Der Feminismus tut niemandem etwas zuleide? Und Feminist*innen hassen keine Männer? Die baskische Aktivistin IRENE ergründet Gefühle, die Frauen im Patriarchat nicht zustehen. »Gewalt«, schreibt sie, »ist in unserer Gesellschaft allgegenwärtig. Doch der Feminismus gilt schon dann als extrem, wenn er friedliche Reformen fordert.« IRENE erzählt deshalb Geschichten von Frauen, die sich gegen patriarchale Gewalt schließlich auch gewaltsam gewehrt haben: wütende Frauen. Frauen, die ihre Peiniger getötet haben. Frauen, die militant gegen das Patriarchat kämpfen. Frauen, die Terroristinnen genannt werden. Ihre Porträts werfen die Frage neu auf, wie weit ein friedlicher Feminismus eine soziale Ordnung aufrütteln kann, die selbst nicht friedlich ist. »Im Gegensatz zu den Männern, die von Misogynie angetrieben töten«, so die Autorin, »töten Frauen, um zu überleben.«
Irene was born and raised in Brooklyn, NY. Ever since her childhood days her first passion was to write books. A hardworking and dedicated mother of three young men, Irene has truly come a long way and is steadfast at going further to reach deep into the minds and hearts of people who love to read. Currently she resides in the state of Kentucky.
Das kleine und feine Snackbuch „Feministisch morden“ versammelt Geschichten von Frauen, die sich gegen patriarchale Gewalt gewehrt haben, nicht aus einem Willen heraus, Gewalt mit Gewalt zu beantworten, sondern weil ihr Leben, ihre Freiheit und ihre Würde immer wieder durch patriarchale, männliche Gewalt bedroht waren und werden. Frauen zahlen und zahlten für ihren Widerstand und ihre Selbstverteidigung einen hohen Preis.
Die Autorin und Aktivistin IRENE zeigt auf, dass patriarchale Gewalt kein individuelles Problem ist, sondern eine strukturelle Gewaltkultur, die Männer nicht von sich aus beenden wollen. „Feministisch morden“ macht deutlich: Frauen mussten und müssen sich selbst verteidigen, oftmals ohne Unterstützung.
Ich empfinde den Inhalt des Buches nicht als militant oder radikalfeministisch, sondern als ehrlichen Hinweis und eindringliche Mahnung. Die Geschichten sind ein Appell, dass es notwendig ist, sich zu wehren, nicht, weil Gewalt glorifiziert wird, sondern weil es um Überleben, Würde und Gerechtigkeit geht.
„Ich selbst wünsche mir keinen gewalttätigen Feminismus. Ich fände es gut, wenn unsere Revolution mit Flashmobs und glitzernden Protestbannern auskommen würde. Aber ich bin mir nicht sicher, ob das reicht. Unser Aktivismus kann die Welt, in der wir leben, nicht ignorieren. Und diese Welt ist, ebenso wie die Strategien unserer Gegner*innen, unmoralisch und, ja, gewalttätig. Der Faschismus verhandelt nicht über seine Regeln. Das Patriarchat organisiert keine Sit-ins.“
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Mega gut!!! Auf knapp 100 Seiten führt die Autorin Irene in den militanten Feminismus ein, indem sie ganz unterschiedliche Frauen ab dem 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart, fiktiv und real, porträtiert, die Männern gegenüber gewalttätig geworden sind. Bei den Gewalttaten handelt es sich in erster Linie um Verteidigung bzw. Befreiung der Frau aus gewaltvollen Strukturen oder um Rache an den Tätern nach erlebter Gewalt und Vergewaltigung. Das Buch ist sehr gut recherchiert und trotz der Faktendichte super spannend geschrieben und kein bisschen trocken. Ich hätte sehr gerne noch mindestens 200 weitere Seiten zu dem Thema gelesen und gleichzeitig steckt in diesem kleinen Buch mega viel Information und Argumentation, es wird an keiner Stelle irgendetwas aufgemacht und dann nicht hinreichend bearbeitet, was ich für ein so kurzes Sachbuch sehr bemerkenswert finde. Was mir besonders gut gefallen hat, ist, dass Irene, obwohl sie sich selbst als militante Feministin beschreibt, sehr sachlich mit dem Thema umgeht, man muss also nicht selbst militante Feministin sein, um das Buch zu mögen. Außerdem ist das Buch, obwohl es von Militanz handelt, nicht gewaltverherrlichend. Irene schreibt explizit, dass sie nicht ausdrücken will, dass die Taten der Frauen gut sind, sie sagt aber eben auch nicht, dass sie schlecht sind. Hinzu kommt, dass sie feministische Gewalt immer als defensiv und damit grundlegend verschieden von patriarchaler Gewalt definiert, da sie nicht der Unterdrückung dient, sondern in jedem Fall dem Überleben, auch wenn die Tat nicht unmittelbar verteidigend ist. Ein Punkt, der mir sehr einleuchtend war, ist, dass die Möglichkeit Gewalt gewaltfrei zu begegnen, ein Privileg ist, das viele Frauen nicht haben/hatten. Ich kann das Buch nur empfehlen, ganz egal, wie man (feministischer) Gewalt gegenübersteht, super spannend! Ich werde mit Sicherheit noch länger darüber nachdenken!
"Aber anders als beim Patriarchat dient feministische Gewalt nicht der Unterdrückung. Sie ist subversiv. Gewalt als Hilfsmittel des Feminismus ist schlicht und einfach ein Mittel der Selbstverteidigung, ein Weg zum Überleben. Und sie ist wohlgemerkt ein Hilfsmittel und nicht das endgültige Ziel."(S. 56)
'Feministisch Morden' ist eine sehr kurze Abhandlung über die Geschichte der feministischen Gewalt, die auch vor Anschlägen und Mord nicht zurückschreckt, um auf patriarchale Gewalt zu antworten und um Gehör zu bekommen. Von der Künstlerin Artemisia über die Sufragetten in England bis zur Roten Zora erzählt IRENE davon, wie und auf welche Weise Frauen Gewalt angewendet haben und anwenden und warum pazifistische und gewaltfreie Aktionsformen notwendig und unverzichtbar sind, aber ihrer Meinung nach nicht ausreichen. Ein ungemütliches und sehr drastisches Buch - aber anders lässt sich dieses Thema nicht behandeln.
"Unser Aktivismus kann die Welt, in der wir leben, nicht ignorieren. Und diese Welt ist, ebenso wie die Strategien unser Gegner*innen, unmoralisch und, ja, gewalttätig. Der Faschismus verhandelt nicht über seine Regeln. Das Patriarchat organisiert keine Sit-ins. Der Kapitalismus startet keine Petitionen auf change.org. Die Unterdrückung und die Herrschaft sind im Kern gewalttätig."
Ein guter Essay über die Rechtfertigung antipatriarchaler Gewalt; mit traurigen, inspirierenden und belastenden Beispielen aus Kultur und Geschichte. Ich habe nicht viel Neues gelernt, aber die Grunderkenntnis ist richtig und verdient es durchaus, so ausführlich niedergeschrieben zu werden.