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Beduinenmilch

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Eine spannende Coming-of-Age-Geschichte über eine junge Deutsch-Israelin im Kreuzfeuer des Nahostkonflikts

Die 17-jährige Deutsch-Israelin Talia reist im Sommer 2014 zu ihrer Familie nach Israel, um sich zum Militärdienst einziehen zu lassen. Endlich will sie allein über ihre Zukunft bestimmen, will dazugehören zu ihrer großen Familie, eine sinnvolle Aufgabe übernehmen und Teil der israelischen Gesellschaft und Verteidigung werden. Alles in Israel scheint spannender zu sein als das linksliberale Leben, das ihre Eltern in Berlin führen.

Doch was sie in diesem Sommer erlebt – in Gaza tobt der Krieg, sie lernt Palästinenser kennen, verliebt sich in einen israelischen Menschenrechtsaktivisten, reist in die Westbank –, lässt sie eine vollkommen neue Sichtweise auf die Lebensrealität in ihrem Geburtsland erleben ...

200 pages, Hardcover

Published July 30, 2025

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Displaying 1 - 12 of 12 reviews
Profile Image for Wal.li.
2,563 reviews70 followers
August 6, 2025
Die Entscheidung

Kurz vor ihrem siebzehnten Geburtstag reist Talia im Jahr 2014 von Berlin nach Israel zu ihrer Großmutter. Der Großvater ist vor einiger Zeit verstorben und Talia, die sehr zu ihrem Opa aufgeblickt hat, empfindet den Verlust. Ihr Großvater stammte aus Deutschland und ist von seinen Eltern vor dem Holocaust gerettet worden. Er ist Talias großes Vorbild. Mit ihrem zweiten deutschen Pass ist die junge Frau eigentlich vom Militärdienst befreit. Doch sie hat es sich genau überlegt. Sie verbringt ihren Geburtstag in Israel und sie wird sich einziehen lassen. Ihr Staat muss verteidigt und geschützt werden und sie wird ihr Teil dazu beitragen.

Mit glücklichen Tagen, Feiern und Wiedersehen mit Familienmitgliedern beginnt Talias Urlaub. Sie freut sich mit ihren Verwandten und Freunden, es gibt so viel zu besprechen. Wie sie ihren Eltern in Deutschland das mit dem geplanten Militärdienst beibringen soll, weiß sie noch nicht. Nur Noa weiß Bescheid, die wahrscheinlich zur selben Zeit eingezogen wird. Die beiden jungen Frauen sind so gespannt und voller Vorfreude. Erste Risse bekommt das schön ausgemalte Bild der Zukunft als Talia die Baustelle in der Nähe des Hauses ihrer Großmutter bemerkt. Dort arbeiten Illegale. Es sind Araber, die nicht die Erlaubnis haben einzureisen, als billige Arbeitskräfte unter der Hand aber auf gewisse Weise willkommen sind.

Die Autorin selbst ist Deutsch-Israelin und kenntnisreich schreibt sie von einer jungen Frau, die in zwei Welten zu Hause sein könnte. Für Leser, die keine entsprechenden Kenntnisse besitzen, ist dieser Roman eine echte Bereicherung. Man bekommt einen Einblick in das Leben einer jungen Frau, die sich entscheiden will Israelin zu sein, mit allem, was dazu gehört. Man erlebt mit wie ihr Enthusiasmus Brüche erfährt. Denn sie muss feststellen, auch Israel ist kein idealer Staat. Es ist ein Staat, der das Recht hat zu bestehen, der aber auch anderen ihre Rechte eigentlich nicht absprechen kann. Auch ein naher Einblick in die Gründung des Staates Israel wird gegeben. Man erlebt hautnah mit, wie die Menschen an ihrem Staat leiden, aber auch sehr stolz sind, diesen Staat zu haben. Dieser Roman lässt sich nicht ganz leicht lesen, weil sehr authentisch und eindringlich berichtet wird, doch er beeindruckt und berührt mit seiner jungen Heldin, die lernt eigene Entscheidungen zu treffen und dazu zu stehen.

