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Frauen im Sanatorium

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Nach dieser Sache befindet sich Anna, die Heldin des Romans, in einem Sanatorium. Dort trifft sie auf Marija, die ständig Monologe über ihre tote Mutter hält, auf Elif, die sich jeden Tag ein neues Märchen ausdenkt, und auf Katharina, die Bundeswehr-Soldatin, die jede Nacht Rotwein mit Wodka trinkt. Und dann ist da noch Pepik, der blasse Flamingo aus dem Kurpark, dem Anna von ihrer Emigration erzählt, von der Zeit, als ihre Mutter aufhörte, ihr unsichtbare Kreise auf die Wange zu zeichnen, und der Vater sich kaum noch blicken ließ. Vor allem aber spricht Anna mit Pepik tagtäglich über die Liebe. Denn Liebe gibt es überall, gerade und sogar an einem derart deprimierenden Ort wie einer Klinik.

Elegant und in klarer, präziser Sprache erzählt Anna Prizkau von Menschen, die das Glück suchen, ohne es wirklich finden zu wollen. Von dem Fremden und Verlorenen, von Rollen und Erwartungen. Und immer und vor allem von der Kraft des Erzählens.

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Published July 15, 2025

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Anna Prizkau

2 books5 followers

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5 stars
20 (9%)
4 stars
41 (20%)
3 stars
86 (42%)
2 stars
50 (24%)
1 star
6 (2%)
Displaying 1 - 30 of 37 reviews
Profile Image for Alexander Carmele.
488 reviews470 followers
August 21, 2025
Psychodramatische Skizze, die selbst die Ich-Erzählerin kaltlässt.

Inhalt: 3/5 Sterne (rigorose Selbstentlarvung)
Form: 1/5 Sterne (spontanes Geblubber)
Erzählstimme: 1/5 Sterne (inkohärent)
Komposition: 1/5 Sterne (kein Plot, kein Rahmen)
Leseerlebnis: 2/5 Sterne (ein paar mitreißende Stellen)
--> (8/5)=1,6 --> 2 Sterne.

Bei Frauen im Sanatorium handelt es sich um eine mehr oder weniger gewagte Mischung aus Monstrosa, Die Glasglocke, und Empusion. Vom Leben in einem Sanatorium wird gehetzt berichtet. Anna, Anfang Dreißig, fühlt sich wurzellos, von ihren Eltern verlassen und verraten und bringt sich selbst in Gefahr, als sie an ihre Kindheit, an das frühere Leben mit ihren Eltern nachdenkt:

Als ich meinen Eltern schrieb, über den letzten Abend unseres alten Lebens und über ihre Lügen, verdrehte sich die Schrift auf meinem Display. Es lag am Rum. Aber die Nachrichten an sie hatte ich irgendwie verschickt. Danach setzte ich mich aufs Fahrrad, fuhr, ohne Licht anzumachen, über Straßen, über rote Ampeln. Ich wusste nicht, wohin ich wollte, aber ich wusste, was ich wollte. Und es passierte. Das Auto fuhr nicht schnell, doch schnell genug. Ich kam im Krankenwagen zu mir.

Frauen im Sanatorium lässt sich als verkappter Episodenroman verstehen, denn neben der Handlung rundum die mögliche Genesung Annas wird das Leben von anderen Patientinnen skizziert, die allesamt von einem schlechten Gewissen handeln und die jeweiligen Figuren in einer Art lebensapathischen Schockstarre und Verzweiflung halten. Die Erzählweise schlingert, ruckt, findet keinen Rhythmus und zuppelt sich über die Ziellinie, die früher oder später gezogen werden hätte können:

«Was ist aus Pin [dem Hund] geworden?», sagte David. «Wir wuschen ihn und küssten ihn, und alles war wie vorher. Das dachten wir, aber das war falsch. Denn als Baba am selben Abend mit Pin zum Park gehen wollte, bewegte er sich nicht. Baba nahm ihn auf seinen Arm, und Pin schrie, bellte, er schnappte sogar zu. Er wollte nicht mehr vor die Tür. Wir schafften es irgendwann, Pin auf den Bürgersteig vor unserem Haus zu setzen. Dreimal am Tag. Da machte er dann sein Geschäft. Er wurde aber immer runder, immer schwerer, nach einem Jahr war er so dick, dass er kaum noch laufen konnte. Dann starb er. Aber wir hatten es noch gut gehabt. Er war zurückgekommen. Das war das Wichtigste!», sagte Elif und lächelte.

Gute, derbe, platte, oberflächliche, gewitzte, gewollte Partien gehen Hand in Hand und lassen Frauen im Sanatorium zu einem Wechselbad der Gefühle werden, das aber bald in nüchterne Lakonie einmündet, die Waffen streckt und gähnt. Zu inhomogen, zu inkohärent, inkonsistent und beliebig reihen sich die Figuren, die in Überfülle durch die Zeilen huschen, wie unbändige Gespenster, die die Erzählinstanz heimsuchen und verwirren.

Auf der gelbgrauen Zeitungsseite sahen sie braun aus, aber sie waren blau.


Dann wurde sie zum Chef gerufen. Ihr Chef war eine Chefin, erst Anfang zwanzig und ehrgeizig wie Menschen, die Anfang zwanzig sind.

Zu viele Hilfsverben, ein zu reduzierter Sprachschatz in allen Belangen, eine unkomponierte Fülle von Ideen, die auseinanderstreben, geben Anna Prizkaus Frauen im Sanatorium etwas von einer wilden, durchzechten Nacht, während der viel gehört, viel gesagt, wenig kapiert und noch viel weniger verstanden wurde. Nur leider machen diese Nächte denen wenig Spaß, die unfreiwillig außen vor und nüchtern dabei bleiben. Ich werde dennoch den Blick in ihr nächstes Buch wagen, denn es gab viele Ansätze, die ich gerne weiterverfolgt hätte.

