Was die Grenzen des bürgerlichen „Antifaschismus“ sind, zeigen uns die deutsche Bourgeoisie und ihre politischen, medialen und kulturellen Vertreter mit aller Deutlichkeit seit nun schon mehr als zwei Jahren. Das Gelöbnis „nie wider!“ wird in sein exaktes Gegenteil verkehrt und zum militanten Marschbefehl: jetzt aber mit aller Gewalt erneut einen Genozid zu unterstützen, zu verteidigen, zu bewaffnen.
Was Völkermord für die betroffenen Menschen bedeutet, zeigt Wasim Said in diesem Buch. Er ist selbst junger Palästinenser, lebt in Gaza, erlebt den Genozid noch in diesem Moment mit – und er hat währenddessen dieses Buch geschrieben, das von den unendlichen Qualen der Menschen dort berichtet. Es ist sehr schwer zu ertragen, was hier berichtet wird. Die bestialischste Entmenschlichung, die man sich nur vorstellen kann, sie wird noch überstiegen von den Taten der Zionist:innen, die unsere Regierung tatkräftig unterstützt.
Wasim ist bemüht – mit einigem Erfolg – diese Schreckensberichte in literarische Form zu gießen. Und er zeigt, wie sich die Palästinenser:inne trotz aller Entmenschlichung ihre Menschlichkeit oft bewahren können. Wie sie nicht einfach Opfer sein wollen, sondern Anklage erheben gegen eine Welt, die diesem Geschehen keinen Einhalt gebietet. Das Buch selbst ist ein Triumph, den Wasim dem Vernichtungswahn der Zionist:innen abgerungen hat.
Das ist mit aller Wahrscheinlichkeit das erste Buch in einer neuen, traurigen und in revolutionäre Praxis zu verwandelnden Tradition von Holocaustliteratur. Trauer allein bringt nichts, man muss dieser Hölle ein Ende bereiten, und das heißt dieses Schweinesystem endgültig zu zerschlagen.