Es gibt keinen Weg, der nicht irgendwann nach Hause führt
Am Ende des Zweiten Weltkriegs wird mitten in Deutschland ein kleiner Junge gefunden, der nichts über sich selbst und seine Herkunft weiß. Sein Alter wird geschätzt, er bekommt den Namen Hartmut und wächst in einem katholischen Kinderheim auf, in dem viel Ordnung und noch mehr Zucht herrscht. Dort lernt er die etwas ältere Kriegswaise Margret kennen, die ihn schon im Heim zu beschützen versucht. Die beiden werden zu einer unverzichtbaren Stütze füreinander und beschließen, sich nie wieder loszulassen. Doch während sie mit aller Kraft versuchen, gemeinsam das Geschehene zu vergessen und ein normales Leben zu führen, werden die Folgen ihrer Vergangenheit auch für die nachkommenden Generationen bestimmend ...
Eines der besten Bücher meines Lesejahres.....Ein intensiver Einblick in die von Trauma und Verlust geprägten Nachkriegs Kindheiten.....eine Lektüre, die durchaus belastend sein könnte....und dabei auf wundersame Weise doch so tröstlich sein kann!
Der kleine Hardy verbringt grausame Zeiten in einem Kinderheim...in den Wirren der Flucht am Ende des zweiten Weltkrieges verliert er seine Familie....und seine Identität.... Als er an diesem trostlosen Ort die um einige Jahre ältere Margret kennenlernt, keimt Hoffnung auf....
"Aber ich weiß, dass sich das, was uns als Kindern widerfährt, einbrennt und unser ganzes Leben prägt."
Im Buch "Du musst meine Hand fester halten Nr. 104" von Susanne Abel geht es primär um die Geschichte von Hardy und Margret, die sich als Waisenkinder in einem katholischen Kinderheim in der Nachkriegszeit kennen lernen und einander in dieser sehr schweren Zeit Halt geben. Es gibt in dieser Familiensaga noch weitere Perspektiven. So fängt das Buch bereits mit deren Urenkelin Emily in den 2000er Jahren an. Auch Emily hat es nicht leicht, denn ihre junge Mutter kümmert sich nicht gut genug um sie, einen Vater gibt es nicht, und so wächst sie bei Hardy und Margret auf. Dies gestaltet sich jedoch auch alles andere als einfach.
Der Roman beleuchtet das Thema Familie und Kindsein von allen Seiten. Die Erwartungen, die mit einer Blutsverwandtschaft einhergehen, die Bedürfnisse eines Kindes, sowie das Glück, in einer nicht verwandten Person seinen Schutz zu finden und eine eigene Familie zu gründen. Wie man es von Susanne Abel kennt, ist die Geschichte mit den interessanten Charakteren und gut geschriebenen Dialogen perfekt in den gut recherchierten historischen Kontext eingebettet. Dabei werden - wie auch in der Gretchen-Duologie - geschichtliche Themen angesprochen, die vielleicht nicht jedermann auf dem Schirm hatte, die jedoch keinesfalls in Vergessenheit geraten dürfen. Ihr Schreibstil ist zwar nicht literarisch komplex, aber sehr unterhaltsam und gefühlvoll.
Das Hörbuch wurde von Vera Teltz ganz wunderbar gelesen und mir hat die Lektüre großen Spaß bereitet, auch wenn ich mir manch eine Träne verdrücken musste.
Ich spreche eine große Leseempfehlung aus, für alle, die tief in die realistische Geschichte einer Familie eintauchen und sich auch von den Gefühlen der Charaktere mitreißen lassen wollen. Auf eine andere Art lässt sich dieses Buch nicht erleben.
Vielen Dank an den Hörbuch Hamburg Verlag für das Rezensionsexemplar!
Unfassbar, was diesen Kindern passiert ist. Dass Susanne Abel dieses Thema aufgreift, Respekt. Stellenweise empfand ich die Geschichte als langatmig und ab und an dachte ich: Oh man, wieviel Themen will sie noch aufmachen. Aber alles blieb im Rahmen und alles war nötig, um dieses schwierige Thema aufzubereiten. Allein die Recherche zu diesem Thema stelle ich mir sehr schwer vor. Es war für mich schon stellenweise sehr schwer zu lesen. Zum Glück enthält das Buch am Anfang eine Triggerwarnung, so kann man sich darauf vorbereiten. Weinen musste ich trotzdem. Mal schauen, welchem Thema sich Frau Abel in ihrem nächsten Buch widmen wird. Ich bin gespannt!