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Details – ab hier Spoilergefahr (zur Erinnerung für mich):
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Inhalt:
●Hauptfigur(en):
Ich-Erzählerin, Anna, 31, intoxisiert sich und provoziert einen Fahrradunfall, kommt danach ins Sanatorium; Anlass Erinnerungen an den letzten Abend vor der Emigration der Eltern nach Deutschland. Grund unklar. Möglicherweise ein eifersüchtiger Ehemann der Geliebten des Vaters. Sie emigrieren nach Deutschland. Beide berufstätig. Vater sehr erfolgreich bei Frauen. Sie führen eine offene Ehe. Als ein guter Freund stirbt, übernehmen sie die Verantwortung für die Tochter Nika, mit der Anna ein großes Problem hat. Die Eltern trennen sich. Der Vater zieht mit Tatjana, der Mutter von Nika, zusammen. Dann kommt es zu Misshelligkeiten mit dem Titel von Annas Mutter. Sie zieht sich zurück, wird depressiv, bettlägerig. Anna muss sich um sie kümmern, erträgt Nika nicht. Anna arbeitet im Theater, ist überlastet, bittet den Vater um Hilfe. Tatjana wettert dagegen. Anna, verzweifelt, bringt sich fast um, landet im Sanatorium kennen.
Elif, arbeitet bei ihrem Eltern am Lebensmittelstand. Sie hat Anna in einem Notizbuch, erfundene und möglicherweise wahre Informationen über die anderen im Sanatorium hinterlassen. Baschir hat sie als Retter in der Not kennengelernt (eine wirre Story über die entlassene Stripperin Tiramisu). Er nimmt beide mit nach Hause. Sie kommen zusammen. Elif betrügt ihn mit Jacub, den sie in Warschau kennenlernt. Sie hat eine Affäre, will aber erwischt werden (lässt das Telefon mit Nachrichten von Jacub herumliegen). An einem Wintertag verschwindet Baschir, mglw. Unfall mit Todesfolge. Sie wird schwanger, weiß nicht, ob es Baschirs oder Jacubs ist und bricht die Schwangerschaft ab. Sie will kein Kind von einem Toten. Nach der Abtreibung wird sie depressiv und landet in der Klinik.
Marija, um die fünfzig. Ihre Eltern sind beide Dichter in der Sowjetunion der 1970er gewesen, wurden denunziert und verbannt. Marija kommt zu ihrer Tante. Mutter stark gläubig. Sie hat ihren ersten Mann, Boris, 1987 mit 26 Jahren in der Ukraine kennen, emigrieren. Sie wird schwanger, bekommt Tochter, die nach Marijas Mutter kommt, dichtet auch. Marija, in der Ukraine Lehrerin, arbeitet in einem Krankenhaus als Putzfrau. Als die Eltern sie über Weihnachten besuchen kommen, streiten sie sich über Tradition und das Fasten. Sie zerstreitet sich mit ihrer Mutter, die kurz darauf stirbt. Ein Arzt verliebt sich in sie. Boris wird krank. Sie verabscheut ihn mehr und mehr. Als Boris stirbt, kommen sie offiziell zusammen. Er will sie heiraten. Sie will aber nicht und verkuppelt ihn mit einer jüngeren Kollegin. Sie kündigt, zieht sich zurück und lebt vom Ersparten und kommt irgendwann in die Klinik. Am Ende des Buches wird sie von ihrer Tochter abgeholt, mit der sie sich ausgesöhnt hat.
David, bildender Künstler, 32 Jahre alt, schizophren. Hat eine Affäre mit einer reichen geschiedenen (verwitweten?) Frau, die einen Sohn hat. Es heißt, er habe alles verloren, auch seine Galerie, als Anna danach googelt, hat er immer noch eine Galerie. Seine Geschichte existiert in mehreren Versionen, am Ende hört Anna diejenige Version seines Bruders, nach der sein geisteskranker Bruder eifersüchtig auf den Sohn der Frau gewesen ist, diesen unter Drogen setzt, das dem Ex-Mann petzt und so der Frau die Möglichkeit nimmt, ihren Sohn oft zu sehen. Nach Monaten des schlechten Gewissens beichtet David dies der Frau, die ihm verzeiht. Sie bleiben zusammen. Alles renkt sich ein, aber die Liebe ist, dann trennt sich die Frau irgendwann von ihm, und David rastet aus und landet im Sanatorium.
Katharina, Soldatin. Ihre Eltern sind Sportler gewesen, fuhren sogar zu den olympischen Spielen. Sie denkt, sie ist der Grund, warum die Eltern ihre sportliche Ziele nicht erreicht haben, und stoppt deshalb ihre eigenen sportlichen Ambitionen. Deshalb hören die Eltern immer auf zu singen, wenn sie amerikanische Songs im Radio hören. Sie denken an das, was sie für die Tochter aufgegeben haben. Also gibt sie es auch auf.
●Zusammenfassung/Inhaltsangabe: Anna findet sich in einem Sanatorium wieder. Sie lernt Marija und Elif kennen. Von Elif bekommt sie ein Buch über die Mitinsassen. Elif empfiehlt ihr auch, eine Affäre mit dem gutaussehenden Künstler David einzugehen. Sie bandelt mit ihm an, befreundet sich mit einer Soldatin und ihren Soldatenkollegen und säuft mit ihnen. Als David mit Anna ruppig, rücksichtslosen Sex hat und ihr von seinem Leben erzählt, weiß sie, dass er lügt und will sich an ihm rächen. Am nächsten besuchen ihre Eltern sie. Sie sind wieder zusammen (nach einem Inzident mit einem erschossenen Fuchs und geschmolzenem Eis), doch dann taucht auch Nika wieder auf, die bei ihnen wohnen wird. Anna fertig mit der Welt trifft auf David und beschließt sich nun an ihn zu rächen. Sie geht tränenverschmiert zu den Soldaten, die David zusammenschlagen und in Eiseskälte mitten in der Nacht liegen lassen. Am nächsten Tag lernt sie Davids Bruder kennen. Sie reden viel. Er küsst sie. Sie erinnert sich, dass David ihr ein Geschenk versprochen hat. Es ist sein Lieblingsring. Am Ende nimmt sie eine Überdosis der Tabletten, die sie sich aufgespart hat.
●Charaktere: (rund/flach) – weder noch, leider zu skizzenhaft, zu wenig formale Durchdringung, also eher flach.
●Besondere Ereignisse/Szenen: Das Märchen mit der Prinzessin, die eifersüchtig auf alle ist und allen Geburtstag verbietet. Nur sie will Geburtstag haben. Dann will sie zudem noch den Mond geschenkt bekommen. Sie wird verzaubert, lebt bei einem Fischer, bescheiden und glücklich. Ihre Eltern suchen nach ihr. Sie wird gefunden und versorgt. Dann erinnert sie sich an den Fischer und erfährt, dass dieser hingerichtet worden ist. Um sie wieder heiter zu stimmen, verschenken sie ihr Herz, um von einem Zauberwesen den Mond für ihre Tochter zu erhalten. Sie hat nun den Mond in einer Kiste. Sie freut sich, läuft zu ihren Eltern, aber diese behandeln sie eiskalt. So leben sie dahin, und sie verflucht sich, sich den Mond gewünscht zu haben.
… sie erkennt sich als Narzisstin, nur zu spät. Sie wollte die Eltern für sich, aber die Eltern wollten auch Nika, das erträgt Anna nicht. Sie versucht sich erneut umzubringen. Die Metapher steht für Annas Lebensgeschichte. Sie will das Zentrum ihrer Eltern sein, ist es aber nicht. Diese kümmern sich mehr um ihre jeweiligen Affären. Sie rettet sich in die Kunst, aber das reicht nicht. Sie flieht in eine Phantasiewelt, das Sanatorium, dort lebt sie mit dem Fischer (David) zusammen, könnte glücklich sein. Da besuchen sie die Eltern, der Zorn flammt von Neuem auf. David (der Fischer) muss büßen – Verschiebung; und sie will die Eltern wieder für sich (ohne Nika), aber bekommt sie nicht. Die Beziehung bleibt kalt.
… die Figuren gehen an ihrem schlechten Gewissen zugrunde (Marija gegenüber ihrer Tochter, dass sie eifersüchtig auf sie ist, und wegen ihres verstorbenen Ehemannes, dessen Tod sie sich gewünscht hat; Elif, weil sie Baschir betrogen hat, und an der Abtreibung leidet, an ihrem Ansinnen, dass sie kein Kind von einem Toten will; David, dass er die Beziehung einer Mutter zu ihrem Sohn zerstört oder gefährdet hat; Katharina hat ein schlechtes Gewissen, weil ihre Eltern ihretwegen nicht bei den olympischen Spielen glänzen konnten).
… seltsam oberflächlich, ziemlich Liebes bezogen, Freund-Nicht-Freund, Partner, Betrügen etc … relativ beklemmend, uneinsichtig, nicht überzeugend, zu fahrig, ein paar gute Szenen (die mit dem Wellensittich, und die mit dem Hund PIN, und die mit dem Fuchs, der angefahren wird). Hatte Potential zu viel mehr.
--> 3 Sterne

