Ne faites plus d'études : Apprendre autrement à l'ère de l'IA (Laurent Alexandre & Olivier Babeau) Dieses dynamische Duo liefert keine bloße Bildungskritik, sondern eine Überlebenswarnung für unsere Spezies. Alexandre und Babeau diagnostizieren gnadenlos: Die Halbwertszeit unseres mühsam erworbenen Fachwissens ist von gemütlichen 30 Jahren auf lächerliche 2 Jahre geschrumpft. Das Diplom, das wir heute stolz einrahmen, ist morgen so nützlich wie ein Handbuch für Videorekorder. Die Autoren fassen die neue Realität mit einer bestechenden Metapher: Das Internet war eine Bibliothek – man musste suchen. Die KI hingegen ist ein „Wasserhahn der Intelligenz“ (robinet d'intelligence). Man dreht ihn auf, und die kognitive Leistung fließt: unbegrenzt, sofort und in einer Qualität, die wir selbst nie erreichen. Wer versucht, gegen diesen offenen Hahn „anzutrinken“, also stur Fakten zu pauken, wird zwangsläufig untergehen. Ihr zentraler Appell: Hören wir auf, mit den Maschinen zu konkurrieren. Stattdessen müssen wir unsere Kinder darauf vorbereiten, komplementär zur KI zu arbeiten. Das Ziel ist eine neue Form der Symbiose: Die KI liefert den permanenten Strom aus Fakten und Logik, während wir Menschen den Part des kreativen, chaotischen und emotionalen Klempners übernehmen, der diesen Strom sinnvoll leitet. Wer das ignoriert, wird zum überqualifizierten Zuschauer in einer Welt, die von Algorithmen gestaltet wird. Ein Pflichtbuch für alle Eltern, die verhindern wollen, dass ihre Kinder in den Vorruhestand geschickt werden, bevor sie überhaupt angefangen haben zu arbeiten. Ein kleiner Nachtrag zur Verdeutlichung: Um anschaulich zu machen, warum wir nicht länger bloße „Wissensspeicher“ sein dürfen, greift Laurent Alexandre gern auf die berühmte Anekdote über Max Planck zurück. Auf seiner Vortragsreise durch Deutschland hielt Planck immer wieder denselben Vortrag zur Quantenmechanik, bis sein Chauffeur – der ihn längst auswendig konnte – vorschlug: „Herr Professor, das muss Ihnen furchtbar langweilig sein. In München halte ich den Vortrag, und Sie setzen meine Mütze auf und setzen sich ins Publikum.“ Gesagt, getan. Der Chauffeur hielt den Vortrag glänzend. Doch am Ende stellte ein Professor aus dem Publikum eine hochkomplexe Frage. Der Chauffeur reagierte blitzschnell: „Ich bin überrascht, dass in einer so fortschrittlichen Stadt wie München eine so einfache Frage gestellt wird. Die ist so simpel, die lasse ich meinen Chauffeur beantworten!“ Alexandres Moral ist glasklar: Heute ist die KI der Chauffeur. Sie kann den Vortrag perfekt halten, das Wissen mühelos reproduzieren und jederzeit aus dem „Wasserhahn der Intelligenz“ sprudeln lassen. Unsere Aufgabe besteht nicht darin, den Chauffeur im Auswendiglernen zu übertrumpfen, sondern darin, Planck zu bleiben – derjenige, der wirklich versteht, was hinter all dem steckt, und der das Steuer übernimmt, wenn die Fragen zu tief, zu neu oder zu komplex werden.