Hardy und Margret haben einander und haben ein Geheimnis - sie haben sich im Jahr 1945 kennengelernt in einem Kinderheim. Margret ist eine Kriegswaise und Hardy ein kleiner Junge, der seine Familie auf der Flucht verloren hat.
Der Strang der Vergangenheit beginnt im Jahr 1945 im katholischen Kinderheim, in dem das Leben einfach nur furchtbar ist. Die Kinder werden entmenschlicht und mit Nummern angesprochen, werden gequält, bestraft und brutal behandelt.
Der zweite Strang beginnt im Jahr 2006. Emily, die Urenkelin von Margret und Hardy, wird ihrer sehr jungen und verantwortungslosen Mutter vom Jugendamt weggenommen und darf glücklicherweise bei ihren Urgroßeltern aufwachsen.
Während wir Emily beim Älterwerden 10 Jahre in die Zukunft begleiten, lesen wir parallel dazu, wie sich Margret und Hardy weiter durchgeschlagen haben, was sie für ein Leben hatten und wie sie dann ein Paar und schließlich sogar Eltern wurden.
Beide haben aus ihrer Vergangenheit tiefe Wunden in ihrer Seele, die sie niemals angefasst haben und so wirft die schreckliche Vergangenheit ihre düsteren Schatten bis weit in die Zukunft und auf das Leben ihrer Nachkommen.
Das Buch ist von der ersten Seite an ein Volltreffer für mich gewesen. Der Stil ist flüssig und so gut lesbar, dass ich das Buch im wahrsten Sinne kaum aus der Hand legen konnte. Die Figuren sind plastisch gezeichnet und haben mich absolut erreicht. Ich habe mitgelitten, mitgelacht und mit geweint. Wie die Autorin die Vergangenheit mit der Gegenwart verwebt und sich die Geschichte langsam vor dem Leser entwickelt, das ist wirklich virtuos und absolut perfekt gemacht. Ich kann nur eins sagen - ich muss mehr von der Autorin lesen und ich LIEBE das Buch! Absolute und uneingeschränkte Leseempfehlung für eins meiner Lesehighlights 2025!!!
Wahnsinn, wie viel Recherche in diesem Buch steckt und wie wichtig es ist, dass dieses Stück grauenvoller deutscher Geschichte und die damit einhergehenden generationsübergreifenden Probleme eine Plattform bekommen. Diese Geschichte ist so fesselnd, so bewegend, so erschütternd, aber auch so sensibel geschrieben, wie ich es schon bei anderen Büchern der Autorin bewundert habe. Die Sprünge in den Zeiten und zwischen den ProtagonistInnen sind sehr gut gelungen, generell hat mir das Pacing sehr gut gefallen! Die letzten 45 Minuten im Hörbuch habe ich durchgeheult und mich selten so sehr für eine fiktive Figur wie Hardy gefreut.
Nach dem zweiten Weltkrieg gab es Tausende an Kindern, die auf der Flucht „verloren“ gegangen sind und zu jung waren, um ihren eigenen Namen oder ihren Geburtstag zu kennen. Dieses Buch erzählt die Geschichte eines solchen Kindes. Während der Hauptcharakter selbst fiktiv ist, ist seine Geschichte an einen echten Fall angelehnt. Einige der Schauplätze und vor allem der größere Kontext sind Fakten-basiert. Historical Fiction - da bin ich dabei.
Hierbei sei gesagt, dass der historische Backdrop und die Faktenlandschaft unglaublich düster sind. Ich will gar nicht viel vorwegnehmen, aber in dem Buch werden unzählige Dinge aufgedeckt und beleuchtet, die mir zumindest nicht bekannt waren und die in der Aufarbeitung des zweiten Weltkriegs viel zu wenig Raum bekommen. Kinder, die in Heimen der Kirche misshandelt werden. Kinder, die für Test von Impfstoffen oder Psychopharmaka missbraucht werden. Mädchen, die vergewaltigt und danach vom System weggesperrt werden.