4,5 Sterne

Profile Image for Kirsten.
3,202 reviews8 followers
September 2, 2025
Als Talia im Sommer 2014 ihre Familie in Israel besucht, hat ihre Reise einen besonderen Zweck. Sie will sich zum Militärdienst einziehen lassen. Eigentlich ist die Deutsch-Israelin davon befreit. Aber das Leben mit ihren Eltern in Berlin ist nicht ihres. Sie fühlt sich nirgends dazugehörig und möchte nicht nur etwas erleben, sondern auch etwas Sinnvolles machen. Das Leben in Israel und der Militärdienst sind genau das. Deshalb setzt sie sich über den Willen ihrer Eltern hinweg und will sich einziehen lassen.

Ich erlebe Talia anfangs als eine typische Teenagerin. Das Leben mit ihren Eltern in Berlin erscheint ihr eng, langweilig und ohne Perspektive. Dagegen wirkt das Leben in Israel aufregend. Hier ist sie Teil einer großen Familie und einer Gesellschaft, die ihr eine sinnvolle Aufgabe bietet. Die Freunde und Verwandten, mit denen sie über ihre Einberufung spricht, stehen voll hinter ihr. Sie schwärmen von dem Leben in der Armee, als ob es ein immerwährendes Ferienlager ist und betonen immer wieder, wie wichtig der Dienst für die Sicherheit und den Zusammenhalt der Gesellschaft ist. Talia lässt sich von dieser Begeisterung anstecken und bemerkt nicht, wie einseitig diese Sichtweise ist.

Aber nach und nach lässt sie in diesem Schwarz-Weiß-Denken auch Grautöne zu. Vor dem Hintergrund des Gazakriegs hört sie Schilderungen vom Alltag als SoldatIn,, die sie nachdenklich werden lassen. Sie lernt neue Menschen kennen, die ihr eine andere Sichtweise zeigen. Eine Sichtweise, für die in den wenigen Wochen Urlaub, die sie bis dahin in dem Land ihrer Geburt hatte, keine Zeit war. Als sie mit einem Menschenrechtler in die Westbank reist, kommt es zum Streit mit der Familie, die Talias Interesse und ihren Wunsch, das gesamte Bild zu sehen, nicht verstehen können.

Talia verändert sich im Lauf der Geschichte. Aus der jungen Frau, die vieles noch mit der Arroganz ihrer Jugend sieht, wird eine kritische Beobachterin, die sich auch nicht scheut, unangenehme Dinge anzusprechen. Sie will etwas verändern und sucht eine Möglichkeit, das zu tun. Nirit Sommerfeld beschreibt die Veränderung von Talia sehr authentisch. Sie erzählt vom Leben in einer Region voller Konflikte. Das macht sie am Beispiel von Talias Familie und zeigt, wie schwer es ist, einen anderen, vielleicht auch unangenehmen Blickwinkel als nur den eigenen zuzulassen.
Profile Image for Ulrike.Bgl.
41 reviews
January 16, 2026
Ein sehr spannendes und wichtiges Thema über das mir kaum bis keine Werke bekannt sind. Finde es gut endlich einen Roman zu haben der einen den Konflikt in Israel näher bringt. Konnte mich nur leider nicht mit der Protagonistin identifizieren, sie ist sehr jung, super naiv und die wenigsten Handlungen kann man nachvollziehen. Diese sind jedoch wichtig um alle wichtigen Orte und Geschehnisse ab zudecken. Das Buch ist sehr gut recherchiert, aber leider nicht der Schreibstil der mich persönlich fesselt.
Profile Image for Andrea Karminrot.
305 reviews6 followers
August 11, 2025
Beduinenmilch, dieser Roman kann wirklich nachdenklich machen. Die junge Deutsch-Israelin Talia wird demnächst 18 Jahre alt. Dann ist die junge Frau endlich volljährig und sie kann sich zum Militärdienst in Israel melden. Bisher haben ihre Eltern sie davor geschützt. Als Deutsche Staatsbürgerin ist Talia sowieso vom Militärdienst befreit. Kurz vor ihrem Geburtstag fliegt die junge Frau alleine nach Israel zu ihrer großen jüdischen Familie und bei ihrer Einreise beschließt Talia kurzerhand, sich einberufen zu lassen. Diese Entscheidung stellt die junge Frau vor ein Problem, denn wie soll sie ihre Entscheidung ihren Berliner Eltern erklären! Und dann geschehen Dinge, die ihre Entscheidung ins Wanken bringen ...

