Band 3 der berührend, mitreißend, hervorragend recherchiert!
Dingelbach am Fuße des Taunus, 1927. Unruhige Zeiten stehen den drei Schwestern vom Dorfladen bevor. Während Frieda, die mittlere Tochter, in ihrem ersten Theaterengagement Höhen und Tiefen durchlebt, ist Ida, die jüngste, glücklich verliebt in ihren Florian und setzt damit das angestrebte Abitur aufs Spiel. Florians Nähe zur KPD erweist sich jedoch für sie beide als Desaster – Ida kehrt zurück nach Dingelbach. Hier erwartet die dritte Schwester, die brave Herta, ein uneheliches Kind, was für viel Aufruhr im Dorf sorgt. Werden die drei dennoch ihr Glück finden?
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Inhalt siehe Klappentext. Der 3. Band von Anne Jacobs‘ „Dorfladen“ passt optisch zu den ersten beiden Teilen - bei diesem hier gefallen mir die Brombeeren besonders gut. Wer die Vorgängerbände kennt, kann sich vermutlich an die Vielzahl an Namen erinnern, für Neueinsteiger wird es schwierig. Grundsätzlich finde ich es gerade bei dicken Büchern (immerhin sind es hier 607 Seiten), Mehrteilern oder generell, wenn viele Personen mitwirken, sinnvoll, wenn eine Personenübersicht vorhanden ist, um die Zuordnung, Verbindungen etc. zu erleichtern. So kann man schnell mal nachschlagen, wenn eine Lücke entstanden ist. Ich war sehr schnell im Taunus angekommen, ein knappes Jahr nach Band 1 waren mir die Personen noch geläufig. Dabei habe ich festgestellt, ich habe tatsächlich nur Band 1 gehört, nicht Band 2 auch, wie zunächst gedacht. Den hänge ich im Anschluss dran. Ich mag den Dialekt, die Formulierungen, die Anne Jacobs bei gewissen Personen bewusst anstelle hochdeutsch einsetzt (da will ich glatt das Hörbuch hören). Ich finde die Sprache und Sätze meist recht einfach gehalten, als ob jemand der Dorfbewohner seine eigene Geschichte erzählt, aber das macht den besonderen Charme dieser Dörfler aus (das ist nicht negativ oder abwertend gemeint, wenn die Bevölkerung „Bauern“ sind). Man merkt, wie die Dorfbevölkerung zusammenhält, wenn jemand Hilfe braucht. Aber auch beim Kloppen sind sie alle gut mit dabei. Man begleitet in diesem Band, der 1927 im Taunus spielt, Dorfladenbesitzerin Marthe mit ihren Töchtern Herta, Frieda und Ida, eine unterschiedlicher als die andere. Marthe sollte gelegentlich drüber nachdenken, wie sie mit ihren Töchtern umspringt, jede hat ihre Eigenarten, die sie einzigartig machen und nur weil sie nicht so spuren, wie Marthe es will, sind sie doch nicht schlecht. Jede geht ihren Weg, dieser ist nicht immer glatt, meist auch holprig, aber ist das Leben nicht genau so? In Dingelbach weiß jeder genau über die anderen Bescheid, wer wann wo mit wem war und was getan wurde und diese Infos werden im Dorfladen breitgetreten und ausdiskutiert, am besten lautstark. Beim Lesen eine amüsante Vorstellung, als Betroffener sicher gar nicht lustig. Ilse kämpft weiter um ihre Fabrik, zudem gegen ihren Bruder Josef, muss sich mit Gatte Richard um Söhnchen Robert und die Schwiegermutter in den USA arrangieren, keine leichten Aufgaben. Ida will zur Schule gehen, kann aber ihren Mund und Meinung nicht für sich be-/halten, heutzutage für ein Mädchen völlig normal, damals war das aufsässig, unverschämt (ok, sie übertreibt teilweise etwas), was ihr zum Nachteil wird. Frieda tritt in Bochum am Theater auf, weiß nicht, wer wann welche Fäden in der Hand hat und zieht, wenn sie es sich mit Personen verscherzt - auch hier geht es anders aus, als erhofft. Und Herta? Die träumt vor sich hin, von Sigi und einem angenehmen Leben auf Mutters Kosten - aber nicht mit Marthe. So hat jeder Dorfbewohner sein Päckchen zu tragen, der Fortschritt zieht mit kleinen Schritte in Form des Telefonnetzes und ein paar wenigen Automobilen in Dingelbach ein, das immer ein bisschen verschlafen wirkt. Nicht jeder kann sich damit anfreunden. Eine auf den ersten Blick idyllische wirkende historische Dorf- und Familiengeschichte, fast in Mundart, aber keinesfalls immer harmonisch, es fliegen auch mal die Fetzen, leicht zu lesen, so könnte es früher wirklich gewesen sein. Ich wurde gut unterhalten, auch wenn ich zum Schluss über die ein oder andere Person gerne noch etwas mehr erfahren hätte, es bleiben Fragen zu deren Zukunft offen, und vergebe heute 4,5 bis 5 Sterne.
