Seit über zwanzig Jahren sind Kora und Anselm glücklich verheiratet. Lange Zeit war das kinderlose Paar gut aufeinander sie, die erfolgreiche Journalistin, er, der Biologe, der Woche für Woche in die Hauptstadt pendelte. Doch nach einer Herz-OP findet Kora nicht mehr in ihre frühere Form zurück. Ihr Beruf, ihre Ehe, ihr Lebensentwurf – alles steht plötzlich infrage. Als ein Bekannter sie um Hilfe bittet, stürzt sich Kora in einen ungewöhnlichen Rechercheauftrag. Anselm wiederum hat die Rente eingereicht. Er will die verbleibende Zeit mit Kora genießen und einen lang gehegten Traum einen Libellenteich im Garten.
Der sorgfältig zwischen Nähe und Distanz austarierte Ehealltag gerät aus dem Takt. Kora flüchtet – und begibt sich auf eine Reise zu Menschen und Orten, die sie als junge Frau geprägt haben. Wer ist sie einmal gewesen? Was hält das Leben noch für sie bereit? Und wie kann sie wieder mit Anselm glücklich sein?
Diese Geschichte hat mich unerwartet tief berührt. Obwohl Kora älter ist als ich, habe ich mich als Frau Mitte vierzig stark in ihr wiedergefunden. In ihren Zweifeln, ihrer inneren Unruhe und vor allem in dem schwierigen Verhältnis zu ihrem eigenen Körper nach der Herzoperation. Dieser „versehrte“ Körper, der nicht mehr selbstverständlich funktioniert, wird mit großer Ehrlichkeit beschrieben – ohne Pathos, aber mit spürbarer Verletzlichkeit. Das fühlte sich für mich sehr authentisch an.
Sympathisch fand ich die Protagonistin nicht immer. Ihre Gedanken über Trennung, ihr Rückzug und ihre emotionale Unentschlossenheit waren stellenweise schwer auszuhalten. Aber genau das macht den Roman für mich so glaubwürdig: Sie ist keine gefällige Figur, sondern eine Frau im inneren Konflikt, konfrontiert mit ihrer Endlichkeit und mit Fragen, die man sich oft nicht einzugestehen traut.
Besonders geliebt habe ich die Figur ihres Mannes. Seine Liebe, Geduld und Zuwendung haben mich sehr berührt. Gleichzeitig war es schmerzhaft mitanzusehen, wie er unter ihrer inneren Distanz leidet. Dass er sich schließlich zurückzieht, empfand ich nicht als Schwäche, sondern als konsequente und würdige Reaktion – und als etwas, das er sich selbst schuldig war.
Der Roman zeigt eindrucksvoll, wie Krankheit das eigene Leben und die Beziehung zu anderen erschüttern kann. Wie sie einem die eigene Endlichkeit vor Augen führt und dabei alte Sicherheiten ins Wanken geraten. Die Liebe, später ist keine leichte Lektüre, aber eine sehr ehrliche. Ein Buch, das nachhallt – gerade dann, wenn man selbst an einem Punkt im Leben steht, an dem vieles infrage gestellt wird.
Was wollen wir vom Leben und der Liebe? Wie kann eine Langzeitbeziehung gelingen, wenn sich alle Parameter ändern und wollen wir das überhaupt? Wer sind wir eigentlich ohne unseren Job?
Kora ist 60, hat ihre Herz-OP überlebt und steht vor der Entscheidung, ob sie in ihrem Job beim Radio bleiben will oder sich neu findet. Zusätzlich zu ihren eigenen Themen kommt hinzu, dass ihre Jahrzehnte lang gut funktionierenden Wochenend-Ehe mit ihrem Ehemann Anselm aufgrund seiner Rente auf den Prüfstand gestellt wird. Ein Roman, der erzählt, was viele (Liebes-)Geschichten nicht mehr im Fokus haben: Die Zeit in der langen Beziehung, wie diese sich ändert und wir uns ändern.