Ihr seht, das Buch ist keine leichte Kost, sondern vielmehr extrem traurig, belastend, schockierend. Aber es ist dennoch auch positiv und bringt zum Lächeln und schenkt Trost. Man schließt die Charaktere so sehr ins Herzen (Hardy, Margaret, Emily). Am Ende musste ich mehrfach weinen, da es mir das Herz zerrissen und mich so mitgenommen hat.
Abel bespricht im Nachwort ihre Recherche und ich muss sagen, was sie geleistet hat ist einfach nur stark. DAS meine ich, wenn ich mich immer darüber aufrege, dass manche Bücher wirken als wäre kein einziges Sekundärwerk zurate gezogen worden. Abel hat gelesen, mit Zeitzeug:innen gesprochen, recherchiert, recherchiert, recherchiert. Ich habe so viel gelernt.
0,5 Sterne Abzug gibt es nur - leider!- wegen der Sprache. Die war mir meist zu banal bzw. einfach und ich kann leider kein Buch mit 5 Sternen betiteln, wo die Sprache nicht einen Teil der Begeisterung ausmacht. Ich glaube hier hätte mich die Sprache in Buchform auf die Dauer genervt, aber da ich es gehört habe, war das kein Problem.
Denn: Vera Telz ist eine famose Sprecherin! So voller Gefühl und Authentizität. Man hat genau gewusst, wer spricht, einfach an der Art, wie sie ihre Stimme und Sprechweise verändert hat. Ich freu mich sehr die Autorin und Sprecherin im November vor Ort bei einem Event zu sehen, wo sie über das Buch sprechen.
Insofern eigene persönliche Trigger es nicht verbieten, ist es für mich ein Buch, was unbedingt gelesen bzw. gehört (!!) werden sollte.
Kennt ihr das, wenn ihr ein Buch zuklappt und dann erstmal tränenüberströmt daliegt und leer vor euch hinstarrt? Das war ich gestern Nacht um drei. Ich wollte nur mal eben reinlesen und schwupp war es drei Uhr früh, das Buch beendet und ich völlig erschöpft. Es ist erst Anfang Januar, aber ich habe das Gefühl, hier schon ein Jahreshighlight gelesen zu haben. Das Buch liest sich schnell weg, ist aber absolut keine leichte Kost. Es macht wütend. Es lässt die Lesenden ein bisschen hilf- und ratlos zurück. Aber auch mit einer Hoffnung, dass es Lichtblicke am Tunnel gibt und es besser wird. Die Charaktere wachsen mehr oder weniger an's Herz (Julia und Sabine waren mir bis am Ende nicht grün und auch wenn ich weiß, dass Margret es nur gut meinte, bin ich bei ihr sehr zwiegespalten und sie hat auch sehr sehr unsympatische Züge), man sieht in verschiedenen Zeitebenen Kindern beim Erwachsenwerden zu. Hardy und Margret in der Nachkriegszeit und Emily, ihrer Urenkelin in der heutigen Zeit. Und auch wenn er nur am Rande vorkommt, hat die Geschichte von Dariush mich sehr berührt. Dies war mein erstes Buch von der Autorin, aber ich werde zeitnah die anderen Bände kaufen und lesen, wenn diese ähnlich gut sind, dann könnte ich eine neue Lieblingsautorin gefunden haben. Und das nichtmal in meinen üblichen Genres. Absolute Leseempfehlung!
No news: I’m a huge fan of historical fiction, especially anything that deals with WWII. BIG NEWS: Susanne Abel has become my most favourite author when it comes stirring and moving WWII novels.
Did you know: By the end of WWII more than 800.000 children became orphans in Germany?
So, this novel tells the story of a young boy that is found in the middle of Germany, knowing nothing about himself or his origins. His age is estimated, he is given the name Hartmut, and he grows up in a Catholic children's home where child abuse is on the daily agenda.
