Als Jina Mahsa Amini ermordet wird und die erste von Frauen geführte Revolution im Iran ausbricht, stehen Jina, ihre Schwester Roya und ihre Nichte Nika vor der entscheidenden kämpfen oder sich verstecken? Jina, die in Südfrankreich lebt, wird von Erinnerungen an ihre Aufenthalte im Iran überflutet – an die Gastfreundschaft ihrer Familie, an heimliche Lieben und an den Sommer 2009, als sie selbst an den Protesten gegen das Regime teilnahm. Was als Versuch beginnt, den Schmerz der Gegenwart zu verstehen, wird zu einer intensiven Reise in ihre Vergangenheit und zu einer poetischen Reflexion über Heimat, Freiheit und Verantwortung.
Der Umriss Irans erinnert an eine Katze - und die Ermordung der kurdisch stämmigen Iranerin Jina Mahsa Amini 2022 katapultieren die gleichnamige Protagonistin direkt von Frankreich in das Herz ihrer Heimat, das Herz der Katze. Von ihrem Handybildschirm aus beobachtet sie die landesweiten Proteste, die der Tod der jungen Frau ausgelöst haben. Ihre Schwester und ihre Nichte befinden sich indes mittendrin in den illegalen Demonstrationen, scheinbar furchtlos nehmen sie daran teil. Jina ist voller Angst um ihre Verwandten und erinnert sich zugleich zurück an ihre erste Reise in den Iran 2000, die Besuche bei ihrer Schwester und ihren Tanten, die Geschmäcker, Gerüche und Farben, die ihr bei ihrer Rundreise begegneten. Und sie denkt an Iman, ihre geheimnisvolle Reiseführerin.
Jina Khayyer erzählt in ihrem autofiktionalen Debütroman "Im Herzen der Katze" gleichzeitig von den politischen Geschehnissen im Iran, das unter der Herrschaft eines islamischen Regimes leidet, und von einer persönlichen Familien- und Liebesgeschichte, was den Roman nahbar macht. Ihre Sprache ist poetisch, selbst wenn sie von schrecklichen Gräueltaten schreibt, trotzdem lässt sie keinen Raum, den Blick abzuwenden von der Unterdrückung der Frauen im Iran und dem willkürlichen politischen System der Mullahs. Mich hat sie mit Jinas Geschichte sehr berührt, ich konnte das Buch zeitweise kaum weglegen. Einzig der Mittelteil hat sich für meinen Geschmack ein wenig gezogen, der Reisebericht geriet für mich zu lange. Jina Khayyers Debüt ist ein Buch über das Sehnen nach einer fernen Heimat, die es so, wie man es sich wünscht, aktuell leider gar nicht gibt, ein wichtiger Beitrag zum Verstehen der Geschehnisse im Iran und eine Erinnerung, nicht wegzusehen, auch wenn die Proteste rund um Jina Mahsa Aminis Ermordung in unseren Köpfen bereits wieder an den äußeren Rand gerückt sind. Eine durch und durch lohnenswerte Lektüre!
Noch ein kleiner Hinweis: "Im Herzen der Katze" gibt es gerade eingesprochen von Pegah Ferydoni kostenlos in der ARD-Audiothek als Hörbuch zu hören!
Auch hier wieder: Unheimlich wichtiges Buch mit wichtiger Thematik.
Vermutlich haben die Meisten die schrecklichen Bilder auf Instagram gesehen. Haben gesehen, wie Frauen, Männer und Kinder im Iran inhaftiert, geschlagen und zu Tode gekommen sind. Sie haben gekämpft und werden für ihre Freiheit weiter kämpfen. Ich hoffe, dass die unzähligen Opfer eines Tages durch ihren unbändigen Mut, den nachfolgenden Generationen ein Leben in Freiheit ermöglichen können.
Häufig musste ich auch während dieses Textes Pausen einlegen, da ich sofort schreckliche Bilder im Kopf hatte.
Zu oft bleibt man sprachlos, wenn man an diese Brutalität denkt. Verarbeiten kann ich solche Videos bis heute nicht. Kann nicht glauben, dass Menschen anderen Menschen solche massive Gewalt antun können.
Jina Khayyer schafft es dennoch, dass man Hoffnung schöpft. Dass es Menschen, vor allen Dingen viele junge Menschen, gibt, die im Iran für ein selbstbestimmtes Leben kämpfen. Die Autorin führt uns Land und Leute vor Augen. Zeigt auf, dass die Allermeisten in Frieden und Freiheit leben möchten, dass wir uns darin -überall auf der Welt- nicht unterscheiden. Und das wir diese essenziellen Gemeinsamkeiten nie vergessen dürfen.
Ich wünschte, dieses Buch hätte es aufgrund seines Inhaltes auf die Short-List geschafft. Meines Erachtens sind diese Texte sehr viel wichtiger als experimentelle Literatur. Es ist unheimlich wichtig, dass die Menschen im Iran sichtbar bleiben und nicht vergessen werden❤️.