»Du fällst hin, und dann stehst Du wieder auf. Du lässt sie nicht gewinnen.«
5 Gründe, warum ich den Roman »DIE LIEBE, SPÄTER« von der Schriftstellerin Gisa Klönne empfehle:
❤️ eine authentisch, ehrlich erzählte und kluge Lebensgeschichte einer Protagonistin, die Ü60 ist (und davon gibt es viel zu wenige Perspektiven in der Literatur — lieben wir also sehr🫰🏼) über Abschiede, Ankommen & Wiederfinden. ❤️ philosophische & lebenskluge Fragen, die Kora sich selbst stellt und damit auch den Lesenden schenkt ❤️ ein Roman, der erzählt, dass Liebe nicht immer rosa-rot ist und das ist sehr heilsam ❤️ eine Protagonistin, die zeigt, wie wichtig es ist, sich selbst immer wieder neu zu erfinden und den eigenen Platz im Leben, auch wenn es alles andere als leicht ist, sich unabhängig von Beziehung und Job zu definieren ❤️ die Struktur der Kapitel mit den Rückblenden (Orion-Zeit), 5-Fragen-an-… und Gedanken / Innenschau
Ich bin leider nicht in diese Geschichte reingekommen und habe mich durch das Buch geschleppt - immer in der Hoffnung, dass noch etwas passiert. Die Erzählweise ist sehr langsam und reflektierend. Ein Buch mit gutem Ansatz, aber leider auch vielen Längen.
„Die Liebe, später“ von Gisela Klönne / Verlag: Rowohlt Was passiert, wenn das Leben plötzlich innehält, nicht freiwillig, sondern durch einen Eingriff, der alles verändert? Die Liebe, später von Gisa Klönne ist ein leiser, intensiver Roman über genau diesen Moment: wenn Gewissheiten brüchig werden und man sich, vielleicht zum ersten Mal seit Jahrzehnten, selbst wieder befragt. Kora ist sechzig, erfolgreiche Journalistin, unabhängig, klar, strukturiert. Seit über zwanzig Jahren ist sie mit Anselm verheiratet. Ein Modell, das funktioniert hat: Distanz unter der Woche, Nähe am Wochenende. Köln und Berlin. Freiheit und Verlässlichkeit in einem sorgfältig austarierten Gleichgewicht. Doch dann kommt die Herz-OP. Und mit ihr eine Zäsur. Nach dem Krankenhausaufenthalt findet Kora nicht mehr zurück in ihr altes Leben. Ihr Beruf, ihr Alltag, ihre Ehe, alles steht plötzlich auf dem Prüfstand. Anselm, der Biologe, hat sie in dieser schweren Zeit begleitet, für sie gesorgt, war da. Und doch sagt er später: Sie hat es allein geschafft. Sie braucht mich nicht. Ein Satz, der nachhallt. Weil er Stärke meint und gleichzeitig Distanz schafft. Anselm reicht frühzeitig seine Rente ein, zieht ganz nach Köln und möchte einen alten Traum verwirklichen: einen großen Libellenteich im verwilderten Garten. Mehr Nähe. Mehr Zeit. Mehr Wir. Aber will Kora das? Wo bleibt ihre Freiheit? Und was sagt ihr Herz, jetzt, wo es weiterschlägt und sie zwingt, genauer hinzuhören? Kora beginnt zu zweifeln. Nicht aus eigenem Antrieb, sondern weil ihr Arbeitgeber ihr einen Aufhebungsvertrag geschickt hat. Plötzlich steht etwas im Raum, das sie selbst noch gar nicht zu Ende gedacht hat. Soll sie unterschreiben? Ist das ein sanfter Abschied nach der Herz-OP oder eine Entscheidung, die ihr abgenommen wird? Ihr Late-Night-Talk war gut. Sie war gut. Und doch fragt sie sich, ob jetzt der richtige Moment wäre, loszulassen. Oder ob sie gerade jetzt noch einmal etwas Neues beginnen könnte. Ein Rückzug? Oder ein Neuanfang? Ihre Sehnsucht nach Distanz wächst. Ausgerechnet jetzt, wo Anselm täglich da ist. Kora reist immer öfter nach