»Oh Gott, ist das ein gutes Buch!« Benjamin von Stuckrad-Barre
Eigentlich haben Ben und Esther alles, was sie eine lebendige Beziehung zu Jesus Christus und wichtige Funktionen in ihrer Gemeinde – dem göttlich funkelnden Safespace, in dem der Pastor teure Sneaker trägt, seine Frau Highlights aus der Predigt auf Instagram teilt und Gott uns so sehr liebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, und so weiter.
Doch Ben hat ein Problem, das zwischen ihm und seinem göttlichen Vater steht. Niemand weiß davon, nicht mal seine Schwester Esther. Je verzweifelter er sich aus den Fängen der Sünde befreien will, desto mehr tyrannisiert sie sein Leben.
Esther hat ihr Leben lang gelernt, dass sich die Frau unterordnet. Das steht in der Bibel. Das ist Gottes Wille. Aber sie will endlich ernstgenommen werden als eigenständiger Mensch und als Musikerin. Als sie einen verlorengeglaubten, aber nie vergessenen Menschen von früher wiedertrifft, spürt sie einen Hunger nach der Welt da draußen, die gar nicht so verdorben wirkt. »Monstergott« erzählt von zwei Geschwistern, für die es überlebenswichtig wird, ihren Glauben und seine Regeln infrage zu stellen – und damit alles, was sie kennen. »Caroline Schmitt schreibt furchtlos präzise über den Hunger nach Glauben und die Verzweiflung am eigenen Menschsein. Ihre Protagonisten sind einem so fremd und dann doch so nah, dass man nicht weiß, ob man sie umarmen oder lieber vor ihnen wegrennen möchte.« Alina Bronsky
CARO DID IT AGAIN! Lustig, sanft aber unmissverständlich äußert die Autorin Kritik an der freien Kirche. Es geht um Themen wie (toxische) Männlichkeit, Feminismus, Homophobie und aus dem Kontext gerissene Aussagen der Bibel. Es ist eine wahre Kunst so deutlich seinen Standpunkt zu äußern, gleichzeitig aber Gläubigen respektvoll gegenüber zu bleiben. In dem Buch passieren immer wieder überraschende Dinge, die Charaktere sind facettenreich, der Plot ist verflochten: Es macht Spaß dieses Buch zu lesen. 🍎🌟
Gegenwartsrealismus, der die Notwendigkeit seines Konflikts erst im letzten Drittel entfaltet und mit viel emotionaler Glätte die Figuren in eine offene Zukunft entlässt.
Ich muss Caroline Schmitt zugestehen, dass sie eine der wenigen Gegenwartsautorinnen ist, die im Rahmen einer gewählten Alltagssprache – einer Mischung aus Jugendsprache und Diskursintegration, die formal völlig entgrenzt daherkommt – einerseits großen Unterhaltungswert erzeugt und andererseits (ich habe inzwischen zwei Bücher von ihr gelesen) eine besondere Dynamik entwickelt, die sich für mich in gewissem Maße produktiv liest.
Ich möchte auf eine Irritation meinerseits eingehen, die selbstverständlich nur aus meinem Erfahrungshorizont heraus spricht, aus meiner Sicht jedoch einen entscheidenden Aspekt liefert, ob man das Buch als gelungen empfindet oder nicht. Der Text steht vollständig im Zeichen der Religion, des Glaubens an Gott und der Erlöserfigur Jesu. Nun ist es so, dass mir religiöse Symbolik eher in Form der Sublimierung begegnet ist: Triebenergien werden im Glauben nicht nach außen geleitet, sondern symbolisch transzendiert, indem sie in ein sakrales, heiliges Verhältnis zu Gott umgelenkt werden. Selbst wenn ein Affekt nach außen ausgelebt wird, wird er symbolisch – in der Sprache, in der darüber kommuniziert wird – in die Gesetzmäßigkeit Gottes mit all ihren Umdeutungen und Verschiebungen (etwa: Gewalt wird zum Ausdruck der Liebe) zurückgebunden und in ein getragenes, erhöhtes Stimmungsverhältnis überführt. Das geschieht in Monstergott nicht. Ganz im Gegenteil: Besonders die erste Hälfte lebt von massiv exponierter Triebenergie. Die Figuren – einschließlich des Pastors – agieren sprachlich hip, modebewusst und im Code des gegenwärtigen Diskurses. Eine Gemeinde, die sich sehr an die Social-Media-Welt angepasst zeigt. Diese Oberfläche überlagert und dominiert die Seite, eigentlich den Geboten Gottes und der Bibel treu sein zu wollen, und zeichnet einen merkwürdigen Kontrast, der eher in die Richtung weist: So wie die christliche Religion anhand der Bibel gelebt wird, ist sie nicht mehr zeitgemäß und muss erneuert werden, wenn man die Menschen nicht verlieren möchte. Ich denke, Caroline Schmitt wollte genau das erreichen. Es gibt im Buch kurze Diskussionen zu diesem Thema, die jedoch halbherzig bleiben und die Dramatik des Konflikts – zwischen den ewig gültigen Gesetzen eines sich nicht wandelnden Gottes und der kontingenten Welt, deren Gesellschaft sich in ihren Begriffen und Deutungen ständig verändert – nicht wirklich erfassen. Denn wenn man die Bibel als von Gott inspiriertes Wort begreift, muss die Thematik meiner Meinung nach umgekehrt aufgezogen werden: Wenn ich glaube, dann ist die Bibel meine höchste Autorität – und ich stelle die gesellschaftliche Entwicklung nicht als etwas dar, dem sich der Glaube unterordnen oder anpassen muss, damit es für uns bequemer wird.