„Als sie an die Macht kamen, zersprangen die Uhren, die Sonne ging unter, der Mond ging unter, das Meer ging unter, die Zeit stand monatelang still, und dann drehte sich die Zeit zurück, gegen den Uhrzeigersinn, gegen jeden Menschensinn.“
In vielerlei Hinsicht erinnert mich dieses Buch an eines meiner absoluten Highlights der letztjährigen Longlist - Vierundsiebzig von Ronya Othmann. Auch bei Vierundsiebzig habe ich extrem viel gelernt über den Völkermord der Islamisten an den kurdischen Jesiden, von dem ich davor nicht einmal wirklich etwas wusste.
Im Herzen der Katze hingegen geht es um die Proteste gegen das islamistische Regime im Iran ab 2022, die die Autorin zum Anlass nimmt, ihre Reise in ihr Heimatland fast 25 Jahre zuvor noch einmal zu beleuchten.
Die Begegnungen, die sie dort hat, während sie sich selbst immer wieder durch fast unfreiwillige Akte der Gedankenlosigkeit in Todesgefahr begibt, haben mich tief mitgenommen und berührt. Die Liebe, die Jina Khayyer für ihr Heimatland Iran hat, ist so derartig spürbar, dass es einem umso tiefer ins Herz schneidet, dass ihr Land noch nicht dasjenige ist, das es ihr möglich machen würde, zurückzukehren und sich auch vollkommen damit zu identifizieren.
Ihre Nacherzählung der Reise in den Iran - die Szenen in Sammeltaxi, bei der Blumenverkäuferin oder im Rosengarten in Persepolis - waren so derartig lebensnahe und großartig geschrieben, dass in mir selbst eine wohl ähnliche Sehnsucht entwachsen ist wie bei der Erzählerin. Und dennoch sind diese großartigen Erinnerungen beinahe verblasst im Vergleich zu dem, was sie über ihre Nichte erzählt - und wie diese sich, trotz wiederholter Lebensgefahr, nicht davon abhalten lässt, für die Selbstbestimmung der Frauen in ihrem Land zu kämpfen.
Dieses Buch ist extrem gut, ich kann nicht anders als mit 100% Zufriedenheit und Begeisterung 5 Sterne zu geben.
Es ist ruhig geworden, wenn es um Nachrichten aus dem Iran geht. Doch der Schein trügt. Mindestens 17 Frauenrechtsaktivistinnen sind im Juli festgenommen worden, 3 starben in den Gefängnissen. Die Geschlechterpolitik des Iran kostet vielen Frauen das Leben, doch sie hören nicht auf zu protestieren!
Jina Khayyer gibt diesen Frauen mit ihrem autofiktionalen Roman eine Stimme. Die Erzählerin heißt wie sie und sieht im Fernsehen, wie 2022 die gleichnamige Jina Mahsa Amini geprügelt und festgenommen wird, weil ihr Kopftuch nicht richtig sitzt. Tage später war sie tot. Daraufhin starten Proteste, die ihresgleichen suchen und die Jina macht sich Sorgen um ihre Schwester und ihre Nichte, die in Teheran leben.
Während sie versucht mit Ihnen Kontakt aufzunehmen erinnert sie sich an eine Reise, 2009 in den Iran. Der Verwandtschaftsbesuch wird zu einer Suche nach der eigenen Identität, der Kultur und der Sprache für Dinge die unaussprechlich scheinen. Jina nahm damals auch an den Protesten der grünen Bewegung teil. Sie, eine offen lesbisch lebende Frau, muss in der Heimat ihrer Vorfahren viele Kompromisse machen. Sie kann es zuerst nicht glauben, wie restriktiv das Regime auf die Einhaltung absurder Ideen besteht und mit der geheimen Polizei gegen jede noch so kleine Verfehlung mit massiver Gewalt vorgeht. Eine als Mann verkleidete Taxifahrerin klärt sie ausführlich darüber auf und bringt sie an Plätze, wo das noch mal deutlich wird. Nichts ist erlaubt, kein Gespräch zwischen Mann und Frau, kein Alkohol, keine Musik. Kein Tanz, keine Sprache jenseits der eigenen. Augenöffnend, fand ich das Gespräch über Liebe, bei dem ihr Schwester analysiert, dass der Grund für das Verbot von Liebe und Sexualität mit Kontrolle zu tun hat. Ein Staat, der das verbietet weiß, dass Menschen die körperliche Bedürfnisse ausleben dürfen, Indoktrination viel leichter durchblicken. Menschen, denen das verwehrt wird, flüchten sich in extremistische religiöse Praktiken und Anbetung von Personen, die diese blinde Unterwerfung brauchen, um ihre Macht zu erhalten. Ein interessanter Gedanke, der auch auf andere Entwicklungen übertragen werden kann, zB Trump und die extremen Evangelikalen! Viele solcher für mich neuen Thesen findet man im Text, der nicht ganz Roman und nicht ganz Fiktion ist. Die Autorin scheint ihre eigenen Erlebnisse literarisch zu verarbeiten und das ist ihr exzellent gelungen. Sie verknüpft reale Ereignisse mit einer fiktiven Geschichte, die an ihr Leben angelehnt ist.
