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Am Grund des Himmels

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Claire hat genug. So stolz sie war, es als "Mädchen vom Land" bis in den führenden Konzern der Hauptstadt geschafft zu haben, so wenig erträgt sie jetzt die abschätzigen Blicke, das immer engere Korsett der starren Strukturen und vorgegebenen Abläufe, gegen die aufzubegehren unmöglich scheint. Nach und nach hat sie sich von den Werten gelöst, die ihr Arbeitgeber ihr aufgezwungen hat. Durch eine Luke steigt sie aufs Dach, niemand scheint sie zu vermissen.
Ein Sturm bricht los und Claire spürt im Angesicht dieser Naturgewalt zum ersten Mal seit Langem ihren Körper wieder. Sie hält ihr stand, doch als sie zurück will ins Gebäude, ist die Luke zugefallen.
Mit immer neuen Wendungen, starken Bildern und großer Sprachkraft gelingt es Navarro, den inneren und auch körperlichen Wandel erfahrbar zu machen, den der Ausstieg aus einem fremdbestimmten Leben und die langsame Entdeckung der eigenen Wünsche und Möglichkeiten begleitet.

105 pages, Kindle Edition

Published August 14, 2025

2 people are currently reading
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About the author

Mariette Navarro

14 books24 followers
Mariette Navarro est une autrice française née en 1980 à Lyon. Diplômée de l’École normale supérieure de Lyon et titulaire d’un master de création littéraire, elle a su se faire une place dans le paysage littéraire contemporain grâce à son écriture sensible et poétique. Ses textes explorent souvent des thèmes liés à la solitude, à l’introspection et aux liens humains, le tout avec une prose minimaliste et évocatrice. Elle est également dramaturge, collaborant avec plusieurs compagnies théâtrales pour créer des œuvres où la poésie rencontre la scène. Parmi ses livres, Ultramarins (2021) a été particulièrement salué par la critique pour son atmosphère onirique et son exploration des limites entre l'humain et l'infini.

En parallèle de son travail d’écriture, Mariette Navarro occupe une place importante dans le milieu de la création littéraire en France, participant à des résidences d’écriture et animant des ateliers pour transmettre sa passion des mots. Son approche de la littérature témoigne d’une grande attention portée à la musicalité du langage et à la puissance des silences. À travers ses œuvres, elle invite ses lecteurs à une expérience à la fois intime et universelle, interrogeant les zones floues de nos existences avec une délicatesse rare.

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5 stars
8 (14%)
4 stars
14 (24%)
3 stars
24 (42%)
2 stars
6 (10%)
1 star
5 (8%)
Displaying 1 - 10 of 10 reviews
Profile Image for Alexander Carmele.
484 reviews454 followers
January 5, 2026
Agit-Prop-Konzeptkunst für die Theaterbühne. Erzählerisch zu abstrakt, gewollt und leblos.

Inhalt: 1/5 Sterne (klischierte Aussteiger-Story)
Form: 2/5 Sterne (rhythmisch-leer)
Erzählstimme: 0/5 Sterne (strukturlos)
Komposition: 1/5 Sterne (unergiebiger Chor)
Leseerlebnis: 1/5 Sterne (leeres Lesen)
--> 5/5 = 1,0 = 1 Sterne

Am Grund des Himmels von Mariette Navarro verfehlt den Schlüssel ihres Vorgängers Über die See, in welchem eine Seekapitänin sich überraschenderweise überreden lässt, ein Schiff auf hoher See zu stoppen, um der Besatzung eine Runde Schwimmen zu gestatten. Das Thema Auszieht nimmt Am Grund des Himmels wieder auf, aber ohne die innere Dynamik der Seekapitänin-Entscheidung, die eine Lücke in ein dichtes Netz reißt, zu entfalten. Der Text Am Grund des Himmels beginnt handlungstechnisch zu spät:

So erschöpft wie ich bin, könnte man meinen, es hätte einen Kampf gegeben, aber so ist es nicht. Ich erinnere mich weder an Trauer noch an Tränen. Ich will mit der, die sich abstrampelte, um eine Position zu erreichen, um eine Position zu halten, um sich eine Position zu verdienen, um diese Position vor den anderen zu verteidigen, nichts mehr zu tun haben.

