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Shitbürgertum

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Das Buch, das kein traditioneller Verlag publizieren wollte. Gelesen vom Autor.





In diesem scharfsinnigen und provokanten Essay entlarvt Ulf Poschardt einen neuen Sozialcharakter, der unsere Gesellschaft prägt und lä den „Shitbürger". Mit einer unheilvollen Mischung aus Anmaßung und Untertanengeist inszeniert sich der Shitbürger als moralisch überlegener Retter der Welt – verteidigt dabei jedoch vor allem seine eigenen Privilegien und Interessen.





Poschardt, einer der renommiertesten Journalisten Deutschlands, zeigt auf, wie der Shitbürger in den liberalen, saturierten Gesellschaften des Westens eine beispiellose „Hegemonie" errichtet hat. Diese habe nicht nur Institutionen wie Kultur, Medien und Wissenschaft durchdrungen, sondern Deutschland in eine tiefe Krise geführt – eine Krise, die nur durch radikale Selbstkritik und eine Rückbesinnung auf republikanische Tugenden überwunden werden kann.





Ein unverzichtbares Buch für alle, die den gesellschaftlichen Wandel unserer Zeit verstehen und die Mechanismen des Shitbürgertums durchschauen wollen. Provokant, analytisch und ein Weckruf zur Selbstreflexion.

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Published June 20, 2025

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Ulf Poschardt

24 books9 followers

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Community Reviews

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37 (14%)
Displaying 1 - 30 of 37 reviews
Profile Image for Simon David Dressler.
68 reviews320 followers
January 21, 2025
Ulf denkt, er würde von seinem ursprünglichen Verlag gecancelt werden, weil seine Meinungen zu radikal und unangepasst sind; dabei ist das Buch einfach hundsmiserabel. Es sind DAUERND simpelste Grammatik- und Rechtschreibfehler (häufig sogar im titelgebenden Wort), literally im ersten Satz ist ein Kommafehler. Das Inhaltliche ist nicht der Rede wert, es gibt keinen roten Faden, keine Struktur, keine Idee, was ein Shitbürger konkret ist. Es ist eine faule und denkfaule Sammlung von Ulfs Rants und WELT-Artikeln, die nicht kontrovers und polemisch sind, sondern fachlich schlecht und peinlich geschrieben. All das wirkt wie das pampige Rumlabern von jemandem, der mehrere hunderttausend Euro im Jahr verdient und keine geliebte Personen, sondern nur noch Ja-Sager um sich herum hat. Eine Frage bleibt nach dem Lesen dieses Buchs: Ist das echt?
Profile Image for Tristram Shandy.
880 reviews267 followers
July 1, 2025
“Ökonomisch weitgehend ignorant, politisch heiter weltfremd, aber stets im Gestus geliehener Autorität, der Mehrheit der Gesellschaft den Weg weisen wollend.“

Dies ist eine der zahlreichen Kurzcharakterisierungen, die der Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt über das Shitbürgertum, wie auch der Titel seines kleinen, im Selbstverlag erschienenen Buches lautet, vornimmt, und ein jeder von uns kennt sicher mindestens eine Person – aus dem Privatleben oder der Politik –, auf die die oben gesammelten Attribute zutreffen. Diese Tugenddarsteller, die an jeder Hand mindestens drei anklagende Finger haben und mit den anderen zwei stets auf den Staat (und den Steuerzahler) verweisen, wenn es darum geht, ihre sozialorthopädischen Phantasmen zu finanzieren, sind mittlerweile zu einer lautstarken Minderheit geworden, die für sich beansprucht, die sogenannte Zivilgesellschaft anzuführen — und sie sind dabei vor allem eins: teuer. Und noch eins: nervtötend. In unzähligen boshaften Formulierungen überzieht Poschardt diese allgegenwärtigen und immerzu plärrenden Shitbürger mit wohlverdientem Spott, was beim Lesen schon ein großes Vergnügen verursacht, im Nachgang allerdings einigermaßen unbefriedigend ist, denn der Autor versäumt es, das Shitbürgertum klar zu definieren.

Seiner Meinung nach ist das Shitbürgertum besonders einflußreich in Deutschland, weil hier nach dem Zweiten Weltkrieg keine redliche Auseinandersetzung mit der eigenen Schuld an Hitler stattgefunden hat. Die Mehrzahl der Bürger stürzte sich in die Arbeit des Wiederaufbaus und schuf das Wirtschaftswunder, während eine kleine geistige Elite den moralischen Zeigefinger schwang, an linken gesellschaftlichen Utopien werkelte, den Kapitalismus als Ursache allen Übels ausmachte, dabei aber selbst weidlich von ihm profitierte, und nicht zuletzt auch den Schleier psychologischer Verdrängung und Abspaltung über ihre eigenen Verstrickungen mit dem nationalsozialistischen Staat der Vergangenheit legte. Es ist zwar hochamüsant, wie Poschardt die Heuchelei moralischer Silberrücken wie Günter Grass, Siegfried Lenz oder Walter Jens anprangert, aber auch nicht gerade neu; und das viel größere Problem ist, daß sich die Diskurshoheit des Shitbürgertums – trotz der begrifflichen Unschärfe, die dem Begriff anhaftet, finde ich ihn gut gewählt – nicht nur, und auch nicht in besonderem Maße, in Deutschland zeigt. Es kann also nicht sein, daß das Shitbürgertum ein Phänomen ist, das sich in besonderem Maße durch die deutsche Vergangenheit erklären läßt, denn auch das UK, Frankreich oder die USA – hier aber weht dem Shitbürgertum der frische Wind der Freiheit entgegen – haben mit diesem Phänomen zu kämpfen.

Ohne mich wirklich eingehend mit dem Problem beschäftigt zu haben, glaube ich, daß das Shitbürgertum eine weitere Sekte des Protestantismus genannt werden kann, da es nach meiner Beobachtung in katholischen Ländern eine geringere Rolle spielt und dort nicht so ganz ernstgenommen wird. Daß auch Frankreich dem Shitbürgertum anheimgefallen ist, stellt dabei keinen Widerspruch dar, denn Frankreich ist ein laizistisches Land und als solches de facto protestantisch-irreligiös. Was den Protestantismus kenn-, aber nicht auszeichnet, ist seine grimmige Lebens- und Sinnenfeindlichkeit, seine Obsession von der Frage, gut genug zu sein, um die Gnade Gottes zu empfangen, und ein damit einhergehendes ständiges Beharken des eigenen Gewissens sowie die Neigung anzunehmen, daß man dann auf dem richtigen Wege ist, wenn es einem richtig schlecht geht. Überdies ist es von der bei vielen Protestanten üblichen Lesart der Bibel, es sei vieles im übertragenden Sinne zu nehmen, bis hin zum dürren Atheismus nur ein kleiner Schritt. Viele Lutheraner wissen ja nicht einmal mehr, daß sie eigentlich Anhänger der Transsubstantiationslehre sind. Es gehört nun wenig Phantasie dazu, sich auszumalen, wie attraktiv moderne Weltuntergangslehren mit Heilsversprechen durch Verzicht und Selbstgeißelung gerade für diejenigen sind, die mit der Religion an sich nicht mehr viel anfangen können, aber dennoch unter der durch protestantisches Ethos verursachten Verkrümmung der eigenen Psyche leiden. Die shitbürgerlichen Lehren bieten diesen Menschen vieles: das Gefühl, besser, woker, zu sein als andere, ein recht gutes Gewissen und im Zweifelsfall auch ein Auskommen im Staatsapparat und den NGOs, die angesichts ihrer Steuerfinanzierung eben nicht NG sind, welche dazu da sind, mit Zwangs-, Erziehungs- und Propagandamaßnahmen auch die verantwortungslose tumbe Menge auf den rechten Pfad zu stoßen. (An die mitlesenden Protestanten: Ich war selbst mal Mitglied des Vereins und weiß also, was ein protestantisches Elternhaus bewirken kann.)

In der Erklärung der Genese des Shitbürgertums und seiner Kennzeichnung als ein typisch deutsches Phänomen liegt Poschardt nach meiner Meinung also falsch. Ebenso in seiner Glorifizierung Trumps, dessen Politik sich doch als stark erratisch und opportunistisch entpuppt, oder mit seiner verkürzenden Darstellung, der deutsche Philhellenismus, hier allerdings auf Sparta reduziert, habe zu den preußischen Kadettenanstalten und von da zu den Napola geführt. Hier mußte ich genauso lachen wie an manchen Stellen, an denen Poschardt das Shitbürgertum geißelt. Mein Hauptkritikpunkt an dem kleinen Buch liegt allerdings in der fehlenden gedanklichen Klarheit, die sich zum einen in seiner Struktur (oder Nicht-Struktur), zum anderen aber in seinem Verzicht, in die Tiefe zu gehen, äußert. Shitbürgertum ist ein wütendes, aber kein zorniges Buch – soll heißen, es läßt sich stark von nachvollziehbaren Emotionen treiben, versagt sich aber einer sorgfältigen Analyse, die zu tieferen Einsichten führen könnte. Es ist wohl kein Zufall, daß Poschardt immer wieder Nietzsche zitiert, der ähnlich gewütet, aber kaum je ein klares Gedankengebäude errichtet hat und daher nicht von ungefähr besonders von den französischen Philosophiedarstellern mit Vorliebe rezipiert wurde. Daß Poschardt gerade in der durch den woke-welken Zeitgeist beherrschten Populärkultur ein Gegengewicht gegen den selbstverliebt salbadernden Shitbürger sieht, macht ihn mir auch nicht gerade schlüssiger.

Gleichwohl hat dieses Buch seinen Nutzen – wie jeder andere Widerspruch gegen den herrschenden Zeitgeist der Sozialorthopädie und der wohlfeilen, uns alle aber teuer zu stehen kommenden Staatsgläubigkeit. Es zeigt den Shitbürgern und ihren Gefolgsleuten, die Poschardt treffend als Lauche bezeichnet und von denen er den tollen Satz prägt „Der Lauch braucht andere Lauche, damit er nicht stürzt oder in sich zusammenfällt“, daß sie den Kulturkampf noch nicht gewonnen haben und vielleicht auch nicht gewinnen werden. Diese shitbürgerliche Vorherrschaft ist aber auf jeden Fall zu brechen, am besten durch stetigen Widerspruch und Spott, denn ihre intolerant-weinerliche Gesinnungsethik bedroht nicht nur unsere Demokratie und unsere persönliche Freiheit, sondern ihre Neigung zum Interventionismus ist auch dabei, die Grundlagen unseres Wohlstandes zu ruinieren. Hoffentlich geschieht dies, bevor der letzte Steuerzahler geschröpft ist und der letzte mittelständische Betrieb Konkurs angemeldet hat.
Profile Image for Jan ☀️.
47 reviews18 followers
January 20, 2025
Teil 1/2
Obwohl Ulf Poschardt und ich aus verschiedenen Denkschulen kommen, habe ich mich hier und da dabei erwischt, ein paar Kommentare seinerseits gut zu finden und heimlich zu liken. Diese Tweets behandelten oft das Thema „die geheuchelte Moral und der missionarische Eifer des linksliberalen Lagers.“
Während ich kritisierte, dass LinksLibs nicht links seien, kritisierte er, dass diese keine Liberalen seien.