Form:
●Wortschatz:
●Type-Token-Ratio: im Genrebereich 0,10 - (Musil 0,23 - Genre 0,11)
●Satzlängen-Verteilung-Median: 11 mit Standardabweichung 7 (bei Musil: 28 Wörter mit Standardabweichung 19 Wörter)
●Anteil der 1000 häufigsten Wörter: im Genrebereich 84% (Musil/Mann <70% - Genre >80%)
●Wortartenverteilung: Adjektive 1,3% und Adverbien 3,6% - extrem niedrig. (Adjektive - Musil 13%, Adverbien 7%)
●Stimmige Wortfelder: ja
●Satzstrukturen: simpel
●Wiederkehrende Motive/Tropen: die Türkentauben, die Flamingos, das Rauchen, das Saufen, der Blick in den Spiegel
●Innovation: null
… gar keine Schriftsprache. Mehr lässt sich da nicht sagen.
--> 1 Stern

Erzählstimme:
●Eindruck: Ich-Erzählerin, die aus einem unzuverlässig recherchiertem Buch abliest, selbst Dinge erlebt, die eher traditionell berichtet werden.
●Erzählinstanz (reflektiert, situiert, perspektiviert?): konsequent Ich, mit Briefeinlagen und Berichtnacherzählungen. Im Grunde unklares Ende. Sie erzählt von diesem Selbstmordversuch, also hat sie ihn überlebt, aber auch das lässt sich nicht klar ableiten. Eher schwebend.
●Erzählverhalten, -stil, -weise: sehr wertend, sich und anderen gegenüber, insbesondere in Sachen Aussehen.
●Einschätzung: eher eine narrative Skizze, kaum Plot, eher dialogisches Fabulieren, Assoziieren, kaum formale Struktur
--> 1 Stern

Komposition:
●Eindruck (szenisch/deskriptiv/Tempiwechsel): viele kleine Episoden, Häppchen, die es abwechslungsreich machen könnten, wäre die dröge, langsame, nichtssagende Art zu erzählen nicht. Auch die Verbindung wird nicht klar.
●Extradiegetische Abschnitte: ja, ein Märchen kommt aus dem Nichts, bspw.
●Lose Versatzstücke: zu lose komponiert, um wirklich von Versatzstücken zu sprechen, eigentlich alles ein Versatzstück
●Reliefbildung: ja, mit kleinen, verdichteten Szenen (Vater geht Eis holen; Wellensittich wird umgebracht …)
●Einschätzung: nein, eine wirkliche Komposition gibt es nicht, kein Rahmen, kein roter Faden, nur ein Ich, das ichbezogen bleibt.
--> 1 Stern

Leseerlebnis:
●Gelangweilt: teilweise, ja
●Geärgert: nicht wirklich
●Amüsiert: nein
●Gefesselt: hier und da
●Zweites Mal Lesen?: nein
--> 2 Sterne

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Profile Image for Anna Carina.
689 reviews361 followers
August 21, 2025
2,5 Sterne

Eine Rezension soll das nicht sein!
Mein Geschreibsel ahmt die Verwirrung der Wirkung und Gestaltung des Buches nach.

Ich will, ich will, ich will...huch - wo bin ich? Wo sind wir? Was habe ich angetan – Dir, Mir, Euch, Uns?
Jaa, die unstillbare Gier. Ach nee, das war Tanz der Vampire. Das unstillbare Begehren, völlig exzessiv und destruktiv mit Anna im Sanatorium - voller Lücken, Verlogenheiten, Verlorenheit durchgespielt und durcherinnert, durchimaginiert, durchprotokolliert.
Und am Ende gehts darum, dass wir alle vielleicht ein bisschen bescheidener sein sollten. Sich selbst für die Unmöglichkeit zu opfern und gleich nen ganzen Bergrutsch auszulösen kommt nicht gut. Erstarrt unter dem ganzen Geröll.
Naaa, so stimmt das ja auch nicht, weil es ja schon um ernsthafte sozio-politische Dynamiken geht, psychotische Störungen und toxisches Verhalten, das wiederum Kinder prägt, die durch traumatische Erlebnisse wiederum gewisse Verhaltensmuster etablieren, die sich und anderen schaden können. Und dann geht die Spirale halt immer so weiter. Ich will was, ich tue was, tue damit dem anderen was an, der reagiert darauf und ich reagiere dann auch darauf und eigentlich haben wir uns doch alle ganz doll lieb und wollen füreinander da sein, aber dann kommen doch wieder irgendwelche Aggressionen durch, irgendwer spiegelt uns zu sehr aber eigentlich wollen wir doch gespiegelt werden, aber dann doch nicht, da es uns die Einzigartigkeit nimmt und eigentlich wollen wir doch nur glücklich sein und wieder zurück in den Job, aber das klappt halt nicht, weil wir schon zu tief gefallen sind und zu viele Menschen im System an den Strippen ziehen und wir so langsam wegdissoziieren und aus dem ganzen Tüdelü jetzt nen Buch schreiben.

