann eine erfrischende Abwechslung in Büchern sein, hier wurde dieses literarische Werkzeug nur so oft eingesetzt, dass es am Ende einfach nur noch verwirrend und langweilig wurde. Vielleicht sind die weiteren zwei Fälle interessanter, ich werde sie aber nicht aus eigenem Willen lesen werden.
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