Die Lebensgeschichte einer der wichtigsten russischen Dissidentinnen
2012: Mit ihrem Punk-Gebet »Jungfrau Maria, verjage Putin« in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale schreien Maria Aljochina und ihre Mitstreiterinnen von Pussy Riot eine Warnung vor den Gefahren des russischen Autoritarismus in die Welt hinaus. Für ihren Mut zahlen sie mit Gefängnis. Nachdem Maria zwei Jahre später im Rahmen einer Amnestie vorzeitig aus der Haft entlassen wird, ist das Land noch repressiver geworden.
Innenansichten aus dem heutigen Russland von einer mutigen jungen Frau
Als der Krieg gegen die Ukraine beginnt und die russische Opposition zum Schweigen gebracht wird, protestieren sie und ihre Freunde weiter. Vor einer erneuten Gefängnisstrafe flieht Maria 2022 aus Russland – verkleidet als Essenslieferantin.
Ein ergreifendes Dokument von ungeheurem Mut, Kreativität und Menschlichkeit.
Ein leidenschaftlicher Aufruf zu gewaltfreiem Protest gegen autoritäre Herrscher
Was kann man tun, wenn das Heimatland von allmächtigen Männern beherrscht wird, die Krieg gegen ein anderes Land und die eigene Bevölkerung führen?
»Ich schreibe dies, um nicht zu schweigen, nicht darüber zu schweigen, was ich in meiner Heimat gesehen habe, in dem Land, das ich liebe – brutal, herzlich und abstoßend zugleich. Mit endlosen Diktaturen, mit Priestern, die Blut an den Händen haben, mit mutigen Frauen, die sich gegen das Regime auflehnen. Ich möchte uns retten – damit wir neue Abenteuer erleben können. Damit eure und unsere Freiheit endlich zum Leben erwacht.«
"Political Girl" ist für mich ein politisches Zeitdokument. Maria Aljochina erzählt nicht ruhig und schön geordnet, sondern in kurzen, schnellen Abschnitten: Aktion, Verhaftung, Gericht, Haft, Reise, nächster Protest. Man wird kreuz und quer durch Putins Russland gehetzt, von einer Ungerechtigkeit zur nächsten.
Manchmal hätte ich mir mehr Innenleben gewünscht. Mehr Gedanken, mehr Gefühle, mehr Nähe zu den Menschen um sie herum. Aber vielleicht hätte genau das den Text auch verändert. Dieses Buch will nicht einfach eine Person erklären. Es will ein System sichtbar machen.
Die Form passt deshalb sehr gut zum Inhalt: hektisch, fragmentarisch, hart, manchmal fast überfordernd. Aber genau so wirkt dieses Russland, das Aljochina beschreibt: voller Repression, Propaganda, Angst, Gewalt und Willkür. Und das Schlimmste ist: Es ist nicht erfunden.
Für mich steht dieses Buch in einer Tradition von Zeugnisliteratur. Wie Solschenizyn mit "Archipel Gulag" gezeigt hat, wie Stalins System funktionierte, zeigt Aljochina, wie Putins Russland heute aussieht. Vielleicht ändert so ein Buch nicht sofort die Welt. Aber es verändert die Ausrede der Welt. Man kann sagen: Ich habe es nicht gelesen. Aber man kann nicht mehr ehrlich sagen: Man hätte es nicht wissen können.
Dieses Buch zeigt nicht den Sieg des Widerstands, sondern seine Tragik. Menschen riskieren alles, und trotzdem bleibt das System stärker. Gerade deshalb ist dieses Zeugnis so wichtig.
Mir bleibt vor allem Dankbarkeit. Danke, Mascha Aljochina, für dieses mutige Buch, für diesen Kampf gegen Faschismus, Gewalt und Vergessen.