Vielleicht ist es die Intention des Buches, ein gesellschaftlich simuliertes Religionssetting zu entwerfen. Vielleicht ist es auch Absicht, dass die meisten religiösen Dialoge sich selbst nicht über den Weg trauen und keine Dringlichkeit einer existenziellen Verortung erzeugen, sondern eher einer Medienlogik folgen. Mir geht es hier um die Konsequenz einer inneren Spannung, die durch den modernen Weltbezug geglättet wird – und leider im Ende völlig verseift herausrutscht. Das heißt: Wenn ich die Geschichte schon in dieser Logik anlege – womit ich grundsätzlich einverstanden bin, auch wenn es nicht meiner Erfahrung entspricht –, dann muss ich die Brüche, die dadurch entstehen, auch austragen und ausformen. Das geschieht aber erst im letzten Drittel. Zuvor beherrscht ein ästhetischer Effektstau die Landschaft: Alles ist spürbar, nichts wird geformt. Die religiöse Symbolik bleibt im Imaginären verhaftet; sie steht als Motiv oder Oberfläche neben der erzählerischen Struktur, ohne in deren symbolische Vermittlung einzutreten. Dadurch entsteht keine formale oder sprachliche Transformation des Glaubens, sondern nur seine Darstellung. Erst mit Ben’s Thematik wendet sich der Text im letzten Drittel dieser Vermittlung zu. Dann entsteht endlich Druck auf dem Kessel, und der Konflikt „Gott dienen und Ich sein“ spannt sich zum Zerreißen.
Im Groben nimmt sich die Autorin der typischen Themen oder Konfliktzonen an, die aus christlicher Gläubigkeit erwachsen:
• Die Frau ist dem Manne untertan, darf nicht lehren in der Gemeinde und hat zu schlucken, wenn der Mann seine autoritäre Position ausnutzt. • Der Pastor trägt besondere Verantwortung und darf seine Machtstellung nicht missbrauchen oder die Bibel nach eigenem Belieben dehnen. • Gott sagt: Homosexualität ist Sünde. • Kein Sex vor der Ehe, Masturbation ist verboten. • Viele Tabus (u. a. Medien mit Zauberei, dämonischen oder kriegerischen Elementen sind verpönt). • Die Gemeinde und ihre Treffen beanspruchen viel Raum im sozialen Gefüge, was in der Arbeitswelt Irritationen erzeugt. • Der Glaube trifft auf das Leben – und plötzlich zeigt sich, dass ein eng gefasstes Gesetz oder seine Auslegung den komplexen systemischen Strukturen nicht mehr entspricht, die weit darüber hinausweisen.
Ich verfahre hier ähnlich wie bei Anne Freytag: Die Lebhaftigkeit der weitgehend formlosen Sprache und die Intensität mancher Szenen machen Monstergott für mich dennoch zu einem guten Buch, von dem ich denke, dass eine bestimmte Zielgruppe eine produktive Auseinandersetzung damit erleben wird. Schmitt gelingt es, Diskurse sehr organisch und auf der Ebene des Affekts und der Emotion in einen spezifisch persönlichen Erfahrungsraum zu überführen. Als Literatur: 2 Sterne. Plus 1 Stern für alle, denen Analyse egal ist und die vor allem auf sozial-dynamische Interaktion Wert legen. Ich habe gelernt, dass für viele das Außen mehr zählt als das Innen – und dass eine Vermittlung beider Ebenen für das literarisch positive Erleben nicht zwingend notwendig ist.