Margret, also an orphan, meets Hartmut there and tries to protect him as she‘s a few years older than him and feels terribly sorry for his condition. The two become irreplaceable for each other and decide never to let go.
They grow up to become the Germans „made of stealth“: wiping off their past, working hard, playing their emotions down. Little do they know that none of these efforts will save their future generations from the consequences of their past lives.
Es ist beeindruckend, wie viel Recherche in diesem Buch steckt und wie wichtig es ist, dass diesem düsteren Kapitel deutscher Geschichte und den daraus resultierenden generationenübergreifenden Prägungen Raum gegeben wird. Susanne Abel gelingt es auf eindrucksvolle fast schmerzvolle Weise, den Schmerz zu beschreiben, den Menschen der (Nach-)Kriegsgenerationen unbewusst und ungeklärt an ihre Kinder und Enkel weitergeben, wenn sie ihn selbst nicht aufarbeiten. Immer wieder kam mir der Gedanke "Bitte redet doch miteinander und hört euch gegenseitig zu."
Dieser Roman ist fesselnd, zutiefst bewegend und stellenweise erschütternd. Umso mehr, wenn man sich vor Augen führt, wie viel wahre Geschichte in ihr steckt!
Ein kleiner Kritikpunkt bleibt für mich (ohne zu spoilern) der Vorfall an Emilys Schule, der auf mich etwas konstruiert wirkte und sich nicht ganz stimmig in den restlichen Erzählfluss eingefügt hat. Stellenweise haben sich Passagen etwas gezogen, was ich aber nicht als störend empfand.
Wie in den Gretchen-Romanen weiß Susanne Abel mehr durch einen einfühlsamen Plot als durch literarische Finesse oder einen Gestaltungswillen zu überzeugen und zu unterhalten. Sie streift zuweilen knapp am Klischee vorbei und verbleibt bei der Figurenzeichnung an der Oberfläche. Aber die auf Tatsachen beruhende Geschichte ist einfach herzergreifend traurig - und darum trotz aller Mängel lesenswert.
Ich konnte das Buch fast nicht aus der Hand legen. Sehr berührend und gut erzählt. Zwischendurch als Emily in der Schule einen Amoklauf erlebt, dachte ich allerdings jetzt wird es zu viel an traumatischen Erlebnissen innerhalb der Familie.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Dieses Buch lässt mich ziemlich zerstört zurück. Schon auf den ersten Seiten musste ich weinen und nachdem ich es beendet, habe, fließen die Tränen immer noch. Das Schicksal das Hartmut Willeiski stellvertretend für viele Kinder erlitten hat, ist gleichzeitig Fiktion und trotzdem so wahr.
Als kleiner Junge, kaum 3,4 Jahre alt, wird er auf einem Kindertransport aus Danzig von seiner Schwester getrennt. Kurz zuvor haben sie die Mutter im Schnee verbuddelt. Wie viele andere kennt er seinen Namen nicht, weiß nicht, wie seine Eltern heißen, landet in einem Kinderheim. Da er nicht mehr spricht, gilt er als aufmüpfig, bockig und schwachsinnig. Er muss viel Grausames erleiden, dass ihn sein Leben lang prägt. Seine einzige Stütze ist die viel ältere Margret, die ebenfalls im Heim wohnt und ihn beschützt. Doch irgendwann trennen sich ihre Wege. Für Hardy nimmt das keine gute Wendung. Parallel dazu erleben wir einen Erzählstrang der 2006 in Köln beginnt. Die kleine Emily büxt von zu Hause aus. In der Folge stellt das Jugendamt fest, dass ihre Mutter Julia, selbst noch ein halbes Kind, sich nichtwirklich um sie kümmern kann. Ihre Oma Sabine ist die noch unzuverlässigere Person. Und so nehmen Margret und Hardy ihre Urenkelin auf und ziehen sie groß.