Worum geht’s? Auch 1927 wird es in Dingelbach nicht ruhiger. Frieda schaut ab und zu vorbei, blüht aber am Theater richtig auf. Ida steckt mitten in den Abiturvorbereitungen, verliebt sich in Florian und setzt damit alles aufs Spiel. Und Herta? Die brave Herta erwartet ein uneheliches Kind – und sorgt damit für reichlich Gesprächsstoff an der Ladentheke.
Meine Meinung: Mit „Der Dorfladen – Wie das Schicksal spielt“ entführt uns Anne Jacobs bereits zum dritten Mal in das kleine Dingelbach, wo man nicht nur seine Nachbarn, sondern auch deren Sorgen und Geheimnisse kennt. Schon nach wenigen Seiten war ich wieder mittendrin im Trubel des Dorflebens, habe alte Bekannte getroffen, Neuigkeiten erfahren und mich gefühlt, als stünde ich selbst beim tägilchen Kaffeeklatsch am Tresen des Dorfladens.
Der Schreibstil bringt die Atmosphäre wieder wunderbar zum Leben – es ist, als würde man das Lachen der Mädchen hören und das Tuscheln hinter den Gardinen sehen. Besonders schön ist es, die Entwicklung der Haller-Schwestern mitzuerleben. Ida, Frieda, Herta – jede geht ihren eigenen Weg, und doch bleiben sie fest miteinander verwoben. Auch Lehrer Hohnermann war wieder dabei – ein liebgewonnenes Original, dem man nur das Beste wünscht, so empathisch und hoffnungslos verliebt ist er. Dann diese Tratschweiber, die ständigen Querelen unter den Bauern, kleine Intrigen und große Gefühle – es war herrlich lebendig. Und Ilse, ach Ilse – was sie sich mit ihrem Bruder rumschlagen muss!
Diesmal steht wirklich das dörfliche Miteinander im Mittelpunkt. Mir persönlich haben die historischen Fakten etwas gefehlt, die in den ersten beiden Teilen so geschickt eingewoben waren. Die politischen Spannungen, die Studentenkrawalle – sie werden nur am Rande erwähnt. Dafür widmet sich Anne Jacobs umso intensiver den Menschen, ihren Hoffnungen, Ängsten und Träumen. Und das liest sich einfach wunderbar – warmherzig, lebensnah, mitreißend. Wer die Figuren aus den ersten beiden Teilen schon ins Herz geschlossen hat, kommt hier voll auf seine Kosten. Und das Ende? Eigentlich schließt es die Trilogie ab – aber so vieles bleibt offen, dass man fast hofft, Dingelbach hätte noch ein paar Geschichten zu erzählen. Vielleicht dürfen wir ja noch einmal dorthin zurückkehren. Wenn nicht, bleibt wenigstens genug Raum für die eigene Fantasie: Ob Ida Anwältin wird, Frieda Regie führt, Herta glücklich wird – wer weiß das schon?
Fazit: Mit „Der Dorfladen – Wie das Schicksal spielt“ gelingt Anne Jacobs ein Abschluss, der all das vereint, was ihre Reihe so besonders macht: Herz, Menschlichkeit und echtes Dorfgefühl. Es ist weniger ein historischer Rückblick als vielmehr ein lebendiges Stück Leben – mit all seinen Ecken, Sorgen, Träumen und leisen Momenten. Ein Roman, der nachklingt wie das Läuten der Kirchenglocken über Dingelbach.
