Karo ist 26, sie arbeitet so mittelerfolgreich in einer Medienagentur, mit ihrem Freund läuft es eher nicht so, als sie das Leben so komplett aus der Bahn wirft. Es gibt eigentlich keinen konkreten Anlass, aber auf einmal sind sie da, die Depressionen und Panikattacken.
Diese Situation hatte Karo so gar nicht vorhergesehen, weshalb wir sie auf ihrem Weg von Therapeutin zu Psychiater zu Mama zu dem ein oder anderen Typen und am Ende wenn nicht zur Besserung, dann immerhin zur Feststellung begleiten, dass im Leben eben nicht immer alles so funktioniert, wie wir uns es vorgestellt haben. Und dass es trotzdem in irgendeiner Weise lebenswert ist.
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Schon lange hat mich kein Buch mehr so zwiegespalten zurückgelassen wie Mängelexemplar von Sarah Kuttner. Es gibt ein paar Aspekte, die mir richtig gut gefallen haben und ein paar, die mich maximal gestört haben.
Gut gefallen hat mir, dass es angenehm zu lesen war und ich mich nie zwingen musste, das Buch zur Hand zu nehmen. Hin und wieder erkennt man sich selbst wieder, das ist natürlich auch immer entlarvend – allerdings wirklich nur manchmal. Grundsätzlich denke ich, dass das Buch hilft, psychische Erkrankungen etwas zu normalisieren. Die meisten Menschen haben irgendwann in ihrem Leben einmal mit irgendeinem psychischen Problem zu kämpfen und meiner Erfahrung nach fühlt man sich da schon erstmal recht allein.
Außerdem fand ich die positive Darstellung von Therapie super, findet man viel zu selten in Büchern.
Nicht gefallen hat mir die Protagonistin – Karo ist einfach ultra anstrengend und einfach ein anderer Typ Mensch als ich. Dadurch fand ich es oft schwer, mich in sie hineinzuversetzen. Ihre Art, Probleme zu lösen (oder in ihrem Fall: zu verdrängen), entspricht mir einfach gar nicht. Sie hat mich echt fast die ganze Zeit genervt – was halt blöd ist, da sich das ganze Buch um sie dreht.
Trotz der schweren Thematik bleibt das Buch in weiten Teilen belanglos. Kuttners Schreibstil ist angenehm und trotzdem werde ich damit nicht richtig warm.
Ihr seht, ich komme zu keinem klaren Fazit. Es ist ein Buch, das zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung ein riesiger popkultureller Renner und ein großer Bestseller war. Ich hatte das Gefühl, ich müsste es mal gelesen habe und das habe ich nun getan. Es ist nicht lang, deswegen: lest es selbst, um euch eine eigene Meinung zu bilden. Am Ende ist es – wie so oft – einfach Typsache, ob es einem gefällt.