Beide Zeit Ebenen sind sehr berührend. Die Informationen, die sich in erster Linie mit der Verwahrlosung von Kindern in Heimen beschäftigen, sind hart und kaum auszuhalten. Unglaublich, was im Nachkriegsdeutschland für Menschen mit Kindern gearbeitet haben. Die drastischen Schilderungen haben mich so traurig gemacht, dass ich das Buch regelmäßig weglegen musste. Kinderschutz, so wie er heute Grenzen setzt, ist ein ungemein wichtiges Instrument, wenn die Menschen sind schlecht und hätte man nicht Strukturen geschaffen, die uns in die Verantwortung nehmen, wären Kinder auch heute noch mehr Gewalt und Missbrauch auf allen Ebenen ausgesetzt, als ohnehin schon. Das auch in der Gegenwartsebene, die Prekarität der Familie deutlich gemacht wird, fand ich sehr passend. Müttern wie Julia und Sabine bin ich schon oft begegnet. Sie kommen aus Familien, die nicht gesehen werden, in denen sich Traumata übertragen und bekommen Kinder von Männern, die das Weite suchen, weil sie sich der Verantwortung entziehen möchten. Ein Teufelskreis, der schwer zu durchbrechen ist. Hardy und Margret haben in ihren Möglichkeiten Emily den Weg geebnet, diesem Schema zu entkommen. Und das Kinderschutz da in Form eines aufmerksamen Jugendamtes greift, kommt Emily ebenfalls zugute. Einfach wird aber auch ihr Leben nicht sein.
Ich möchte nicht so viel erzählen, denn es sind einige Dinge, die hier ein Leben lang vertuscht, und somit in der Folge nicht aufgearbeitet werden können. Es ist eigentlich logisch, dass das im Alter dann doch noch mal heraus bricht, wenn das Nervenkostüm und auch die physische Konstitution, sowie das Weltverständnis kaum noch in Einklang zu bringen sind. Das oft missbräuchlich verwandte Wort „Trigger“ bekommt hier noch mal eine Vehemenz, die es uns zukünftig verbieten sollte, es inflationär für jedes Unwohlsein einzusetzen.
Im aufschlussreichen Nachwort erklärt die Autorin, wie sie auf das Thema gestoßen ist. Und einmal mehr muss ich feststellen, dass Susanne Abel wirklich ein großes Talent hat, dunkle Flecken unserer Nachkriegsgeschichte in packende und sehr berührende Geschichten einzuarbeiten. Der in ihren anderen Werken etwas überproportional präsente Lokalkolorit Kölns hält sich dieses Mal in Grenzen. Sie hat erfreulicherweise die richtige Dosierung für mich gefunden.
Eine große Leseempfehlung, ein Jahreshighlight und ein Buch, dem ich nicht nur die volle Sterne-, sondern auch die volle Tränenzahl geben möchte.
Von der erzählerischen Kunst her 3 Sterne, vom aufklärerischen Wert des Buches 5 Sterne nach meiner persönlichen Einschätzung - erschütternde und beklemmende Realität deutscher Nachkriegsgeschichte!
Nach den Gretchen-Büchern von Susanne Abel, die mich nachhaltig beeindruckt und beschäftigt haben war ich sehr gespannt auf das neue Buch. Und sie hat es wieder geschafft. Eine so berührende und wichtige Geschichte! In Susanne Abels Worten können so viele Menschen eine Stimme finden, denen bisher keine gegeben wurde. Unbedingte Kauf- und Leseempfehlung
Ein sehr bewegende, dramatische und interessante Geschichte über die Traumata der Nachkriegszeit und deren Einfluss auf nachfolgenden Generationen. Für mich ist dieses Buch jedoch sprachlich nicht ganz überzeugend, zu langatmig und hat zu viele Erzählstränge - gerade Emilys Geschichte und Konflikte werden für meinen Geschmack zu ausführlich erzählt. Zudem blieben für mich die Charakere zu sehr an der Oberfläche. 3,5 Sterne
Eine wahnsinnig gute Geschichte. Ich habe wirklich selten so ein gut recherchiertes Buch gelesen. Die im Buch dargestellten Enthüllungen rund um Merck haben mich als Patientin richtig getroffen.
Die Sprache ist eher einfach, wie bei allen Büchern von Abel, aber das tut der Geschichte keinen Abbruch. Die Figuren sind wahnsinnig gut gelungen. Besonders Hardy. Julia und Sabine haben mich wahnsinnig gemacht und trotzdem hatte ich Mitleid mit den beiden.