Mir hat sehr gut gefallen, wie sie die Solidarität unter Frauen beschreibt. Während sie sich in ständiger Bedrohung befinden, schaffen Sie unter dem Radar ein Gemeinschaftsgefühl, dass sie gleichzeitig stark macht. Obwohl ihr Leben täglich in Gefahr ist, versuchen Sie eine Parallelwelt im Dunklen aufzubauen. Meist gelingt Ihnen das sogar, denn sie sind viele, und sie erfinden sich immer wieder neu. Ganz nebenbei erfährt man sehr viel über die Kultur, die Geschichte und die Traditionen des Iran. Mir war schon bekannt, dass die iranische Gesellschaft im Grunde genommen eine sehr offene ist. Sie lassen sich nicht abschotten, sondern suchen sich Informationen über die Welt jenseits ihrer Grenzen. Ich habe mich früher oft gewundert, wie anders Menschen aus dem Iran sind, wenn sie mir im beruflichen Kontext begegnen. Sie lernen oft sehr viel schneller als andere fast akzentfreies Deutsch und legen großen Wert auf ein kultiviertes und gebildetes Auftreten. Manchmal sind sie von deutschen Mitbürgern nicht zu unterscheiden. In diesem Text erkenne ich die Dynamik, die genau dazu führt. Der Hunger frei und offen und unbeschadet leben zu können, scheint im Iran noch ausgeprägter zu sein als in anderen Staaten. Wenn man die Geschichte des Irans betrachtet und die Bestrebungen, die der nicht minder brutale Schah von Persien an den Tag legte – in den Kontext eins zu werden mit dem Westen setzt, wundert das nicht. Auch solche Informationen sind Teil der Lektüre. Dabei bleibt der Stil leicht, und teilweise wirkt er sogar unbeschwert, was in Anbetracht des Inhalts bestimmt keine leichte Sache war.
Jina Khayyer hat mit diesem Text etwas geschafft bei dem ich mir nicht sicher bin, ob es überhaupt sein darf – mich zu unterhalten und gleichzeitig unglaubliche Wut in mir auszulösen. Ich finde, das Buch ist ein würdiger Kandidat für die Shortlist.
Ein Highlight, eine große Empfehlung an alle. Ich bewundere die Frauen im Iran und wünsche mir, dass sie stark genug bleiben. Ich könnte es wahrscheinlich nicht. Und wenn wir angesichts der vielen Krisenherde auf der Welt zu schwach sind, mitzukämpfen, so lasst sie uns wenigstens nicht vergessen. „Jin, Jiyan, Azadî - Frau, Leben, Freiheit“
Entsetzt liest Jina vom Tod der jungen Jina Mahsa Amiri, die in Teheran ermordet wurde. Die Verstorbene trug den selben Namen wie Jina, die immer dachte, ihr Name sei einzigartig. Sofort ruft Jina ihre Mutter an und berichtet von den Ereignissen. Amiris Tod löst einen Aufruhr der Frauen im Iran aus. Und Jina, die in Deutschland aufgewachsen inzwischen in Südfrankreich lebt, erinnert sich an ihre Reisen in das Land, das ihr Vater verlassen hatte. Dort haben die Tanten ihr von der Familie erzählt und ihr warmherzige Gastfreundschaft zuteil werden lassen, dort hat sie mit ihrer Schwester eine Reise durch das Land unternommen, dort ist sie selbst in die Proteste geraten.
Die Erzählerin Jina erzählt von ihrem Land, das sie eigentlich nicht so gut kannte, in dem sie sich gleichzeitig fremd und heimisch fühlte. Ihre Verwandten empfangen sie mit offenen Armen und offenen Herzen. Die Offenheit findet allerdings hinter verschlossenen Türen statt, innerhalb der Familie kann man sich vertrauen. Draußen wird das Leben besonders der Frauen durch den Staat in eines der Einschränkungen und Verborte verwandelt wird. Jederzeit kann man denunziert oder gleich verhaftet werden. Und nur unter Vertrauten kann man sich ehrlich austauschen. Doch es gab auch mal einen anderen Iran, der nicht vergessen ist.
Mal ein Experiment das Hörbuch im gleichen Zeitraum zu hören, wie man das Buch liest. Von Pegah Feridony sehr lebendig vorgetragen, verschafft einem die Leserin einen authentischen Einblick von der Lebhaftigkeit der Menschen, der Fülle der Sprache und auch deren Klangfärbung. Im Buch dagegen bekommt man eben auch mit, was häufig im Hörbuch fehlt, die Schreibweise der Namen. Die Sätze in Farsi sind in Lautschrift dargestellt, was im Zusammenklang mit dem Gehörten einen guten Eindruck verschafft. Gut ist das geschriebene Wort auch, wenn man vergleichen oder nochmal zurückblättern möchte, auch kann man sein eigenes Tempo wählen und sich auch ein wenig abschotten, wenn die Schilderungen die Tragik der Frauen sehr deutlich beschreiben. Eindringlicher sind die gesprochenen Worte. Und doch war es eine sehr gute Idee, das Experiment zu wagen.