4.5. Fand das Buch echt richtig gut! Es war besonders beeindruckend, wie uncannily gut die Autorin die christliche Lingo wiedergeben konnte, mit Phrasen wie “Beziehung leben”, “auf Erweckung hoffen”, “Freundschaft ist die beste Basis für jede Beziehung”, “Liebe ist eine Entscheidung” usw. habe ich mich sehr doll an mein Aufwachsen in der Freikirche erinnert gefühlt und generell kam mir vieles (leider) nur allzu bekannt vor… Ich konnte mich emotional sehr mit den beiden Protagonist:innen verbinden, besonders in Esther habe ich sehr viel von mir selbst gesehen. Das Buch hat die Schmerzen, aus einer solchen Glaubensgemeinschaft herauszuwachsen, sehr sehr gut wiedergegeben, mit allem was dazugehört, auch dem Gefühl, bei dem actual Austritt die ganzen inneren Schritte der Distanzierung schon hinter sich zu haben und seltsam untraurig zu sein. Ich hatte oft Tränen in den Augen und musste teilweise hörbar lachen, wenn beschrieben wurde, wie bei dem Worship-Lied “Oceans” “Kranke geheilt werden, Sturzbäche an Tränen fließen und sogar Teenager ihr Leben Jesus geben”… Das hat mich so sehr an meine Jugend erinnert und diese Obsession mit irgendwelchen trendy Lobpreissongs, bei denen wie auf Knopfdruck immer Tränen fließen. Ach es war richtig richtig toll. Ich fand den Plot vielleicht ein bisschen zu vorhersehbar im Sinne von “oh, der Instagram-Pastor hat vielleicht ein dunkles Geheimnis?” Das ist mittlerweile ein ziemlich häufig vorkommender trope in so Exvangelical-Geschichten. Aber das Buch war trotzdem sehr gelungen, vor allem in seiner Menschlichkeit, seinem ehrlichen Interesse a den Kämpfen der Menschen, es war nicht herablassend gegenüber Gläubigen, sondern hat sie ernst genommen.
Esther und Ben sind seit ihrer Kindheit Teil einer evangelikalen Freikirche, die durch ihre Eltern mitbegründet wurde. Als Kinder und Jugendliche gehen sie ganz auf in der kirchlichen Gemeinschaft und ihrem Glauben an Gott, sie finden Halt und Freundschaft in der Gemeinde. Als junge Erwachsene ist ihre Beziehung zur Freikirche schwieriger geworden: Weder Esther, noch Ben können ihr Leben innerhalb dieser religiös-konservativen Grenzen so ausgestalten, wie sie es möchten. Während Ben grundsätzlich an den Regeln der Freikirche festhalten möchte, aber mit deren Vorstellung von Männlichkeit hadert und immer tiefer in toxische Abgründe abdriftet, würde Esther gerne mehr Verantwortung im Lobpreis-Chor übernehmen, was man ihr aufgrund der Rollenverteilung von Mann und Frau innerhalb der Glaubensgemeinschaft verwehrt.
Die Lesenden begleiten die Geschwister Esther und Ben in "Monstergott" von Caroline Schmitt auf diesem Lebensabschnitt, der von Zweifeln an der Freikirche, ihrem Platz darin und in der Welt geprägt ist. Die Autorin zeichnet dabei ein Bild einer Glaubensgemeinschaft, die es in ihrer gefährlicher Ausprägung heute fast überall gibt: Hinter hippen Pastoren, mitreißenden Lobpreisgesängen und ästhetischen Instagram-Posts verbergen sich zutiefst konservative und altertümliche Glaubenssätze, die die Gemeindemitglieder in ihrer Freiheit beschränken und in extrem veraltete Rollenverteilungen von Mann und Frau drängen. Ich war von Anfang an gefesselt von Esthers und Bens Geschichte, fand es super spannend, in die Strukturen einer Freikirche einzutauchen und fand zugleich schön, dass Caroline Schmitt keine Wertung am Glauben an sich vornimmt. Die zitierten Bibelstellen zeigen, dass sich Vieles in der Heiligen Schrift eben nicht so eng auslegen lässt, wie es die Kirche oft tut. Queerness, Emanzipation, Selbstverwirklichung - all diese Themen bringt die Autorin in ihrem Roman mit Religion und Freikirche in Verbindung, für mich ausgesprochen gut gelungen!
