Mit der Zeitmaschine zu Jack the Ripper: Forensiker von heute jagen das Monster von gestern. Im CERN in Genf entdeckt ein Physiker das Geheimnis der Zeitreise und stirbt fast dabei. An seinem Krankenbett sucht ihn eine Unbekannte auf. Sie verspricht ihm Genesung, sofern er sich bereiterklärt, eine hochgeheime Expedition in das Jahr 1888 anzuführen. Damals beging ein Mann namens Jack Morde von beispielloser Grausamkeit. Und heute haben mächtige Namenlose allergrößtes Interesse an deren Aufklärung. Das Kriminalisten-Team reist in die Vergangenheit. Und sieht sich plötzlich selbst vom berüchtigtsten Serienmörder aller Zeiten verfolgt …
Ein Zeitreisethriller rund um den berüchtigtsten Serienmörder der Geschichte – Jack the Ripper.
Matthieu Savary arbeitet am CERN in Genf an der Zukunft der Wissenschaft und bringt es “nebenher” fertig die Zeitreise möglich zu machen. Dies bleibt jedoch nicht ohne Folgen und der geniale Wissenschaftler sieht sich auf einmal nur noch mit einer sehr kurzen und schmerzhaften Lebensspanne bestraft. Im Krankenhaus besucht ihn Sadie Fletcher, die für eine Organisation arbeitet, die die Möglichkeit hat Savarys Lebens medikamentös zu verlängern und seine Schmerzen zu lindern. Im Gegenzug will sie seine bahnbrechende Entdeckung nutzen und ihn zusammen mit einem Team ins Jahr 1888 zurückschicken um zu beweisen, wer Jack the Ripper war. Die Taten des Prostituiertenmörders ziehen nämlich Kreise bis in die heutige Zeit und bedrohen die englische Monarchie.
Das Buch hat ein hohes und spannendes Erzähltempo, beginnt ohne ausschweifende Einführung gleich am Tag des für Savary verheerenden Unfalls und konfrontiert den Leser schnell mit allen handelnden Personen. Man hat also keine Zeit sich in Protagonisten einzulesen und muss sich daher erstmal in der Handlung und mit den verschiedenen Charakteren zurechtfinden, was jedoch relativ schnell gelingt.
Das Zeitreisethema erschien mir soweit es eben geht logisch und erklärbar umgesetzt und auch das Thema Zeitreiseparadoxon ist bedacht und behandelt worden. In der Jetztzeit wird hauptsächlich Reiseorganisation betrieben und es gibt kleinere Auseinandersetzungen der handelnden Personen. Das eigentliche Hauptaugenmerk liegt aber auf dem Jahr 1888. Die Zeit wurde nach meinem Wissensstand gut geschildert und nicht beschönigt. Als Leser hat man fast den Gestank der damaligen Zeit mitriechen können und ich bin froh, dass es hier keine parfümierten Seiten als Zusatz gab.
Die Morde des Rippers sind teilweise sehr anschaulich und detailliert beschrieben und man fiebert schon sehr mit, wenn einen Protagonisten und Jack lediglich ein Hauch von Nebel trennt. Mir hat hier auch sehr gut gefallen, dass die Charaktere mit sich haderten, da sie in die Geschichte nicht eingreifen dürfen und demnach Morde nur beobachten, aber nicht verhindern konnten.
Leider fand ich den Charakterausbau nicht gut gelungen. Fast alle Protagonisten sind sehr eindimensional und stereotypisch beschrieben. Die kühle, undurchschaubare Agentin, der geniale, teilweise etwas skrupellose gutaussehende Wissenschaftler mal zwei, der allen bewusstseinserweiternden Mitteln zusprechende saufende Schauspieler, der Soldat, der über Leichen geht etc. Lediglich ein weiblicher Charakter war hier etwas besser beschrieben, fand sich dann aber wieder in einem typischen Liebesgeplänkelgespann wieder, in dem sie eben die unauffällige Dame war, die außen vor gelassen wird, wenn sie charakterlich auch noch so gut gepasst hätte. Sie wurde eben nicht wie ein Modell beschrieben.