Dieser Debütroman beeindruckt mit seinen deutlichen Worten, die Unterschiede verstehen lassen, Mitgefühl erregen, mit ein wenig Sehnsucht auf die Herzenswärme blicken blicken lassen, die hier mitunter nicht so deutlich aus den Gesichtern strahlt und die doch klarmachen, dass man sich selbst in einem weitgehend freien wenn auch kühlerem Land wohler fühlt und dass man die Freiheit jeden Tag schätzen sollte, an dem man sie hat. Es wäre zu wünschen, dass sich die Träume der Frauen im Iran erfüllen.
Die Ich- Erzählerin ist aus dem Iran stammend, in Frankreich lebend. Sie verfolgt zu Beginn des Buches über die sozialen Medien hilflos, wie eine Frau, die den gleichen seltenen Vornamen trägt wie sie, durch die iranische Sittenpolizei ins Koma geprügelt wird und stirbt. Die Frau trug zwar Kopftuch, kannte aber nicht alle Regeln für Frauen auf der Straße, sie war nur zu Besuch in Teheran und verstieß gegen eine Regel. Unsere Erzählerin erinnert sich an ihren ersten Besuch in Teheran bei ihrer Schwester, wie sie die Regeln lernen musste. Und wie sie die Schönheit und den Terror des Landes gleichzeitig kennenlernte, lieben und fürchten lernte.
Dieses Buch bringt den Lesenden die tragische Lebensrealität der Menschen im Iran, vor allem der Frauen, unfassbar eindrücklich nah. Dabei ist der Roman bevölkert von wundervoll gezeichneten (oder beschriebenen?) Frauen, die uns durch Teheran führen, uns ihre Geschichten erzählen und ihre Freuden und Ängste mit uns teilen.
Der Roman ist verstörend und macht gleichzeitig glücklich, er ist hoffnungslos und gibt Hoffnung, er ist traurig und schön. Eine Zumutung (insbesondere die letzten 30 Seiten), aber eine, die jedem zugemutet werden muss.
Im Herzen der Katze ist ein Buch, das mich wirklich tief berührt hat. Ausgelöst durch den Tod von Jina Mahsa Amini blickt die Erzählerin zurück auf ihre Familie im Iran, ihre Erinnerungen, Begegnungen und Erlebnisse. Dabei verbindet die Autorin persönliche Geschichten mit den politischen Ereignissen im Land und man bekommt das Gefühl, einen Blick von innen zu erhalten, mitten hinein in das Leben und die Realität im Iran.
Für mich war es unglaublich schön geschrieben und die Protagonistin wirkte so nahbar, dass ich direkt mit ihr mitfühlen konnte. Beim Lesen habe ich eine ganze Palette an Emotionen durchlebt: Wut, Hilflosigkeit, Traurigkeit, aber auch Bewunderung und Hoffnung. Besonders bewegt hat mich die Nichte der Erzählerin, eine junge Frau voller Mut und Widerstandskraft, die sich den Protesten anschließt. Ihre Stärke und ihr Elan waren so inspirierend, dass ich noch lange darüber nachgedacht habe.
Was mich beim Lesen besonders wütend gemacht hat, war die Erkenntnis, wie sehr der Iran in den letzten Jahrzehnten an Freiheit eingebüßt hat. Mir war zwar bewusst, dass das Land einmal deutlich offener war, doch in diesem Ausmaß hatte ich es nicht vor Augen. Umso erschütternder ist es, sich vorzustellen, wie frei die Menschen – insbesondere die Frauen – bereits waren, wie selbstverständlich Bildung, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe gelebt wurden, bevor all das durch das herrschende Regime wieder zunichtegemacht wurde. Man fragt sich unweigerlich, wie es sein kann, dass Freiheit, die schon einmal erkämpft und gelebt wurde, wieder so brutal ausgelöscht wird.
Und gleichzeitig zeigt die Autorin auch die Schönheit des Iran: die Kultur, die Gastfreundschaft, die Natur, die Geschichte. Dabei wird auch deutlich, wie vielfältig und divers das Land ist. Nicht alle Iraner:innen sind Perser, sondern es leben viele verschiedene Völker, Ethnien und Kulturen zusammen, die das Land prägen. Gerade diese Vielfalt macht den Iran zu etwas Besonderem. Mich hat außerdem die Sprache unglaublich beeindruckt: wie poetisch, bildlich und facettenreich sie ist, und wie viele verschiedene Arten es allein gibt, „Danke“ zu sagen.
Für mich ist Im Herzen der Katze eines dieser Bücher, die bleiben. Es ist wichtig, es ist bewegend, es ist schön und traurig zugleich. Ich danke der Autorin sehr für diese Geschichte und wünsche mir, dass viele Menschen dieses Buch lesen. Es ist eine Erinnerung daran, hinzuschauen, zuzuhören und nicht zu vergessen. Von mir ganz klar fünf Sterne.