Talia verschweigt auch ihrer Großmutter, dass sie sich einberufen lassen hat. Nur ihre Cousine weiß davon und soll ihren Mund halten, bis Talia es selber erzählen mag. Bis dahin stromert sie durch die Straßen von Tel Aviv und trifft ihre große Liebe vom letzten Jahr. Dem jungen Mann scheint es gar nicht gut zu gehen. Er ist beim Militär und leidet unter einem Trauma. Und auch andere Freunde und Familienmitglieder erzählen davon, wie schrecklich die Zustände beim Militär sein müssen. Aber andere sind begeistert, wenn sie eingezogen werden, wie schick die Uniformen sind und was man alles machen kann, welche großartigen Ausbildungen angeboten werden und welchen Sinn es macht, für sein Land zu kämpfen.

Auf einem Nachbargrundstück wird gerade gebaut. Auf der Baustelle arbeiten illegale Araber. Das scheint normal zu sein. Talias Großmutter versorgt die Arbeiter heimlich mit Lebensmitteln, das ist strafbar! Aber eines Tages werden die Männer von der Polizei abgeholt und Talia findet es eine Ungerechtigkeit. Immerhin sind die Männer billige Arbeitskräfte, werden ausgenutzt und müssen dann auch noch dafür bezahlen, dass sie ihre Familien in den besetzten Zonen unterstützen. Talia kann das so nicht zulassen und fährt in das Gefängnis nach ...

Ich habe das Buch mit einem mulmigen Gefühl gelesen. Talia kam mir am Anfang so blauäugig vor. Die junge Frau war von dem Bling-Bling der Armee geblendet und erst so nach und nach wurde ihr bewusst, was es heißt in den Dienst eingezogen zu werden. Sie ist eine sehr aufgeweckte Person und begreift schnell die Zusammenhänge. Dazu kommt, dass sie zu ihrem 18. Geburtstag eine Truhe mit Briefen und Gegenständen ihres geliebten verstorbenen Großvater geschenkt bekommen hat und auch der Leser bekommt einen Einblick in die Briefe. Sie zeigen viele Geschehnisse auf, die man schon lange aus den Augen verloren hat, die man auch niemals in der Presse gelesen oder gehört hat. Sie erzählen, wie der Großvater einer der Ersten war, der für sein Land gekämpft hat, der sich gegen die Palästinenser durchgesetzt hat, aber auch welchen Preis der Mann dafür zahlen musste.

... Wir könnten uns ihrer Freundschaft, Dankbarkeit und Loyalität erfreuen. Dann wären wir das Licht unter den Völkern, ein Vorbild vor den Menschen - denn wozu sonst wären wir als auserwähltes Volk berufen? Durch ihre Vertreibung jedoch machen wir uns zu Feinden - vielleicht für alle Zeiten ...

Yitzhak Epstein (Seite 132)

Meine Sicht auf die Zustände in Israel, dem Gazastreifen sowie Palästina haben sich durch dieses Buch geändert. Durch Presseberichte bekommt man Geschichten erzählt, die meist nur ein Teil der Wahrheit ist und inwieweit es den Menschen in den betroffenen Gebieten geht, bekommt man meistens gar nicht mit. Die Wahrheiten liegen wahrscheinlich immer irgendwo dazwischen. Mich hat dieses Buch aufgeweckt. Es hat mich erschreckt und aufgewühlt. Ich hatte Tränen in den Augen und war wütend. 

... sie sind so in ihrer eigenen Perspektive gefangen, dass sie eine andere Sichtweise kaum zulassen können.