5 Sterne von mir und ich wünschte, die Triolgie wäre noch nicht vorbei!
Mit „Der Dorfladen – Wie das Schicksal spielt“ führt Anne Jacobs ihre Saga um Dingelbach, ein kleines fiktives Dorf im Taunus, fort und versetzt uns ins Jahr 1927. Im Mittelpunkt steht erneut der namensgebende Dorfladen von Marthe Haller sowie deren drei Töchter – Herta, Frieda und Ida –, die unterschiedlicher kaum sein könnten und jede auf ihre eigene Weise mit den Erwartungen der Zeit und ihrem persönlichen Schicksal ringen. Nachdem mir die ersten beiden Bände so gut gefallen haben, war ich gespannt, wie es in Dingelbach weitergeht!
Frieda versucht fernab der Heimat als Schauspielerin in Bochum Fuß zu fassen, Ida pendelt zwischen Dingelbach und Frankfurt, arbeitet ehrgeizig auf ihr Abitur hin und gerät durch ihre politische Haltung und ihren Freund zunehmend in Konflikte. Herta hingegen bleibt im Dorf – und sorgt dort ausgerechnet durch eine uneheliche Schwangerschaft für erheblichen Wirbel. Um sie herum entfaltet sich das pralle Dorfleben: Klatsch, Zusammenhalt, Missgunst, Fortschritt und Stillstand liegen hier oft nur einen Atemzug auseinander. Die gesellschaftliche Situation der damaligen Zeit wird sowohl politisch als auch moralisch auf bedrückende Weise spürbar.
Ich habe die ersten beiden Bände erst vor kurzem gelesen, was sich als sehr gut herausgestellt hat. Die Komplexität der Handlung lässt sich mit dem entsprechenden Vorwissen um die Charaktere definitiv besser einordnen und begleiten. Dementsprechend empfehle ich vorab: Beginnt mit Band eins und lasst zwischen den Büchern nicht zu viel Zeit vergehen.
Auch im dritten Band fühlte sich die Rückkehr nach Dingelbach wie Heimkehren an. Die Atmosphäre wirkt lebendig und authentisch, nicht zuletzt durch den gezielten Einsatz von Dialekt und regionalen Redewendungen. Das mag nicht jedermanns Sache sein, für mich hatte es aber Charme und das Gefühl, als würden mir die Dorfbewohner ihre Geschichte selbst erzählen. Besonders wer einen Bezug zu der Gegend hat, wird daran Gefallen finden.
Mit über 600 Seiten nimmt sich der Roman viel Zeit. Vieles wird detailliert und stimmungsvoll geschildert, nicht jeder Handlungsstrang konnte mich gleichermaßen fesseln. Meine persönlichen Favoriten waren die Fabrikbesitzerin Ilse Goldstein, deren Haltung, Stärke und innere Ruhe ich sehr bewundert habe und Ida als junge, selbstbewusste Frau, die ihrer Zeit voraus ist – selbst wenn sie sich mit ihrer direkten Art nicht nur Freunde macht.
Für mich war dieser Band mindestens genau so gut wie seine Vorgänger. Je besser ich die Charaktere kenne, desto mehr fühle ich mich mit ihnen und dem Dorf Dingelbach verwoben – und möchte gar nicht mehr mit dem Lesen aufhören.
Insgesamt war „Wie das Schicksal spielt“ also wieder ein richtiger Volltreffer – das Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite super unterhalten und wird mir noch lange im Gedächtnis bleiben. Von mir gibt es eine ausgesprochene Leseempfehlung und die vollen fünf Sterne.
neuerliche Herausforderungen in den 1920ern am Land
„Der Dorfladen – wie das Schicksal spielt“ ist der dritte Band einer Reihe um den Ort Dingelbach, die im Jahr 1927 spielt. Im Mittelpunkt steht der Dorfladen von Marthe, die ihre drei Töchter Herta, Frieda und Ida allein aufgezogen hat, nachdem sie ihren Mann im Krieg verloren hat. Frieda wirkt als Schauspielerin an einem Theater in Bochum. Ida pendelt von Dingelbach nach Frankfurt auf die Schiller Schule und arbeitet auf das Abitur hin und trifft sich nebenbei mit ihrem Freund Florian, der Sympathien für die KPD hegt. Herta bleibt in Dingelbach und hilft ihrer Mutter im Laden. Doch die sonst so brave und unscheinbare Herta sorgt mit einem unehelichen Kind von einem Handelsvertreter für Unruhe im Dorf.
Generell konnte ich dem Text einfach folgen, auch wenn die Sprache für manche gewöhnungsbedürftig sein dürfte – befinden wir uns doch auf dem Dorf und Dialekt und Redewendung auch typisch für die Region gewählt. Man darf sich auf hessischen Dialekt freuen.