Okay, d.h. mit anderen Worten: Die Entscheidung ist bereits gefallen und nun werden die Konsequenzen durchgespielt, aber leider auch nicht wirklich, denn statt sich den Konsequenzen zu stellen, was ein Psychodrama zur Folge haben hätte können, verkriecht sich Claire, die Ich-Erzählerin, aufs Dach und harrt der Dinge, bis niemand mehr da und sie sich unerkannt unter die Menge mischen kann.

Ich laufe umher und stelle fest, dass keine einzige Straße intakt ist und es überall Löcher gibt, in die man stolpern kann, dass die Gehwege immer holprig sind, und das amüsiert mich. Sehr sogar. Manchmal mache ich zwischen zwei Unebenheiten ein paar Tanzschritte.

Kein Drama also, eher ein Tanzen. Bei Am Grund des Himmels handelt es sich um eine Form von Performance-Theater-Text, den ein Ensemble mit Tanzfiguren und übertriebenen Gesten, wahrscheinlich mit schräger Experimentalmusik feilbieten könnte – und hierfür besitzt der Navarros Text einige intensive Stellen, die sich gestisch-mimisch ausarbeiten ließen. Nur als Text, ohne Stimme, Gesicht, ohne die Verkörperung, wirkt er nicht, denn er selbst bringt keine literarische Substanz mit, ihm fehlt der Raum, das Fleisch, die Struktur, die Miasmen der Stadt, das Sengende der Sonne, das Brausen der Unwetter, die Angst, die Gefühle, die Enge und Eingeschlossenheit des sozialen Gefüges, das literarisch von Navarro nicht gesetzt, erschlossen und plausibel in Szene gesitzt.

Am Grunde des Himmels bleibt die Kopfgeburt einer Dramaturgin. Und lässt sich am besten als Agit-Prop-Konzept-Kunst betrachten. Das kommt dem Lesen von Kochrezepten ziemlich nahe, wenn alle Zutaten fehlen.