Susanne Abel enttäuscht nie mit ihren Büchern. Erneut hat sie ein absolut spannendes und höchst dramatisches Buch geschrieben, welches mich aber mal wieder so mitgenommen hat, dass ich es zwischendurch aus der Hand legen und zu seichterer Lektüre greifen musste. Aber genau dadurch bleibt es einem in Erinnerung.
Ich hoffe es werden noch einige Werke von ihr erscheinen. 🤍
also wenn ihr etwas über transgenerationale weitergabe und die heimkinder der nachkriegszeit lernen wollt, alles in eine sehr berührende geschichte verpackt, dann gönnt euch. auch das nachwort fand ich sehr sehr gut
Ich möchte der Autorin danken, dass Themen wie diese weiterhin recherchiert und niedergeschrieben werden.
Dieses Buch blickt in eine Familie, deren Vergangenheit zögerlich aufgedeckt wird. Dinge aus einer schrecklichen Zeit, über die nicht gesprochen werden will, doch ihre tiefen Spuren hinterlassen haben.
Das Ende hat mich so sehr ergriffen, dass ich nur weinend da saß und an all die ähnlichen Schicksale denken musste.
Keine leichte Kost doch sie hat sich definitiv gelohnt, denn man darf die Augen nicht vor diesen Gräueln verschließen, gehören sie doch zur Lebensgeschichte vieler unserer Familienmitgliedern dazu.
Susanne Abel beleuchtet in "Du musst meine Hand fester halten, Nr. 104" die traumatischen Geschichten von Heimkindern in den 50er und 60er Jahren in Deutschland, und wie deren Traumata über Generationen hinweg fortwirken. Wir folgen Hardy und Margret, die sich als Kinder im Heim kennenlernen, sowie ihrer Großenkelin Emily, die zum Teil bei ihnen aufwächst.
Es ist viel, was die Beziehungen innerhalb der Familie belastet - vor allem viel Ungesagtes und Verschwiegenes. Missbrauch, körperlich wie seelisch, prägt in verschiedenen schrecklichen Facetten sowohl Hardy als auch Margret. Dazu kommen Elternlosigkeit, Vernachlässigung, Entwurzelung, Hunger und Armut. Ihre Kindheitserlebnisse machen Hardy zu seinem stillen, sanften Menschen und seine Margret zu einer pragmatischen Kämpferin. Sie führen bei ihrer Tochter und Enkelin jedoch zu Beziehungsunfähigkeit, Aufbegehren, Sucht - und kommen durch die Fragen und das Nachforschen der Urenkelin schließlich ans Licht.
Susanne Abel schafft den Spagat, Abscheuliches sowohl ohne Schonung als auch mit Respekt für die Opfer zu beschreiben. Nie verweilt sie dramatisierend auf dem Leid. Nie benutzt sie die Geschehnisse als Schockeffekt. Das ist ein Drahtseilakt und verdient Hochachtung, auch wenn die Autorin vielleicht ein bisschen viele Traumata auf einmal in ihrem Roman unterbringt. Doch solche Schicksale gab es vermutlich wirklich.
Auch wenn die Geschichte manchmal schwer zu ertragen ist, bleibt der Roman bei allem Leid auch unterhaltsam, mit humorvollen und warmen Momenten. Das Springen zwischen den Zeitebenen, Figuren und Erzählperspektiven hält einen am Ball. Nebenher ist das deutscher Geschichtsunterricht, auf fesselnde Weise erzählt.
Der Schluss ist extrem gut gelungen, mit Tränen der Traurigkeit und Tränen des Glücks. Die Hörbuchversion, die ich gehört habe, hat mit Vera Teltz eine der besten, einfühlsamsten und versiertesten Sprecherinnen, die ich kenne. Ohne dick aufzutragen, jongliert sie mit sicherer Hand Figuren und Dialekte.
