Ich beziehe mich hier auf die Hörbuchfassung von Audible!
Zunächst ein Wort zur Sprecherin von “Als Gott schlief”. An und für sich hat Elisabeth Günther eine angenehme und hörbuchtaugliche Vorlesestimme. Allerdings nervt bei diesem Hörbuch gewaltig, dass sie permanent versucht, einzelnen männlichen Charakteren eine tiefe Stimme zu verleihen. Das wirkt dann immer so ein wenig , als lese Jemand vor, was der Weihnachtsmann einem nichtfolgsamen Kind mit Grabesstimme verkündet. Einem Ermittler des Teams um Jutta Stern und Tom Neumann versucht sie, einen Wiener -oder allgemein österreichischen- Dialekt anzuhängen, den sie offensichtlich nicht beherrscht, sondern lediglich imitiert. Das geht für mich gar nicht und ich habe nicht nur einmal überlegt, ob ich deshalb abbreche.
Die Handlung beginnt spannend und für deutschsprachige Verhältnisse im Thriller-Genre werden die Morde doch recht drastisch geschildert. Allerdings wird diese Spannung nicht gehalten, denn nachdem die Verbindung zwischen den einzelnen Opfern -die allesamt dem klerikalen Bereichan angehören- vom Ermittlerteam einmal hergestellt ist, weiß der Leser recht schnell, worauf das Ganze hinauslaufen wird und kann auch den Täter schnell eingrenzen. Gestützt wird die erste Vermutung dadurch, dass ebenfalls recht schnell Rückblenden in die siebziger Jahre erfolgen, in denen ein Mädchen namens Becky von Drangsalierungen in einer Art kirchlichem Kinderheim erzählt. Auch die Schilderungen des Kindes sind sehr drastisch.
Jennifer B. Wind greift in diesem Thriller/Krimi (mir ist eine eindeutige Zuordnung nicht möglich) das Thema “Kindesmissbrauch durch Angehörige der Kirche” auf. Für mich in diesem Fall leider kein besonders geschickter Versuch, denn das Buch wird ausschließlich durch die Betroffenheit des Lesers getragen, was für dieses Thema eindeutig zu wenig ist. Die Handlung ist und bleibt linear, es gibt keine Wendungen, Überraschungen etc. und alle Figuren des Ermittlerteams bleiben -trotz des lobenswerten Versuches ihnen einen persönlichen background zu verpassen- eindimensional und uninteressant, besonders Tom ist ein wandelnsdes Klischee. Sie hangeln sich am roten Faden durch das Buch bis zum Ende und da der Leser schneller begriffen hat, wer hinter den Morden steckt, ist gedanklich des Öfteren versucht, dem ganzen Team in den Hintern zu treten. Besonders beim nicht wirklich cleveren “Identitäts-Verwirrspiel” am Ende.
Achtung, Spoiler!
Es handelt sich in “Als Gott schlief” um die Selbstjustizgeschichte eines ehemals durch die Ermordeten missbrauchten Kindes. Ich fühle mich als Leser genötigt, mit diesem einen Täter (der natürlich auch Opfer ist) zu fühlen, während die anderen Missbrauchsopfer nur als statistische Staffage erscheinen und Recht und Gesetz eine eher untergeordnete Rolle spielen. Das ist kein Weg, mit dem ich mich gedanklich auseinandersetzen möchte, ich finde auch das Thema zu heikel dafür. Generell vielleicht sowieso für einen Thriller oder Krimi oder andere Unterhaltungsliteratur.
Spoiler Ende
“Als Gott schlief” hört sich gut weg, ist aber nichts, was sich langfristig einprägt oder zum Thema “Kindesmissbrauch” entscheidend beiträgt, sondern dieses Thema für das Buch instrumentalisiert. Für mich der falsche Weg.