Hach, ich weiß nicht. Eigentlich mochte ich wie es erzählt wird. Kindlich, naiv, mit einer gewissen Lakonie, die durch lebendige Passagen aufgebrochen wird.
Wer die Lücke, das was sich uns entzieht bespielt und damit auch aufzeigt wie unzuverlässig Sprache ist, muss schon nen bischen Formwillen beweisen. Das funktioniert nicht so dolle über eine Protokollierung des Ganzen. Mir ist da viel zu wenig Vermittlung drin gewesen.
Die einzelnen Episoden und Geschichten der Figuren bleiben weitestgehend offen im Raum stehen. Du weißt: ja, hartes Leben, Trauma. Ich nehme ein bisschen Anteil und denk mir, klar, auch wenn du mir hier nen Lügenmärchen erzählst, solche Leute gibts, kann ich trotzdem annehmen, auch wenn ich nicht weiß ob das hier stimmt oder mir gerade 3 Varianten derselben Situation aufgetischt werden. Aber wo soll das denn hinführen, wenn du so verlogen bist - dein Umfeld, das hier berichten darf, lügt - und du Lust daran hast anderen zu schaden? Schon klar, ich weiß, du schadest nicht aus reiner Freude daran, sondern weil du deinen Mangel auf diese Person oder Tier projizierst und dann wirst du entweder bestätigt oder enttäuscht. Und egal wie es ausgeht, der Mangel ist noch da und dann folgen die nächsten Interventionen der Destruktion und Thanatos freut sich nen Keks, dass Eros in der Kiste hockt und nicht mehr raus kann, da es keine symbolische Bindung gibt, auf die die Person schöpferisch ihr Begehren richten kann, oder weil die Person gar nicht rallt dass es noch Eros gibt, weil Thanatos ja so lustvoll in seiner Zerstörung ist und dann führe ich das immer und wieder auf und merke gar nicht dass ich den Mangel nicht füllen kann...
Das nebulöst alles so unzuverlässig vor sich hin. Und irgendwann bin ich nicht mehr sonderlich interessiert. Rauchen, saufen, Essensgequatsche, optische Fixierung, die von der Aufarbeitung ablenken und sexuelle Energie zur Kompensation des Ballastes. Das Wesentliche bricht nie durch. Ein paar Szenen nehme ich mal davon aus. Es scheint hin und wieder etwas durch und Geschichten kommen zum vorschein, die sie gar nicht erzählt, nur die Sprache und Bilder evozieren dies.

So in Gänze betrachtet? Nee. Lässt mich fad zurück.
Zumal es den Eindruck hinterlässt, dass sie einfach ein gehässiges Buch schreiben wollte. Ihr ging es gar nicht um die Aufarbeitung und Bearbeitung der Leben, ihrer Geschichte, der der anderen. Und wenn es ihr darum ging, nur um etwas Verwirrung ins Spiel des Lebens zu streuen.
Und der eine mehr als der andere und versucht sich dann halt suizidal aus dem Spiel zu nehmen.
Bei so einem Motiv muss man mir das deutlich anspruchsvoller verarbeiten. Da muss sprachlich mehr kommen, mehr Rhythmus rein und das Motiv viel mehr formal gebunden werden. Das ist mir viel zu wenig gestaltet. Die Rahmung ist zu schwach um die Brüche zu tragen. Diese Reproduktion der Opferlogik stößt mir dadurch etwas übel auf.

Wenn ich jetzt gehässig bin, würd ich sagen, Konsenz des Buches: „Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna?“

Mag aber auch sein, dass ich das Buch nicht wirklich kapiert habe.
Profile Image for Uralte  Morla.
372 reviews135 followers
August 5, 2025
"Wir hielten uns nur an die eine - unsere eigene - Regel. [...] Es war verboten, einander nach dem Grund des Aufenthalts zu fragen." (Seite 134)
.
Und deswegen tut das auch niemand im Sanatorium. Überhaupt nimmt es hier scheinbar niemand mit der Wahrheit so ganz genau. Nicht in den Therapiesitzungen, nicht untereinander, vielleicht nicht einmal sich selbst gegenüber. Anna zum Beispiel spricht nie über ihren Suizidversuch, sondern immer nur von "der Sache" oder allerhöchstens "dem Unfall". Dabei hat sie sehr wohl mit Absicht ihr Fahrradlicht nicht angeschaltet und mehrere rote Ampeln überfahren.

"Ich wusste nicht, wohin ich wollte, aber ich wusste, was ich wollte. Und es passierte." (Seite 19)

Seitdem ist sie im Sanatorium, bekommt Tabletten, Einzel- und Gruppentherapie. Zuerst scheint sich ihre Krankheitsgeschichte klar aufzudröseln: Eltern, die sie als Kind ins dunkle Badezimmer gesperrt haben, wenn sie geweint hat, Eltern, die mit ihr aus der Sowjetunion nach Deutschland geflüchtet sind. Ein Vater, der chronisch fremd geht, eine Mutter, die psychisch krank ist und von Anna gepflegt werden muss. Doch Annas Geschichten haben Lücken, an vieles kann sie sich nicht erinnern. Und warum muss sie eigentlich so starke Medikamente nehmen? Und woher kommen ihre impulsiven Aussetzer?

Anna Prizkau hat mit ihrer Protagonistin in "Frauen im Sanatorium" eine meisterhaft unzuverlässige Erzählerin geschaffen, die außerdem von unzuverlässigen Erzähler:innen umgeben ist. Denn auch ihre Mitpatient:innen Marija (ebenfalls aus der ehemaligen Sowjetunion) und Elif erzählen undurchsichtige Geschichten von politisch starken, aber als Bezugspersonen unfähigen Eltern oder verschwundenen Bräutigammen. Und dann ist da noch David, den Anna gar nicht richtig kennt und den sie trotzdem unbedingt will. Weil ihre Mutter gesagt hat, sie soll sich immer wieder verlieben. David, der ähnlich wie Anna schwankend in seinen Emotionen ist und schließlich ihr Opfer werden soll. Denn die Frau, die sich selbst oft nicht im Spiegel erkennt, ist vor allem eins: nicht ehrlich zu sich selbst.

Und so kann sie auch keinen wirklichen Fortschritt machen in dieser Klinik, deren Therapeut:innen kaum der Rede wert sind und in der sie sich lieber mit eingewiesenen Soldat:innen betrinkt, als über ihr Innenleben zu sprechen. In einem Märchen, dass Anna als therapeutische Übung schreibt, heißt es "wenn man kein Herz hat, kann es auch nicht gebrochen werden" (Seite 296). Und genau das versuchen Anna und die anderen Figuren mit ihren undurchsichtigen Geschichten: Sich hart zu machen gegen die Welt, unangreifbar zu bleiben, keinen weiteren Schmerz mehr erleben zu müssen. Ohne zu merken, dass sie den wahren Schmerz mit in ihre selbstgebauten Welten einschließen und ihn somit nicht verarbeiten können.

Das alles schreibt Anna Prizkau schwungvoll, in einer leichten Sprache, man fliegt regelrecht durch das Buch - und bleibt am Ende trotzdem etwas verheddert zurück.