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Details – ab hier Spoilergefahr (zur Erinnerung für mich):
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Inhalt:
●Hauptfigur(en): Claire, Mitte zwanzig?
●Zusammenfassung/Inhaltsangabe:
Ich-Erzählerin (IE) steht auf dem Dach, ist ausgestiegen. Es ist verboten. Überblickt die Dächer des Geschäftsviertels. Sie wurde in der Vorstadt geboren, Heimat der Schrottplätze und Flughäfen. Sie hat nicht mehr den Traum, Teil einer Institution zu sein. Ziel in den inneren Kreis der Auserwählten zu stehen. Hat die Familie zurückgelassen. Es friert sie. Sie bewegt hektisch auf dem zügigen Dach. Sie tanzt. Bewegt sich, bis sie einen geschützten Platz findet, neben dem Schornstein.
Chor: ein Wir spricht über Claire. Sie haben die Sitzung fortgesetzt, sind nach Hause gefahren, haben nicht in Richtung Dach geschaut.
Claire: Gedanken an den Arbeitsalltag, die einsame Wohnung, Musik, Telefonat mit den Eltern, die Frage, ob sie glücklich sei, so fernab ihrer Wurzeln. Sie fühlte sich stets ein wenig fremd in der Umgebung, als hätte sie die Karte für dieses Labyrinth nicht, der Reichen und Mächtigen. Sie versucht sich anzupassen, anzubiedern. Sie weinte jeden Tag. Sie findet eine Plastikplane und baut sich ein geschütztes Fleckchen zwischen Oberflicht, Schornstein und Klimaanlage.
Chor: Alle schlafen friedlich, oder mit Tabletten. Ein Sturm zieht auf. Schläge gegen die Fensterscheibe. Ignoranz als Wesenszug. Sie lassen sich nicht einschüchtern. Ein Sturm wütet über die Stadt.
Claire: Sie wacht auf, findet die offene Luken, durch die sie gestiegen ist, geschlossen vor, durch den nächtlichen Sturm. Sie ist ausgesperrt. Sie schaut den Wolken nach. Eltern fragen, ob sie überhaupt noch an Leute wie sie gedacht hat, als Aufsteigerin.
Chor: Wachen auf, können aber nicht zur Arbeit. Alles ist verlangsamt.
Claire: Spatzen hüpfen um sie herum. Sie schafft es, die Luke ein wenig zu öffnen. Sie gelingt ins innere des Gebäudes. Sie merkt voller Erstaunen, dass der Tag noch nicht angefangen hat. Sie geht ins Chef-Büro. Liest ihr Urteil über sich: »schnell/diskret/effizient/aber zu zögerlich/naiv/provinziell.«
Chor: Sie warten noch, bis die Wege in die Innenstadt erschlossen sind.
Claire: Von gescheiterten Sozialbeziehungen, Scham für ihre provinzielle Zunge. Sie streckt ihre Arme aus und reißt einen Computerbildschirm zu Boden. Sie beginnt die Computertürme einzureißen. Funkenschlag. Feuer bricht aus. Sie flieht Richtung Erdgeschoss. Sie erinnert sich an einen Kollegen, der sich aus dem Fenster gestürzt hat. Marc, der vergessen wurde. Claire spricht kurz als Wir, ein Wir, dass die Kröte geschluckt hat. Sie findet keinen Weg nach draußen, schmeißt das Fenster mit einem Metallgefäß ein und entschlüpft aus dem brennenden Haus.
Chor: Straßen sind wieder befahrbar. Sie erreichen das Bürogebäude, das in Flammen steht. Feuer wird gelöscht. Instandsetzungsarbeiten finden statt. Sie finden Claires Ohrring. Sie erinnern sich an Claires überhasteten Aufbruch vorgestern. Sie finden keine Spur von ihr. Claire ist weg. Sie rätseln Claire hinterher.
Claire: Stromert herum. Frei.
Chor: Sie steigen auf das Dach, finden Claires Stuhl. Wochen vergehen.
Claire: Geht zum Fluss. Sie lässt sich nicht von Zäunen und Privatbesitz aufhalten. Geht in der Landschaft auf.
Chor: Mitten im August (Monate später) erhält die Putzfrau den Auftrag, Claires Dinge zu entsorgen. Ihre Stelle wird neu ausgeschrieben.
Claire: Hat sich Monate zurückgehalten, um ihre Elektrizität freizusetzen. Sie wartet auf den Regen und das Überfluten des Flusses. In Taucheranzug springt sie in die Fluten, mit vielen anderen Gleichgesinnten zusammen. Sie entkommen der Stadt.
●Kurzfassung: Eine Karrieristin aus bescheidenen Verhältnissen arbeitet sich hoch, verliert aber nach dem Selbstmord eines Kollegen (Marc) irgendwann die Nerven, steigt auf ein Dach, um sich zu beruhigen. Übernachtet dort, während ein Sturm tobt. Am nächsten Morgen bleibt die City ruhig, da die Zufahrtsstraßen blockiert sind. Sie steigt zurück ins Gebäude, randaliert, ein Feuer bricht aus. Sie entkommt. Ihre Kollegen wundern sich, akzeptieren irgendwann, dass Claire verschwunden ist. Nach Monate bricht ein heftiger Regen aus und Claire verschwindet im Neoprenanzug aus der Stadt. (Nach mir die Sintflut).
●Charaktere: (rund/flach) sehr flach
●Überflüssige Szenen/Charaktere: zu kurz, der Schluss wirkt aufgesetzt
●Besondere Ereignisse/Szenen: nein
●Diskurs: Hierarchien, Klassismus
… ein dramatischer Peformance-Text, fürs Performance-Theater, keine Erzählung, eher ein Stimmungskonzept. Es gibt schlicht keinen Inhalt. Es gibt eine Persönlichkeitsskizze.
--> 1 Stern

Form:
●Fiktionalitätsgrad: (diskursiv/Werk?) stark fiktional durch den Chor, durch den Bewusstseinsstrom, das Selbstgespräch. Ein Theater der Selbstgespräche, ein Einzelnes, ein Kollektives, beide sprechen mit sich, reflektieren sich, aber sehen nichts. Blind.
●für eine digitale Auswertung zu kurz. Statistisch nicht signifikant.
●Innovation: sehe ich nicht
… eher rhythmisches Sprechen, Theater-Monologe, leben höchstens von der Darstellung, aber nicht durch die Wortmalerei. Ein Pluspunkt wäre der Rhythmus.
--> 2 Sterne