Eine wundervolle, zarte Geschichte von Schmerz, Liebe, Solidarität, Resilienz, Liebe und (Wunsch nach) Heimat. Wer sich für die Revolution in Iran interessiert, sollte dieses Buch lesen. Es steckt voller Liebe zur iranischen bzw. persischen Kultur, der Gastfreundschaft und dem Familienverständnis und den unzähligen Formen des Widerstands. Es ist stark in seiner Verwundbarkeit.
hab anfangs eher zu 3 sternen tendiert weil ich bis zum ersten drittel gebraucht hab, um mich in das buch hineinzufühlen. zu den protagonist*innen konnte man zwar keine spezifische bindung aufbauen, weil deren individuelle persönlichkeit nicht im fokus stand, sondern vermutlich jede protagonistin das wirkliche leben von den menschen in iran repräsentieren sollte. mir fehlte auch irgendwie am anfang ein roter faden. das buch glich eher einer leidenschaftlichen berichterstattung, wodurch aber die emotionen und erlebnisse von iranischen protestierenden im land und außerhalb des landes nahbar wurden. insgesamt ein wütendes, informatives und auch sehr hoffnungsvolles buch.
Insgesamt für mich mehr politisch als literarisch, auch wenn höchstinteressant und geradezu erschütternd), das (Frauen)Leben in Iran hautnah mitzubekommen.
Ich freue mich, das Buch durch den DBP entdeckt zu haben.
Ich spüre eine Sehnsucht in mir aufsteigen, einen Kummer darüber, dass ich nicht Heimatland sagen kann, dass ich nicht weiß, was Heimar ist.
Ich habe selten ein so beeindruckendes und sprachlich gewaltiges Buch gelesen, was einen zwingt hinzusehen, auch wenn man das Buch am liebsten weglegen würde. Die Liebe für ihre Heimat und die Verzweiflung über das, was dort passiert schlägt einem aus jeder Zeile entgegen und lässt einen nicht mehr los.
Wenn du ständig in Angst lebst, verliert die Angst ihren Schrecken. Es ist wie atmen. Du atmest, aber du denkst nicht darüber nach, dass du atmest.
Es gibt immer ein Ende der Dunkelheit, und das Ende der Dunkelheit ist Licht.
Ein Buch mit starken Themen und klaren Botschaften, die klug und sensibel verarbeitet sind & gerade das hat mir sehr gefallen. Gleichzeitig hatte ich öfter das Gefühl, dass manche Figuren, allen voran die Hauptperson, hinter diesen Botschaften zurückbleiben und eher Träger einer Idee als wirklich lebendige Charaktere sind. Manchmal wirken sie fast wie Sprachrohre, um eine politische oder gesellschaftliche Haltung zu transportieren und weniger wie vollwertige Figuren. Dazu kommt, dass einzelne Bilder und Motive für mich stellenweise hart an der Grenze zum orientalischen Kitsch entlangschrammen. Insgesamt trotzdem ein lesenswertes Buch mit wichtigen Anliegen, bei dem für mich nicht alles aufgeht: 3,5 Sterne.
ein roman, den man gar nicht bewerten möchte. ergreifend, traurig, wutentfachend, wunderschön, Eröffnung einer neuen Sprachwelt manchmal etwas holprig.
Jina Khayyer ist eine Schriftstellerin mit iranischen Wurzeln. Ihr Debütroman, Im Herzen der Katze, ist interessant und informativ. Sie schreibt über drei Generationen iranischer Frauen, die für ihre Freiheit kämpfen. Das hat man in der Presse immer wieder gesehen, aber die Regierung ändert sich einfach nicht. Wir erfahren von den grausamen Kämpfen gegen die Frauen. Dann wissen wir auch noch, das der Kampf keinen Erfolg ha554, s9ndern viele Opfer. Die Autorin hat einen porzisch3n Scheinstil, der mir gut gefällt.
Es ist ein Stück traurige Zeitgeschichte. Unbedingt lesenswert.
"Endlich sieht die Welt, dass wir von einer Herde gottloser Mörder gefangen gehalten werden."
"[...] meine Wurzeln stecken tief in dieser Erde, wenn ich sie herausreiße, stirbt der Baum."
"[...] von Herz zu Herz gibt es einen Weg."
All diese Zitate sind gute Beispiele für die wunderschöne Sprache dieses Buches und die Bezüge zur iranischen Kultur, die mir sehr gut gefallen haben. Der Autorin gelingt mit autofiktionalen Elementen eine ganz besondere Erzählung über die Selbstbestimmung und das Frausein im Iran, aber auch über Nationalität und Familie.
Es ist ein wirklich sehr empfehlenswertes Buch, ich habe jedoch ein wenig gebraucht, um richtig reinzukommen. Deswegen ist es für mich nicht ganz ein Highlight geworden, ich empfehle es aber unbeschränkt weiter! Wird bestimmt auch auf der Shortlist des Buchpreises landen. Die Daumen sind gedrückt!
Es ist jedes Mal schmerzhaft zu sehen, wie sehr autoritäre Regime mit der Kontrolle über den weiblichen Körper zusammenhängen. Trotz der schweren Thematik erzählt der Text so poetisch und warm, dass er noch lange im Kopf nachhallt und eine Sehnsucht nach einem Land weckt, das eigentlich so viel mehr ist, als seine Regierung. Ich bleibe beeindruckt von der Poesie der persischen Sprache und dem Mut der Menschen, die immer wieder ihr Leben im Kampf für ihre Freiheit und Selbstbestimmung riskieren, zurück. Große Empfehlung, nicht nur, weil das Thema gerade leider wieder so aktuell ist.