Abgesehen von dieser kleinen Schnittstelle befinde ich mich politisch und weltanschaulich ein bisschen entfernter von Herrn Poschardt (ich benutze das Wort „ideologisch“ ausdrücklich nicht, weil meine Weltanschauungen sich aus der eigenen Realität ergeben – nach dem Bottom-up-Prinzip, während Ideologien genau andersherum nach einem Top-down-Approach die Wahrnehmung der eigenen Realität stark einschränken).

Ich werde in der Review ausdrücklich nur auf die Themen und Inhalte dieses Werkes eingehen. Meine Meinung zu woanders veröffentlichten Thesen wird in meine Bewertung nicht einfließen.

Das 160 Seiten lange Büchlein wurde stilistisch simpel gehalten. Auf der Vorderseite des Buchcovers steht der Titel Shitbürgertum. Auf der Rückseite steht der Satz „Mach kaputt, was dich kaputt macht.“ Das Cover verrät schon, was die Leserschaft erwarten kann: eine Kampfansage an das „Shitbürgertum“, wie er es im Laufe seines Buches durchgehend bezeichnen wird. Poschardt greift im Vorwort die erwartbare Kritik auf und begründet seine Sprache mit dem folgenden:

"Warum dieses Buch mit diesem Titel? Das kann man polemisch verstehen. Oder aber als eine notwendige Diskursverschiebung um mit unverstellter Respektlosigkeit zu signalisieren, dass ein Teil des Bürgertums den Respekt, der ihm entgegengebracht wird, zur Unterminierung freiheitlicher Grundlagen des Westens genutzt hat."

Aus strategischer Sicht verstehe ich die Motivation Poschardts. Er zitiert mit Bewunderung im Buch ebenfalls Javier Milei, der in einem Interview gefragt wird, wieso er die Linken nur als Scheiße beschreibt. Milei beantwortet die Frage mit der Behauptung, weil es kein passenderes Wort gäbe. Poschardt geht es nicht darum, „nur“ einen Beitrag zu einer fortlaufenden intellektuellen Debatte beizutragen. Poschardt ist der Meinung, dass diese Debatte in Deutschland nicht losgetreten wurde oder zumindest nicht aus der Mitte der Gesellschaft heraus.

An etlichen Stellen bewundert er die Scharfsinnigkeit Trumps, der es schaffte, den Nerv der Zeit zu treffen und die Unzufriedenheit „des einfachen Mannes mit dem politischen Establishment“.

In einer fachlichen Diskussion wäre die aufgesetzte Polemik Poschardts völlig fehl am Platz. Das weiß er auch, da er als mittlerweile erfolgreicher Herausgeber einer der größten privaten Zeitungen des Landes es besser kann. Das will Poschardt aber nicht – er will die Aufregung. Ganz nach dem Motto: Egal, was ich mache, ich werde persönlich angegriffen. Wieso soll ich dann nicht selbst mit demselben angreifen?

Ich hätte seine Motivation vor einem Jahr wahrscheinlich nicht nachvollziehen können. Aber ich habe zum Glück Anfang letzten Jahres Die vierte Gewalt von Richard David Precht und Harald Welzer gelesen. Im Vorhinein habe ich mir viele Artikel zu dem Buch durchgelesen und zahlreiche Diskussionen auf Twitter verfolgt, wo ich den Eindruck bekommen habe, die Autoren wären dabei, die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu unterwandern – bis ich das Buch selbst gelesen habe und mich fragte: Das war’s? Die Aufregung war wegen dieser sachlichen „Lite“-Kritik?

Das sollte keine Rechtfertigung für das Vorgehen Poschardts sein. Und ich werde an einigen Stellen beispielhaft Passagen aus dem Buch zeigen, bei denen man nur den Kopf schütteln kann. Aber genau das will er. Ihm ist klar, dass man Feuer grundsätzlich nicht mit Feuer bekämpft, doch er glaubt, überhaupt erst ein Feuer in der Mitte der Gesellschaft zu brauchen, um die Debatte anzuzünden.

Beginnen wir mit dem Begriff: Wen meint Poschardt genau? Er formuliert es so:

"Jeder erkennt den Shitbürger an seinem strengen Blick, den schmallippigen Gesten des Missfallens, dem ewig urteilenden Gestus der Uberheblichkeit. Als Disziplinar-macht im foucaultschen Sinne richtet das Shitbürgertum in seinen Berufen im Kultur- und Medienbereich, in Kirchen und NGOs, im vorpolitischen Raum und in den Parteien über Alltag und Leben der Anderen. Das Shitbürgertum operiert am Nerv der Gesellschaft, in dessen Sprachzentrum und dort, wo der Elan des einzelnen zum Kollektiv wird."

Wie bei vielen weiteren Passagen dieses Werkes muss man – bevor man über den Inhalt sprechen kann – die flachen und unterkomplexen Angriffe sich wegdenken und bewusst versuchen, ihn zu verstehen, statt ihn misszuverstehen. Man könnte sagen, die Verantwortung für eine differenzierte Formulierung sollte beim Autor und nicht beim Leser liegen. Ja, das stimmt, aber der zweite Ansatz ist hier, glaube ich, mutiger.

Poschardt trifft (zwar aus anderen Motivationen heraus) einen Nerv. Im Rahmen der Studie Journalismus und Demokratie der TU Dortmund hat eine Journalistenbefragung ergeben, dass 41 %!!! der Befragten Grün wählen würden. Das heißt, fast viermal so hoch wie der Bundesdurchschnitt. Ein Rechtfertigungsversuch des linksliberalen Lagers besteht in der Behauptung, dass die „Experten“ befähigter seien, differenziert und ohne Vorurteile richtige Politik zu erkennen. Das mag zu einem bestimmten Grad stimmen, aber es wäre naiv und gefährlich zu glauben, das sei der Hauptgrund.

Wie Poschardt richtigerweise erkennt, sind die meisten Journalistinnen und Journalisten bürgerliche, akademisch gebildete, urbane Menschen, die die Deutungshoheit über den Diskurs haben. Das bedeutet dementsprechend, dass viele Perspektiven deutlich unterrepräsentiert bleiben. Es nützt mir als Mensch mit Migrationshintergrund und Fluchterfahrung nichts, wenn weiße, privilegierte Großstadt-Lifestyle-Linke sich als Sprachrohr für mich und meine Probleme sehen, weil sie es nicht normal sein können.

Poschardt geht auf diesen Aspekt ein und zitiert eine mittlerweile berühmte Studie:

“Die Lauchbourgeoisie schottet sich in einer Mischung aus Schwäche und Arroganz ab. Eine Studie von 2023 fand heraus: Grünen-Wähler bilden eine unerschütterlichere Parallelgesellschaft als Menschen muslimischen Glaubens. In der Studie ging es um ‚entkoppelte Lebenswelten‘, also um die
Frage, inwieweit sich die deutsche Gesellschaft in Grüppchen von Gleichgesinnten zersplittere, wie ‚Die Zeit‘ vermeldete. 62 Prozent der Grünen-Wähler gaben an, dass sich ihr Bekanntenkreis hauptsächlich aus anderen Grünen-Wählern zusammensetze. Als offene und tolerante Menschen neigten sie dazu, sich überwiegend mit ähnlich offenen und toleranten Menschen zu umgeben.”

Diese beiden Studien in Kombination unterstreichen die Gefahren der empfundenen fehlenden Repräsentation entlang der gesamten politischen Landschaft – angefangen beim einfachen Facharbeiter, der sich nur noch von den Parolen der AfD ernst genommen fühlt, bis hin zu dem Migranten, der völlig entfremdet zuschaut, wie weiße, privilegierte Großstadtkinder in seinem Namen für mehr Sichtbarkeit in Medien oder auf Straßenschildern kämpfen. Dies entsteht nur, weil diese Menschen sich in die Welt der Migranten gar nicht hineinversetzen können und dementsprechend nur Probleme thematisieren, die irgendwo in ihrer eigenen Realität von Relevanz sein könnten.

Man könnte entgegenhalten, dass man sowohl über Straßenschilder als auch über Kinderarmut in migrantischen Familien sprechen kann. Aber die Wirklichkeit ist nun mal ein bisschen komplizierter. Wir leben in Zeiten der Aufmerksamkeitsökonomie. Das bedeutet, dass jeder Beitrag über Straßenschilder weniger Aufmerksamkeit bedeutet für Themen wie Waffenlieferungen der Bundesregierung an Erdogan, die Unterversorgung von Gebieten mit einem hohen Migrationsanteil oder die fehlende Unterstützung sogenannter Brennpunktschulen. Das Bildungsbürgertum berichtet über all diese Themen in der gleichen Frequenz – und immer aus der eigenen Perspektive. Das ist fatal für den Kampf um gelungene Integration und das Vertrauen in die demokratischen und zivilgesellschaftlichen Institutionen.

Diese überproportionale Repräsentation ist nicht nur kulturell, sondern auch wirtschaftlich eine große Gefahr für Deutschland, so der Autor, da dieses Milieu an der Aufblähung des Staates interessiert sei.


Er sagt "Die politische Ebene der Unfreiheit hat ihren Ursprung stets beim Staat. Dort, wo er Freiheit ermöglicht, gibt es Prosperi-tät, überall dort, wo er die Bürger in Abhängigkeit lockt, gehen Selbstbestimmung und Wohlstand verloren. In Deutschland haben sich steuer- und gebührenfinanzierte akademische Milieus in ihrer Abhängigkeit von staatlicher beziehungsweise öffentlicher Finanzierung zu Super-Agenten der Unfreiheit entwi-ckelt. Wer des Staates Geld nimmt und sich damit in Sicherheit weiß, wird dieses Privileg verteidigen."

