»Wer nimmt, dem wird gegeben.« Das ist das Motto von Paul Gertsch. Der Fünfzigjährige betreibt einen Trödelladen in Bern. In der Regel kommen Leute mit der Absicht, ihren alten Kram in Zahlung zu geben. Nicht selten gehen sie mit neuem Kram. Weniger oft kommen Leute, die Gertsch einen besonderen Auftrag erteilen wollen, einen Auftrag, der im Flüsterton geäußert wird und für den eine Anzahlung getätigt werden Bargeld in unbeschrifteten Kuverts. So räumt Gertsch gemeinsam mit seiner Tochter etwa ein gut überwachtes Luxuschalet in Gstaad aus – die Art Familienausflug, die sie beide schätzen – oder macht seinen Auftraggeber durch einen fingierten Raubüberfall zum Helden eines Theaterabends und verhilft ihm so zur Beförderung. Als Gertsch die Leiche eines landesweit bekannten Unternehmers untergeschoben wird, muss er all seine Fähigkeiten aufbieten, um sich die Polizei vom Leib zu halten. Aus dem Dieb wird ein Detektiv, und bei der Aufklärung des Falls sind ihm nicht nur legale Mittel recht.
naja. ich wohne selbst in bern und habe es sehr genossen, über orte zu lesen, die ich kenne. aber berner*innen hochdeutsche sätze sagen zu lassen, ergibt in meinem kopf so doll keinen sinn (da kann herr simon aber erstmal nichts dafür, der muss ja auch von was leben). mehr gestört hat mich die sehr unbissige mitte-links haltung. es sind, im vergleich zur durchschnittlichen person im kanton bern, gewisse sympathien mit der reitschule festzustellen, wobei vieles gleichzeitig auch recht lächerlich gemacht wird (nicht, dass es nichts zu kritisieren gäbe, aber das runterbrechen auf jaja die jungen und kultur und aufmüpfig machts für mich einfach nicht. dieser ort ist so wichtig für bern und macht so viel für soziale integration, utopien, freiraum). besonders kritisch finde ich die porträtierung im kontrast mit der doch sehr unbescholtenen darstellung der polizei. als jemand, der auf der schütz regelmässig racial profiling und in interaktionen mit dem massiven overpolicing unrechtliches und unrechtes verhalten, sexismus und rassimus miterlebt, kann ich mit dieser unkritischen darstellung nicht viel anfangen. gleiches gilt für die misogynen stereotype rund um die beziehung zwischen schoch und yuni (totaaal auf augenhöhe, no problem there) und der bösartigen, gierigen, betrogenen ehefrau. auch in alina hab ich mich als person in ihrem alter und ihrer demografie jetzt gar nicht gesehen (bitzli manic pixie dream tochter?). keine dieser frauen hat echte freundinnen (ausser alina für yuni, weil alina ist perfekt). alle sind hintergeschlechtsorganig oder neidisch oder oberflächlich oder... nennt mich schnäderfrässig, ich hab mir einfach mehr gewünscht. den fall an sich fand ich recht nice und kurzweilig aufgezogen. teilweise ein bisschen zu durchsichtig, aber einige spannende wendungen waren dabei. bitzli enttäuscht, dass der sticker auf dem auto erst am schluss erwähnt wird - das wär doch ne nice chekhov's gun geworden!
Hübsches Cover, interessanter Klappentext – mal was anderes. Ich war neugierig und musste das Buch lesen. Und ja: sehr coole Story!
Mit 176 Seiten ist das auch ein recht kurzer Krimi, den man relativ flott an einem Wochenende lesen kann. Der Klappentext ist auch schon sehr aussagekräftig; viel mehr zum Inhalt mag ich auch nicht verraten. Wir sind in Bern, und im Mittelpunkt des Geschehens stehen der Antiquitätenhändler Paul Gertsch und seine Tochter Alina; mein neues Gaunerpärchen Dream-Team :-) In bester Gentleman-Gauner-Manier betreibt Gertsch seinen Trödelladen, um von hier aus Kundschaft für die wirklich gewinnbringenden Geschäfte zu akquirieren, und ja, das Geschäft läuft. Eines Tages kommt allerdings ein unverhofftes Problem auf die Gertschens zu: irgendjemand hat eine Leiche in Pauls Kofferraum deponiert. Was tun, wenn man nicht zur Polizei will, denn zufälligerweise, nun ja, kommt man gerade von einem Coup und diese Leiche kommt zum denkbar schlechtestem Zeitpunkt..... Paul und Alina werden kreativ, und müssen nicht nur den Toten loswerden, sondern möglichst auch noch den wahren Mörder finden, und sich selbst die Polizei vom Halse halten.
Mein Leseeindruck: Das war gut :-) ! Intelligent geplottet, witzige Dialoge, viel Action; alles sehr unblutig, aber nichtsdestotrotz sehr spannend. Mir hat es sehr gut gefallen. Ich mag den Stil von Christoph Simon: sehr flüssig, aber kein Wort zu viel; teils ironisch und sarkastisch, teils einfach witzig, und auch so bildhaft, dass ich die Protagonisten direkt vor meinem inneren Auge hatte. Der Autor kann mit Sprache einfach umgehen, er ist wohl auch schon mehrfach preisgekrönt und macht u.a. Poetry Slam, und das merkt man. Es macht Freude, ihn zu lesen, hier beherrscht jemand sein Handwerk.
Mit Paul und Alina haben wir auch ein interessantes Gespann. Vater und Tochter auf gemeinsamen Einbrüchen und fingierten öffentlichen Show-Einsätzen; das fand ich cool, das hat mich irgendwie an die alten Gaunerkomödien erinnert, so à la Sidney Sheldon, und mit der Figur von Paul hatte ich mental George Clooney vor Augen bei Ocean's 1-54 (okay, ich merke gerade, ich bin alt. Wer diese Rezension liest und u50 ist, kann mit meinen Assoziationen nichts anfangen. Also lassen wir das....) .
Auf jeden Fall, ich war bestens und sehr intelligent unterhalten! Gute Geschichte, witzige Cast. Für mich hat alles gestimmt, und ich warte jetzt mal auf die nächsten Abenteuer um die beiden Gertschs!
Herzlichen Dank an den Verlag für das wunderbare Rezensionsexemplar!