Er gilt als einer der größten Schriftsteller aller Zeiten. Seine Romane Schuld und Sühne oder Die Brüder Karamasov sind Klassiker der Weltliteratur. Sein Denken beeinflusste Kafka, Nietzsche, Camus und Thomas Mann. Niemand sonst verstand es, dem Menschen so tief in die Seele zu blicken wie Fjodor M. Dostojewski. Diese Fähigkeit verdankte er nicht zuletzt seinem bewegten Gerade als Schriftsteller etabliert, wird er wegen einer angeblichen Verschwörung gegen den Zaren zum Tode verurteilt und erst begnadigt, als er schon vor dem Erschießungskommando steht. Anschließend muss er vier Jahre Straflager durchleiden. Nur ein Neues Testament in der Tasche, wird er angesteckt von der Faszination der Figur Christi. Das gefundene Fundament wird er fortan nie mehr verlassen. Auch nicht, als weitere Schicksalsschläge etwa der Tod seiner ersten Frau sowie zweier Kinder sein Dasein erschüttern.
Bevor ich mit dem Lesen des 4. Dostojewski-Romanes beginne, wollte ich mir in möglichst kurzer Form einen Überblick über die Biographie des großen Schriftstellers verschaffen. Dazu ist dieses Buch von Rainer Buck bestens geeignet. Er schreibt sehr gut lesbar und beleuchtet alle wichtigen Lebensstationen und Werke. Besonders deutlich wird, woher Dostojewski seine ungeheure Menschenkenntnis nahm und wieviel von seinen Eigenschaften und Erlebnissen in die Figuren der großen Werke eingeflossen ist. Die parallel zur Biografie verlaufende Geschichte Russlands und des westlichen Europas ist recht kurz erwähnt, verdeutlicht aber Zusammenhänge.
Besonders interessierte mich, dass Dostojewski während des Schreibens am Roman „Böse Geister“ in Dresden wohnte. Er spricht nicht gerade freundlich von den Dresdnern und ebenso von den Deutschen. Dabei bemerkt man Heimweh, doch auch etwas wie eine Vorahnung der späteren Rolle der Deutschen in der Weltgeschichte: „...dieses Volk hat seine Kraft eingebüßt, denn einen solchen Geist, eine solche Wissenschaft zu haben – und auf die Idee des Schwertes, des Blutes und der Gewalt zu bauen, nicht einmal zu ahnen, dass es den Geist und den Triumph des Geistes gibt, sich mit der Grobheit eines Feldwebels darüber lustig zu machen! Nein, das ist ein totes Volk ohne Zukunft.“
Dostojewski konnte überhaupt nicht mit Geld umgehen und war ständig in finanziellen Sorgen. Deshalb musste er seine Werke schnell und in Fortsetzungen schreiben, um die nötigsten Dinge bezahlen und den Schuldturm vermeiden zu können. Das erklärt, dass seine Werke nicht so streng konstruiert und geschliffen sind, wie bei manchen anderen Autoren. Seine Frau bedauerte die Situation, weil er noch viel mehr hätte erreichen können, wenn ihn nicht ständig Existenzängste geplagt hätten. Aber ich finde, dass der unvollkommene Stil mit seinen Abschweifungen durchaus seinen besonderen Reiz entfaltet und sehr lebendig ist. Ich freue mich auf das nächste Buch!
Rainer Buck hat eine Biografie für eilige Leser geschrieben, die sich zum ersten Mal mit Dostojewski vertraut machen wollen. Genau das ist ihm auch gelungen. Für anspruchsvollere Leser ist das Buch sicher nichts. Ich hätte gedacht, dass in eine Biografie Quellenangaben gehören. Diese vermisse ich, deshalb kann es keine 5 Sterne geben.