An einer anderen Stelle erklärt er beispielhaft, wo diese Aufblähung zum Dämpfer der deutschen Wirtschaft und damit zum deutschen Wohlstand wird. Er erläutert:

“Seit 2008 ist die Zahl der Beschäftigten im öffentlichen Dienst um 17 Prozent gewachsen.
Laut Statistischem Bundesamt waren 2023 in Deutschland 5,3 Millionen Personen in diesem Bereich beschäftigt – das ist mehr als jeder zehnte Erwerbstätige. Zusätzlich arbeiten 1,5 Millionen Personen in öffentlichen Einrichtungen in privater Rechtsform, etwa vielen Stadtwerken und kommunalen Verkehrsbetrieben.
Seit den Zehnerjahren des 21. Jahrhunderts wächst der öffentliche Dienst schneller als die erwerbsfähige Bevölkerung.
Nicht eingerechnet sind die Angestellten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die via Finanzierung quasi verbeamtet sind, und auch nicht die zigtausenden Angestellten einstiger NGOs, die längst weitgehend steuerfinanziert sind. Und diese Günstlinge staatlicher Zuwendung oder Absicherung sind daran interessiert, die Geldquellen des Staates sprudeln zu lassen. Zugleich versuchen sie das Urvertrauen in den Staat trotz zunehmender Dysfunktionalität und einer lähmenden Bürokratie intakt zu halten.”

Das ist an sich ein legitimer Punkt. Der deutsche Staat ist ineffizient, und Deutschland wird voraussichtlich in diesem oder nächsten Jahr in den sauren Apfel beißen müssen, um die Wirtschaft aus der Rezession zu retten. Die These des linksliberalen Interesses an einem möglichst großen Staat könnte man sogar damit belegen, dass die Partei Die Grünen die Partei ist, die von Beamten am meisten gewählt wird – mit 33 %. Dennoch lässt man außer Acht, dass 47 % aller Beamten sich keiner Partei zugeneigt fühlen, so eine Umfrage des Deutschen Beamtenbundes aus dem Jahr 2021. Das zeigt, dass es keine ausschlaggebende Tendenz zwischen „ein eigenes wirtschaftliches Interesse am Staat haben“ und Grün wählen gibt.

Wie gesagt, Poschardt neigt dazu, ein bestimmtes Milieu und seine Heuchelei frontal anzugreifen, statt konstruktiv zu kritisieren. Das hat, wie bereits erwähnt, in einer fachlichen Diskussion keinen Platz. Dennoch erwische ich mich dabei, wie ich kräftig zunicke, wenn er sagt:

“Die Studienabbrecher und Sabbatical-Teenies, die Auszeitnehmer und ‚Ich finde Arbeit nicht so wichtig‘-Leute halten sich für progressiv, dabei sind sie vor allem unsozial, weil andere ihnen die Sozialleistungen, das BAföG, das Stipendium, das Wohngeld, die Vergünstigungen und Privilegien finanzieren müssen, ohne die ihr Leben nicht so angenehm sorgenfrei wäre.”

Ich hätte diesen Satz am liebsten noch weiter ausgeführt und geschrieben:

“Und genau diese privilegierten, durch Papi finanzierten Rich Kids sind so dreist und trauen sich, sich als links zu bezeichnen, weil es hip und cool ist.”

Ich finde es außerdem sehr zutreffend, wenn Poschardt sagt:

“Die keim- und schwingungsfreie Sprache ist das Statussymbol des Shitbürgertums. Wurde bei den alten Calvinisten der Reichtum ausgestellt, mit prunkvollen Innenräumen der Auserwählten, die ohne Gardinen von der Straße aus bewundert werden konnten als Ausweis der Auserwähltheit, ist es bei den neuen Calvinisten das ‚virtue signalling‘: die Tugendanzeige, das angestrahlte Leuchten des Anstands durch Worte und Gesinnung.”

Aus eigener Erfahrung sehe ich täglich unter meinen Kommilitonen, wie alle darauf achten, nicht von Ausländern, sondern von Migrantinnen* zu sprechen, wie sie mir erzählen, dass man in der Sprache und auf dem Campus für mehr Sichtbarkeit für „marginalisierte Gruppen“ sorgen müsse. Der Witz an der ganzen Sache ist, dass ich der einzige Schwarzkopf bin, mit dem sie jemals mehr als zehn Minuten geredet haben.

Ein Kommilitone – wir studieren beide Medizin – hatte mich einmal gefragt, ob er einen Patienten, der „mediterran“ aussieht, fragen dürfte, ob seine Eltern verwandt sind. Eine Frage, die oft wichtig für die Diagnose vererbbarer Krankheiten ist. Sie wird von dem einen oder anderen zukünftigen Arzt aber vermutlich nicht gestellt, weil er mehr daran interessiert ist, die Gefühle des Patienten zu schonen, als dessen Gesundheit zu sichern. In Wahrheit ist er nur daran interessiert, nicht als Mensch mit Vorurteilen wahrgenommen zu werden.


An einer anderen Stellen behauptet der Autor:

"Die Sprache als Herrschaftsinstrument ist dabei unerlässlich, deshalb hat das Shitbürgertum so virtuos an deren Reinigung und Desinfizierung gearbeitet. Was mit der Sprache im 21. Jahrhundert passiert ist, wirkt wie ein Echo jenes orwellschen Newspeaks, dieser gereinigten Sprache, die in Orwells dystopischem Roman verhindern soll, dass Menschen kritische Gedanken überhaupt nur denken können, bevor sie sie artikulieren."
Dieses Zitat unterstreicht die größte Kritik an dem Werk nämlich die viel verschiedenen unsachlichen und unzutreffenden Vorwürfe. Poschardt neigt (wahrscheinlich bewusst wie seine Vorbilder Trump und musk) zu Übertreibungen und Zuspitzungen. Er scheisst weit übers Ziel hinaus, was super schade ist, weil er auch viel richtiges an anderen Stellen sagt.

Für Poschardt ist der einzelne Linksliberale ein "Lauch", der bestimmte Charaktere aufweist:

"Die Umarmungs- und Begrüßungsrituale haben in ihrer überherzlichen Synthetik etwas Sektenhaftes. Der Lauch braucht andere Lauche, damit er nicht stürzt oder in sich zusammenfällt. Und je ähnlicher sie sich werden, in der Sprache, an der veganen Bowl-Bar oder beim Abfassen ihrer Begeiste-rungspostings mit all den karriererelevanten Buzzwords, umso zorniger werden sie auf die Spielverderber und Verweigerer. Es liegt in der inneren Anpassungslogik der Lauche den widerstän-digen Individualismus als Bedrohung zu verstehen. Die Lauche machen begeistert mit, weil ihnen die Unterwerfung Entlastung bedeutet. Mündigkeit bedeutet für sie zu sein wie alle anderen Anständigen auch. Wer den Staat mit dem Allgemeinwohl ver-wechselt, verehrt die leitenden Figuren der Staats- und Macht-kultur als Beschützer und Helden. Gehorsam ist für den Lauch Entspannung und Erlösung von dem verschütteten Gefühl, den eigenen Lebensweg unabhängig begründen zu müssen. Im Spiegel sieht der Lauch nicht sich, sondern das Wir."

An der Stelle musste ich tatsächlich schmunzeln, und ich würde lügen, wenn ich nicht bestimmte Gesichter aus meinem universitären Umfeld vor Augen gehabt hätte. Aber genau hier liegt der Haken: Poschardt kopiert Trumps Strategie – und das sage ich wertfrei. Er verschiebt die Grenzen des Sagbaren, indem er Dinge ausspricht, die bestimmte unausgesprochene Gedanken seiner Leser aufgreifen, die sie selbst niemals öffentlich äußern würden. Für den unreflektierten Leser entsteht so der Eindruck, Trump oder in diesem Fall Poschardt spreche einem „aus der Seele“.

Aber das stimmt nicht – zumindest nicht bei diesem Beispiel. Dass Trump die Wahl gewann, weil er die wirtschaftlichen Ängste des durchschnittlichen Amerikaners besser erkannt und angesprochen hat als die Demokraten, die auf Minderheiten und Identitätspolitik setzten, steht außer Frage. Doch um beim Thema der unausgesprochenen Gedanken zu bleiben: Nicht jeder Gedanke, der einem durch den Kopf geht, vertritt tatsächlich die eigene Position. Erst wenn man diese Ideen reflektiert und für sich artikuliert hat, werden sie zur eigenen Überzeugung. Deshalb heißt es nicht automatisch, dass jemand, der etwas ausspricht, was man selbst nie äußern würde, tatsächlich das eigene Denken widerspiegelt.

Meine Notizen zu Poschardts Werk mögen unstrukturiert und durcheinander wirken. Das liegt daran, dass ich sie chronologisch parallel zum Lesen festhalte. Poschardts Werk ist voller interessanter Gedanken, aber es fehlt ein klarer roter Faden, dem man folgen kann. Manche Themen werden doppelt behandelt, andere kommen zu kurz, und gelegentlich hält der Titel eines Kapitels nicht, was er verspricht.

Im weiteren Verlauf seines Buches versucht Poschardt zu erklären, woher der moralisierende Postmaterialismus des linken liberalen Lagers stammt. Er schreibt:

“Mag man sich über weltläufige Klimaschützerinnen amüsieren, die ihre Vielflieger-Jugend damit abspalten, aber sie repräsentieren zumindest die Kenntnis der anderen Seite. Die wirklich Verbitterten aber benutzen ihren Moralismus, um die ökonomischen Niederlagen ihrer Biographie mit einem ethischen Mehrwert zu versehen. Nur so lässt sich erklären, dass der neudeutsche Moralismus so eitel gesinnungsästhetisch poliert ist, während die Souveränität der Verantwortungsethik zunehmend in den Hintergrund gerät. Deswegen steigt man auch dann aus der Atomkraft aus, wenn man dafür mehr Kohlekraftwerke anwerfen muss. Nahezu alle aktuellen politischen Konflikte werden als gesinnungsethisches Theater inszeniert und in den Medien, insbesondere den öffentlich-rechtlichen, als Lehrstück über Gut und Böse aufgeführt.”

Ich stimme dem Kern seiner Aussage zu: Dieses bestimmte Milieu ist stets darauf bedacht, den eigenen Lebensentwurf als dem anderer Gruppen überlegen darzustellen. Es mag auch zutreffen, dass manche versuchen, sich durch moralische Überlegenheit von Menschen abzugrenzen, die wirtschaftlich besser oder ähnlich gestellt sind. Für mich ist das jedoch noch hinnehmbar.

Das weitaus größere Problem sehe ich in der Verachtung gegenüber der Lebensweise der einfachen Menschen aus der Unterschicht. Der Konsum von Fleisch aus der Massentierhaltung, das Fahren eines alten Autos mit überdurchschnittlichem CO₂-Ausstoß oder die fehlende Bereitschaft, teure Bio- oder Fairtradeprodukte zu kaufen, wird als ignorant und rückständig betrachtet. Doch am Ende des Tages ist dies schlicht eine Frage finanzieller Ressourcen. Schon Bertolt Brecht stellte fest: „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral.“ Viele aus diesem Bildungsbürgertum verdrängen, dass sie es ihren Privilegien verdanken, sich überhaupt mit solchen „Problemen“ beschäftigen zu können – während diese für Menschen im Niedriglohnsektor keine Rolle spielen.