Ich hab ein neues Jahreshighlight gefunden! Wie gut war das denn bitte?! Ich bin nur so durch dieses Buch geflogen und hab dabei alles an Gefühlen gefühlt, was so geht: Wut, Schock, Frustration, Freude, Erleichterung, … 😮💨 Ich fand ja schon "Liebewesen" von Caro Schmitt krass gut, aber mit "Monstergott" hat sie das jetzt nochmal übertroffen.
»In ihm lebte dieses Monster, das größer geworden war und sich seinen Weg nach draußen bahnen wollte, das um sich schlug und sein Leben zur Hölle machte. Ben wusste nicht, warum dieses Monster sich ausgerechnet ihn ausgesucht hatte.« (S. 90)
🔖darum geht’s: Eigentlich sind die beiden Geschwister Ben und Esther ganz zufrieden mit dem Leben, das sie in Einklang mit Gott, ihrem Glauben und der christlichen Gemeinde, der sie seit ihrer Kindheit angehören, führen. Wäre da nicht diese Wut, die immer wieder aus Esther herausbrechen will und ihre feministischen Ansichten, die so gar nicht mit Gottes Wort in Einklang zu bringen sind. Und auch Ben hadert mit seinen Gefühlen: Er hat ein Geheimnis, von dem niemand je erfahren soll, eine "Sünde", von der er sich um jeden Preis befreien will.
Die Geschichte packt einen gleich von den ersten Seiten an und das bis zum Schluss. Im Buch geht es um den Glauben an Gott, aber auch um die Doppelmoral, die sich dahinter versteckt. Ein hipper Pastor mit Bibel-Merch, E-Scooter und Instagram-Account, der die Gemeinde als safe space vermittelt, aber seinen Mitgliedern kaum Möglichkeiten zur Selbstentfaltung bietet. Das Buch behandelt auch Sexualität sowie die (biblischen!) Rollenbilder von Mann und Frau.
Caroline Schmitt schreibt schonungslos ehrlich und dabei unglaublich witzig. Ihre Figuren sind sehr greifbar und man kann (auch als nicht-gläubige Person) mit ihnen mitfühlen. Ihre Konflikte und Gefühle wirken echt, authentisch und sind nachvollziehbar. Sowohl Esther als auch Ben tragen viele angestaute Emotionen in sich, die immer stärker an die Oberfläche drängen: Wut, Frustration, Einsamkeit und vor allem der Drang nach Freiheit und Selbstbestimmung. Aber lässt sich das mit einem gläubigen Leben vereinbaren?
Fazit: Caro Schmitt hat mit "Monstergott" einen krassen Banger geschrieben, den ich nicht so schnell wieder vergessen werde. Unbedingt. Alle. Lesen!!
Für den Post:
Monstergott 🍎
Autorin: Caroline Schmitt @caroschmitt Verlag: Park x Ullstein @parkxullstein Genre/Thematik: Gegenwartsroman, junge deutsche Literatur / Geschwisterbeziehung, Glauben, Befreiung Bewertung: 5 / 5 ★★★★★
Leute, ich habe ein neues Jahreshighlight gefunden! Wie gut war das denn bitte?! Ich bin nur so durch dieses Buch geflogen und hab dabei alles an Gefühlen gefühlt, was so geht: Wut, Schock, Frustration, Freude, Erleichterung, … 😮💨 Ich fand ja schon “Liebewesen” von @caroschmitt krass gut, aber mit “Monstergott” hat sie das jetzt nochmal übertroffen.
🔖darum geht’s: Eigentlich sind die beiden Geschwister Ben und Esther ganz zufrieden mit dem Leben, das sie in Einklang mit Gott, ihrem Glauben und der christlichen Gemeinde, der sie seit ihrer Kindheit angehören, führen. Wäre da nicht diese Wut, die immer wieder aus Esther heraus brechen will und ihre feministischen Ansichten, die so gar nicht mit Gottes Wort in Einklang zu bringen sind. Und auch Ben hadert mit seinen Gefühlen: Er hat ein Geheimnis, von dem niemand je erfahren soll, eine “Sünde”, von der er sich um jeden Preis befreien will.
Im Buch geht es um den Glauben an Gott, aber auch um die Doppelmoral, die sich dahinter versteckt. Ein hipper Pastor mit Bibel-Merch, E-Scooter und Instagram-Account, der die Gemeinde als safe space vermittelt, aber seinen Mitgliedern kaum Möglichkeiten zur Selbstentfaltung bietet. Das Buch behandelt auch Sexualität sowie die (biblischen!) Rollenbilder von Mann und Frau.