Zudem wird mit dem Gefühl Liebe sehr plump umgegangen. Ein Charakter verliebt sich zügig erst in die eine, dann in die andere Person und wirft mit tiefen Gefühlen um sich, die in wenigen Tagen einfach nicht so sprunghaft entstehen können.
Als Fazit ist “Jack” für mich ein durchaus gelungener rasant erzählter Zeitreisethriller mit Schwächen in der Protagonistenausarbeitung, der am Ende eine interessante Ansicht zur Frage wiedergibt, wer Jack the Ripper war. Auch wenn dieses Debüt charakterlich noch Luft nach oben hat, wäre ich einer Fortsetzung der Geschichte nicht abgeneigt, da dass Ende dies durchaus ermöglichen würde.
Meinen Monatsflop im Januar stellte leider Jack von Riley und Brandt dar, ein deutsch-englisches Autorenduo, das sein Debüt ausgerechnet in dem komplexen Genre Science Fiction mit dem noch schwereren Thema Zeitreisen versucht.
Selbst für erfahrene Autoren wäre dieses Thema schwer umzusetzen gewesen, doch die Prämisse strahlte für mich über das Risiko hinaus. Es geht nämlich um einen Wissenschaftler, der nach Jahren der Forschung endlich eine Zeitmaschine entwickelt, die tatsächlich funktioniert. Leider ist er nach seiner kurzen Reise sehr angeschlagen und bekommt von einer Organisation der britischen Königsfamilie die Möglichkeit zur Heilung angeboten, sofern er seine Zeitmaschine in ihre Dienste stellt. Der Ruf der Königsfamilie steht nämlich mit einem Buch, das bald publiziert werden und ein Mitglied der Familie als Jack the Ripper darstellen soll, auf dem Spiel. Und so muss sich der Wissenschaftler ein Team zusammenstellen, mit dem er gemeinsam ins viktorianische England reist, um den mysteriösen Mörder zu finden ... Wenn das mal nicht nach einem geilen Konzept klingt. Zeitreisen verbunden mit einer Mystery-Geschichte um einen der geheimnisvollsten Mörder der Geschichte.
Doch leider konnte das Buch seiner grandiosen Idee nicht gerecht werden. Die Figuren haben so viel Tiefe wie Pappaufsteller, u.a. für verschiedene Nationalitäten, auch die Dialoge dienen oft nur dazu, die Charaktere als Poser darzustellen. Besonders der schwule britische Schauspieler ohne Erfolg, der sich gerne mit Strichern trifft und bei jeder Gelegenheit Alkohol trinkt, war an Klischee nicht zu übertreffen. Deswegen fühlt sich die Dynamik zwischen den Personen sehr unecht und gezwungen an, besonders die Liebesbeziehungen, die aufkommen. Doch auch der Plot hat seine Schwächen. Es gibt zwar durchaus unerwartete Wendungen, die einem mit offenem Mund zurücklassen, insgesamt hat es sich aber nicht rund angefühlt. Dazu trägt bei, dass das düstere und dreckige London zwar beschrieben wurde, aber trotzdem nicht wirklich eine so dunkle Atmosphäre aufkam, wie es hätte sein können. Es gab sogar einige Dinge, mit denen die Autoren hätten was Tolles machen können, allerdings wurde das besonders durch die dürftige Auflösung des Rippers und dass Zeitparadoxa zwar angesprochen, aber nicht vermieden wurden, aber leider nicht genutzt.
Immerhin steht das Buch zu seinen Trash-Faktoren und nimmt sich manchmal auch selbst auf die Schippe, von Zeit zu Zeit macht es auch Spaß der Geschichte zu folgen. Aber insgesamt macht sie leider nicht genug Spaß, um Trash der guten Sorte zu sein.
Zeitreisen sind ja an sich nichts neues... Aber das Setting hatte schon was... In der Mitte, konnte mich das Buch kurzzeitig nicht packen und lag daher einige Tage... Aber das Ende, also eigentlich die letzten 100 Seiten, habens echt rausgerissen!!!