Deshalb läuft Poschardts Vorwurf ins Leere, wenn er sagt, die „Postmaterialisten reagierten mit einem noch hysterischeren Postmaterialismus“ auf Gerhard Schröders Kanzlerschaft. Die damalige Kritik an Schröder als „Genosse der Bosse“ kam hauptsächlich aus dem eigenen sozialdemokratischen Milieu, nicht aus dem linken liberalen Lager. Sie basierte auf der Wahrnehmung, dass Schröder kein glaubhafter Interessenvertreter der Arbeiterschaft sei – ein Vorwurf, den Poschardt wiederum den Grünen macht.

Fairerweise muss man anerkennen, dass Poschardt zumindest minimal die Überheblichkeit des linken Lagers thematisiert. Er zitiert Helmut Schelsky, der bereits 1971 in einem Essay über den „langen Marsch durch die Institutionen“ schrieb:

“Das karrieristische Shitbürgertum sah er als eine neue Priesterherrschaft, die, hinter den Götzen des Sozialen verschanzt, vor allem eigene Ambitionen und Karriereinteressen betrieben. Ihre Sozialvormundschaft über die Arbeitenden war Machtstrategie, nicht Emanzipationsentwurf im liberalen Sinne.”

Was mich jedoch besonders stört, ist Poschardts ständiger Versuch, linke Positionen persönlich zu delegitimieren und sie per se als antidemokratisch darzustellen.



713 reviews13 followers
October 6, 2025
Entweder ist das Buch eine kalt-berechnende Selbstinszenierung, die auf inhaltliche Kohärenz pfeift, oder es ist - ohne Übertreibung! - das unreflektierteste Buch, das ich jemals gelesen habe.

Denn ich hätte es für unmöglich gehalten, dass ein unfassbar beachtenswerter Denker - für den sich Poschardt, wie er in Interviews ununterbrochen betont, hält - nicht bemerkt, dass er so gut wie alles, was er in dem Buch an anderen als verachtenswert kritisiert, wenige Seiten später (manchmal sogar im selben Satz) selbst macht.

Und zwar häufig in derart überzogener Weise, dass es fast so wirkt, als wäre er selbst eine Buchfigur, die vom Autor als doch etwas zu eindeutig arrogant, gehässig und unreflektiert gezeichnet wurde, sodass sie eher wie eine Karikatur als wie ein glaubhafter Charakter wirkt.

Besonders absurd wird dies, da Poschardt im Buch andauernd mit psychoanalytischen Vokabeln und Deutungen um sich wirft und dem links-grünen Bürgertum vorwirft, eigene unliebsame psychische Anteile von sich abzuspalten, um diese dann umso heftiger bei anderen zu erkennen und an ihnen zu bekämpfen. Beim Lesen drängt sich der starke Verdacht auf, dass Poschardt wohl genau das selber tut.

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Er wirft dem links-grünen Bürgertum vor, Andersdenkende zu verachten, sich arrogant und selbstgerecht auf der richtigen Seite zu wähnen und alle anderen zu verunglimpfen.

Dieser Vorwurf ist fast schon komisch, denn ich habe (abgesehen von Justus Wertmüller) noch nie jemanden gelesen, der dermaßen konstant gehässig gegen Andersdenkende anschreibt.

Es beginnt damit, dass er das links-grüne Bürgertum durchgehend als "Shitbürger" bezeichnet – denn sie sind wie er betont nichts anderes als Scheiße und dass er sie wie er sagt absichtlich respektlos behandelt, weil Respekt müsse man sich verdienen und Shitbürger hätten diesen nicht verdient.

Wirklich das ganze Buch ist geprägt vom verachtenden Herziehen über Andersdenkende. Im Hörbuch merkt man besonders, wie viel Hass er jedes Mal in die Betonung des Wortes „Shitbürger“ legt und wie viel hochnäsige Verachtung er in jeden einzelnen Vorwurf packt.

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Er verachtet das links-grüne Bürgertum dafür, andere und sich selbst mit Doppelstandards zu bewerten.

Und tut genau das selbe. Ständig. Nur eins von ganz vielen Beispielen:

Wenn ein Nicht-Shitbürger Karriere machen, dann ist das immer ein Zeichen, dass dieser selbstverantwortlich sein Leben in die Hand genommen und sich seinen Erfolg redlich verdient hat. Wenn aber wer aus dem Links-Grünen-Bürgertum Karriere macht, dann hat diese Person sich halt verachtenswerterweise irgendwo "reingestrebert".

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Er verachtet das links-grüne Bürgertum dafür, mithilfe des Staates seine Interessen (z.B. Verteidigung von Sozialausgaben, Diskriminierungsabbau, den Verkehr Fußgänger und Radfahrerfreundlich zu gestalten, Umweltschutz) durchsetzen zu wollen und beschimpft sie dafür als spießig und als buckelnde Untertanen und gefällt sich dabei schon sehr sich selber in anarchistischer Tradition zu sehen.

Aber bei Themen, die ihm wichtig sind (z. B. Abschiebungen von Ausl��ndern, den Verkehr autofreundlich zu gestalten, und Grenzschutz), fordert er wie selbstverständlich selbst einen handelnden Staat.

Poschardts Position dem Staat gegenüber ist in Wahrheit nämlich mitnichten besonders, sondern er hält es mit dem Staat in Wahrheit eigentlich genau so wie (bis auf eine handvoll Anarchisten) jeder andere politisch interessierte Mensch in Deutschland auch:

"Staat? Nein danke", wenn er nicht tut, was ich will.
"Staat? Ja bitte", wenn tut, was ich will.

Poschardt nimmt allerdings an sich selbst nur das "coole, rebellische Anarcho-Dagegen" wahr - und am links-grünen Bürgertum nur das "spießige" Staat ja, bitte!" .

Wie war das nochmal mit Spaltung und Projektion, Herr Poschardt?

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Er wirft dem links-grünen Bürgertum die ganze Gegenwart mit einem manichäischem, unterkomplexen Weltbild zu erklären. Sein eigenes Weltbild ist aber nichts anderes als das:

Auf der bösen Seite: Privilegierte, schmarotzende, akademisch gebildete links-grüne Mitläufer, die die Gesellschaft ins Unglück stürzen und bevormundend, paternalistisch, ideologisch verblendet, neidisch, egoistisch, hedonismusfeindlich, spießig, ständig lügend, selbstdarstellerisch, buckelnd und schlaff (usw.) sind und alle ein manichäisches Weltbild haben.

Auf der guten Seite: Hart arbeitende, aber hedonistische, rechtschaffene, bodenständige, aber rebellische Steuerzahler mit gesundem Menschenverstand, die unter der links-grünen Elite leiden.
Mit diesem Manächismus "erklärt" uns Poschardt dann über 150 Seiten hinweg die gesamte Gegenwart.

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Er diagnostiziert dem links-grünen Bürgertum eine komplett fehlende Ambiguitätstoleranz. Aber in weiten Teilen des Buches ist aber wirklich keinerlei Ambigutitästoleranz zu erahnen. Sein Denken, wie er es darstellt, hält sowohl auf moralischer als auch auf faktischer Ebene kaum Widersprüche aus.

Außnamen bilden die Stellen in denen er sich explizit dafür lobt ja Ambigutitätstoleranz zu besitzen und er stolz als Beweis für seine ach so tolle Ambiguitätstoleranz Aussagen, wie folgende, vorführt: Die als Postfaschistin und rechtsextrem geltende Meloni sei eine bessere Antifaschistin als eigentlich jede Person links der Mitte in Deutschland. Ah ja.

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Er wirft der Linken vor, sich nicht genügend mit NS-Kontinuitäten im eigenen Denken zu beschäftigen sondern immer nur mit dem Finger auf andere zu zeigen.

Gleichzeitig zeigt er genüsslich mit dem Finger NS-Kontinuitäten im Denken des links-grünen Bürgertums und beschäftigt sich ganz ausführlich mit diesen, ohne dabei seine eigene Parallelen zu reflektieren.

In den folgenden Punkten weise ich an passenden Stellen darauf hin worin diese Parallelen zum Beispiel bestehen.

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Ein Vorwurf, der sich auf so gut wie jeder Seite des Buches befindet, ist dass das Links-Grüne-Bürgertum so spießig moralisiert, wofür Poschardt sie verachtet - selbst ist das ganze Buch aber voll von Poschardts eigenen Moralisierungen.

Besonders absurd wird die Selbstwidersprüchlichkeit von Poschardts „Die anderen moralisieren so blöd“-Argument ausgerechnet bei seinen zwei Lieblingsthemen, die so zentral für ihn sind, dass sie sehr identitätsstiftend für ihn zu sein scheinen:

1. Er wirft dem links-grünen Bürgertum vor, nicht nach Freiheit zu streben, was verwerflich sei, denn die Freiheit des Einzelnen für ihn das Allerwichtigste auf der Welt sei. Das links-grüne Bürgertum würde diese Freiheit und den Hedonismus und den Individualismus durch Moralisieren und durch das Verweisen aufs Kollektiv bekämpfen.

2. Er wirft der Linken vor, sich von seinem Lebensmotto (,das er etwas pathetisch auf den Buchrücken geschrieben hat,) entfernt zu haben:
„Mach kaputt, was dich kaputt macht!“
Linke seien heutzutage konformistische und jasagerische "Lauchs" geworden, die sich im System gemütlich eingerichtet hätten und jasagerisch "buckeln" anstatt dagegen zu rebellieren, was sie kaputt macht.

Aber wehe, jemand nimmt diese Leitsprüche ernst und begehrt gegen etwas auf, das ihn akut oder perspektivisch kaputt macht – z. B. gegen den kapitalistischen Leistungszwang, gegen zu lange Arbeitszeiten, oder gegen den Klimawandel – oder wagt es, seine Interessen (z. B. mit Kunst machen seinen Lebensunterhalt zu verdienen) mit Unterstützung des Staates zu verfolgen.

Dann schießt der moralisch erhobene Zeigefinger von Poschardt aber ganz schnell in die Höhe:

Wie können diese Nichtsnutze es wagen, schmarotzend dem Steuerzahler auf der Tasche zu liegen oder gar dem Wirtschaftsstandort Deutschland zu schaden? Wegen euch, so seine Argumentation, fliehen die Millionäre aus Deutschland – und das ganze Kollektiv wird in den Abgrund gerissen!

Gerade bei seinen Lieblingsthemen wird die Diskrepanz so deutlich:
Er inszeniert sich als Rebell und wertet narzisstisch alle anderen als buckelnde Mitläufer und Kollektivisten ab – aber sobald jemand das von ihm theoretisch Eingeforderte tatsächlich tut, wird Poschardt selbst zum sich um das Kollektiv sorgende Moralist und vergisst ganz schnell seine Liebe zu Hedonismus, Individualismus und Freiheit.