Caroline Schmitt schreibt schonungslos ehrlich und dabei unglaublich witzig. Ihre Figuren sind sehr greifbar und man kann (auch als nicht-gläubige Person) mit ihnen mitfühlen. Ihre Konflikte und Gefühle wirken echt, authentisch und sind nachvollziehbar. Sowohl Esther als auch Ben tragen viele angestaute Emotionen in sich, die immer stärker an die Oberfläche drängen: Wut, Frustration, Einsamkeit und vor allem der Drang nach Freiheit und Selbstbestimmung. Aber lässt sich das mit einem gläubigen Leben vereinbaren?
Fazit: @caroschmitt hat mit “Monstergott” einen krassen Banger geschrieben, den ich nicht so schnell wieder vergessen werde. Unbedingt. Alle. Lesen!!
Eindrückliche Geschichte zweier Geschwister, deren Persönlichkeiten durch den Einfluss einer Freikirche in existenzgefährdendem Maße an ihrer Entfaltung gehindert werden.
Caroline Schmitt erzählt von zwei erwachsene Geschwistern, Esther und Ben, die der Gemeinde einer christlichen Freikirche angehören. Beide hardern, nicht mit ihrem Glauben an sich, aber mit dem Leben, das ziemlich strenge Religiösität eben mit sich bringt. Insbesondere mangelnde Gleichberechtigung der Geschlechter und unterdrückte sexuelle Bedürfnisse fordern die Protagonisten bis an ihre Grenzen heraus.
Ich habe diesen Roman mit großer Begeisterung gelesen. Die Thematik ist eine, die mir, insbesondere in dieser Radikalität, nicht oft in moderner Literatur begegnet ist, bisher. Gerade deutsche, neue Literatur wirkt auf mich manchmal wie ein Einheitsbrei an immer gleichen, oft autofiktionalen (don't get me started!) Motiven.
Alina Bronsky sagt im Klappentext, man wisse nicht, ob man die Figuren umarmen oder vor ihnen weglaufen möchte. So ging es mir während der ersten Hälfte des Buches. Später wollte ich sie dann nur noch umarmen, so sehr sind sie mir ans Herz gewachsen. Schmitt hat Charaktere geschaffen, die glaubhaft sind und realistisch, nicht immer sympathisch und meistens schwer nachvollziehbar, aber gerade deshalb auch spannend und liebenswert. Auch die Dialoge in dem Buch sind mir als sehr gelungen und authentisch, positiv aufgefallen.
Also neben Alina Bronsky hat auch Benjamin von Stuckrad-Barre ganz Recht: "Oh Gott, ist das ein gutes Buch!"
Ben und Esther könnten normale junge Erwachsene sein, sie sind gut ausgebildet, haben einen großen Freundeskreis. Doch jede freie Minute dreht sich um die Gemeinde, eine Freikirche, in der man das Wort Gottes noch wörtlich nimmt, die Männer leiten, während sich die Frauen unterordnen und in der der Pastor, eine hippe und gleichzeitig stockkonservative Figur, den mahnenden Finger über Recht und Sünde schwingt.
Ben und Esther sind hier aufgewachsen, auch ihre Eltern und alle ihre Freunde sind Teil der Gemeinde. Ein Leben ohne die Gemeinde können sich die Geschwister überhaupt nicht vorstellen – und dennoch werden sie von der Last ihrer Sünden fast erdrückt. Eine Zwickmühle, aus der es keinen Ausweg gibt. _______________
Ich bin neidisch auf alle Rezensenten, die schreiben, dass sie dieses Buch nicht richtig verstanden haben. For real, seid froh, dass ihr das nicht erlebt habt. Am liebsten würde ich das Buch allen meinen alten Freunden schenken, mit denen ich als Teenager in den Fängen so einer ähnlichen Freikirche gefangen war, damit sie sehen können, was mit uns passiert wär, hätten wir nicht rechtzeitig den Absprung geschafft 😂
Es ist wirklich so schlimm das zu lesen, wenn man weiß, wie real das für manche Menschen ist. Ihr müsst verstehen, dass mir Leute wie dieser Pastor im echten Leben begegnet sind. Genau so! Übelste Doppelmoral, aber Hauptsache allen anderen die Hölle prophezeien.
Für mich ein richtiges Highlight zum Abschluss des Jahres, aber es ist wirklich ein Nischenthema und ich verstehe auch, wenn andere Leserinnen und Leser nichts mit der Geschichte anfangen können.
