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Rift

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Fünfzehn Dollar. Das ist das Tagesbudget der Geschwister Zuzanna und Janko, als sie in die USA fliegen. Sie wollen einen gemeinsamen Kindheitstraum verwirklichen und den Pazifik sehen. Zuzanna weiß, dass der Roadtrip Jankos letzte Reise sein wird. Seine Krankheit bremst das Fortkommen der beiden und ist gleichzeitig ihr stärkster Antrieb. Sie durchfahren Orte, an denen die Natur ihre Prozesse unerbittlich vollzieht. Sie bereiten sich auf einen Tornado vor, betreten karges Land, ein Vulkanausbruch hinterlässt seine Spuren. Als Geologin sind Zuzanna diese Vorgänge vertraut, nicht aber die Veränderungen in ihrem Bruder. Mit viel Zuneigung und Geduld versucht sie herauszufinden, was es bedeutet, wenn ein geliebter Mensch vergeht.
Marina Schwabe ist ein leiser und kraftvoller Roman gelungen, der tief berührt. Sie erzählt vom Mut zweier Geschwister, die sich in einer ausweglosen Situation eine Freiheit erschaffen, die beide nie für möglich gehalten hätten.

166 pages, Kindle Edition

Published October 17, 2025

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Displaying 1 - 10 of 10 reviews
Profile Image for Buchdoktor.
2,383 reviews193 followers
October 14, 2025
Zuzannas Bruder Janko hat noch 6 Monate zu leben – und das sieht man ihm an. Die Geschwister haben seinen Haushalt in Deutschland aufgelöst und wollen die USA von Ost nach West durchqueren. Wenn sie sparsam leben und bei der Erfüllung ihres Jugendtraums nicht Unerwartetes dazwischenkommt, sollte ihr Geld für den Road-Trip reichen. Beide Geschwister sind spezielle Persönlichkeiten. Der belesene 36jährige Janko ist offenbar ein sicherer Hafen für Nerdwissen, brilliert mit einem guten Gedächtnis und lernt Landkarten systematisch auswendig. Zuzanna, von Beruf Vulkanologien oder Glaziologin (hat beruflich mit Gletschern und Felsspalten zu tun), ist für die agile Planung der Reise zuständig; schließlich müssen sie sich jeden Tag neu auf Jonas Tagesform einstellen. Die Anspannung, sich täglich neu orientieren zu müssen und ihre eigenen Ängste, auf Jankos Sterben noch nicht vorbereitet zu sein, lässt sie sich nicht anmerken. Ein Rückblick führt in die Kindheit der Geschwister in irgendeiner deutschen Kleinstadt und zeigt, wie ihr USA-Bild entstanden ist.

Die Entdeckung des Couch-Surfens mildert überraschend den finanziellen Druck, mit 15$ am Tag auskommen zu müssen. Einige Gastgeber lassen Gäste offenbar gern länger bei sich übernachten, um Gesprächspartner zu haben oder sich „kümmern“ zu können. Das Bemuttertwerden schafft jedoch ein neues Problem: wie könnte Janko loslassen und in einem Haushalt sterben, in dem er wie ein eigenes Kind versorgt wird? Schließlich muss Zuzanna sich eingestehen, dass sie die Geschichten, die ihr Janko wie in ihrer Kindheit erzählt, immer weniger versteht …

Janko und Suzanna umfahren das Thema Loslassen und Sterben sehr geschickt, während in Nebensätzen symbolisch das begrenzte Reisebudget oder die Zahl der verbleibenden Aufnahmen auf dem Film in der Kamera eine eigene Sprache sprechen. Die Geschwister durchlaufen Phasen des Abschieds, auch wenn sie es zunächst voreinander verbergen.

Fazit
Beeindruckend finde ich, wie liebenswürdig und konsequent sich Zuzanna zurücknimmt, für eine Icherzählerin ungewöhnlich. Abschied nehmen durch Couchsurfen – ein außergewöhnliches Debüt, das mich noch lange beschäftigen wird.
Profile Image for Tie Buhr.
26 reviews
August 12, 2025
„Rift“ ist ein Roadtrip durch die kapitalistischen USA, den die Autorin mit skurrilen, aber gleichzeitig sehr liebenswerten Charakteren zeichnet. Neben der klassischen Cat Lady oder einem verschrobenen Tankstellen-Dude, sind vor allem naiv-freundliche Durchschnitts-Amerikaner*innen Teil der Geschichte. Beim Lesen habe ich mich immer wieder an eigene Mini-Roadtrips dort erinnert gefühlt.
Die Bedeutung von Geld zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte und es ist spannend zu sehen, wie der Umgang mit wenig davon gelöst wird.

Besonders berührt hat mich die Beziehung zwischen den Geschwistern: Sie brauchen nur wenige Worte, verstehen sich nicht immer, bedeuten sich aber sehr viel. Sie zeigen eine große Akzeptanz für das Anderssein des Gegenübers. Besonders die Ambivalenzen der beiden Hauptfiguren habe ich sehr gemocht.