Erzählstimme:
●Eindruck: völlig inkonsistent, rahmenlos, beliebig, postmodern flickenteppichhaft, Konstrukt, ohne jede dynamisch selbstbezügliche narrative Struktur. Als Beispiel wie verknüpfen sich „Claire“ und der „Chor“ – vor wem? Wohl auf der Bühne, vor wem? Und wer dirigiert? Und zudem, woher weißt der Chor, was er nicht weiß?
Natürlich wissen wir noch nichts von Claire, wie auch? Vielleicht denkt ja die ein oder andere an sie und beneidet sie heute Morgen darum, dass sie keine Familie hat, um die sie sich kümmern muss.
--> 0 Sterne

Komposition:
●Signal/Noise-Ratio: gering
●Operative Geschlossenheit: es gibt keinen Rahmen, keine Verbindlichkeit
●Rahmenstabilisierende Details: inexistent
●Eindruck (szenisch/deskriptiv/Tempiwechsel): beliebig, lose
●Extradiegetische Abschnitte: nein
●Lose Versatzstücke: nein
●Reliefbildung: nein
●Einschätzung: langweilige Monologe über nichts Reales, reine Abstrakta der Zugehörigkeit, ein Agitprop-Text. Bekommt einen Punkt für den Versuch, einen Chor einzuführen, der einen Rahmen stiften hätte können.
--> 1 Sterne

Leseerlebnis:
●Gelangweilt: ja, sehr
●Geärgert: nein, ödes Bekennerschreiben
●Amüsiert: nein, alles klischiert
●Gefesselt: nein, einfallslos
●Zweites Mal Lesen?: auf keinen Fall. Aber so glatt, so schmerzlos einfach und simpel, dass es mich nicht geärgert hat.
--> 1 Sterne

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Profile Image for Anna Carina.
688 reviews354 followers
August 20, 2025
1,5 Sterne

Bitte nehmt das nicht als aussagekräftige Rezension. Ich habe nur die erste Hälfte des Buches gelesen und den Rest überflogen, um zu sehen ob sich noch was an der Gestaltung ändert.

Das Buch geht völlig an mir vorbei. Ich versuche aber trotzdem mal etwas einzuordnen was Navorro m.E. hier versucht.
Ihr Text Über die See hat mich schwer begeistert. Er spielt mit der Unverfügbarkeit, dem Nicht-Wissen und ist wunderbar offen gestaltet.
Mit „Am Grund des Himmels“ scheint sie den künstlerischen Gegenentwurf zu wagen.
Für mich liest sich das wie ein Experiment „ Was passiert, wenn ich konsequent in der Schließung schreibe?“
Dh. sie schreibt einen Text, der selbst zum Symptom unserer Zeit wird. Sie hält ihn in der Logik die er beschreibt gefangen. Er pointet auf sämtliche Verfügbarkeiten – soziale Codes, sofortige Bedeutung und Marker.
Er nimmt die Gegenwart beim Wort und agiert rein performativ und an der Oberfläche.
Erzählen ist situativ, bruchstückhaft. Lange Bewegungen werden im Keim erstickt.
Er liest sich ehr wie ein Dokument mit Nähe zu Social Media Einträgen: kurze Einschübe, selbstreferentiell, leicht zitierbar. Also wieder etwas, das den öffentlichen Diskurs nachahmt.

Eine Icherzählerin die aus ihrem Job ausbricht und immer wieder von einer Art antikem Chor in Wir Form kommentiert wird. So was mag ich überhaupt nicht.
Dieser Chor belehrt und agiert in einem moralischen Code.

Das Buch liest sich wie eine Checkliste oder Aufzählung von Behauptungen und Abgrenzungen.
Dazu ein Rechtfertigungsmodus. Ständig präventive Verteiteigungen gegen mögliche Einwände.

Dazu absolut überhöhte oder klischierte Metaphern, die banale Alltagsbeobachtungen durchziehen und der Symbolik das fiese Geschmäckle eines Abziehbildes verpassen.

Sie lässt Ambivalenzen nicht zu. Sobald diese erscheinen, werden sie metaphorisch abgesichert und in einen symbolischen Rahmen gepresst.

