Charakter und Liebesleben der Kaiserin, Politik und Intrigen am Wiener HofDie hochintelligente und bildschöne Hofdame Gräfin Marie Festetics, die engste Freundin Kaiserin Elisabeths, führte über Jahrzehnte hinweg ein ausführliches Tagebuch. Diese sensationelle Quelle wird nun erstmals veröffentlicht. Auf mehr als 2000 Seiten beschrieb Festetics ungeschminkt das Leben am Kaiserhof und seine Intrigen, vor allem gegen die von ihr so verehrte Kaiserin. Die Hofdame analysiert "Sisis" Charakter und berichtet über ihre Gefühle, ihre Beziehung zu Kaiser Franz Joseph und zu Graf Gyula Andrássy, in den sie selbst verliebt war; sie urteilt messerscharf über die kaiserliche Verwandtschaft und die bedeutenden Politiker ihrer Zeit. Ein faszinierendes Diarium!
Das Lesen ausgewählter Einträge aus dem Tagebuch der Gräfin Festetics, einer der langjährigen Hofdamen Kaiserin Elisabeths, gestaltete sich für mich größtenteils interessant. Einerseits erlangte ich Einblick in das alltägliche Tun einer kaiserlichen Hofdame, was meinem Geschmack nach jedoch zu oberflächlich ausfiel. Die Festetics beschreibt in ihren Aufzeichnungen vorrangig Begebenheiten mit der Kaiserin, anderen Hoheiten, aber auch von Gyula Andrássy, mit dem sie eng befreundet gewesen war. Ferner teilt sie regelmäßig politische Einschätzungen über die aktuelle Lage mit.
Mich fesselten beim Lesen vor allem die Beschreibungen der Kaiserin, z.B. die ausführliche Schilderung ihres schweren Sturzes während eines Ausritts in Frankreich und so viele andere kleine Episoden, durch die ein Außenstehender ein ordentliches plastisches Bild ihres Charakters vor Augen geführt bekommt. Natürlich war Festetics Ihrer Majestät völlig ergeben und loyal, wodurch Kritik höchstens nuanciert zwischen den Zeilen erahnbar ist. Die Gräfin war aber offenbar eine charakterfeste, kluge und zuverlässige Frau, wodurch ihre Aufzeichnungen besonders authentisch erscheinen. Mir gefiel, wie sie konsequent den Intrigen und dem Tratsch am Wiener Hof ihre Stirn bietet und sich bei Ungerechtigkeiten in ihrem Tagebuch ausweint. - Durch ihre enge Verbundenheit mit Andrássy erfuhr ich auch Interessantes zu seiner Person.
Enttäuscht wurde ich prompt zu Beginn mit dem Hinweis, dass die Gräfin ihren Dienst erst 1869 bei der Kaiserin antrat und somit die Jahre von 1854 an fehlen, die mich am meisten gefesselt hätten. Zudem sind die Einträge aus deren Todesjahr 1898 verloren gegangen. - Positiv möchte ich noch hervorheben, dass Gudula Walterskirchens Zwischenanmerkungen hilfreich waren und dass sich unter den Abbildungen sogar ein Foto von der Kaiserin beim Bergwandern befand, das ich noch nicht kannte.
Habe nach 20% abgebrochen. Für Menschen, die mit der Zeit, den Orten und den Personen am Hof vertrauter sind, sicherlich interessant. Sonst eher trocken und schwer nachvollziehbar.