Caroline Schmitt nimmt eine bisweilen etwas soapige Story um das Sex- und Glaubensleben von Ben und seiner Schwester Esther, um auf dieser Folie ganz viel Recherchiertes unterzubringen: Thema ist das hippe evangelikale Christentum unserer Zeit, repräsentiert von einer Szene um Gemeinde, Christfluencer etc - im Grunde eine konservative Subkultur mit spirituellem Anspruch. Das alles solide erzählt, konsequent am Thema, mit einigen sehr ergreifenden und/oder perfiden Szenen. Aber auch ein bisschen peep-show in eine Welt, in der, wer hätte es ahnen können, es auch nicht so holy 😇 zugeht wie der HErr es verlangt. Am Ende findet alles zusammen was zusammen gehört, als gäbe es einen wahren Gott, der etwas cooler ist als der Patriarch aus der Bibel. Wie gesagt, soap, aber auf die gute Art
Puh, keine Ahnung, ich mochte es nicht. Die Figuren waren alle unsympathisch, das Thema war so weit weg von meinem Leben und ich finde auch, dass das Hauptthema von einer Own-Voices-Person behandelt werden sollte. Irgendwie ganz merkwürdig dieses Buch und ich verstehe den Point nicht.
Leider war es nicht so wirklich ein Buch für mich.
Als ich die Inhaltsangabe gelesen habe, war ich sehr interessiert, da ich noch nie ein Roman mit dem Thematik (Frei)Kirche gelesen habe und mich auch nicht wirklich dafür interessiere. Aber schon der Beginn hat mich nicht wirklich gecatched, was ich echt schade fand. Ich habe gemerkt, wie gut sich die Autorin mit dem Thema auseinandergesetzt hat und die Kritik wird sehr deutlich - was ich gut finde! Aber die Protagonist*innen haben es mir leider nicht angetan. Außer Esther empfand ich alle eher als charakterlos und war auch manchmal gar nicht mehr bei der Sache, weil es mich ein wenig gelangweilt hat. Das Thema „Liebe“ fand ich ganz süß aber jetzt nicht sehr leidenschaftlich oder tiefgründig. In der Mitte war ich ein wenig gefesselter wegen dem Plot aber ansonsten leider kaum.
Weil Ich aus gegebenem Anlass mal wieder viel ueber Freikirche & ihre Folgen nachdenken musste, hat das Buch perfekt gepasst. Ich fand das Buch hat es gut geschafft, einerseits die Freikirche und deren fundamentalistischen Einstellungen scharf zu kritisieren, trotzdem aber zu zeigen, wie viel Halt Glaube an sich geben kann. Die Charaktere fand Ich gut greifbar & relatable! Ich muss sagen, vom Stil her & den Dialogen her war es nicht ganz meins, wie schon bei “Liebewesen”. Aber abgesehen davon hatte Ich eine gute Zeit !:-)
Esther und Ben strugglen beide mit sich, ihrer freikirchlichen Gemeinde und der sehr menschlichen Suche nach Identität in und außerhalb von Gemeinschaft. Was erstmal nicht so spannend klingt, ist mir aber so zu Herzen gegangen, hat mich ständig nachwirken lassen, und am Ende ist es vor allem die Autorin, die das Buch als Gesamtwerk für mich zum Highlight gemacht hat.
Nicht nur kann Caroline Schmitt so schreiben, wie ich es auch gern tun würde, sie schafft es einfach, Charaktere zu schaffen, die sich so echt anfühlen, dass ich das Gefühl habe, sie wirklich zu kennen. Auch mit den Facetten, die sie von sich aus vielleicht gar nicht zeigen wollen würden.
Ein wirklich umwerfendes Buch, das ich mir über einen längeren Zeitpunkt gegönnt habe, obwohl ich es easy in einem Rutsch hätte durchlesen können, weil es so gut war.
Und wie geil ist es bitte, dass das mein erstes Buch 2026 ist? Ein sehr gutes Zeichen!!!