Seite 312

Profile Image for Seitenmusik.
394 reviews21 followers
August 11, 2025
„Beduinenmilch“ ist ein Roman, der mich mit voller Wucht hineingezogen hat – in eine Familiengeschichte, die zugleich politisch, persönlich und tief menschlich ist.
Autorin Nirit Sommerfeld ist in Israel geboren, in Deutschland aufgewachsen, als Schauspielerin und Musikerin bekannt und engagiert sich seit Jahren für Frieden und Gerechtigkeit im Nahen Osten. Ihre Perspektive als Grenzgängerin zwischen Kulturen und Narrativen prägt diesen Roman spürbar – literarisch kraftvoll und zugleich schmerzhaft ehrlich.

Worum geht’s genau?
Die Erzählerin Talia reist regelmäßig zu ihrer Großmutter („Savta“) nach Israel. Was als persönliche Begegnung beginnt, entfaltet sich zu einem Panorama aus Familienerinnerungen, politischen Konflikten und moralischen Fragen. Zwischen Tel Aviv, Hebron, Gaza und Beduinendörfern erlebt Talia, wie sich persönliche Geschichten mit der Geschichte des Landes verweben – und wie schwer es ist, Wahrheit, Loyalität und Zugehörigkeit miteinander zu vereinbaren. Dabei wird deutlich: Es geht um mehr als nur um eine Familie – es geht um Identität, Besatzung, Menschlichkeit und die Kraft, Dinge auszusprechen, die andere lieber verschweigen.

Meine Meinung
Selten habe ich einen Roman gelesen, der so gekonnt das Persönliche mit dem Politischen verwebt. Sommerfeld schreibt nah an ihren Figuren, ohne sie zu idealisieren – weder die kämpferische Savta, noch die unsichere Talia, die zwischen den Welten steht. Viele Szenen haben sich eingebrannt: Das Massaker in al-Lydda, bei dem „zwischen 450 und 800 Menschen getötet“ wurden (S. 323), Talias Verzweiflung darüber, dass „niemand meine Geschichte hören wollte“ (S. 317), oder Savtas mutige Rede im Gerichtssaal, in der sie sagt: „Wir könnten … vielleicht sogar miteinander leben! Es wäre Unrecht, ihn zu verurteilen!“ (S. 264).

Der Roman thematisiert die Macht von Narrativen – und wie schwer es ist, diese zu hinterfragen, wenn man von klein auf „mit einem einzigen Narrativ gefüttert“ wurde (S. 323). Besonders bewegend fand ich, wie die Begegnungen mit Palästinenser:innen persönliche Nähe schaffen, wo Politik Mauern zieht: Haytham, der „nicht wie verrückt herumspringt“ nach seinem Freispruch (S. 287), oder die Beduinenfamilie, deren Milch symbolisch für Verbindung und gemeinsames Überleben steht.

Der Blick auf Militarismus und „male gaze“-Sexualisierung – von Reizwäsche mit Uzi-Prints bis hin zu zynischen T-Shirts mit Fadenkreuz auf einer Schwangeren – ist scharf, manchmal schwer zu ertragen. Sommerfeld verschweigt nichts, weder den Zynismus mancher Soldat:innen noch die Traumata, die alle Seiten prägen. Dabei gelingt es ihr, unterschiedliche Perspektiven nebeneinanderstehen zu lassen, ohne den Schmerz der einen gegen den der anderen aufzurechnen.

Stilistisch ist das Buch packend, oft dialoggetrieben, mit einer Intensität, die fast dokumentarisch wirkt. Gleichzeitig gibt es Momente von Zärtlichkeit und Humor – etwa wenn ein Baby „zum ersten Mal durchgeschlafen“ hat (S. 311) oder Talia mit ihrer Cousine Ma’ayan spielt. Diese Balance macht den Roman so besonders: Er konfrontiert, aber er lässt auch atmen.