Wer dieses Verheddertsein mag, für den ist dieses Buch genau richtig. Wen - wie mich - unzuverlässige Erzähler:innen eher unbefriedigt zurücklassen und emotional leider nicht wirklich erreichen, für den vielleicht nicht.

Irgendwie mochte ich den Roman aber trotzdem. Er hinterlässt einen traurigen Abdruck, der sich nicht so schnell abschütteln lässt.
Profile Image for Mia.
154 reviews2 followers
July 17, 2025
readers high 10/10! auf jeder seite küsst es meine seele mit geschichten, die wir uns sonst viel zu oft verschweigen.
„lasst uns darüber reden“ statt darüber schweigen.
auch wenn manche dinge lieber ungesagt bleiben, findet dieses buch zarte wege, sie trotzdem fühlbar zu machen.

es nimmt dich an die hand, ganz behutsam, freundschaftlich und stellt dir menschen mit echtem nahbaren körper vor.
sie könnten deine nachbar*in sein, die person in der bahn oder eine grummelige kassierkraft, deren hintergrund du nicht kennst, aber vielleicht spürst.

erzählt werden die dinge, die manchmal abgründig auf und in uns lauern, uns ausmachen und endlich gehört werden wollen: nur so sind wir ganz.

und wer pflastert jetzt mein herz nach diesen wunderbaren seiten? 🥹❤️‍🩹
Profile Image for SusanneH.
519 reviews38 followers
August 9, 2025
Schade
Das Buch war so vielversprechend.
Die Personen blieben blass und im Nebel oder war das künstlerische Absicht?
Einzig einmal dachte ich Jetzt Ja, jetzt wird das noch was.
Leider nicht meins.
Profile Image for Ellinor.
772 reviews365 followers
August 21, 2025
Bei manchen Büchern muss man mit einer gewissen Einstellung heran gehen: Sie spielen mit der Wahrheit, der Wirklichkeit und damit auch mit dem Lesepublikum. Wer Frauen im Sanatorium liest, sollte sich darüber bewusst sein, dass es hier nicht nur eine unzuverlässige Erzählerin gibt, sondern gleich mehrere.
Anna ist in einem Sanatorium. Dort soll sie wieder gesund werden. Das wünschen sich zumindest die anderen. Ob dies auch Annas Wille ist, ist nicht ganz klar. Neben ihr gibt es im Sanatorium noch diverse andere Patient*innen, die alle nach und nach ihre Geschichte erzählen. Die ihre erzählt Anna meist einem Flamingo. Manche der Geschichten überschneiden sich, andere widersprechen sich, fast wie in einem Krimi eigentlich.
Frauen im Sanatorium hat mich komplett in den Bann gezogen. Der Roman ist sehr vielschichtig und sprachlich wunderbar ausgearbeitet. Ich fühlte mich an wenig an Filme wie Stonehearst Asylum oder Inception erinnert, bei denen sich ebenfalls Realität und Vision vermischen. Für mich ein tolles Leseerlebnis.
Profile Image for Sandra.
206 reviews50 followers
August 15, 2025
Anna Prizkau erzählt in diesem Roman über die Protagonistin Anna, die nach einer "Sache", die passiert ist (vermutlich ein Suizidversuch) nun in einem Sanatorium ist. Hier lernt sie Elif, Marja, Katharina und David kennen. Ein ungeschriebenes Gesetz ist es, die MitpatientInnen nicht nach dem Grund ihres Aufenthaltes zu fragen. Anna erzählt uns trotzdem was sie über die Menschen weiß, aus zweiter Hand, aus einem Notizbuch, aus dem Internet und aus dem was sie sparsam und gefiltert über sich preisgeben. Daraus ergibt sich, dass wir oft unterschiedliche Versionen der Wahrheit bekommen und nie wissen was Wahrheit ist. Und was ist überhaupt Wahrheit?

Diese Form des Erzählens ist interessant, hatte aber für mich den großen Nachteil, dass ich den meisten Figuren kaum nahe kommen konnte. Nur Anna, deren Perspektive wir einnehmen, nimmt etwas mehr Form an. Aber selbst die öffnet sich nicht ganz, bleibt in manchen Aspekten ihrer Geschichte unklar und undurchsichtig, vielleicht unzuverlässig.

Kein schlechtes Buch, aber die Art des Erzählens konnte mich nicht ganz überzeugen.
Profile Image for Clarissa.
716 reviews21 followers
October 10, 2025
Irgendwie hatte ich mir bei dem Titel und Cover mehr erhofft. Ich gehe irgendwie unzufrieden und verwirrt raus. Sehr windiges und unseriöses Sanatorium.
Profile Image for Christin Schuster.
48 reviews1 follower
October 12, 2025
Angenehme Schreibweise, gut weg zu lesen.
Storyline allerdings nicht sooo spannend, wurde nicht richtig mitgerissen.
Profile Image for ada ☽.
203 reviews3 followers
August 6, 2025
Leider war die Protagonistin dieses Romans extrem unsympathisch, und nicht auf die Art, auf die manche Charaktere psychologisch faszinierend sind oder ihre abschreckende Persönlichkeit den Plot interessanter macht. Dass ihre Handlungen größtenteils unlogisch und impulsiv wirken, ist sicher im Kontext des Themas beabsichtigt, aber auch in den meisten anderen Aspekten bleibt Anna unnahbar und unverständlich. Selten verspüre ich Hass auf Protagonist*innen, aber Anna hat teilweise solche Emotionen in mir geweckt, und das obwohl ich denke, dass eigentlich eher beabsichtigt war, dass Leser*innen sich in sie hineinversetzen können, Empathie für sie verspüren, oder sie als Charakter zumindest verstehen. Das konnte ich leider gar nicht - vielleicht, weil ich nicht glaube, dass eine psychische Erkrankung unsoziales Verhalten rechtfertigt, aber auch, weil Anna literarisch seltsam konzipiert war. Was genau der Roman aussagen soll (außer wohl, psychisch Kranke zu repräsentieren; fraglich, wie gut das gelingt), ist mir ebenfalls unklar geblieben. Weil auch die Sprache knapp, wenig beschreibend und unpoetisch ist, hat mich leider nicht viel an Frauen im Sanatorium überzeugen können. Wem der Schreibstil mehr liegt, findet vielleicht einen besseren Zugang zum Text.

[Danke an den Verlag und NetGalley für das Leseexemplar]
Profile Image for Carla.
1,041 reviews135 followers
July 21, 2025
"Wenn man liebt, dann liebt man jeden Menschen anders, weil Menschen sich nie gleichen. Sie sind einmalig, sie sind vielfältig und verschieden. Deshalb gibt es kein Mehr und auch kein Weniger, denn jeder Mensch liebt jeden anderen auf seine eigene Art und Weise."