(Übrigens gibt es hier eine Parallele in Poschardts Denken zum Nationalsozialismus:
Auf der einen Seite wird der tätige, rebellische Einzelne heroisiert – solange er gegen den richtigen Feind kämpft.
Aber sobald das Individuum es wagt aus der eigenen Reihe zu tanzen, wird es als Schädling für das Gemeinwohl markiert.)

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Offenbar kenntnisreich über das, was an Selbstkritik zu NS-Kontinuitäten in der Linken existiert, referiert Poschardt sehr viel altbekanntes.

Nur den großen Punkt der verkürzten Kapitalismuskritik als Krisenerklärung spart er - verständlicherweise - aus, da er sich hier mit den etatistischen Fraktionen der Linken, die er so stark kritisiert, und den NS-Ideologen (zwar unter umgekehrten Vorzeichen, aber dennoch) einig ist:

Der Kapitalismus an sich sei ein großartiges System, das für Wohlstand sorgt -
wenn es nicht die Schmarotzer gäbe, die das Kollektiv der hart arbeitenden Bevölkerung ins Unglück stoßen.

Wer als „Schmarotzer“ gilt, hängt davon ab, wer diese These aufstellt:

Im NS waren es die „arbeitsscheue Tunichtgute“ (rassistisch als Sinti und Roma personalisiert und verfolgt) sowie ebenso nicht zu ehrlicher Arbeit willige Eliten, Banker, Spekulanten, Zinstreiber und die raffgieriergen unter den Kapitalisten (antisemitisch als Juden personalisiert und verfolgt).

Für Poschardt sind es die links-grünen Bürgerlichen, die sich wie Schmarotzer am Staat festsaugen, ihn immer weiter aufblähen und dadurch den Wohlstand der hart arbeitenden Bevölkerung abschöpfen und damit Deutschland ins Unglück stürzen.

Deshalb müsse man diesem links-grünen Bürgertum auch den Kampf ansagen - den Poschardt (zum Glück!) nur verbal und nicht als Bürgerkrieg führen möchte.

Ein Glück ist übrigens auch, dass ihm Antisemitismuskritik ein so zentrales Anliegen zu sein scheint, denn so ist die Gefahr wohl nicht allzugroß dass er selbst diese „Schmarotzer“ in antisemitischer Tradition als "jüdisch" personalisiert.

Das ist umso wichtiger, da die Eigenschaften, mit denen er das links-grüne Bürgertum beschreibt, erstaunlich ähnlich sind zu denen, mit denen die Nazis die Juden beschrieben haben:

- Schmarotzende Tunichtgute, die sich an den Wirt festsaugen (für den NS: das „Volk“, für Poschardt: den Staat) – und so den Wohlstand der hart arbeitenden Bevölkerung abschöpfen.

- Einerseits schwächlich und verweichlicht („Lauchs, die nicht mal alleine stehen können“) und gleichzeitig andereseits übermächtig (sie kontrollieren Medien, Staat und Politik).

- Zwar Übergebildet, aber ohne gesunden Menschenverstand.

- Zwar Arbeitssche, aber trotzdem erfolgreich.

- Erfolgreich nicht durch ehrliche Leistung, sondern durch listige Gewieftheit („sie strebern sich irgendwo rein“).

- Komplett Verlogen
-Vordergründig links, aber eigentlich nur egoistisch handelnd. (So galten im NS sowohl der sich bereichern wollende „raffgierige Kapitalist“ als auch der „bolschewistische Agitator“ als jüdisch.)

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Eine letzte Paralelle zum NS-Gedankengut findet sich in Poschardts Verherrlichung alles Starken und seiner Verachtung für alles Schwache.

So ist zum Beispiel "Lauch im Buch sein Lieblingsschimpfwort, was er sicher über 100 mal benutzt und es ist auch richtig unangenehm wie viel Verachtung er beim Vorlesen in das Wort schlaff legt, mit dem er Angehörige des links-grünen Bürgertum unentwegt belegt. Aber auch sonst ist das Buch voll von Verachtung für alles, was er als schwächlich identifiziert.

Für manche Denker, wie zum Beispiel für Adorno, liegt in dem Hass aufs Schwache in sich, der Abspaltung dieses Schwachen und dem dieses Schwache auf andere Projizieren und an diesen die eigene Schwäche unerbittlich zu bekämpfen ein psychischer Vorgang, der von zentraler Bedeutung für die Entstehung der NS-Verbrechen war.

Poschardt interessiert sich für Abspaltung, Projektion und fehlende Selbstrefketion jedoch nur, wenn es beim bösen links-grünem Bürgertum vorkommt und nicht in dem (durchaus nicht ungefährlichen) Denken, das er selbst propagiert.

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Er verachtet das links-grüne Bürgertum für seinen Paternalismus, also dafür, sich anzumaßen, für andere zu sprechen und zu wissen, was ihre Probleme seien und welche Lösungen gut für sie seien.

Gleichzeitig spricht er selbst ständig für den "einfachen Mann" – obwohl er selbst (wie er seinen Gegner in erstaunlich zeitgeistiger "Sprecherstandorts-manier" vorwirft) ein äußerst Privligierter, hochgebildeter Akademiker ist, der vermutlich nicht am eigenen Leib tagtäglich erfährt, was es wirklich heißt 2025....

....mit einem Ganztagesjob finanziell gerade so über die Runden zu kommen.
....keinen Job mehr zu bekommen weil die eigenen Fähigkeiten auf dem Arbeitsmarkt nicht gefragt sind oder weil man Gesundheitlich nicht in der Lage ist, das zu leisten, was von einem verlangt wird
....in einem körperlich anstrengenden Job zu arbeiten und für seine harte Arbeit mit chronischen Schmerzen bestraft zu werden
...in sozialen Berufen zu arbeiten, in denen systematisch darauf gebaut wird, dass Menschen über ihre Belastungsgrenze hinaus arbeiten, weil sie es moralisch nicht aushalten, dass andere Menschen drunter leiden, wenn sie es nicht tun

Für all die Menschen, die das tagtäglich erfahren, behauptet Poschardt aber ganz genau zu wissen, was ihre Probleme sind (z.B. seien viele von ihnen "fett und wären gerne dünner") und welche Lösungen gut für sie wären:
Weniger Staat, weniger Regulierung, weniger Macht für das links-grüne Bürgertum, sondern mehr Macht für die FDP – dann würde es ihnen automatisch besser gehen!

Wenn aber Menschen von links Problembeschreibungen und Lösungsvorschläge für gesellschaftliche Miseren anbieten, ist das natürlich „paternalistisch“ und „abgehoben“.
Aber nur, wenn die das tun.

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Er wirft dem links-grünen Bürgertum vor, alles der Selbstinszenierung (als moralisch überlegen) unterzuordnen.

Das Buch ist aber selbst ist eine Hölle der Selbstinszenierung. Er eifert bei seiner Selbstdarstellung stark Milei und Trump nach, die er beide sehr verehrt, und inszeniert sich als rebellischer Außenseiter, der es ach so schwer hat, aber heroisch wie ein Drachentöter gegen ein privilegiertes Establishment ankämpft.

Und wie auch bei Trump wirkt diese Selbstviktimisierung unfassbar peinlich, da das sich als machtfern aufspielen so weit weg von der Realität ist.

Es beginnt damit, dass er minutenlang bei jedem Promoauftritt, aber auch in seinem Buch, herumjammert, dass er keinen publikumskräftigen Verlag gefunden habe, der sein Buch veröffentlichen wollte.

Wie viele Bücher werden in Deutschland geschrieben und nicht veröffentlicht? Und sicher sind nicht wenige davon deutlich besser als seins. Aber wenn sein Buch abgelehnt wird, dann kann das natürlich nicht an der Qualität liegen – es muss eine Verschwörung des Establishments sein, das ihn zum Schweigen bringen will.

Dieses ständige Wiederholen, dass seine Gedanken an der Veröffentlichung gehindert werden sollten, nervt auch deshalb, weil die allermeisten abgelehnten Autoren nicht Chefredakteure einer großen Tages- und Onlinezeitung sind und nicht jederzeit problemlos ihre Meinung in der deutschen Öffentlichkeit verbreiten können, wie es Poschardt eh schon durchgängig tut.

Um sich dennoch als machtferner Außenseiter zu stilisieren, greift Poschardt zu einem weiteren Kunstgriff: Anstatt, was ihm als sehr wohlhabendem Menschen ohne Weiteres möglich wäre, ein Aufnahmestudio zu mieten, nimmt er (wie er es uns im Hörbuch unter die Nase reibt) das Hörbuch aus der eigenen Wohnung auf - inklusive Versprechern, die er wie er uns sagt bewusst nicht herausschneidet, damit der Hörer auch ja nicht vergisst, was für ein rebellisches Außenseiterprojekt er gerade hört.

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Spannend ist auch: Argumentationsstränge in Poschardts Text sind teilweise so nichtssagen und beliebig, das wenn das Wort "Staat" einfach durch das Wort "Kapitalismus" ersetzt werden würde, dann könnte man viele Stellen seines Buches fast wortgleich auch in einem Essay gegen den Kapitalismus finden (,der zugegeben genau so flach wäre, wie Poschardts "Staatskritk").

Als Beispiel kein direktes Zitat sondern eine Zusammenfassung des Gedankengans von Poschardt:

Der Staat Kapitalismus ist ein systemisches Hindernis dafür, dass es allen Menschen gut geht. Aber es gibt Staatsprofiteure Kapitalismusprofiteure, die vom Staat Kapitalismus profitieren und sich im für sie lukrativen Status quo in mächtigen Positionen gemütlich eingerichtet haben. Diese verbreiten dann die Ideologie, dass der Staat Kapitalismus etwas Gutes sei und markieren alle als antidemokratisch, die etwas anderes behaupten. Sie argumentieren immer mit dem Wohl des Kollektivs, aber eigentlich geht es ihnen nur um ihre eigene Bereicherung.

Eine Kapitalismuskritik wäre aber natürlich nicht in seinem Sinne, denn es gilt - um es auf den naiven Poschardtschen Manichäismus herunterzubrechen - für ihn ja:

Wenn Menschen im Kapitalismus von einem System profitieren, dass darauf fundiert, das Menschen (auch in Deutschland aber stärker noch im globalen Süden) in schlecht bezahlten Jobs den ganzen Tag arbeiten, körperlich und psychisch unter ihem Beruf leiden, sich kaputt schuften oder sogar zu Tode arbeiten – dann sei das völlig in Ordnung.
Und jeder, der daran Kritik übt oder Umverteilung fordert um die negativen Auswirkungen von Kapitalismus etwas abzufedern, ist ein neidischer "Moralapostel".

