Ich kannte die Autorin noch nicht, aber ein historischer Roman, der in meiner Lieblingsurlaubs-Location spielt, dem Lago Maggiore, das musste ich natürlich lesen :-) Und das Titelbild allein: könnte ein Urlaubsfoto von mir sein :-) Also, ich war gespannt und positiv vorbelastet; und gleich vorab, der Roman ist toll :-) Hat mich abgeholt, mitgerissen und alle Erwartungen erfüllt.
Zum Inhalt; die Geschichte beginnt 1943; wir sind am Lago Maggiore in Norditalien, die meiste Zeit im Piemont. Man sollte wissen, Italien war damals in weiten Teilen von der Deutschen Wehrmacht besetzt. Ganz grob: Es waren nicht „nur“ die Deutschen, die die Zivilbevölkerung unter der Knute hatten, es kamen noch die italienischen Faschisten unter Mussolinis Führung hinzu, und als Gegenbewegung hatten wir die Partisanen; lokale, oftmals recht junge, Italiener und Italienerinnen, die als paramilitärische Organisationen meist in den Bergen versteckt war und einen Guerillakrieg gegen die Besatzer führten.
Und so sind wir im fiktiven Ort Marta am Seeufer. Hier hat Giulia Leones Familie ein gutgehendes Hotel; die 17jährige Giulia wächst in Wohlstand und Geborgenheit auf, und die Geschichte setzt ein, als einige jüdische Familien sich für kurze Zeit im Hotel einquartieren. Giulia und Ester freunden sich an, und auch die Eltern Leone sind den Flüchtlingen wohlgesinnt. Als ein Trupp deutscher Soldaten sich im Hotel einquartiert, spitzt sich die Lage relativ schnell zu; und die Leones organisieren eine Flucht für ihre jüdischen Gäste. Dies misslingt fatal, und die Einzige, die entkommen kann, ist Giulia, für die sich ihr Leben plötzlich um 180 Grad wendet. Ihr gelingt eine Flucht in die Berge, und sie schließt sich den Partigiani an, und wir folgen ihr nun die nächsten beiden Jahre, die sie für immer prägen sollen. Aus dem verwöhnten höherem Töchterlein wird eine entschlossenen Kämpferin mit einem Löwenherz, die bei allem Grauen des Krieges - und es wird hier wirklich Dramatisch, die Autorin beschönigt hier nichts – trotzdem die Liebe findet und den Glauben an das Gute nicht verliert…..
Also, um es abzukürzen :-) : das war extrem spannend. Eine historisch super gut recherchierte Story, flüssig geschrieben, voller Dramatik und Emotionen, und mit einer hinreißenden Protagonistin. Wir haben hier alles; Liebe, Krieg, Freundschaft – die ganz großen existentiellen Themen, und das vor dem Hintergrund einer für mich zauberhaften Gegend.
Auch die Autorin kennt sich hier am Lago aus; wir haben hier auch in den Umschlagseiten Landkarten der Gegend; und wenn die Partisanen sich auf verschlungenen alten Maultierpfaden durch die Berge bewegen, hatte ich diese echt vor Augen (es gibt hier rund um den Lago extrem viele Wanderwege, heute touristisch erschlossen). Hat mich wie gesagt echt abgeholt.
Ich habe den Roman an einem Wochenende durchgesuchtet; der liest sich auch für Nicht-Muttersprachler sehr gut weg, und werde mir die Autorin merken.
Von mir gibt es eine Leseempfehlung, und ich bedanke mich beim Verlag und Netgalley für das Rezensionsexemplar, es war mir ein Vergnügen!