Protagonistin Anna befindet sich mit einigen anderen Frauen in einem Sanatorium. Marija hält ständig Monologe über ihre tote Mutter, Elif denkt sich jeden Tag ein neues Märchen aus, und Soldatin Katharina trinkt jede Nacht Rotwein mit Wodka. Anna geht regelmäßig in den Kurpark und spricht mit dem blassen Flamingo Pepik.

Für mich hat das Buch so stark angefangen! Ich mochte das Klinik-Setting sehr und fand es atmosphärisch gelungen. Anna war eine sehr undurchsichtige Protagonistin und auch der "Plot" hat mich im Laufe der Geschichte einfach verloren. Es gibt oft Rückblicke bzw. die Geschichten der anderen Frauen im Sanatorium und ich habe dadurch keine Nähe zu Anna gefunden. Katharina mochte ich leider gar nicht.

Irgendwie hatte ich angenommen, dass Pepik eine größere Rolle spielen würde.

Leider hat das Buch für mich nicht wirklich funktioniert. Das Cover möchte ich aber gerne noch loben, es ist wirklich wunderschön!

3,5/5
7 reviews
September 2, 2025
Ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut und fand die Stimmung in der Psychiatrie am Anfang sehr gut eingefangen. Auch die Tatsache, dass nicht nur die Patent_innen in der Psychiatrie unzuverlässige Erzähler_innen sind sondern auch die anderen Charaktere rundherum fand ich interessant und eine gute Entscheidung.
Leider wurde ich immer mehr enttäuscht von der Darstellung der Psychiatrie, die weder hilfreich noch realistisch war. Die Charakterisierung war auch sehr distanziert, so dass ich mit den Charakteren nicht viel anfangen konnte bzw. waren sie mir recht egal.

(Spoiler folgen - warum ich die Darstellung der Psychiatrie nicht gut fand)

Die Autorin schreibt darüber wie Patient_innen sich unbemerkt in der Anmeldung besaufen und wie einer von Soldaten verprügelt wird, weil seine Liebhaberin (mit der er natürlich unbemerkt im Krankenhauszimmer Sex hatte) über ihn Lügen verbreitet hat. Natürlich passiert das alles ohne Konsequenzen für irgendwen. Sorry, aber in einer Zeit, wo ganz viele Menschen viel Arbeit leisten, um psychische Erkrankungen zu destigmatisieren, finde ich so einen Roman nicht hilfreich.

Schade, habe mich, wie gesagt, sehr darauf gefreut.
Profile Image for Bücherbummlerblog.
139 reviews8 followers
August 25, 2025
Nach der „Sache“, von der wir nur spekulieren können, worum es sich dabei genau gehandelt hat, kommt Anna in ein Sanatorium. Hier trifft sie auf Marija, Elif und David, später auch auf die Soldatin Katharina und deren Kollegen. Als Elif entlassen wird, hinterlässt sie Anna ein Heft mit Geschichten über die anderen Patienten und den Auftrag, mit David eine Beziehung zu beginnen. Und da Anna anscheinend einen Hang zu Hörigkeit hat, macht sie sich auch gleich daran, Elifs Wunsch in die Tat umzusetzen. Mit fragwürdigen Folgen.

Ich fange meine Rezensionen gerne mit den Punkten an, die mir an einem Roman gut gefallen haben, aber jetzt, wo ich vor dem Bildschirm sitze, fällt mir da zu „Frauen im Sanatorium“ von Anna Prizkau überraschend wenig ein. Ich mag das Cover. Und den Titel. Und es gab auch die ein oder andere Stelle, die ich durchaus interessant und unterhaltsam fand. Aber den Gesamteindruck konnte das nicht retten.

Dabei ist Prizkaus Art, ihren Inhalt zu vermitteln, nicht ohne Charme. Sie lässt Anna erzählen, lässt sie von ihrer Vergangenheit berichten, von den Ereignissen im Sanatorium, von dem, was sie von anderen Patienten gehört hat, was sie selbst vermutet und beobachtet oder in Elifs Heft liest. Und ihr Gesprächspartner ist dabei vorzugsweise Pepik, ein Flamingo aus dem Park des Sanatoriums.

Auch, dass wir im Laufe des Romans immer mehr dahinterkommen, dass wir es nicht nur mit einem unzuverlässigen Erzähler zu tun haben, sondern gleich mit mehreren, kann man reizvoll finden. Wenn man denn eine Vorliebe für unzuverlässige Erzähler hat. Ich habe sie allerdings eher nicht.

Da hat es dann auch nicht geholfen, dass ich nur wenig Sympathie für die Figuren (außer vielleicht für Marija) entwickeln könnte. Jungs aufreißen, fragwürdige Mixgetränke saufen, peinliche und dabei noch gefährliche Racheaktionen ausführen, dem Schwarm hinterherschnüffeln … das alles erwarte ich nicht von Frauen in einem Sanatorium, sondern eher von Jugendlichen in einer Einrichtung für Schwererziehbare. Und trotz all dieser leicht pubertären Dramen schaffen es die beteiligten Personen, weitestgehend flach und uninteressant zu bleiben.

So stehe ich am Ende mit leeren Händen da, habe wenig mitgenommen, außer einem leichten Gefühl von Verärgerung. Diese Mischung aus versuchtem Tiefgang und geradezu alberner Oberflächlichkeit hat für mich überhaupt nicht funktioniert. Es tut mir für Pepik sehr Leid, aber hier erfolgt keine Leseempfehlung.
Profile Image for Lydia.
34 reviews
September 7, 2025
dieses buch lässt mich zwiegespalten zurück - eine sehr unzuverlässige erzählerin, man schwankt sehr zwischen wahrheit und erfindung, komische und fragwürdige darstellung von psychisch kranken?, spannende darstellung von migrationsgeschichten, gleichzeitig sehr fesselnd und faszinierend - i am not so sure
Profile Image for Lynn.
55 reviews
August 4, 2025
3,5 ⭐️
Finde es toll geschrieben, man kann sich in die anderen Figuren sehr stark hineinversetzen. Anna bleibt etwas fremd beziehungsweise lernt man sie einfach nicht so gut kennen. Finde das bisschen schade, hätte gerne mehr über sie gewusst.
Ich mag das Setting und die Atmosphäre
Profile Image for Anele elen.
37 reviews8 followers
September 9, 2025
All the patients in this sanatorium carry a little shadow, and in the park there’s even a flamingo named Epik – amusing enough at first. Unfortunately, from about halfway through, the story starts to feel confusing and contrived, and the initial charm of the characters’ neuroses wears off.
Profile Image for ms_svensson.
46 reviews8 followers
July 18, 2025
In „Frauen im Sanatorium“ erzählt Anna Prizkau die Geschichte von Anna, die in einem Sanatorium landet. Nicht, weil sie dort unbedingt gesund werden will, sondern weil sie einfach nicht mehr weiterweiß. Dort sitzt sie oft am See und redet mit Pepik, einem Flamingo mit ziemlich blassen Federn (was auch irgendwie gut zu Annas Stimmung passt). Sie denkt an ihre Mutter, die ihr als Kind mit den Fingern Kreise auf die Wangen gemalt hat und dann immer trauriger wurde und irgendwann damit aufgehört hat. Sowieso mit allem aufgehört hat. Sie denkt an ihren Vater, der gegangen ist, und an all das, was in ihrem Leben schief gelaufen ist.