Wenn Menschen aber so wie Poschardt es dem links-grünen Bürgertum vorwirft vom Staat profitieren (sei es durch "Umverteilung", Sozialausgaben, Bafög, Verbeamtung oder staatlicher Förderung), dann ist Moralisieren und “Sozialneid” schüren plötzlich völlig okay, wenn nicht sogar Pflicht. Denn: Pfui! Sich bereichern auf Kosten der hart arbeitenden Bevölkerung um ein etwas sorgenfreieres Leben zu führen sei unsozial und moralisch wirklich das hinterletzte!

Oder (mit Originalbeispielen aus dem Buch) andersrum Formuliert:

Sozialneid auf Studenten, Backpackerurlaub und Sabbatical ist richtig und wichtig und den gilt es zu fördern!

Aber Sozialneid auf Multimillionäre, Luxusvillen, Luxusurlaub und Luxussportwagen ist höchst problematisch und Anti-hednoistisch!

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(Fazit in den Kommentaren)
Profile Image for David B..
60 reviews
May 8, 2025
Ich muss sagen, ich habe mich herzlich bei der Lektüre amüsiert. Es war Zeit für eine polemische Abrechnung mit einem Bürgertum, in dem ich mich zu Teilen selbst wiedererkannt habe.

Auch wenn ich nicht alle Meinungen des Autors teile, so sind für mich weder Trump noch Musk Vorbilder, hatte ich doch viel Freude an den wortgewaltigen Rants.

Als Fan antiker Redekunst, die im Kern auch oft vulgär war, habe ich mich an manchen Ausbrüchen besonders erfreut.

Manchmal braucht es auch intelligentes Pöbeln.

Die fehlende Struktur ist bei einer Essaysammlung weniger schlimm, die hatte Montaigne auch nicht.

Die Kernfrage, die bleibt: Gibt es wirklich eine intellektuelle Krise des Liberalismus?

Oder ist nicht vielmehr der Liberalismus so durchintellektualisiert, dass er es nicht mehr schafft, mehr als 5% der Wähler für sich zu gewinnen?
Profile Image for Martin Riexinger.
303 reviews30 followers
August 23, 2025
Unterhaltsam und oft treffend, aber auch inkonsistent und oberflächlich.

In vielen Zusammenhängen portraitiert und karikiert* Poschardt Staatsglauben, Gesinnungsethik und Klientelpolitik (staatsfinanzierte NGOs) des "Shitbürgertuns", womit er das linksgrüne Milieu meint. Er führt diese Haltungen darauf zurück, dass das Bildungsbürgertum sich nach 1945 schrill moralisierend vom Nationalsozialismus distanzierte, aber die Ursachen und die eigene Verstrickung nicht reflektierte und gar wesentliche Ressentiments weiter pflegte (Antiamerikanismus, Antisemitismus als Israelkritik, Antiliberalismus).**
Zahlreiche Inkonsistenzen ergeben sich daraus, dass Poschardt das Phänomen als ein spezifisch deutsches Defizit darstellt, obgleich es sich bei den gegenwärtig relevanten Themen um Ideologieimporte aus dem amerikanischen Kontext handelt, meist vermittelt durch die Populärkultur, die Poschardt als Gegengift anpreist. Unzusammenhängend ist auch seine Haltung zur Bonner Republik, deren Provinzialismus*** er zuweilen beklagt und für die Herausbildung des "Shitbürgertums verantwortlich macht, während er in anderen Zusammenhängen die Bodenständigkeit von Politikern wie Helmut Kohl als Bruch mit der Selbstgerechtigkeit der Bildungs"eliten" preist.

Das Buch ist feuilletonistisch mit allen Vor- und Nachteilen, sehr pointiert, was im Einzelfall erheitert, aber in der Ballung leicht zum Overkill führen kann. Es empfiehlt sich daher aus meiner Sicht die abschnittweise Lektüre.

* was ja fast unvermeidbar zusammenfällt.

** Jens, Grass, Walser und Böll bekommen noch einmal ihr verdientes Fett weg, neu ist diese Einsicht aber nicht.

*** mit Verweis auf Karlheinz Bohrer.
Profile Image for Marci Garcia.
64 reviews15 followers
August 5, 2025
Man merkt, dass der Autor es seit der Pubertät nicht geschafft hat, eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln, sondern immer noch glaubt "edgy" Takes wären cool. Der Applaus seiner rechtspopulistischen Blase trägt ihn. Der Schreibstil ist so miserabel, es tut weh diesen Quatsch zu lesen.
Profile Image for Leni.
11 reviews
June 4, 2025
gequirlter Shit, das Bürgertum kann daurauf gerne verzichten
Profile Image for Paul.
23 reviews7 followers
January 21, 2025
Das Shitbürgertum ist schlecht und muss weg. „Weg damit“, so heißt auch das schließende Kapitel.

Das Shitbürgertum besiegen, das tun Übermenschen mit Kettensäge und „Fuck You”-Attitüde.

Wobei Ulf auch anerkennt, dass die Eliten versagen. Also vielleicht einfach generell weniger Machtkonzentration?
Profile Image for Quok.
2 reviews
June 19, 2025
Selten so eine Anhäufung an Unsinn gelesen.
27 reviews1 follower
September 10, 2025
some really good takes, hard truths, and quite some bullshit
Profile Image for Michael Baja.
23 reviews1 follower
August 11, 2025
Ein Buch von einem Edgelord mit weichem Kern. Hat Spaß gemacht aber auch ne Menge Bullshit
2 reviews
April 13, 2025
Der Shitbürger – Wie sich Presstitudes als Retter inszenieren und Pharisäer des Weglassens
Ulf Poschardts Buch „Der Shitbürger“ will wohl eine entlarvende Satire auf das kleingeistige, moralisierende, digital empörte Bürgertum unserer Tage sein. Was als bissige Gesellschaftskritik daherkommt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ein kalkuliertes Ablenkungsmanöver – geschrieben von einem Insider des Medienapparats, der selbst Teil jenes Machtgefüges ist, das er vorgibt zu kritisieren.
Denn Poschardt ist nicht irgendwer. Als führender Manager bei Politico, einem Flaggschiff des transatlantischen Mediennetzwerks Springer, spricht hier kein unabhängiger Beobachter, sondern ein Systemakteur – verstrickt in die ideologische und ökonomische Maschinerie des neoliberalen Westens. Seine Aufgabe wäre es eigentlich, als Journalist Macht zu hinterfragen, Interessen transparent zu machen, Verantwortliche zu benennen. Doch stattdessen macht er das, was die Presstitudes des heutigen Informationsbetriebs perfektioniert haben: Symptome verspotten, statt Ursachen zu analysieren.
Die entscheidende Leerstelle: das systematische Weglassen
Die wichtigste Leerstelle des Buches ist die entscheidende: das Schweigen über die systemische Zersetzung Europas – ganz vorne Deutschland und Großbritannien – durch ein global agierendes Netzwerk aus Oligarchen, NGOs, Geheimdiensten, Stiftungen und Lobbygruppen, das gezielt demokratische Prozesse untergräbt. Milliarden fließen über USAID, Atlantikbrücke, Open Society, das WEF und ähnliche Netzwerke in eine Agenda, die auf Entstaatlichung, Entwurzelung und Schwächung nationaler Identitäten abzielt – unter dem Banner von Humanität und Fortschritt - brilliant und gezielt durch Instrumentalisierung platzierter Gewählter durch legale Korruption nicht Gewählter, zum Nutzen weniger und Schaden der Mehrheiten.
Die Instrumente sind bekannt: eine legalisierte Ämterkorruption, bei der politische Führungsposten an systemtreue Technokraten vergeben werden. Politiker wie Ursula von der Leyen, Annalena Baerbock oder Friedrich Merz stehen exemplarisch für diesen Apparat – sie geben sich als Vertreter des Volkes, agieren jedoch als Befehlsempfänger geopolitischer und wirtschaftlicher Interessen, denen sie ihr Amt verdanken - mit fleissiger Mithilfe der Presse, die unterwürfig und durch die gleichen Gruppen finanziert das gewünschte Narrativ geldgeber-/obrigkeitshörig liefert. Kein Wort davon bei Poschardt.
Vom Deep State keine Spur
Ebenso fehlt jeder Hinweis auf den transatlantischen Deep State, jenes verzweigte Geflecht aus CIA, NATO-nahen Thinktanks, globalen Konzernen, Pharmaindustrie und Medienkartellen, das heute mehr Entscheidungsgewalt besitzt als viele Regierungen. Während Donald Trump, mit all seinen Widersprüchen, zumindest eine nationalkonservative Gegenbewegung verkörpert, treten ihm Akteure wie Reid Hoffman, oder WEF-nahe Kreise mit einer technokratisch-woken Globalismus-Agenda entgegen, oder auch ohne jede Seite oder Ethik wie MEGA, Military Complex oder Pharma, die mehr auf Machterhalt befreit und unbelastet von Ethik setzt.
Viele gele(e)hrte seitenfüllende kopierte Weisheiten - die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet
Die wirklich interessante Frage wäre gewesen: Was unterscheidet das Verhalten des deutschen Shitbürgers vom französischen, amerikanischen oder israelischen? Was ist spezifisch deutsch an dieser Mischung aus Devotheit, Empörung, Selbstbetrug, Wohlfühlmoral und Bestechlichkeit? Macht ein bestimmtes Gen den Super-Capo?
Stattdessen wird genau das zentrale Thema der Verantwortung des jetzigen Deutschland vor dem Hintergrund seiner Geschichte mit größter Sorgfalt ausgeklammert: die Rolle des Staates Israel – nicht etwa als Schutzraum nach der Shoah, sondern als militärische Kolonialmacht mit einem strategischen Großmachtanspruch, der zunehmend offen nach imperialen Maßstäben handelt. Schweigen über ethnische Säuberungen, Apartheid, Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit – und über die tiefe moralische Erpressung, die jede Kritik daran als Antisemitismus diffamiert. Der Holocaust ist nicht zu verurteilen, weil er in Deutschland statt fand und heute in Israel. Es geht um das ‘Nie Wieder’ des Holocaust. Nicht den Ort oder die Zeit. Und bitte, ersparen wir uns die Semantik des Shitbuergers.
Ein Medienmann im Zentrum der Verdrehung
Poschardt, als Mitglied und Mittäter der Springer-Topriga , ist kein unabhängiger Satiriker, sondern Teil eines Systems, das genau diese Verschleierung perfektioniert hat. Mathias Döpfner, sein Chef, ist bekannt für seine kompromisslose Israel-Treue, seine Nähe zu geopolitischen Machtzirkeln und seine aggressive Einflussnahme auf Redaktionen - seine Motivation hier unkommentiert. Mit ihm steht Poschardt nicht am Rand, sondern im Zentrum der medialen und ideologischen Verdrehung unserer Zeit.
Die Strategie ist klar: Man beginnt langsam, die Shitbürger zu verspotten, um sich selbst von der bald kollabierenden Maschinerie zu distanzieren – ganz im Stile eines pharisäischen Wendehalses, der das nächste Machtregime schon wittert. Man spuckt auf das Fußvolk, um seine eigene Rolle im Führerhaus der Propaganda zu kaschieren. Man kritisiert ausgerechnet jene, die man selbst über Jahre systematisch verformt hat – durch Angst, Moralisierung, Desinformation und soziale Konditionierung.
Satire als Nebelkerze
Ulf Poschardt hat kein schlechtes Buch geschrieben – aber ein verlogenes. Die Form ist clever, der Ton scharf, das Timing gut – doch der Inhalt ist mutlos, vermutet bewusst oberflächlich und systemkonform. Es ist die Kunst, Kritik zu üben, ohne das System zu gefährden, und sich gleichzeitig als Aufklärer zu stilisieren. Es ist der Trick des modernen Propagandisten: Lache über die Symptome, aber verschweige die Ursache.
Herr Poschardt, Sie kritisieren den Shitbürger. Aber Sie verschweigen, dass Sie selbst Teil der medialen Kaste sind, die ihn erschaffen hat – und die ihn nun wiederverwertet. Nicht als Journalist, sondern als veredelter Agent der Machterhaltung und Sicherung von ein wenig persönlichem Wohlstand und - sie erwähnten es - einem Porsche. Ein Champion des Weglassens. Ein Satiriker auf der Payroll des Verschweigens.
Profile Image for MsWatson.
148 reviews3 followers
May 18, 2025
Ulf Poschardt setzt sich in seinem Buch "Shitbürgertum" (sehr!!!) kontrovers und teilweise an die Polemik grenzend mit einem neuen Sozialcharakter auseinander: dem sogenannten "Shitbürger". Poschardt nutzt diesen Begriff, um eine bestimmte gesellschaftliche Entwicklung zu beschreiben, die seiner Meinung nach zunehmend das öffentliche Leben und die Diskurse in westlichen Gesellschaften prägt. Dabei geht es um Menschen, die einerseits moralisch überlegen auftreten, andererseits jedoch autoritär und bevormundend handeln und genügend "Dreck am Stecken" haben, der diese Überhabenheit nicht rechtfertigt.