Der Text ist nach einem strengen Muster gestaltet: Erlebnis oder Aufzählung – Symbolisierung – Selbstrechtfertigung oder Kommentar – Schließung - Wiederholung

Tjo, damit bleibt der Text als kommunikative Erfahrung unbrauchbar.
Kommunikation wird kontrolliert. Im Grunde stellt er eine Kommunikationsblockade unserer Zeit aus.
Ich kann ihn nur als Symptom einer Schreibhaltung lesen:
Angst vor Missverständnis → sofortige Selbsteinhegung.
Angst vor Offenheit→ daher Wiedererkennbarkeit statt Risiko
Bedürfnis nach Anschlussfähigkeit → Marker statt Denkbewegung.
Schreiben als performativer Akt im kulturellen Raum, nicht als innere Notwendigkeit.
Also ehr wie eine Pathologie des Schreibens: die Literatur zeigt weniger „Erfahrung“, sondern die Blockade von Erfahrung.

Ich denke dass Navarro bewusst so den Finger in die Wunde legt. Einer Subjektkultur, die voller Angst, sich in seiner eigenen Abwehrhaltung verrät.

Wer Freude daran finden kann, einfach dieses Symptom mit dem Text zu lesen, könnte das durchaus lohnenswert finden.
Durch den Text hindurch in die Gesellschaft lesen klappt nicht. Daher bin ich raus, gelangweilt und empfinde das nur als Zeitverschwendung oder Beschäftigungstherapie.

Zwei Zitatbeispiele, das erste in der Ich-Form, das Zweite in der Wir-Form.

"Damals habe ich mir geschworen, dass mich nie wieder eine Geste verraten würde. Ich habe meinen ganzen Körper zu beherrschen gelernt. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, jedes Zucken meiner Augenbrauen zu kontrollieren. Trotz allem habe ich das After-Work-Spiel weiter mitgespielt. Bei den Abenden mit den Kollegen. After work bedeutete noch mehr Arbeit, die Entspannung war noch codierter als die Zeit im Büro, wo ich mich wenigstens auf meine Gewohnheiten und Kompetenzen verlassen konnte. Wenn es ums Abarbeiten von Aufgaben ging, hatte ich irgendwann nicht mehr so viel Angst, etwas falsch zu machen. After work, sexy Outfit erforderlich, glamourös, schlicht, elegant, verspielt, eng anliegend, nie vulgär, fließender Stoff, transparent, nie vulgär, ein wenig Bein zeigen, nur ein wenig, nie vulgär, diskret geschminkt, nie vulgär, Kreditkarte zücken, nie vulgär, Hand des Kollegen auf dem Hintern, nie vulgär. Reine Formsache. So viele Stunden hoch konzentriert vor dem Spiegel, damit der Abend immer mit dem Cocktail, der gerade angesagt war und mir auf den Magen schlug, und dem Sabber des Kollegen im Nacken endete? Manchmal schaffte es einer von ihnen, mir einen Absacker bei sich zu Hause anzubieten – geschmackvoll eingerichtete Junggesellenwohnungen in den guten Vierteln. Sein alkoholgetränkter Atem, mit dem er mir antörnende Wörter ins Ohr säuselte, und eine geübte Hand, die sich unter meinen Rock schob. Den Rock hatten die besten Designer sicher so konzipiert, dass Kollegenhände leicht einen Weg in den Slip fanden."

"Gegen vier Uhr morgens heult eine besonders kräftige Windböe unerklärlich lange. Jetzt sind wir hellwach und lauschen einige Minuten den Autoalarmen und Feuerwehrsirenen. Der Sturm tobt und sein Jaulen lässt uns erzittern. Wir sch��tteln mehrfach den Kopf, um den Gedanken zu verscheuchen, dass es eine menschliche Stimme sein könnte. Wir wollen uns den Mund, dem ein solch wütendes, aus glühenden Eingeweiden kommendes Fauchen entfährt, gar nicht erst vorstellen. Warum heult er? Wir verstehen nicht, was er uns vorwirft. Wir haben nichts getan, wir sind die Guten und versichern, daran auch nichts ändern zu wollen. Dabei gibt es etwas, das wir niemals preisgeben werden. Unser Bauch ist von Tunneln durchzogen, die eine stürmische Nacht zum Vorschein bringt. Und so tun wir das, was wir immer tun: Wir begegnen der Brutalität der Welt, indem wir sie ignorieren."
Profile Image for Buchdoktor.
2,367 reviews190 followers
August 14, 2025
Claire wollte im Beruf dazugehören, an Macht und Prestige teilhaben und passte sich dafür an. Doch sie schämt sich vor ihren Eltern für ihren Wohlstand; die kritischen Fragen ihrer Mutter, was genau sie arbeitet, nagen an ihr. Von Menschen, die in Glaspalästen arbeiteten, fühlte Claires Familie sich nicht repräsentiert; sie selbst hatte sich den Codes Eingeweihter und den Insider-Witzen an ihrem Arbeitsplatz nie verbunden gefühlt. Als „ihre Wörter verwelkten“ und sie die Mimik anderer nicht mehr versteht, verlässt Claire eines Tages ihr Meeting, steigt auf das ungesicherte Dach des Gebäudes – und spürt zum ersten Mal wieder, wie hier oben die Luft zirkuliert und sie sich warmhalten muss. Da Claire sich in ihrem Umfeld schon vorher nicht gesehen fühlte, würde ihr Verschwinden vermutlich nicht auffallen.