Im Sanatorium trifft Anna andere Frauen, die genauso verloren wirken wie sie: Elif, Marija und Katharina. Jede einzelne von ihnen bringt ihre eigene Geschichte und Sorgen mit. Elif, die ihren Verlobten verloren hat, Marija, die ohne Punkt und Komma redet und Katharina, die Soldatin. Und auch David, in den Anna sich verliebt, oder zumindest verliebt sein will, trägt seine eigene Geschichte mit sich herum. Zwischen Gruppensitzungen, Wassertherapie und Zigarettenpausen passieren Gespräche, die mehr helfen als jede Diagnose.

Anna Prizkau beschreibt das, was sich oft schwer greifen lässt, dieses Gefühl, nicht zu funktionieren. Die Geschichte liest sich trotz der Thematik aber nicht schwer oder bedrückend, was ich sehr beeindruckend finde. Es geht um mentale Gesundheit, um Freund*innenschaft, um Traurigkeit, ums Nicht-Perfekt-Sein.
Profile Image for Dunja Brala.
618 reviews47 followers
October 6, 2025
Ich gebe zu, vor diesem Buch hatte ich großen Respekt. Ich hatte einige Rezensionen gelesen, Dieters Buch als schwer zugänglich, beschrieben, doch ich hatte es schon angefragt und dann ein bisschen gehofft, dass man mich vielleicht beim Verlag vergessen könnte. Aber es kam an und jetzt hab ich mich auch getraut.

Anna kommt nach einem Zusammenbruch in ein Sanatorium. Dort sitzt sie nun am Teich und füttert den relativ blassen Flamingo Pepik während sie ihm von sich und den Anderen erzählt. Da ist Marija, die sich in endlos langen Monologen über ihre Mutter auslässt und zur Annahme verleitet, das mit der Mutter etwas geschehen ist. Da ist Elif, die mit großer Kreativität Geschichten erfindet an denen wir auch teilhaben, und ihre psychischen Probleme damit zu bekämpfen scheint. Die Bundeswehrsoldatin Katharina ersäuft ihr Trauma mit Rotwein und Wodka, und mischt gemeinsam mit ihren Soldatenfreunden gerne mal den Laden auf. Anna hadert aber mit sich, weiß nicht ob sie noch mal gesund werden kann, ob sie Liebe fühlen kann. Sie versucht es zu spielen, mit David, einem jungen Mann der ambivalente Gefühle hat, Unsicherheit ausstrahlt, bei dem man nie genau weiß, woran man ist. Alle haben sie etwas gemeinsam: eine Vergangenheit, die ihnen Instabilität verliehen hat. Vieles liegt im Elternhaus begründet, auch in der Migration, denn es scheint so, als hätten alle Protagonist*innen Wurzeln in einem anderen Land, zumindest hab ich das aus den erzählten Zusammenhängen abgeleitet.

Mir hat es sehr gut gefallen, wie die Autorin die Leben der einzelnen Personen offen gelegt hat. Es passiert erzählerisch beinahe beiläufig, und man merkt gar nicht so sehr, wie man auf einmal Teil einer Biografie wird. Die Sprache ist leicht für ein solch schweres Thema. Ich war ein, um andere Mal schockiert über die Ereignisse, die über die Protagonist*innen herein, gebrochen sind, zum Teil auch wütend darüber, wie Familie mit diesen Menschen umgegangen ist. Aber die literarische Ausarbeitung von Prizkau hat diese schwere Masse fluffig aufgeschlagen. Ich fand es richtig interessant, wie sie Ursachen und Symptome verteilt und daraus Persönlichkeiten gestaltet hat, die in ihrer Unterschiedlichkeit den Roman zu einem interessanten Schauplatz machen.

Am Ende gab es dann doch noch einmal einen dicken Kloß im Hals. Eigentlich ein gutes Zeichen – denn so war mir noch mal mehr bewusst, wie tief mich dieses Buch berührt hat. Meine Sorge, es könnte mir überhaupt nicht gefallen hat sich also nicht bestätigt
Und da sieht man mal wieder, solange man nicht selber seine Nase ins Buch gesteckt hat, kann man gar nicht wirklich beurteilen, ob und wie es einem gefällt.

Ich empfehle dieses Buch also allen, die sich mit schwierigen Persönlichkeiten beschäftigen möchten und eine literarisch einladende Art und Weise bevorzugen.
Profile Image for The Sound Of Silence.
5 reviews
January 15, 2026
Für die Darstellung von psychisch kranken Menschen oder dem System hinter dem Versuch des Heilens dieser, scheint für dieses Buch keine Recherche für nötig befunden worden zu sein.
Obwohl ich das Thema des Buches sehr spannend fand konnte mich die Umsetzung leider gar nicht überzeugen. Die Klinik als Handlungsort hat ungefähr so viel Tiefe wie das durchschnittliche world Building in schlechtem Romantisy smut. Hier wirkt es nicht so als hätte die Autorin viel Zeit an Recherche verschwendet oder es überhaupt für wichtig gehalten sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Über das zu schreiben sie sich ja selbst ausgesucht hat. Das gleiche gilt für die Darstellung psychisch kranker Menschen die alle samt als unsympathische Lügner dargestellt werden.
Dadurch das wir gleich mehrere unreliable narrator haben ist der Blick auf die jeweiligen Charaktere und ihre Biografien stark vernebelt und immer wieder bekommt man das Gefühl etwas verpasst zu haben. Aber nicht auf eine Weise die zum nachdenken oder Rätseln anregt sondern weil diese einfach nicht gut genug ausgearbeitet sind. Zudem erfahren wir das wahrscheinlich der Großteil von dem was wir erfahren gelogen ist mitten im Buch und bekommen dann noch weiter mehr Lügen erzählt von denen wir ja schon wissen das es welche sind. Was soll das ? Hätte man wenigstens bis zum Ende gewartet um dann als Plot twist zu erfahren das alles nicht stimmte hätte das dem Buch wenigstens einen kleinen Spannungsbogen gegeben. So nimmt die Autorin sich nach der Hälfte selber jeden Wind aus den Segeln. Auch ist es für den Verlauf der Geschichte eigentlich fast komplett egal was stimmt und was nicht warum das ganze also überhaupt ? Ich konnte keine Verbindung zu irgendeinem der Charaktere aufbauen wodurch mir am Ende komplett egal war was passiert/passiert ist. Was sehr schade ist weil es durchaus auch interessante Teile gerade in den Biografien gab die sich um das Thema Migration bewegten. Obwohl mir auch da viel Tiefgang gefehlt hat.
Profile Image for Christiane Fischer.
521 reviews7 followers
July 28, 2025
FRAUEN IM SANATORIUM
Anna Prizkau