„Mein Herz wird zu Wasser.“ Gerade jetzt so ein wichtiges Buch! Es ist eine Geschichte über Frauen, über Iran, über Selbstbestimmung, über Macht und Gewalt. Darüber, dass in dieser Welt Frauen noch immer ihr Leben aufs Spiel setzen müssen, um frei sein zu können. Kann man von einer Bevölkerung verlangen, dass eigene Leben und das seiner Liebsten für ein freies Land zu riskieren? Kann man nachkommenden Generationen zumuten, in Angst und Schrecken, Wegducken und Verzicht aufzuwachsen?
Ein sehr berührendes Buch, das ich allen nur empfehlen kann.
Besonders gefallen hat mir: - der Reisebericht - weibliche Solidarität - die vielen (auch übersetzten) persischen Redewendungen; wie schön und bildlich ist diese Sprache nur?
„Meine Tochter ist Einstein, Einstein muss nicht heiraten, Einstein muss Meilenstein sein“ S. 89 „Nika ist so unbeugsam […]. Sie sagt, lieber sterbe ich, als mich nicht zu befreien.“ S. 228
Jina, 64, sitzt in ihrer Wohnung in Frankreich und liest auf ihrem Instagram Feed über eine andere Jina dir in Tehran von der Sittenpolizei ins Koma geprügelt wird. Von da folgen wir Jina’s Erinnerungen an ihren Aufenthalt in Iran in 2009 und ihre Anrufe mit der Mutter, der Schwester und der Nichte die immer noch im Iran leben.
Der Text verknüpft eine persönliche Reise in Erinnerungen an Familie, Liebe und frühere politische Proteste mit aktuellen Fragen zu Freiheit, Zugehörigkeit und weiblicher Solidarität. Dabei hinterfragt Khayyer Vorstellungen von Heimat, Nationalität und Emanzipation und zeigt die innere Zerrissenheit zwischen persönlicher Lebenswelt und politischem Engagement auf. Durch die eindringlich poetische Sprache vermittelt der Roman sowohl die Schönheit und Gastfreundschaft iranischer Kultur als auch die Härte repressiver Realitäten.
ZITATE
“»Wenn du ständig in Angst lebst«, sagt Roya, »verliert die Angst ihren Schrecken. Es ist wie atmen. Du atmest, aber du denkst nicht darüber nach, dass du atmest.”
“Ich schaue in das offene Gesicht aus rosafarbenen Blüten-blättern, wie Wimpern liegen die Blütenblätter um das blutrote Auge der Rose, aus dem Auge wächst ein gelber Docht, an dem Docht hängen gelbe Tränen, ich weiß nicht, ob es die Tränen sind oder die Wimpern, die stark und süß nach Honig riechen. »Die Rose riecht nach Honig«, sage ich.”
“Die Blumenverkäuferin schaut mich sanft an, ich sehe mich in ihren schwarzen Augen vor ihr stehen, sprachlos, wie schön sie das gesagt hat und dass ich verstehe, was sie gesagt hat; sprachlos darüber, wie selbstverständlich ich Persisch spreche, wie vertraut es sich anhört, als wäre Persisch die gebräuchlichste Sprache aller Sprachen. Wie schön, dass ich mit der Schönheit dieser Sprache aufgewachsen bin, einer Sprache, die mein Leben lang einzig und allein mit meinen Eltern, mit meinem Zuhause verbunden war, ein paar hundert Quadratmeter iranischer Boden in Wiesbaden, das war der einzige Raum dieser Sprache, keine Sprache für die Stra-ße, eine Sprache für zu Hause, ich habe noch nie Fremde Persisch sprechen hören, kein Fremder hat mich vor dieser Reise jemals auf Persisch angesprochen, außer im Pätogh-Restaurant in München, einem persischen Lokal, in das ich manchmal gehe, wenn ich Heimweh bekomme nach persischer Küche.”
“»Ich bin 1936 geboren, in demselben Jahr, als Reza Schah den Schleier verbot. Das war ein wichtiges Jahr, Reza Schah wollte ein europäisches Iran, Paris war sein Vorbild, Männern wurde per Gesetz vorgeschrieben, sich von Kopf bis Fuß europäisch zu kleiden, Frauen wurde befohlen, sich in der Öffentlichkeit ohne den Tschador zu zeigen«, Amme Esmat schmunzelt, »aber schon damals waren sie so brutal wie heu-te, nur andersherum. Ich hatte eine Amme, die Schwester deines Großvaters, die war sehr gläubig, sie fürchtete Gott sehr, kein Mensch konnte für sie Allahs Autorität übertrump-fen, sie verstand nicht, dass sich Menschen das Kopftuch ausgedacht hatten, sie glaubte, Allah habe das Kopftuch er-schaffen, also weigerte sie sich, es abzulegen, und ging weiterhin mit Kopftuch auf die Straße, gegen den Befehl des Schahs. Das Kopftuch wurde ihr von der Polizei mit derselben Gewalt entrissen, mit der es uns heute aufgezwungen wird, so willkürlich geht es hier zu.« Amme Esmat nickt, als würde sie sich selbst zustimmen. Sie drückt meine Hand, ich schaue zu ihr, sie rührt sich nicht, sie sieht in das offene Album hinein, wie durch ein offenes Fenster.”