Der Shitbürger, so Poschardt, hat die Fähigkeit, sich selbst als moralischen Retter und gesellschaftlichen Vorreiter zu inszenieren, während er gleichzeitig eigene Privilegien verteidigt und gegenüber Andersdenkenden wenig Toleranz zeigt. Dieser Typus zeichnet sich durch eine Mischung aus Anmaßung und Untertanengeist aus, die sich vor allem in Debatten über Politik, Klima und gesellschaftliche Moralfragen zeigt. Für Poschardt ist dieser Sozialcharakter symptomatisch für eine westliche Gesellschaft, die zunehmend in eine Krise der Freiheit und des offenen Diskurses schlittert.

Ein zentrales Anliegen des Buches ist die Kritik an der Dominanz dieses Shitbürgertums in wichtigen gesellschaftlichen Institutionen wie Kultur, Medien und Wissenschaft. Poschardt argumentiert, dass diese Institutionen zunehmend von einer Haltung durchdrungen sind, die freie Debatte einschränkt und kritische Stimmen abwürgt. Der Shitbürger sieht sich dabei als Vertreter einer höheren Moral, scheut jedoch vor echter Auseinandersetzung zurück. Statt Dialog zuzulassen, wird auf Dogmen und vermeintlich unumstößliche Wahrheiten zurückgegriffen. Poschardt sieht in dieser Entwicklung eine deutliche Gefährdung der demokratischen Kultur. So kritisiert er mit scharfem die heutige Meinungslandschaft und die Art, wie Debatten geführt werden.

Auch die Verschmelzung von Lifestyle und Gesinnung findet er äußerst problematisch. Wer die "richtigen" Produkte kauft, die "richtigen" Lebensgewohnheiten pflegt und die "richtige" Meinung vertritt, ist Teil der moralischen Elite. Diese Haltung führt laut Poschardt dazu, dass Menschen, die andere Meinungen vertreten oder Lebensweisen pflegen, (tendenziell mehr) diskreditiert und ausgegrenzt werden.

Stilistisch zeigt sich Poschardt gewohnt pointiert und provokant, bisweilen auch polemisch. Sein Schreibstil ist scharf und direkt und auch sehr fordernd. Einfache Sprache ist das schon mal nicht. Insofern zwingt uns jede Zeile zur intensiven Auseinandersetzung mit seinen Argumenten. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und ist sich der Wirkung seiner provokativen Thesen durchaus bewusst. Diese Schonungslosigkeit verleiht dem Text schon einen sehr markanten "Look", macht ihn aber gleichzeitig für jene schwer verdaulich, die sich in ihren Überzeugungen angegriffen fühlen könnten.

Eines der für mich stärksten und auch greifbarsten Argumente Poschardts ist seine Kritik an der mangelnden Bereitschaft vieler Menschen, sich selbst infrage zu stellen. Der Shitbürger, so Poschardt, ist stets davon überzeugt, das Richtige zu tun, und fordert das auch von anderen ein. Diese Selbstgerechtigkeit verunmöglicht aus seiner Sicht eine echte Auseinandersetzung und führt dazu, dass sich gesellschaftliche Lager zunehmend verhärten. Mehr demütige Reflexion würde also jedem gut tun. Beim Lese habe ich mich gefragt, ob Porschardt dann selbst auch ein Shitbürger ist, weil er ja nun hier auch oft im Text mit der Moralkeule rumfuchtelt.

Die durchaus gehobene Wortwahl in weiten Teilen des Buches und die Art, wie es geschrieben ist, schließen sicherlich einige Bevölkerungsgruppen von vornherein aus. Leute, die nicht gerade Sozialwissenschaften studiert haben, oder sich sehr viel mit Fachtexten auseinandersetzen, könnten Schwierigkeiten haben, das Buch vollumfänglich zu verstehen. Oder müssen sehr oft nachschlagen. Auch das finde ich schwierig und irgendwie ist auch das doch schon ein Shit-Move, oder?

Polemisch, schwierig, direkt, kritisch und vieles mehr: Fakt ist. Das Buch lässt einen beim Lesen definitiv nicht kalt. Zwischen Zustimmung und Erbostest wird man wahrscheinlich hin und her-pendelnd wie ein wildgewordenes Metronom.
Profile Image for Tom K..
66 reviews10 followers
June 27, 2025
Ach, wie gerne wollte ich einstimmen in die Polemik des Autors gegen das moralinsaure, überhebliche und schmallippige links-liberale Bürgertum, das sich in seiner grünen Spießigkeit über alles erhebt und echauffiert, das nicht ins eigene verengte Weltbild passt.

Aber leider ist mir die Mitfreude schon nach wenigen Kapiteln vergangen. Ja, es gibt schöne Sätze und Bilder darin, es sind einige gelungene Analysen und Beobachtungen zu finden. Aber insgesamt ist dieser 176 Seiten lange rant von Ulf Poschardt doch mehr entgleist als gelungen. Es ist einfach kein gutes Buch.

Warum?

Eine klare, tragfähige Definition dessen, was der Autor unter dem Begriff "Shitbürger" versteht, fehlt. Sie kommt nicht. Weder im Vorwort, noch im Vorvorwort, noch später. Man bekommt einen vagen Begriff davon, man hat auch irgendwann ein Bild vor Augen, aber das ist zu wenig. Denn weil der Autor nicht klar definiert, was er meint, kann er im Verlauf des Buches völlig willkürlich alle möglichen Phänomene unter der Überschrift "Shitbürger" versammeln, immer mit dem Hinweis: seht ihr, da habt ihr es wieder.

Dazu frage ich mich, was der Begriff "Shitbürger" eigentlich austrägt. Er soll Anklänge an die Schildbürger haben, vielleicht auch vage mit dem Shitstorm verwandt sein? Insgesamt zeigt sich aber, dass der Begriff zwar als Pointe ganz gut kommt, aber auf Strecke nicht recht trägt, weshalb ich annehme, dass er sich auch nicht durchsetzen wird, trotz der offensichtlichen Verliebtheit des Autors in seine eigene Wortschöpfung.

Seine Grundthese, das Shitbürgertum habe sich in Deutschland so sehr verbreiten können, weil eine rechte Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und den dunklen Seiten unserer Identität und Geschichte nicht stattgefunden habe, trägt schon deshalb nicht, weil das Phänomen des Shitbürgertums nun beileibe kein deutsches Phänomen ist, sondern in allen westlichen Gesellschaften anzugreffen ist - und entgegen der These des Autors - in anderen Ländern auch durchaus auf gleichem Niveau. Und in mir als Historiker löst es einfach Abscheu aus, solche albernen Linienziehungen wie "Sparta-Preußen-Napola" hier wieder aufgewärmt zu sehen. Das ist einfach Bullshit.

Nun gut, kann man sagen, es ist eine Polemik, da muss man bei der akkuraten Argumentation Abstriche machen. Aber - so wende ich ein - auch von einer Polemik würde ich erwarten, dass sie gut geschrieben ist. Stilistisch aber ist dieses Buch eine Zumutung. Trotz des rhetorischen Budenzaubers, den der Autor veranstaltet, fehlt es ihm an Klarheit. Die Sätze sind oft falsch und schief, die Metaphern wirr, der Ausdruck unklar. Häufig musste ich Sätze mehrfach lesen, um zu verstehen, was eigentlich gesagt werden sollte. Die Kapitel wirken, als wären sie aus alten Beiträgen irgendwie zusammengestoppelt.

Mein Verdacht daher: Der erste Verlag hat das Buch abgelehnt, weil es zu schlecht ist. Nicht, weil es inhaltlich zu brisant war.

Um die Problematik des moralinsauren links-liberalen Bürgertums zu beleuchten, greife man doch besser zu Norbert Bolz oder Michael Andrick.
Profile Image for Steve.
137 reviews2 followers
August 7, 2025
Einer der schlechtesten Debattenbeiträge, den ich je gelesen habe.

Es macht mich wirklich wütend, dass angebrachte und notwendige Kritik an aktuellen politischen wie gesellschaftlichen Entwicklungen, aufgrund von fehlgeleiteter Polemik, Oberflächlichkeit und verweigerter Differenzierung, durch so ein Buch noch angreifbarer wird.

Sprachliche versucht das Buch elitär und pseudowissenschaftlich zu sein, doch Grammatik und Rechtschreibung sind all over the place. Dazu ist die Argumentation ein absolutes Chaos und häufig inhaltsleer.