Das Hauptthema des Buches ist natürlich hart, doch Marina Schwabe findet einen Ton, der neben Trauer auch Platz für Neugier und Freude lässt. „Rift“ ist insgesamt ein wunderbar berührend-komisches Buch, was die USA gerade in diesen Zeiten wieder liebenswert erscheinen lässt.
Profile Image for ursel.
8 reviews2 followers
January 16, 2026
Ich habe gelernt wie Vulkane, Seen und Wolken entstehen können und wie ein menschlicher Körper vergeht. Dieser Roman ist keine wilde coming-of-age-Roadtrip-durch-die-USA-Erzählung und beschreibt auch nicht das schockierende Ereignis als Zuzanna und Janko von seiner Diagnose erfahren. Er setzt vielmehr dann an, als die Geschwister sich bereits mit seinem Tod abgefunden haben. Die Geschichte hat für mich durchweg Ruhe ausgestrahlt. Und das Ganze wurde untermauert von Naturereignissen, die auf ihre Art auch beruhigend wirkten. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Roman für Einige nichts ist - so wie er geschrieben ist, und wie die Menschen beleuchtet werden, allein weil er sehr kurz war. Mir hat er aber ein gutes Gefühl gegeben. Auch im Hinblick auf den Menschen und seine Rolle (und Schuld) auf der Erde.
Profile Image for Ileana (The Tiniest Book Club).
226 reviews39 followers
February 7, 2026
„Rift“ ist die Geschichte eines Roadtrips: die Geschwister Zuzanna und Janko reisen in die USA, mit einem winzigen Tagesbudget wollen sie von New York an die Pazifikküste. Ein langgehegter Traum, dessen Erfüllung dringend geworden ist, denn Janko stirbt. Im Angesicht des Landes ihrer Sehnsüchte und Träume, das sie nur aus unzähligen Filmen und Fernsehserien kennen, wollen Zuzanna und Janko Abschied nehmen.

Es gibt keine Vorgaben für die Reise, außer dass das Ziel der pazifische Ozean sein soll. Zuzanna richtet sich völlig nach ihrem Bruder, nach seiner psychischen und physischen Kraft. Die Geschwister lernen die USA intim kennen: sie treffen Menschen, schließen Freundschaften, kommen zu einem Gebrauchtwagen, übernachten auf Sofas, in leerstehenden Gebäuden und billigen Hotels.

Während Jankos Körper nach und nach schwächer wird, erleben die Reisenden die Willkür und Gewalt der Natur: Tornados, aktive Vulkane, die Bewegung der Erdplatten.
„Rift“ ist ein stilles, berührendes Buch. Eine Sterbebegleitung, die mitten ins Leben führt.
Profile Image for Benndii.
31 reviews1 follower
October 4, 2025
Ich habe Rift als Vorabexemplar gelesen – und bin mit großen Erwartungen eingestiegen. Zwei Geschwister auf einem letzten gemeinsamen Roadtrip durch die USA: das klang nach Weite, Schmerz, Nähe und jenen stillen Momenten, die einem den Atem nehmen. Stattdessen habe ich ein Buch gelesen, das mich mit seiner Zurückhaltung überrascht und manchmal auch ratlos zurückgelassen hat.

Zuzanna und Janko reisen von Ost nach West, schlafen in Motels, bei Couchsurfern, treffen hilfsbereite Menschen und sehen Landschaften, die fast zu schnell vorbeiziehen. Es ist eine Kette von Orten – aber keine Reise, die sich in mir verankert hat. Alles bleibt freundlich, glatt, unkonfliktisch. Die USA, durch die sie fahren, wirken seltsam entleert, beinahe europäisch. Ich habe mir oft gewünscht, der Text würde einmal ausbrechen, sich reiben, die Figuren stolpern lassen.

Zuzanna bleibt mir fremd. Ihr Misstrauen gegenüber allen Begegnungen wirkt unmotiviert, fast wie ein Reflex, den das Buch nicht erklärt. Ein Beispiel dafür ist eine Szene im Motel, die mich richtig beschäftigt hat: ein gefundener Geldscheinregen, eine zerstörte Matratze – und kein Wort des Bedauerns gegenüber der freundlichen Betreiberin. Für mich war das ein Moment, in dem sich gezeigt hat, dass das Buch zwar viel andeutet, aber wenig durchlebt.

Die Sprache ist stellenweise wunderschön, dann wieder bemüht symbolisch. Man spürt, dass Marina Schwabe mit Bedeutung arbeitet, dass sie ein Gefühl für Rhythmus und Stimmung hat – nur sucht sie noch nach ihrer eigenen Stimme. Der Titel Rift (Spalte, Riss, Graben) passt in seiner Ambition, aber das erzählerische Gewicht, das er verspricht, trägt der Text nicht immer.