Fand die Thematik des Buches super spannend. Es geht um das Geschwisterpaar Ben und Esther, die von klein auf in einer Freikirche aktiv Mitglied sind und nie an ihrem Glauben an Gott gezweifelt haben. Doch dann werden sie mit Situationen und Gefühlen konfrontiert, die sich mit ihren Vorstellungen eines von Sünden befreiten Lebens nicht vereinbaren lassen. Dadurch, dass ich selbst auf Instagram immer wieder Reels von Predigten und Lobgesängen von diesen ach so hipen und modernen Freikirchen angezeigt bekommen hab ( ich sag nur Lisa und Lena), hat mich ein Einblick hinter dieser so perfekt inszenierten Social Media Präsenz so krass interessiert. Und ja, die bekommt man auch. Aus zwei verschiedenen Perspektiven, die Caroline Schmitt mit ihrem geilen Schreibstil sehr nahbar übermittelten kann. (Natürlich weiß ich jetzt nicht, inwieweit das Ganze die Realität widerspiegelt. Also wie die Autorin dazu recherchiert hat, ob sie selbst Erfahrungen gesammelt oder mit aktiven/ehemaligen Mitgliedern geredet hat, um eine authentischen Geschichte zu schreiben)
Trotzdem wird darauf Aufmerksam gemacht, welche problematischen Aussagen und Werte manche Freikirchen ganz offen kommunizieren (Ehe nur zwischen Mann und Frau, Umerziehungscamps etc) und welchen Einfluss sie insbesondere auf junge Menschen hat. Das fand ich gut. Was ich nicht so gut fand, war wie schnell der Plot am Ende geschrieben wurde. Der ganze Prozess der beiden Figuren konnte man die ganze Geschichte gut nachverfolgen, bis dieser am Ende (und der damit verbundene Plot) auf ein paar wenigen Seiten runtergebrochen wurde.
Ich fand das Buch unglaublich mitreißend und die Charaktere tiefgreifend beschrieben. Das Buch hat viele Emotionen in mir ausgelöst, ich wurde sehr wütend und freute mich an anderen Stellen über die Liebe und den Zusammenhalt. Das Buch war für mich als Leserin ein emotionales Auf und Ab, das gut die emotionale Verwirrung von Ben und Esther widerspiegelte.
Gut geschrieben und spannend über ein streng religiöses Umfeld. Aber: Thema ist weit weg von meiner Realität, daher wenig Mitgefühl mit den Figuren. Unterm Strich okay und nachdenklich, aber nicht ganz meins.
Puh, weiß ich nicht. Für dieses Buch habe ich extrem lange gebraucht und auch wenn das manchmal ein gutes Zeichen ist, in dem Fall ist es das nicht. Das Thema ist richtig interessant und deshalb habe ich mich total auf das Lesen gefreut. Ich finde jedoch, dass es sehr oberflächlich geschrieben ist. Das, was in der christlichen Gemeinde passiert, wird nicht detailliert dargestellt und so habe ich keine neuen Erkenntnisse gewonnen. Denn dass dort Lobpreislieder gesungen und wöchentlich Gottesdienste gefeiert werden, das weiß man glaub ich auch so. Auch die Charaktere blieben für mich leider etwas eindimensional. Ich hatte oftmals das Gefühl, dass Handlungsstränge immer nur angedeutet, aber nie vollständig ausgearbeitet wurden. Das mag hier und da ein stilistisches Mittel sein, ich hatte manchmal aber den Eindruck, dass die Autorin zehn neue Fässer aufmachen wollte und um das kurz und bündig abzudecken, wurde halt immer nur die Hälfte erzählt und den Rest musste man sich dazuinterpretieren. Schade. Sprachlich war es gut und leicht zu lesen, dennoch ein schöner und nicht zu einfacher Stil.
Alles in allem gute Idee, Umsetzung ist leider noch ausbaufähig.
Mein erstes Buch des Jahres und damit ein rundum gelungener Leseeinstieg!
„Monstergott“ von Caroline Schmitt hat mich sehr mitgerissen. Von Anfang an konnte ich die Charaktere mit eigenen Erfahrungen aus meinem Leben und meinem Umfeld verknüpfen. Besonders gespannt war ich darauf, wie Caroline Schmitt den aktuellen Diskurs rund um Freikirchen literarisch umsetzt.
Im Mittelpunkt stehen zwei Geschwister, die in einer Freikirche aufgewachsen sind und mittlerweile jeweils auf ihre eigene Weise mit dieser Glaubensgemeinschaft ringen. Esther kämpft mit der ihr zugeschriebenen Rolle als Frau, in der sie Männern untergeordnet ist und die auf einer sehr fundamentalistischen Auslegung der Bibel basiert. Ben hingegen ringt mit seiner eigenen Sexualität, die er nicht als Teil seiner Identität annehmen kann, weil sie innerhalb der Glaubensgemeinschaft keinen Platz haben darf.
Besonders spannend fand ich Bens Charakter und seine Entwicklung. Es hat mich zutiefst mitgenommen zu lesen, wie er mit sich selbst und seiner Beziehung zu Gott kämpft, vor allem nachdem seine Sexualität seiner Familie bekannt wird und er diese verurteilt, weil sie die Beziehung zu ihm über die Beziehung zu Gott stellt. Auch sein dadurch zunehmend negatives Selbstbild, das schließlich in einem Suizidversuch mündet, hat mich sehr beschäftigt.