Das Buch wartet mit einer ausführlichen Beschreibung des Dorfes auf (unterstützt durch eine Skizze des Dorfes) und mit einer Fülle an Charakteren. Die Dorfbewohner -inklusive der Fabriksbesitzerin am Dorfrand, Friedas Kollegen und Bekannte am Theater in Bochum, Idas Schulkollegen und Lehrer in Frankfurt und der weiteren Familie der Fabriksbesitzerin. Manchmal ist es gar nicht so einfach den Überblick zu behalten. Eine Liste wäre da hilfreich, auch um Verwandtschaftsverhältnisse und sonstige Verstrickungen zu verstehen.
Jedes Kapitel des Buches wird aus einer anderen Perspektiven erzählt, die sehr gut ineinander übergehen. Ida, Frieda, Marthe, der Fabriksbesitzerin Ilse und Heinz Schütz, Sohn des Bauern und Bürgermeisters Otto Schürz, tragen das Buch. Das gesamte Werk hat 600 Seiten und schildert alles sehr detailliert und auch atmosphärisch. Passend zur Realität erleben auch nicht alle Personen immer eine entsprechende Entwicklung und kommen nicht gleichmäßig ihn ihrem Handlungsstrang voran. So entspannend das Lesen für mich auch war – an manchen Stellen taten sich dann doch Längen auf. Hat man es im ersten Teil viel mit atmosphärischen Schilderungen zu tun, nimmt die Handlung so ca. im letzten Drittel dann Tempo auf und man schließt die Figuren umso mehr ins Herz.
Ich fand in die Geschichte, obwohl ich die Vorgängerbände nicht kannte, sehr gelungen. Jedoch würde ich die Bände mit jetzigem Wissen chronologisch lesen, um die Figuren besser zu verstehen.
Wie das Schicksal spielt, ist der dritte Band der Dorfladen-Reihe von Anne Jacobs. Den drei Schwestern des Dorfladens stehen unruhige Zeiten bevor. Frieda, die mittlere ist erfolgreich am Theater, aber reich geworden ist sie davon noch nicht. Soll sie lieber heiraten und den sicheren Weg einschlagen oder auf eine große Bühne wechseln? Ida, die jüngste ist auf dem Weg zum Abitur. Leider eckt sie mit ihrem losen Mundwerk und den modernen Ansichten, in der Schule immer wieder an. Damit könnte sie das angestrebte Abitur aufs Spiel setzen. Ihr Freund Florian ist Anhänger der KPD, das führt zwischen den beiden immer wieder auch zu Diskussionen und führt schließlich zu einem Desaster. Herta die dritte Schwester, erwartet ein uneheliches Kind. Im spießigen Dingelbach sorgt das für ziemlichen Aufruhr. Ob die drei doch noch ihr Glück finden? Auch ohne Kenntnis der ersten beiden Bände, bin ich gut in die Geschichte gekommen. Die Bewohner von Dingelbach werden nach und nach vorgestellt und so kennt man bald das halbe Dorf. Natürlich dreht sich die Geschichte hauptsächlich um Frieda, Ida und Herta und so fiebert man recht schnell mit den drei Mädels, die sehr unterschiedlich sind. Verschiedene Ereignisse im Leben der drei führen zu Entscheidungen, die ihr Glück zu bedrohen scheinen. Vor allem Frieda und Ida sind mir sehr ans Herz gewachsen und deshalb warte ich jetzt sehnsüchtig auf eine Fortsetzung, denn am Ende blieben einige Fragen noch offen. Bisher habe ich von Anne Jacobs noch nichts gelesen. Aber der dritte Band vom Dorfladen hat mir so gut gefallen, dass ich auch noch die ersten beiden Bände lesen werde. Ich bin auf die Fortsetzung der Reihe auf jeden Fall sehr gespannt!
Ich liebe die Dorfladen-Reihe allein schon weil es um drei Schwestern geht. Es spielt vor 100 Jahren und ist dadurch dass es verschiedene Frauenschicksale begleitet auch aus feministischer Sicht so interessant und wichtig. Ich kann mir gut vorstellen, alle drei nochmal zu lesen. Für manche Charaktere zB Ilse bleibt das Ende aber sehr offen. Wäre also für einen 4. Band absolut bereit.