Darf ich heute mal anders beginnen – und zwar mit dem Fazit?
Danke

Fazit:
Selten hat mich ein Buch so zwiegespalten fühlen lassen wie das Debüt von Anna Prizkau.
Wie kann etwas so zart und schön daherkommen - das Cover, die Sprache – und gleichzeitig so brutal und schonungslos sein? Unsere Protagonistin war mir so unfassbar unsympathisch, und doch hing ich an ihren Worten wie eine Süchtige an der Nadel.
Erzählte Märchen enden hier in Albträumen.
Aber ist das Leben immer fair? Und tut es nicht auch mal gut, von denen zu lesen, deren Realität nicht aussieht wie ein Bilderbuch?

Anna wird nach einem traumatischen Ereignis in ein Sanatorium eingewiesen.
Dort trifft sie auf ganz unterschiedliche Menschen, die eines gemeinsam haben: Sie brauchen Hilfe.
Wir begleiten Anna in den Kurpark, an den See, zu einem blassen Flamingo namens Pepik, und lauschen ihren Geschichten zwischen Therapiesitzungen und fadem Kantinenessen.
Sie beobachtet, hört zu, erzählt – von Marija, die so stolz auf ihre Tochter ist, es ihr aber nie zeigen kann und sie diese ausschließlich kritisiert.
Von Elif, die sich lieber Geschichten ausdenkt, als die Wahrheit zu erzählen.
Und von Katharina, einer Soldatin, die ihre Wahrheiten in Wodka und Wein ertränkt.

Kein Wohlfühlbuch – aber läuft das Leben immer nach Plan?
Sehr lesenswert.
3½/5
Profile Image for Ancla Müller.
897 reviews5 followers
September 29, 2025
Leise, einfühlsam und nachdenklich

**** Mein Eindruck ****

Ein durchdachtes, zartes Buch, das leise Töne voller Menschlichkeit, Scham, Schmerz, Bedürftigkeit, Ehrlichkeit und Selbstreflexion anschlägt – und diese auf berührende Weise miteinander verbindet. Die Geschichte ist gut geschrieben und sehr nachvollziehbar. Besonders das Miteinander der Figuren und ihr Aufeinandertreffen an einem besonderen Ort habe ich mit großer Freude verfolgt.
Das Gefühl von Abgrund und zerbrechlichem Glück wird intensiv, aber niemals überzogen oder gar triggernd behandelt. Stattdessen bleibt der Ton ernst, respektvoll und einfühlsam – genau das hat dieses Buch für mich besonders gemacht. Für ein ganz großes Highlight fehlte mir an einigen Stellen etwas mehr Raffinesse und Feinschliff. Trotzdem lässt mich die Geschichte nachdenklich zurück. Gerade das Ende empfand ich als starkes Highlight und als gelungene Idee, die sicher viele Leserinnen und Leser auf ganz unterschiedliche Weise ansprechen wird.

**** Empfehlung ****

Wer Lust auf eine feinfühlige Auseinandersetzung mit Themen wie Verletzlichkeit, Hoffnung und Begegnungen auf Augenhöhe hat, wird hier eine bewegende und nachwirkende Lektüre finden.
Profile Image for Merles Mind.
24 reviews19 followers
October 4, 2025
Der Roman thematisiert die Herausforderungen, denen Frauen in einer von Normen und Erwartungen geprägten Gesellschaft gegenüberstehen. Sie zeigt auf, wie diese Normen das Selbstbild beeinflussen und wie die Frauen versuchen, sich in einem System zurechtzufinden, das sie oft nicht versteht oder akzeptiert.

Prizkau gelingt es meisterhaft, ein Setting zu erschaffen, das sowohl vertraut als auch fremd wirkt. Die Klinik wird zum Mikrokosmos, in dem sich die Frauen mit ihren inneren Dämonen auseinandersetzen. Dabei bleibt stets unklar, inwieweit die Erzählungen der Figuren der Wahrheit entsprechen oder der Fantasie entspringen. Diese Unzuverlässigkeit der Erzählerinnen verstärkt den Sog des Romans und fordert die Lesenden heraus, zwischen den Zeilen zu lesen.

Es ist ein Roman, der zum Nachdenken anregt und die Lesenden dazu einlädt, über die Konstruktion von Wahrheit und Identität nachzudenken. Mit seiner Mischung aus psychologischer Tiefe und literarischer Raffinesse ist er ein beeindruckendes Debüt, das lange nachhallt.
Profile Image for Sarah Hartgens.
3 reviews1 follower
January 3, 2026
Das Cover, der Titel und die ersten paar Kapitel haben in mir hohe Erwartungen geweckt, die der Rest des Buches leider absolut nicht erfüllen konnte. Die Charaktere bleiben entweder skizzenhaft oder entwickeln sich absurd weiter. Fast so, als hätte die Autorin sich viele Elemente erdacht aber nicht aufgeschrieben. Ich hatte mehrfach das Gefühl wichtige Entwicklungen verpasst zu haben und konnte nichts finden wenn ich zurück geblättert habe.

Spoiler :

Selbst als überzeugte Feministin und große Kritikerin von Männern und Männlichkeit im Allgemeinen konnte ich den Handlungsstrang der zum Angriff auf David führt absolut nicht nachvollziehen. Wir werden als Lesende nicht in diese Entscheidung eingeführt und dadurch wirkt dieser gesamte Teil des Buches völlig Random.
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Profile Image for f.levorium.
23 reviews
September 11, 2025
Ich bin sehr unschlüssig, wie ich den Roman fand. Auf der einen Seite war es sehr unterhaltsam, auf der anderen Seite las er sich für mich wenig stringent und etwas verwirrend. Es wurden durch die Geschichten der einzelnen Personen viele Handlungsstränge aufgegriffen und, für mein Empfinden, keiner wirklich tiefgreifend weitergeführt. Durch die Erzählperspektive gestaltet sich dies natürlich recht schwierig, nichtsdestotrotz fühlt sich das Buch unvollendet an.
Profile Image for resiliest.
185 reviews1 follower
August 19, 2025
4 fesselnde Schicksale aus der Heilanstalt erzählt.
Profile Image for MIMI.
4 reviews
September 2, 2025
irgendwas zwischen wunderschön und mystisch, berührend und toll, viele bezüge und rückblicke zum leben in verschiedenen teilen der ehemaligen udssr
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