“Ich wusste nicht, dass es eine Frage der Ehre ist, Frauen eine höhere Bildung zu ermöglichen, aber nur um sie gut zu verheiraten, nicht viel anders, als uns in schicke Kleider zu stecken, dabei waren die späten Sechziger- und frühen Siebzigerjahre unsere Blütezeit, so dachte ich jeden-falls. 1963 erhielten wir Frauen in Iran das Wahlrecht, wir durften abtreiben, wir durften uns scheiden lassen, ich war bei Weitem nicht die einzige Frau, die mehr wollte, als heiraten und Mutter sein, vor der Islamischen Revolution hatten wir zum ersten Mal eine ganze Generation Akademikerin-nen. Wir waren Dozentinnen, Medizinerinnen, Juristinnen, Politikerinnen, sogar unsere Bildungsministerin war eine Frau, Farrochru Parsã, ihre Mutter hatte zu den Ersten in Iran gehört, die Bildung für Frauen forderten, schon 1920 hatte Parsãs Mutter eine Frauenzeitschrift gegründet, Welt der Frauen, keine Vogue mit hübsch geschminkten Barbies in schönen Kleidern, nein, das war ein politisches Blatt von Frauen für Frauen. An ihrer eigenen Tochter zeigte Parsãs Mutter, was Bildung für Frauen bedeuten konnte, Farrochru Parsã studierte Medizin und Lehramt, Pärsã war die erste Schuldirektorin in Iran und später eben Bildungsministerin, eine totale Pionierin, ein Vorbild. Sie haben sie erhängt, 1980, wegen Korruption auf Erden, die Ajatollahs wollen keine Frauen in Führungsrollen, sie wollen keine gebildeten Frauen - Pārsãs Hinrichtung werde ich nie vergessen, das Seil riss, dann schossen sie auf sie. Nach ihrer Ermordung wusste ich, wie die Zukunft der Frauen in Iran aussieht.”
“Ich höre, wie der Stein wieder auf ihre Zunge drückt, aber Amme Esmat ist stärker als der Stein, sie verstummt kurz, holt tief Luft, ich schaue zu ihr auf, sie hält sich an ihrem Album fest, ihre Augen immer noch auf ihr eigenes Bild gerich-tet, sagt sie ruhig,”
“Jran ist eine Katze. Das linke Ohr markiert die Grenze zur Türkei, auf der linken Ohrenspitze sitzt Armenien, auf dem rechten Ohr liegt Aserbaidschan, wenn sich die Katze nach rechts dreht, taucht ihr Ohr ins Kaspische Meer, ihr Rücken streckt sich bis an die Grenzen von Turkmenistan und Af-ghanistan, an der rechten Hinterpfote beginnt Pakistan, unter ihrem Bauch schlängelt sich der Golf von Oman in die Straße von Hormus und weiter in den Persischen Golf, in ihrem Herzen schlägt die Wüste, die heißeste Wüste der Erde. Vor ihrer Brust liegt Irak. Ich sehe, über ihren ganzen Körper winden sich Flüsse, die vor Tausenden von Jahren dem Euphrat und dem Tigris ent-sprangen, entlang der Flüsse Städte, manche der Namen klingen vertraut, Nain, Keshän, Kermän, Tabriz, ich kenne sie von den Teppichen meines Vaters, weil Perserteppiche nach den Städten, in denen sie geknüpft wurden, benannt wer-den, um die Folklore der jeweiligen Stämme zu ehren, um ihr Erbe zu bewahren, weil man an den Vögeln und Blumen erkennen kann, welcher Stamm aus welchem Ort den Teppich geknüpft hat. Wie ein drittes Auge liegt Tabriz zwischen den Ohren der Katze und schaut mich an.”
“»Wenn dir etwas Gutes widerfahren ist, zum Beispiel, je-mand, den du liebst, war schwer krank und hat überlebt, dann bedankst du dich vom Fisch bis zum Mond dafür und verteilst Gaben, das ist Nazri. Geld hat hier keinen Wert, den höchsten Wert hat hier Nahrung, wenn du die Speisen selbst zubereitest, wird dein Glücksregen umso heftiger. Es bringt aber nicht nur Glück, Nazri zu verteilen, es bringt auch Glück, Nazri zu bekommen.« Ich schaue Roya gerührt an. Ich will ihr sagen, dass mich die alltägliche Poesie der Menschen hier umhaut, in einer Zwan-zigmillionenstadt stehen Menschen am Straßenrand und verteilen selbstgebackene Brottaler, um sich für ihr Schicksal zu bedanken.”
“Imans Stimme bricht weg, sie schluckt, »eines Tages werden sie die offenen Schulden in meinem Herzen bezahlen.« Die Heftigkeit ihrer Worte macht mich stumm. Ich möchte etwas Tröstendes sagen, aber die Buchstaben wollen nicht aus meinem Mund herauskommen, als trauten sie sich nicht über die Schwelle, als blieben sie mit ihrem ganzen Gewicht wie Felsbrocken auf meiner Zunge liegen.”