Fazit
„Beduinenmilch“ ist ein vielschichtiger, mutiger Roman, der uns zwingt, hinzusehen – auf Geschichte, Gegenwart und die Verstrickungen dazwischen. Er ist politisch, ohne belehrend zu sein, und menschlich, ohne zu beschönigen. Wer bereit ist, sich auf eine herausfordernde und bewegende Lektüre einzulassen, wird hier nicht nur eine Geschichte lesen, sondern Spuren davon mitnehmen.
450 reviews1 follower
July 18, 2025
Talia Edelmann ist eine jungen deutsch-Israelin, die zu ihren Verwandten nach Israel fliegt, um ihren achtzehnten Geburtstag zu feiern. Dieser Tag ist ebenfalls wichtig, da sie dann zum Militär gehen kann, um Israel zu verteidigen. Das ist ihr größter Wunsch und ihre Cousine Noa und ihr Cousin Guy unterstützen dies. Sie hat, da sie eine Deutsche mit israelischem Pass ist, eine Befreiung vom Wehrdienst. A, Flughafen weist sie den Passbeamten daraufhin das sie sich einziehen lassen möchte. Als sie ihre Einladung zum Militärdienst bekommt, behält sie das erst einmal für sich und auch ihrer Großmutter erzählt sie nichts. Je länger sie in Israel lebt und je mehr Menschen sie trifft um so mehr stellt sie fest, dass es alles nicht so ist, wie ihr manche Menschen aus ihrer Familie erzählen. Und auch das Tagebuch ihres Großvaters zeigt eine andere Wirklichkeit auf.
Das Cover des Romans „Beduinenmilch“ von Nirit Sommerfeld ist sehr gut gewählt und gefällt mir sehr gut. Einfach gehalten zeigt es eine gewisse Wellenbewegung, die sicherlich auch für das Gefühlsleben der Hauptdarstellerin steht und die Farben passen in die Landschaft, in der sich Israel befindet. Es ist ein Auf und Ab, das Talia, der Hauptcharakter, umtreibt. Sie ist voller Enthusiasmus aus Deutschland zu ihrer Familie geflogen, um sich dem Land zur Verfügung zu stellen. Ihre Familie in Israel unterstützt dies auch, gerade ihre Cousine Noa und ihr Cousin Guy sind ihr dabei eine große Hilfe, ebenso wie Onkel und Tanten und auch Savta, ihre Großmutter. Doch Talia erlebt auch andere Seiten in Israel, die ihr zeigen, dass es auch eine andere Wirklichkeit gibt, die der Palästinenser, die sie kennenlernt und auch von jungen Menschen aus Israel, die sie trifft und mit denen sie sich anfreundet. Es sind unterschiedliche Ansichten, die auch in ihrer Familie vorherrschen und zwischen denen sie nach ihrem achtzehnten Geburtstag lebt. Und diese wirken sehr verstörend auf die junge Talia. Die Autorin beschreibt diese Wirklichkeiten mit einer sehr deutlichen Sprache und sehr authentisch aus einer internen Sichtweise. Diese ist sehr gut nachzuvollziehen und ebenfalls das Chaos, dass in dem Kopf von Talia sich breit macht. Sehr geschickt lässt die Autorin auch Saba, den Großvater von Talia zu Wort kommen, der in einem Tagebuch seine >Situation zwischen 1947 und 1961 beschreibt.
Ich finde diesen Roman sehr gut gelungen, da er die Situation aus dem Jahr 2014, als heute, beschreibt und den Ausflug in die Geschichte der Anfänge des Staates Israel in Einklang bringt. Ebenso macht sie deutlich, dass es immer zwei Sichtweisen gibt in diesem Land, die der Israelis, und noch nicht mal aller, und der der Palästinenser. In diesem Verhältnis liegt eine große Sprengwirkung. Ich kann diesen Roman nur wärmstens empfehlen, da diese Beschreibungen zum eigenen Mitdenken anregen.
Profile Image for bookicated.
27 reviews1 follower
August 18, 2025
Eine spannende Coming-of-Age-Geschichte, die auch politische Relevanz hat. Nirit Sommerfeld erzählt in Beduinenmilch von der knapp 18-jährigen Talia, einer jungen Deutsch-Israelin, die zwischen zwei Welten aufwächst. Talia ist Deutsch-Israelin und steht vor der Herausforderung, ihre familiären Bindungen, ihr politisches Verständnis und ihre persönliche Entfaltung in Balance zu bringen. Was als Suche nach Identität und Sinn beginnt, wird zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Nahostkonflikt, der Rolle des Militärs und der Frage nach Moral, in einem hochpolitischen Umfeld.