Eine differenzierte Betrachtung wird direkt zu Beginn ausgeschlossen, da das "Shitbürgertum" (sprich die Grünen, Intellektuellen, ...) zum Bösen erklärt wird. Dafür wird die deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts vollkommen verklärt, wirkungsmächtige Persönlichkeiten pseudo-psychologisch analysiert und jegliches Gegenargument ignoriert. Porschardt fehlt es eindeutig an soziologischen Verständnis oder an einer generellen Idee wie Gesellschaften und Sozialstrukturen sich formen bzw. entwickeln.

Fast satirisch kommen seine Verweise auf Amerika und Argentien daher, denn obwohl das Shitbürgertum in der deutschen Geschichte begründet liegen soll, sind es die Wahlen Trumps und Milei, die zeigen, dass seine Zeit zu Ende geht. Dabei wird die Gründung Amerikas als die große Suche nach Freiheit beschrieben, die historisch kaum haltbar ist und religiösen Fanatismus vollkommen ignoriert.

Generell stellt das Buch eine reine Abrechnung dar, mit allem (ÖRR, Angela Merket, die Zeit, ...) was Porschardt missfällt oder er keinen Zugang hat. Ironisch ist hierbei die vollkommen fehlende Selbstreflexion, da er dem Shitbürgertum unterstellt Gegner schlecht zu machen, auszugrenzen und sich selbst nicht zu reflektieren (ja wirklich... da musste ich dann schon lachen).

Am Ende, mit Blick auf die letzte Bundestagswahl und Wahlkampf, wird er etwas schlüssiger, aber das kommt zu spät und bleibt ebenfalls oberflächlich.

Das einzig Gute an dem Buch: das stete Herausarbeiten des Antisemitismus in unserer Gesellschaft.
3 reviews
March 9, 2025
Die Lektüre hinterlässt bei mir einen zwiespältigen Eindruck. Die divergierenden Rezensionen deuten bereits auf die polarisierende Natur des Werkes hin.

Die Definition des „Shitbürgertums“ bleibt vage und widersprüchlich. Poschardt inszeniert sich als Außenseiter, der sich zwar gegen rechts abgrenzt, jedoch gleichzeitig eine polemische Distanzierung vom „linksversifften Grünen“ vollzieht.

Die sprachliche Gestaltung des Werkes ist von einem pseudo-bildungsbürgerlichen Jargon geprägt, der jedoch oft in inhaltsleeren Floskeln mündet. Der Eindruck entsteht, dass der Autor mangelnde argumentative Tiefe durch eine überfrachtete Sprache zu kaschieren versucht.

Inhaltlich präsentiert Poschardt Thesen, die einer kritischen Prüfung kaum standhalten. Die Behauptung, „Linke“ würden sich in „Verwaltungsjobs“ flüchten, entbehrt empirischer Grundlage. Die Forderung nach einem „Stutzen“ der Verwaltung nach dem Vorbild von Elon Musk zeugt von einem simplifizierenden Verständnis komplexer Zusammenhänge. Die These, Deutschland müsse sich von der „Schuld“ des Nationalsozialismus befreien, indem es „mehr Wagnis“ eingehe, ist historisch und moralisch fragwürdig. Die selektive Berufung auf Nietzsche offenbart eine tendenziöse Auseinandersetzung mit philosophischen Positionen. Angesichts aktueller geopolitischer Entwicklungen erscheint Poschardts Selbstinszenierung als „Widerstandskämpfer des Liberalismus“ grotesk.

Zusammenfassend ist „Shitbürgertum“ ein Werk von geringem intellektuellem Wert. Die mangelnde argumentative Stringenz, die stilistische Inadäquatheit und die realitätsfernen Thesen machen das Buch zu einer enttäuschenden Lektüre.








Profile Image for Lotte Woess.
Author 3 books10 followers
April 20, 2025
Eine Abrechnung mit dem bequem gewordenen Bürgertum

Der Autor beschäftigt sich in diesem Sachbuch mit der Gesellschaft, die aus dem Wohlstand gewachsen sich bequem zurückgelehnt hat und aus den Lehnstühlen vorzugsweise vor dem Fernsehapparat nicht mehr hervorbewegen mag. Während ein anderer Teil der Bevölkerung das Land kaputt macht. Nach Jahrzehnten Frieden wiegen sich die meisten in Sicherheit und möchten mit minimaler Anstrengung ein Leben in Luxus führen. Poschardt listet Dinge auf, die zum Nachdenken anregen und hält den Menschen einen Spiegel vor, der sich unangenehm anfühlt. Bereits in seinen beiden Vorworten geht er hart ins Gericht: »Das Shitbürgertum lebt vom Geld derjenigen, die es beschimpft, verachtet und zerstört.« Das Nicht-Shitbürgertum sieht zu.
Leider sind mir Teile des Buchs etwas zu hoch, die Sprache ist in verschachtelten Sätzen mit zahlreichen Fremdwörtern gespickt, sodass ich oft mehrmals lesen musste, um zu verstehen, was gemeint ist. Zudem setzt der Autor ein Grundwissen von geschichtlichen Ereignissen und Personen heraus, das ich zwar teilweise besitze, jedoch trotzdem einige der genannten und zitierten Personen googeln musste. Aber er schreibt nichts, was nicht der Wahrheit entspricht. Die provokanten Äußerungen bieten hoffentlich eine gute Grundlage zum Nach- und Umdenken Ich persönlich hätte mir an manchen Stellen eine einfachere Ausdrucksweise und ein paar Erklärungen mehr gewünscht, vor allem auch eine Perspektive für die Zukunft. Nach Beendigung de Buches habe ich nun auf jeden Fall ein mulmiges Gefühl, was uns erwarten wird.
2 reviews
July 19, 2025
Fand den titel lustig, kannte den Author nicht,
leider waren es 22€ für die Tonne...
Sprachlich teils interessant geschrieben, wenn auch unnötig hochtrabend. Mit vielen verweisen zu historischen Größen wo sich dann was immer rausgepickt wird was gerade gefällt hat sich der Author ein realitätsfernes Model der Gesellschaft aufgebaut in dem er nun wild herum philosophiert. Es werden zusammenhangslose Feindbilder aufgebaut aus denen er dann seinen Fäkalgolem, den Shitbürger, konstruiert und ihm dann die Schuld an allem zuschiebt was nun vermeintlich nicht stimmt im Land.
Kurzgesagt: ein irrer Fiebertraum
12 reviews
August 4, 2025
📚 Shitbürgertum liest sich wie ein Spiegel für unsere saturierte Mitte: Zwischen Cancel Culture, Staatsapparat & Diskursverweigerung trifft das Buch einen Nerv – auch bei mir als selbstreflektierendem Shitbürger.

Doch die geforderte Akzeleration (Poschardt & Co.) macht mich skeptisch: Wenn Kapitalismus jeden Impuls in Content, Karriere oder Krise umwandelt, wird selbst Rebellion zum Businessmodell.
Widerstand braucht Tiefgang – nicht Geschwindigkeit.

#Shitbürgertum #TexteZurKunst #Kapitalismuskritik #Diskursfähigkeit #CancelCulture
Profile Image for Mark May.
9 reviews
January 24, 2025
Some of the main theses brought forth in the book are interesting and even might be correct (e.g., government employed quasi-elitist circles have gained and hold on to power in liberal democracies to the disadvantage of whole societies), but they are hardly new. The book is, generally in a very bad shape, i.e., not well written and the arguments are not well designed and delivered. It is also full of orthographic and other mistakes, which fundamentally undermines the whole argumentation.
33 reviews2 followers
May 1, 2025
Interessant, aber weniger hilfreich als es sein könnte.

Dem Buch fehlt es an Struktur. Die ersten Kapitel sind eine lose Folge von anekdotischen Analysen, scharf aber unverbunden. Gegen Ende gewinnt es an Klarheit. Eine Definition des Begriffs "Shitbürgertum" sollte vorangestellt werden. Das Buch leidet an überkandidelter Feuilletonsprache.

Querverweise: "Zivilisierte Verachtung" von Carlo Strenger, und "Die Vereindeutigung der Welt" von Thomas Bauer.
Profile Image for Benjamin.
10 reviews
August 6, 2025
Das wohl wertvollste Buch der Gegenwart,
schonungslos und wortgewandt führt uns Ulf Poschardt durch die Geschichte Deutschland
und liefert die Anamnese Deutschlands.

Der Shitbürger und seine Nachfolger, die Lauche (hier weit verbreitet in den Bewertern diesen Buches mit 1 bis 3 Sterne) sind derzeit leider Kulturprägend, gebildete Menschen wie Ulf sind ein Lichtblick die Zeit, und geben Hoffnung auf Mehr

Meine Unterstützung haben Sie Herr Pochardt !
Macht kaputt was euch Kaputt macht
73 reviews1 follower
October 4, 2025
4/10

Hochtrabend geschrieben.
Kritisiert Dinge (moralisierendes, unantastbares sich in ständiger Empörung befindliches Verhalten des Shitbürgertums) die er selbst in seinem Schreibstil pflegt.

Jedoch treffende Beschreibung zum Phänomen und dem Erfolg von Trump.

Einzig tragfähige Gegenentwürfe zum Shitbürgertum sollen unter anderem die Figuren popkultureller Filme, Serien, Musik und Comics sein...äähm, ja!?

Besonders Merkenswert:
-



Merkenswert:
-
31 reviews
March 13, 2025
Allein, weil seine Verlegerin das Buch so nicht habe veröffentlichen wollen- war ich dazu geneigt es zu lesen, um zu begreifen was denn so … an den Texten ist. Insgesamt war ich überrascht wie viel doch noch aus der Oberstufe hängen geblieben ist und fand seine Ausführungen durchaus interessant und teilweise provokativ.
Profile Image for Thomas.
12 reviews
June 6, 2025
Ich habe selten einen derartigen zähen, wirren und schwer nachvollziehbaren Driss gelesen.

Man kann nur dankbar sein, dass Ulf einer Generation angehört, die die Zukunft des Landes nicht mehr gestalten wird.

Immerhin gibt es eine schöne Gemeinsamkeit mit „Mein Kampf“: Die Bubble, die das Büchlein stolz emporhebt, hat es wohl wieder gelesen noch verstanden.
Profile Image for CK.
6 reviews
September 19, 2025
Das Buch enttäuscht, trotz einiger vielversprechender Ansätze. Verschachtelte Sätze und übertriebene Neologismen machen die Lektüre schwer zugänglich. Am Ende wirkt der Text eher selbstverliebt als wirklich tiefgründig.
Profile Image for Джейн.
45 reviews1 follower
May 17, 2025
Fand gut dass das Buch keine Hoffnung bietet. Hab außerdem paar Dinge über Nietzsche gelernt. Gibt eine Dimension der deutschen Sprache der ich so noch kaum gegenüber stand.
1 review
June 29, 2025
Ich fand es wirklich sehr gut. Endlich der etwas sachlich erklärt und ich habe einiges gelernt. Tolles Buch
Displaying 1 - 30 of 37 reviews

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