Im Wechsel zwischen Claires Perspektive und der der Kolleg:innen, im schlichten Präsens erzählt, erfahren wir in ihrem Monolog von Umstrukturierungen im Betrieb und ihrer Entscheidung, sich nicht mehr zu fügen und sich nicht kaltstellen zu lassen. Zu Beginn wirkt die Situation noch befremdlich, bis deutlich wird, dass Claire als soziale Aufsteigerin nie dazugehörte und gute Gründe hat, den betrieblichen Veränderungen nicht zu trauen.

Fazit
Claires weiteres Handeln lässt ihre Situation vor ihrem Aufstieg auf das Dach scharf hervortreten. Es zeigt sie unerschrocken in ihren Entscheidungen und wird Leser:innen von Haushofers „die Wand“ gefallen. Aufgrund des geringen Umfangs meine Empfehlung für die Diskussion in Lesekreisen.
Profile Image for Mélanie.
917 reviews185 followers
September 9, 2024
Métamorphose d'une femme au bord de la rupture. Que faire quand on n'est plus en phase avec notre univers professionnel ? Partir, disparaitre, s'évader. Claire décide de se rendre indisponible, de voir derrière l'horizon, de respirer pour la première fois pleinement.
La langue sensible, arborescente, invite à « être en avance sur le ralentissement qui vient ».
Profile Image for Lucia Redondo.
125 reviews
January 25, 2025
Livre très poétique sur le burn out et en général le mal être au travail.
Profile Image for Lena.
164 reviews
September 9, 2025
Mariette Navarro kannte ich nicht, aber das Buch hat mich durch den Klappentext sehr neugierig gemacht. Claire muss sich in ihrem Leben immer wieder anpassen. Besonders in ihrem Beruf hat sie es satt und bricht aus. Ich denke, dass viele Menschen mal solche Gedanken haben/hatten.

Das Buch fängt direkt mit Claires Gedanken an, als sie auf dem Dach ist und ihr Berufsleben hinterfragt. Von Seite zur Seite erfährt man, wieso sie sich nicht mehr anpassen will. Durch die authentische Erzählweise konnte ich mich gut in sie hineinversetzen. Ich konnte ihre Verzweiflung nachvollziehen und ich wollte unbedingt wissen, wie sie ihr Leben gestalten wird, wenn sie wieder runtergeht.
Dann kommt eine zusätzliche Perspektive hinzu. Die Arbeitskollegen von ihr machen sich Gedanken, ob Claires Verschwinden mit einem Sturm zu tun haben. Sorgen machen sie sich nicht wirklich. Hier nimmt die Perspektive der Kollegen zu viel Raum ein. Das hatte ich mir leider anders vorgestellt.