Es ist 2014 und in Gaza herrscht Krieg. Talia reist voller Begeisterung für Israel ins Land und plant, dort ihren Militärdienst abzuleisten. Alles in Israel scheint spannender zu sein als das Leben der Eltern in Berlin. Aber je länger sie in Israel lebt und je mehr Leute sie trifft, desto klarer wird ihr, dass die Geschichten, die ihre Family ihr erzählt, nicht ganz der Realität entsprechen. Das Tagebuch von ihrem Opa wirft ein ganz anderes Licht auf die Dinge, als sie bisher gedacht hat. Sie lernt Palästinenser kennen, verliebt sich in einen israelischen Menschenrechtsaktivisten und sieht durch diese und andere Erlebnisse die Welt mit anderen Augen.

In dem Roman geht's um die Macht von Narrativen und wie schwer es ist, die zu hinterfragen, wenn man von klein auf mit einem einzigen Leitbild gefüttert wurde. Sommerfeld lässt nichts aus, weder den Spott mancher Soldat:innen noch die Schäden, die alle Seiten davontragen. Sie schafft es, verschiedene Blickwinkel nebeneinander auszutauschen, ohne dass dabei einer den Schmerz des anderen bemisst. Der Roman hat einen politisch geprägten Inhalt, aber es kommt nicht aufdringlich rüber. Die Darstellung des Konflikts ist sehr persönlich und gleichzeitig für alle relevant. Er ist nie einseitig, sondern vermittelt gut, wie zerrissen die Menschen in der Region sind. Ich kann wirklich jedem empfehlen, dieses Buch zu lesen, egal ob jung oder alt.

Vielen Dank an ars vivendi Verlag & Nirit Sommerfeld für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars über NetgalleyDE.
553 reviews
August 23, 2025
Als die Deutsch-Israelin Talia nach Israel reist, ist sie voller Tatendrang. Im Gegensatz zu ihren linksliberalen Eltern möchte sie nicht mehr nur aus der Ferne zusehen, sondern aktiv etwas bewegen und sich für ihr Heimatland einsetzen. Alles in Israel wirkt aufregender als in Deutschland, und gemeinsam mit ihrer Cousine plant sie, zum Militär zu gehen. Doch je länger Talia bleibt, desto mehr beginnt sie, das Land, seine Geschichte und ihre eigene Haltung kritisch zu hinterfragen.

Der Klappentext hat mich sofort neugierig gemacht, und die Autorin konnte mich mit ihrem angenehmen, fesselnden Schreibstil direkt abholen. Man begleitet die junge Talia hautnah auf ihrem Weg und erlebt, wie sich ihre zunächst naive Überzeugung Schritt für Schritt verändert. Je mehr Zeit sie in ihrem Heimatland verbringt, desto mehr stellt sie fest, dass nicht alles so schwarz-weiß ist wie sie zunächst angenommen hat. Durch die Rückblenden zu ihrem Großvater erfährt man außerdem einiges über die Geschichte Israels und wie damals mit den Palästinensern umgegangen wurde. Besonders beeindruckt hat mich aber Talias Oma, denn die bildet mit ihrer Offenheit, Herzlichkeit und dem unerschütterlichen Verständnis einen wertvollen Gegenpol zu den oft starren Ansichten anderer Familienmitglieder. Zum Glück macht Talia sich aber ihr eigenes Bild und begegnet dabei Menschen, die ihr einen anderen Blickwinkel auf die Geschehnisse geben. Der Autorin gelingt es dieses komplexe, politisch hoch brisante Thema in eine bewegende Coming-of-Age-Geschichte einzubetten. Dabei regt das Buch zum Nachdenken an, ohne jemals belehrend zu wirken.