Und doch: Da ist etwas. Eine Ernsthaftigkeit, ein Gespür für innere und äußere Landschaften, das man nicht überlesen kann. Rift ist vielleicht kein vollkommenes Debüt, aber ein ehrliches – und das ist mir lieber als jede glattpolierte Perfektion. Ich bin gespannt, wohin Marina Schwabe ihre Sprache und ihre Figuren als Nächstes führen wird. Ich werde auf jeden Fall wieder als stiller Begleiter mit an Bord sein.

Ich vergebe 3 Sterne mit der Tendenz zu 4 Sternen.
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18 reviews
August 8, 2025
Eine stille Annäherung an das Unausweichliche

Die Geschwister Zuzanna und Janko reisen in die USA, genauer gesagt an den Pazifik. Es ist ihr Kindheitstraum und Jankos letzte Reise, denn Janko wird bald sterben. Die Schwester begleitet ihren Bruder durch diese letzte Lebensphase und trotzt allen Hindernissen, damit ihr Traum in Erfüllung gehen wird. Es beginnt eine Reise quer durch die USA.

„Rift“ ist ein bemerkenswert realitätsnahes Werk, das sich dem Thema Abschied und Sterben auf ungewohnte und unaufgeregte Weise nähert. Und gerade die unaufgeregte, fast zurückhaltende Sprache der Autorin lässt die Erzählung umso eindringlicher und authentischer wirken. Marina Schwabe verzichtet auf Pathos, überhöhte Metaphern oder überladene Dramatik. Stattdessen vertraut sie auf leise Beobachtungen, kleine Gesten und alltägliche Details. Die Situation der Geschwister zeichnet die Autorin mit viel Feingefühl und einer angemessenen Distanz, die es den Leser*innen ermöglicht, einen eigenen Zugang zum Thema zu finden.

Marina Schwabe findet Worte, ohne zu bewerten oder gar zu moralisieren. Die Begleitung des Bruders wird in „Rift“ nicht zum heroischen Akt, sondern bleibt eine zutiefst menschliche Erfahrung, geprägt von Unsicherheit, Ohnmacht, aber auch von Zuneigung und Nähe. Das Buch schafft es, den Ausnahmezustand des Sterbens ins Alltägliche zu überführen und dem Tabuthema Tod eine Stimme zu geben, die nicht laut sein muss, um zu berühren.

„Rift“ ist ein Buch, das leise bleibt, aber lange nachhallt. Es ist eine Einladung, genauer hinzusehen – auf das Leben, auf das Sterben und auf die feinen Verbindungen, die uns als Menschen miteinander verbinden. Wer eine ehrliche, realitätsnahe und unaufgeregte Auseinandersetzung mit Abschied und Verlust sucht, wird in diesem Roman eine wertvolle literarische Begleitung finden.
Profile Image for WildesKopfkino .
795 reviews6 followers
November 25, 2025
Reisebericht zwischen Herz und Vulkan: Rift packt dich an den Schultern und sagt leise, aber bestimmt: Halt durch. Zuzanna und Janko fahren nicht nur durch die USA — sie fahren durch Abschied, Wut und kleine, seltsame Wunder. Die Sprache ist reduziert, manchmal trocken wie Wüstensand, dann wieder weich wie eine Hand, die das Kopfkissen zurechtzupft. Genau dieser Wechsel macht das Buch stark: Naturgewalten werden zu Spiegeln, in denen menschliche Zerbrechlichkeit und Trotz sich brechen.

Manchmal blitzt schwarze Komik auf — ein Kommentar zu dem schrägen amerikanischen Alltag hier, ein sarkastischer Gedanke dort — und plötzlich sitzt man im Wagen, hört den Motor und denkt an all die Dinge, die man nie sagt. Die Krankheit des Bruders ist nicht nur Hintergrund; sie ist Taktgeber, Antrieb, schwere, die beide trägt und zugleich Flügel verleiht. Als Geologin beobachtet Zuzanna die Welt mit Messlinial und Blut in den Händen, und das funktioniert: Naturwissenschaft trifft Gefühl — ohne Kitsch, dafür mit Nüchternheit, die ans Herz geht.

Besonders gut: die kleinen Szenen, die bleiben. Ein Motel-Frühstück, das zu viel über ein Leben verrät; ein Sturm, der sauber macht; Blicke, die lauter sind als Worte. Die Autorin baut Tempo wie Plattenschichten auf: ruhig, dann ein Riss, dann wieder Stille. Wer eine simple Roadstory erwartet, wird überrascht — Rift ist zugleich Abschiedsarbeit und Liebesbrief an die Unberechenbarkeit der Welt.

Kritik? Manchmal wünscht man sich mehr Raum für Nebenfiguren, mehr Atem zwischen den Naturbildern und den inneren Monologen. Trotzdem: Ein leiser, kraftvoller Roman, der lange nachhallt — genau die Art Buch, das man heimlich nachliest, wenn der Zug plötzlich anhält.
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