Fazit: Dieses Buch eignet sich für Zwischendurch, da es sich schnell lesen lässt. Vielleicht öffnet es einem die Augen, wenn man auch im Berufleben mit Anpassungsfähigkeit hadern muss.
Profile Image for MsWatson.
148 reviews3 followers
August 19, 2025
Das war mal wieder ein richtig schönes Buch!!!!
Mariette Navarro erzählt in „Am Grund des Himmels“ von Claire, einer Frau, die inmitten eines auf Erfolg getrimmten Privilegienapparats (ich weiß - komisches Wort - aber ein passenderes kommt mir nicht in den Sinn) zunehmend die Entfremdung von sich selbst spürt. Eigentlich hat sie es geschafft - zumindest was uns die genormte und optimierte Welt als “geschafft” immer wieder verkauft: Sie konnte sich aus ihrer eher unterprivilegierten Herkunft herausarbeiten, genießt den beruflichen Aufstieg, erfährt Anerkennung für ihre Arbeit (obwohl auch indirekte Kritik an ihrer Herkunft hier immer mitschwingt), hat einen festen Platz in einem offenbar führenden Konzern in einer großen Stadt. Doch was nach außen wie der perfekte Karriereweg aussieht und nach Erfolg pur riecht, fühlt sich für Claire innerlich nach Erstarrung und Leere an. Sie passt sich an, funktioniert, erfüllt Erwartungen – bis zu dem Moment, in dem sie nicht mehr kann. In einer scheinbar banalen, aber symbolträchtigen Szene während eines Meetings bricht sie aus und klettert durch eine Luke auf das Dach des Gebäudes. Dort, dem Sturm und der Natur ausgesetzt, spürt sie zum ersten Mal seit Langem wieder sich selbst - ihren Körper, ihre Lebendigkeit, ihre eigene Existenz. Doch der Weg zurück ist versperrt, die Luke schließt sich, und so beginnt eine Zeit der erzwungenen Distanz, die zugleich ein Prozess innerer Befreiung ist.
Navarro erzählt diese Wandlung mit einer derart großen sprachlichen Kraft und einer so präzisen Darstellung der ganzen Zwischentöne, dass man gar nicht anders kann, als einzutauchen. Ihre Sprache ist reduziert, klar und gleichzeitig so emotional tief. Sie verdichtet die verschiedenen Stimmungen in fast schon poetisch anmutenden Bildern und fängt die innere Bewegung einer Frau ein, die langsam begreift, wie sehr sie sich im System verloren hat. Ich habe so viele Sätze unterstrichen, weil sie einfach nur wunderschön sind und dabei so kraftvoll wirken!
Die Kontraste zwischen der entfesselten Natur über den Dächern und den starren Strukturen des Büros sind eigentlich mehr Kulisse, wirken fast schon metaphorisch: Sie spiegeln die Spannung zwischen Anpassung und Selbstermächtigung, zwischen Fremdbestimmung und Freiheit. Besonders eindrucksvoll ist, wie Navarro es schafft, die Stille wirken zu lassen – oft sind es die Pausen, die Blicke, die Leerräume, die mehr sagen als ausführliche Erklärungen.
„Am Grund des Himmels“ ist zwar ein wirklich schmales Buch (perfekt für die Tasche), aber es hinterlässt einen wirklich tiefen Eindruck. Es ist psychologisch fein gezeichnet, atmosphärisch dicht und voller Räume, die wir Lesenden ausfüllen können. Claires Entscheidung, nicht länger zur Verfügung zu stehen, diese stille und doch so laute Rebellion, wird zum Akt der Selbstermächtigung, und das Dach zum Ort der Transformation. Wir stehen beim Lesen alle auf dem Dach und können selbst überlegen, wie sehr wir eine Transformation vielleicht brauchen. Dieses Buch wirft Fragen auf - nach Zugehörigkeit, nach Freiheit, nach der Möglichkeit, sich den eigenen Platz in der Welt neu zu erobern - und gibt Raum, selbst die Antworten zu finden. Gemeinsam mit Claire.
Dieses Buch ist wirklich lesenswert! Absolute Empfehlung!
Profile Image for Salomé.
17 reviews
September 27, 2025
Das Buch war einfach ein seeehr langer Prosatext. Ein bisschen schwer zu greifen, da das gesamte Buch in Metaphern geschrieben wurde. Die Autorin schafft es auf jeden Fall Wahrheiten anzusprechen, die man gerne verdrängt und sagt „vergiss nicht zu leben“
Profile Image for Isabelle.
1,270 reviews17 followers
February 24, 2025
L'écriture épouse histoire ces choses rares dans un livre de temps et si bien accommoder les deux. Reste à savoir si l'on apprécie le texte. Ce n'est pas mon cas.
Displaying 1 - 10 of 10 reviews

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