Am Ende des Zweiten Weltkriegs wird ein kleiner Junge ohne Erinnerung an seine Herkunft mitten in Deutschland aufgegriffen. Er erhält den Namen Hartmut und wächst in einem streng geführten katholischen Kinderheim auf – ein Ort, der mehr von Zucht als von Fürsorge geprägt ist. Dort begegnet er Margret, einer etwas älteren Kriegswaise, die ihn „Hardy“ nennt und ihm von Beginn an Schutz bietet. Zwischen den beiden entsteht eine tiefe Verbindung, die sie durch ein gemeinsames Leben trägt – vom Überleben im Heim über das Erwachsenwerden bis hin zum Elternsein. Doch die Narben der Vergangenheit lassen sich nicht einfach ablegen, und das Schweigen über das Erlebte wirkt bis in die nächste Generation hinein.
In der Gegenwart begleitet die Geschichte die junge Emily, Hardys und Margrets Urenkelin, die bei den beiden aufwächst, da ihre Mutter ein unstetes Leben führt. Über zehn Jahre hinweg wird geschildert, wie sie versucht, das Schweigen ihrer Urgroßeltern zu durchbrechen und ihren Platz in einem von Traumata geprägten Familiengeflecht zu finden.
Was mich besonders bewegt hat, war der Erzählstrang in der Vergangenheit. Die Anfänge von Hardy und Margret, ihre Kindheit im Heim und der gemeinsame Weg ins Erwachsenenleben , das war oft emotional und zutiefst erschütternd. Vor allem die Schilderungen aus dem Kinderheim haben mich fassungslos gemacht. Dass solche Zustände tatsächlich existierten, lässt einen nicht los. Es war sehr eindrücklich, was beide durchleben mussten.
Allerdings fiel es mir schwer, die romantische Entwicklung zwischen Margret und Hardy nachzuvollziehen. Die beiden wirkten für mich eher wie Geschwister, als wie ein Liebespaar, vielleicht gerade, weil ihre Beziehung so sehr aus einer gemeinsamen Schutzbedürftigkeit entstand.
Der Gegenwartsstrang mit Emily hatte für mich einige Längen. Zwar wurde deutlich, wie sehr das Schweigen und die Traumata Margret und Hardy geprägt haben und wie diese Last schließlich auf Emily übergeht. Dennoch konnte ich mit Margret als Figur zunehmend weniger mitfühlen. Viele ihrer Entscheidungen blieben für mich unverständlich, und ich fand sie zum Ende hin fast unsympathisch, wobei mir bewusst ist, dass es schwer ist, das Verhalten von Menschen zu beurteilen, die so viel Leid erlebt haben. Hardy hingegen hat mir durchweg leidgetan. Seine stillere, verletzliche Art hat mich berührt.
Insgesamt ist das Buch ein Wechselbad der Gefühle. Es zeigt, wie tief Traumata wirken und wie lange ihre Schatten reichen können und das über Generationen hinweg. Trotz kleiner Schwächen in der Gegenwartserzählung ist es eine bewegende und wichtige Geschichte, die ich weiterempfehlen kann.
Sehr interessante Aufarbeitung des Schicksals eines im Krieg „verloren gegangenen" Kindes
Das Buch hat mich tief berührt. Mit den Kindern wurde damals so schrecklich umgegangen und niemand hat ihnen geholfen. Das zu lesen tut sehr weh. Denn Hardy's Schicksal war keine Ausnahme.
Gerade die kirchlich geführten Heime, die eigentlich Schutz gewähren sollten, haben sich durch rohe Brutalität und Herzlosigkeit hervorgetan. Die grauenhaften Bestrafungen durch die Nonnen für winzige Kleinigkeiten, dieses Ausgeliefertsein, das hat mir oft Tranen in die Augen getrieben.
Die Kinder, die ihre ganze Familie verloren haben auch noch zu entmenschlichen, indem sie nur mit Nummern anstatt mit ihrem Namen angesprochen wurden. Es ist so unvorstellbar, wie grausam diese Nonnen ausgerechnet die Kleinsten, die sich nicht wehren konnten, gequält haben und dafür nicht zur Verantwortung gezogen wurden.
Im Gegenteil, war ein Kind ihnen zu beschwerlich, wurde es als schwachsinnig in die Irrenanstalt abgeschoben und für alle Zeit dadurch gebrandmarkt.
Wo war da die Mitmenschlichkeit?