“Roya dreht sich zu mir und sieht mich durchdringend an, ich sehe mich in ihren Pupillen, mardomak-e cheshm heißt Pupille auf Persisch, Augenmenschheit, als ob sich im Auge die ganze Menschheit abbildet.”
“»Poesie ist bei uns existenziell«, sagt Iman. »Sie gehört zum Alltag. Sie durchtränkt unsere Sprache, sie ist in jedem Wort, fast jeder Ausdruck ist geprägt von Dichtern, sogar unsere Geldscheine sind geprägt von Dichtern.« Iman wedelt mit dem Tausender in der Luft. »Umso wahnsinniger, dass die Ajatollahs das Dichten verbieten, sie versuchen mit aller Macht, das Feuer in einer Holzkiste gefangen zu halten, aber an der Asche, das schwöre ich dir, werden sie eines Tages ersticken.”
“»Jede Formulierung trägt ein Bild in sich, das ein gewaltiges Gefühl ausdrückt. Mein Herz brennt, weil ihm sein heißester Wunsch nicht erfüllt wird - wir haben mindestens hundert verschiedene Arten, unseren Liebeskummer auszudrücken: delam-sucht, mein Herz ist verbrannt, delam-tang shodeh, mein Herz hat sich verengt (vor Sehnsucht, weil man jemanden vermisst), oder ghalbam-äb-schod, mein Herz ist zu Wasser geworden (vor Trauer oder vor Angst). Oder, am schönsten, ghalbe mosäfereh ashegh, Herz einer Verliebten auf Reisen (vor Zerrissenheit, vor Sehnsucht).« Iman wiegt ihren Oberkörper hin und her, als wollte sie die Verliebte auf Reisen darstellen. »Unsere Sprache ist voller Schönheit und gleichzeitig voller Brutalität«, sagt Iman.”
“»Woran liegt das, ich meine, woher kommt dieser Nasen-OP-Wahn?« »Was bleibt dir, wenn dein ganzer Körper in einem Sack ver-schwindet? « Roya zurrt ihr Kopftuch extra fest unter ihrem Kinn zusammen, sie faltet die Kanten des Tuchs nach innen und knotet die Enden so fest, dass ihr Gesicht streng eingerahmt ist, der Kopf ein losgelöster Mond, keine Strähne, nicht mal der Haaransatz ist zu sehen, einzig ihre Nase sticht hervor, dabei hat Roya eine kleine Nase. »Was dir bleibt, ist dein Gesicht!«, sagt Roya. »Und was sticht als Erstes heraus?”
“»Komm schon«, sagt Iman, »lass die Seele nicht am Brunnen verdursten.« Ich bleibe still. Iman hält die Stille nicht lange aus. »Jedes Mal, wenn wir nicht sagen, was wir sagen wollen, sterben wir«, sagt sie, greift sich ihr Poshti, steht auf und steigt vom Dach.”
“Ich möchte sie von ihrem Plan abbringen, ich möchte ihr sagen, dass es zu gefährlich ist, lebensgefährlich, und gleichzeitig schäme ich mich, dass ich die meiste Zeit verdränge, wie Nikas Realität aussieht.”
“»Du fühlst dich hilflos, du fühlst dich machtlos, du denkst, wir müssen kämpfen, und gleichzeitig weiß ich, dass du denkst, wir sollten zu Hause bleiben. Stell dir vor, du wärst hier und müsstest dich jeden Tag entscheiden, gehe ich raus, oder bleibe ich feige zu Hause, führe ich mein Leben weiter, oder versuche ich für meine Tochter, für die Tochter meiner Tochter, für alle, die nach mir kommen, ein freies Iran zu er-kämpfen.« Roya schüttelt den Kopf, als wollte sie ihre Verzweiflung abschütteln.”
Jina Khayyer schreibt herzerwärmend über die Liebe und Sehnsucht nach einer Heimat, die es so nicht mehr gibt. Sie nimmt uns mit auf eine Reise durch Freiheit, Unterdrückung, Selbstbestimmung und die Kraft des Zusammenhalts. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und bewundere zutiefst den Mut dieser Frauen, die trotz aller Unterdrückung für ihre Rechte und ihre Freiheit kämpfen.
Ein Buch, das zum Nachdenken anregt und dafür sorgt, dass die (aktuellen) Geschehnisse nicht in Vergessenheit geraten.
Jina Khayyer beschreibt anhand ihrer Familiengeschichte in einem autofiktionalen Roman leben, lieben und leiden in Iran – mit besonderem Augenmerk auf den iranischen Frauen und ihrem Kampf nach Freiheit. Mithilfe ihrer poetischen Sprache schafft Jina Khayyer es, Bilder im Kopf zu erzeugen, die einen ihr Erlebtes (und Erdachtes) miterleben lassen. Man geht mit der Autorin auf Reisen durch Iran mit all seinen wunderschönen Landschaften, der langen Historie und herzlichen Kultur – aber gleichzeitig auch mit dem unbarmherzigen Regime. Sie öffnet dem Leser die Augen für alles Schöne und Schreckliche, sodass man nicht wegschauen kann. Sogar gezwungen ist, hinzuschauen. Mich hat das Buch sehr bewegt, es hat mich zum Schmunzeln, Weinen und Staunen gebracht – große Lese-Empfehlung!