Ein Roman mit Tiefgang, der den Nahostkonflikt eindringlich, aber zugänglich vermittelt und den ich jedem ans Herz legen möchte.
Profile Image for Buchverliebt und leselustig.
83 reviews1 follower
August 12, 2025
Zwischen Pflicht und Wahrheit



Vorneweg: Cover und Titel hätten mich von allein vermutlich nicht zum Buch greifen lassen – und das wäre wirklich schade gewesen. Denn Beduinenmilch ist ein eindringlicher Coming-of-Age-Roman, der mich nachhaltig beeindruckt hat.

Anfangs war ich skeptisch, weil der Schreibstil so klingt, als würde tatsächlich eine 17-Jährige erzählen – etwas holprig, sehr direkt. Doch gerade das passt perfekt zu Talia, die voller Erwartungen nach Israel reist, um sich zum Militärdienst einziehen zu lassen. Sie will dazugehören, eine Aufgabe haben, ihre Zukunft selbst bestimmen.

Mit ihr gemeinsam taucht man ein in einen Sommer, der alles verändert: der Krieg in Gaza, Begegnungen mit Palästinensern, die Liebe zu einem israelischen Menschenrechtsaktivisten und eine Reise in die Westbank. Nirit Sommerfeld gelingt es, spürbar zu machen, wie Propaganda wirkt – und wie schwer es ist, sich davon zu lösen, wenn man mitten in einem Konflikt aufwächst.

Mich hat das Buch nicht nur berührt, sondern auch neugierig gemacht, mich intensiver mit dem Nahostkonflikt zu beschäftigen. Ein bewegender, politischer Roman über Erwachsenwerden, Ideale und das Ringen um die eigene Wahrheit.

Fazit: Ein ehrlicher, intensiver Roman, der zum Nachdenken anregt und lange nachhallt. Für alle, die Coming-of-Age-Geschichten lieben und offen sind, die eigene Perspektive herauszufordern.
51 reviews2 followers
August 11, 2025
This book is about a girl named Talia, a 17-year-old German-Israeli citizen who travels to Israel to enlist in the military and finally feel like she belongs. This is amidst the ongoing war between Israel and Gaza, and readers follow Talia as she learns about the stark realities of life in the West Bank.

The way Sommerfeld captures Talia’s transformation is nothing short of beautiful.

In Beduinenmilch nimmt uns Nirit Sommerfeld mit auf eine bewegende Reise mit Talia, in der wir nicht nur das Leben in Israel kennenlernen, sondern auch das im Westjordanland – und die deutlichen Unterschiede zwischen beiden Welten. Mit viel Einfühlungsvermögen schildert die Autorin Begegnungen, die Talias Überzeugungen erschüttern, und zeigt, wie persönliche Erfahrungen im Schatten des Konflikts Identität, Loyalität und Hoffnung verändern können.
Profile Image for Laura.
89 reviews1 follower
August 22, 2025
Beduinenmilch hat mich richtig berührt. Talia reist 2014 nach Israel, um ihren Militärdienst anzutreten – aus dem Gefühl heraus, endlich etwas Sinnvolles für ihre Familie zu tun. Anfangs ist sie noch voller Elan, ein bisschen naiv vielleicht, aber entschlossen. Und dann kommt alles ganz anders.

Was mir besonders gefallen hat: Man begleitet sie wirklich auf einer Reise. Ihre Sicht auf die Welt verändert sich, sie trifft Menschen, die sie herausfordern, und merkt, dass man Israelis und Palästinenser nicht einfach in Gut und Böse einteilen kann, auch wenn ihr Umfeld das gern so hätte. Parallel dazu erfährt man viel über die Geschichte von Israel und ihrer Familie, vor allem über ihren Großvater, der im Unabhängigkeitskrieg beteiligt war.

Das Buch regt zum Nachdenken an, ohne belehrend zu sein. Es ist einfach ehrlich erzählt – ruhig, aber eindringlich. Und obwohl es als Jugendbuch gilt, hat es mich auch als Erwachsene total abgeholt. Ich mochte Talia sehr, sie war nahbar, echt, und es war einfach schön, sie zu begleiten.

Einziger kleiner Kritikpunkt: Die Kurzbeschreibung nimmt schon ein bisschen viel vorweg.

Insgesamt ein richtig gutes Buch, das lange im Kopf bleibt.
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