Der Missbrauch ihrer Schützlinge, denen falls sie es wagten, etwas zu sagen, überhaupt nicht geglaubt wurde. Die dann auch noch dafür bestraft wurden.
Ich finde es schlimm, dass die Kirche (egal ob katholisch oder evangelisch) bis heute noch immer die damaligen Ereignisse versucht zu vertuschen bzw. zu verharmlosen. Es wird nur das zugegeben, was die Kirche aufgrund von offengelegten Beweisen nicht mehr leugnen kann.
Diese Medikamentenversuche an den Heimkindern. Etwas verwerflicheres gibt es wohl kaum. Da haben sich die Pharmafirmen in meinen Augen mitschuldig gemacht.
Die Auswirkungen einer solch schlimmen Kindheit, die noch über Generationen hinweg zu sehen sind, wurden anhand von Hardy sehr anschaulich geschildert.
Es ist wichtig, dass auch heute noch solche Zustände aufgedeckt und aufgearbeitet werden. Das ist besonders wichtig für die noch lebenden Betroffenen.
Dieses Thema hat mich unheimlich erschüttert.
Ich habe diese Geschichte als Hörbuch gehört. Die Sprecherin Vera Teltz fand ich ausgesprochen gut.
Ein Buch, das sowohl zum Nachdenken als auch zum Fühlen anregt.
In der Nachkriegszeit lernt Hardy, der nicht nur seine Familie, sondern auch seinen Namen und damit seine gesamte Identität verloren hat, Margret kennen. Sie teilen ein Schicksal und geben sich, wenn auch auf ganz unterschiedliche Weise, Halt.
Es handelt nicht nur von den Folgen des 2. Weltkriegs, dem Leben von Kindern in Heimen und dem Gefühl des Alleingelassenseins , sondern auch von transgenerationalen Traumata, dem Wert von Familienzusammenhalt und der Kraft der Liebe.
Das Buch berührt: Es hat mich zum Lachen, zum Schmunzeln, aber auch zu Tränen gerührt. Vor allem die beiden Protagonisten Hardy und Margret vermitteln Schmerz und Hoffnung zugleich. Es erzählt über die Vergangenheit, die Bedeutung von Beziehungen und die Heilung (oder auch den Schmerz) über Generationen hinweg.
Ein wenig überrascht hat mich das Ende und die nur oberflächlich ausgeführten Charaktere wie Julia, Sabine und Emily, die nochmal zeitgemäße Schicksale thematisieren. Hätte man vertiefen oder aussparen können, tut meiner Begeisterung aber keinen Abbruch. Die Sprache ist einfach, aber zugleich klar und gefühlvoll.
Uff, was ein Buch! Es als „schön“ zu bezeichnen, wäre falsch. Denn was hier beschreiben wird, ist alles andere als „schön“. Es ist bewegend, emotional, tief traurig und dennoch ein so wichtiges Buch, das uns vor Augen hält, welches Trauma und welche verpassten Chancen das Leben bereit hält.
Ich möchte schreiben, dass es ein wunderbares Buch ist, aber ich drücke es mal so aus: Es ist kein einfaches Buch und nichts, was einen einfach so unterhält. Es geht unter die Haut, teilweise durch einen einzelnen Satz. Und ich glaube, ich habe beim Lesen noch nie so geheult, wie bei diesem Buch.
Ein Lesehighlight, das mich noch lange beschäftigen wird 🤍
Inhaltlich super spannend und bewegend. Zwischenzeitlich hat mich die düstere, aber leider auf so vielen wahren Begebenheiten beruhende Handlung echt mitgenommen. Die Szenen, in denen Gewalt jeglicher Art geschildert wurden habe ich kaum ausgehalten. Wieder mal sehe ich Mitmenschen mit den Geburtsdaten in den 1930er und 40er Jahren mit anderen Augen.
Teilweise war es mir an Stellen zu lang und an anderen nicht auserzählt. Vor allem die Handlung in der Gegenwart hat mich manchmal eher genervt und da hat mir noch etwas Kontext gefehlt, vor allem zu Hardys und Margrets Tochter. Auch dass bis zum Schluss niemand auf Emily’s Probleme aufmerksam geworden ist, tat weh.