Ich habe Rift als Vorabexemplar gelesen – und bin mit großen Erwartungen eingestiegen. Zwei Geschwister auf einem letzten gemeinsamen Roadtrip durch die USA: das klang nach Weite, Schmerz, Nähe und jenen stillen Momenten, die einem den Atem nehmen. Stattdessen habe ich ein Buch gelesen, das mich mit seiner Zurückhaltung überrascht und manchmal auch ratlos zurückgelassen hat.
Zuzanna und Janko reisen von Ost nach West, schlafen in Motels, bei Couchsurfern, treffen hilfsbereite Menschen und sehen Landschaften, die fast zu schnell vorbeiziehen. Es ist eine Kette von Orten – aber keine Reise, die sich in mir verankert hat. Alles bleibt freundlich, glatt, unkonfliktisch. Die USA, durch die sie fahren, wirken seltsam entleert, beinahe europäisch. Ich habe mir oft gewünscht, der Text würde einmal ausbrechen, sich reiben, die Figuren stolpern lassen.
Zuzanna bleibt mir fremd. Ihr Misstrauen gegenüber allen Begegnungen wirkt unmotiviert, fast wie ein Reflex, den das Buch nicht erklärt. Ein Beispiel dafür ist eine Szene im Motel, die mich richtig beschäftigt hat: ein gefundener Geldscheinregen, eine zerstörte Matratze – und kein Wort des Bedauerns gegenüber der freundlichen Betreiberin. Für mich war das ein Moment, in dem sich gezeigt hat, dass das Buch zwar viel andeutet, aber wenig durchlebt.
Die Sprache ist stellenweise wunderschön, dann wieder bemüht symbolisch. Man spürt, dass Marina Schwabe mit Bedeutung arbeitet, dass sie ein Gefühl für Rhythmus und Stimmung hat – nur sucht sie noch nach ihrer eigenen Stimme. Der Titel Rift (Spalte, Riss, Graben) passt in seiner Ambition, aber das erzählerische Gewicht, das er verspricht, trägt der Text nicht immer.
Und doch: Da ist etwas. Eine Ernsthaftigkeit, ein Gespür für innere und äußere Landschaften, das man nicht überlesen kann. Rift ist vielleicht kein vollkommenes Debüt, aber ein ehrliches – und das ist mir lieber als jede glattpolierte Perfektion. Ich bin gespannt, wohin Marina Schwabe ihre Sprache und ihre Figuren als Nächstes führen wird. Ich werde auf jeden Fall wieder als stiller Begleiter mit an Bord sein.
Ich vergebe 3 Sterne mit der Tendenz zu 4 Sternen.