Aber auch Esthers Entwicklung und ihr schrittweises Lösen von einer Glaubensgemeinschaft, in der sie nicht die Rolle als Frau einnehmen kann, die sie sich für ihr Leben wünscht, hat mich sehr zum Nachdenken gebracht. Ich habe dabei viel über meine eigene Zeit in der Kirche reflektiert, in der Religion noch ein Teil meines Lebens war. Umso dankbarer bin ich, in einer evangelischen Gemeinschaft aufgewachsen zu sein, in der niemand aufgrund von Geschlecht oder Sexualität unterdrückt wurde. Bei uns wurde die Bibel stets in den Kontext der heutigen Zeit gesetzt, denn meiner Meinung nach kann und sollte ein so altes Schriftstück nicht wortwörtlich auf die Gegenwart übertragen werden. Die Welt ist im ständigen Wandel, was die Frage aufwirft, wie religiöse Werke zeitgemäß interpretiert werden können.
In der Beziehung der Geschwister liegt für mich die größte Stärke dieses Buches: die Identifikation. Wer selbst Erfahrungen mit Freikirchen oder anderen religiösen Gemeinschaften gemacht hat, wer die eigene Identität unterdrücken musste oder sie, auch durch äußeren Druck, nicht frei ausleben konnte, wird in diesem Buch viel Wiedererkennung, Stoff zum Nachdenken und emotionale Tiefe finden. Darüber hinaus bietet es aus meiner Sicht sehr eindrückliche Einblicke in die Strukturen von Freikirchen und in die Mechanismen von Machtmissbrauch.
Am Ende zeigt „Monstergott“, dass es keine Glaubensgemeinschaft braucht, um eine Beziehung zu Gott zu haben oder zu pflegen und dass eine falsche Gemeinschaft oft mehr zerstört, als sie heilt.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Mal eine sehr andere Welt, die mir in vielerlei Hinsicht fremder nicht sein könnte, aber gerade dadurch oft auch sehr interessant war!
Dieser Freikirchen-Kosmos ist wirklich zum gruseln, das merkt man ja schon bei den ganzen Christfluencern und es wurde hier nochmal sehr bestätigt. Stellenweise fand ich es deshalb auch echt nicht leicht zu ertragen, insbesondere die Kapitel aus Bens Perspektive (der arme Junge hat mir einfach so leid getan).
das Ende war mir bisschen zu abrupt, aber vielleicht auch einfach nur, weil ich Ben noch ein etwas mehr closure gewünscht hätte. Andererseits wäre das eventuell auch wieder too much gewesen (es hatte auch so schon bisschen Telenovela Vibes).
Hab’s geliebt! Hat so Spaß gemacht zu lesen und man hat viele Einblicke bekommen, wie es in christlichen Freikirchen wirklich zugeht (keine Überraschung zwar, aber trotzdem spannend)! Hab das Buch in kurzer Zeit verschlungen! Große Empfehlung :)
Thematisch mal was ganz anderes als sonst - die Einblicke in die (Frei)Kirche und das gesamte System drumherum in einem 2025 Kontext waren sehr spannend! ⭐️
Krasse Story, die mich durch die unterschiedlichsten Emotionen gejagt hat. Definitiv eins der besten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen hab!
So und jetzt nochmal, nachdem ich es etwas hab sacken lassen.
Ich weiß gar nicht recht, wo ich anfangen soll. Dieser Roman ist einer der besten, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Es geht um die Geschwister Esther und Ben, die in einer freikirchlichen Gemeinde aufwachsen und ein Leben ganz für uns mit Gott leben. Es geht um Machtmissbrauch, um Homosexualität, um Feminismus, Empowerment und die Kraft, die es braucht, einer Sekte den Rücken zu zudrehen. Ich bin studierte katholische Theologin, die frei nach Gretchen definitiv kein Christentum hat, denn ich habe das Fach aus wissenschaftlichem Interesse studiert. Aus dem Blickwinkel hat mich die Geschichte sehr oft sehr wütend gemacht. Ich hasse es, wenn Männer vorgeben, wie eine Glaubensschrift auszulegen ist und sie Frauen damit unterdrücken oder eben auch LGBTQA+ Personen. Die patriarchalen Strukturen von Religon werden in diesem Roman sehr deutlich. Neben Wut habe ich aber auch sehr viel Mitgefühl für die Hauptfiguren gehabt, am Ende so sehr, dass mir die Tränen kamen. Ich empfehle euch diese Roman uneingeschränkt! Absolut toll!