Berlin. Dort hat sie eine Wohnung, ein Rückzugsort? Eine Flucht? Oder ein stiller Versuch, wieder gesehen zu werden? Zu heilen? Sich selbstbezogen finden? Zum ersten Mal hat sie Geheimnisse. Und zum ersten Mal stellt sich die Frage so deutlich: Wie viel Freiheit verträgt eine lange Liebe? Auch Anselm bleibt nicht unberührt. Ihm fällt es schwer, mit Koras Emotionen, ihrem Rückzug und ihren offenen Fragen umzugehen. Immer nur Ich, wo bleibt das Wir? Und auch er muss sich neu verorten: in der Beziehung, im Ruhestand, in einem Leben, das plötzlich anders verläuft als geplant. Gisa Klönne erzählt diese Geschichte mit großer Einfühlsamkeit und Lebensklugheit. Sie schreibt über den Umbruch nach einer Krankheit, über das Älterwerden, über Nähe und Distanz, über die leisen Verschiebungen in einer langen Ehe. Abwechselnd führt sie uns in Koras Zeit im Krankenhaus, in ihren journalistischen Alltag, in ihre Erinnerungen, ihre Reisen, ihre Sehnsucht und immer wieder in diesen sicheren Hafen, der doch ins Wanken gerät. Die Liebe, später ist ein Roman, der nachdenklich macht, ohne zu urteilen. Der Fragen stellt, statt Antworten aufzuzwingen. Wie sieht Glück aus? Ist es für beide dasselbe? Und wie findet man sich und eine Beziehung neu, wenn sich die Lebensumstände ändern? Ein stilles, warmes, tief berührendes Buch über eine Liebe, die in die Jahre gekommen ist und gerade deshalb so viel über das Leben erzählt. Ein Roman, der bleibt. Und lange nachhallt. Eigene Meinung. Eigenes Lesen. Eigene Worte.
Die Autorin gibt sich wirklich alle Mühe, dem Leser das Seelenleben von Kora nahe zu bringen und prinzipiell kann ich das ganze Zweifeln und ihre Depressionen gut nachvollziehen, auch ihre Gedanken über Freiheit. Kora muss eine aufwühlende Herzoperation verarbeiten, steckt in einer späten Midlife Crisis, hadert mit ihrer beruflichen Situation und dem Renteneintritt ihres Mannes; sie fühlt sich einerseits krank und alt, andererseits noch nicht bereit, in den kürzer oder gar in den Ruhestand zu treten. Und daher auch nicht, sich über die Freizeitpläne ihres Mannes zu freuen oder diese gar zu teilen. Stundenlang liest man von ihrem Zweifeln, ihrem Betrug (ja, so habe ich das empfunden) an ihrem wirklich tollen Mann und ihren kopflosen Aktionen.
Kora hat einiges durchmachen müssen, ja, aber sie hatte jederzeit Unterstützung, sicherlich auch eine private Krankenversicherung, lebt privilegiert. Sie hat so viel mehr als andere: einen großartigen Ehemann, Wohlstand, Sicherheit, Zeit und Geld. Aber sie seht sich nach einer leeren kleinen Wohnung in Berlin, nach ihrem Exfreund, der sie betrogen hat und ihren beruflichen Anfängen.
Für ihren verzweifelten Freund, dessen Frau spurlos verschwunden ist, hat sie keinen Nerv, weil sie nur um sich selbst kreiselt. Mich ärgerte, dass sie ihm immer wieder unterstellt, selbst schuld an dem Verschwinden seiner Frau zu sein, einfach nicht glauben will, dass es keine Eheprobleme gab. Auch für ihre Mentorin Gabriella hat sie keinen Nerv, obwohl es ihr offensichtlich gesundheitlich sehr schlecht geht. Kora ist eine Person, die andere Menschen verletzt, die keine Dankbarkeit empfinden kann und meint, das Leben wäre ihr etwas schuldig.
Fazit: Kann ich verstehen, dass Kora sich neu finden will? Ja, absolut. Aber ging sie mir mit ihren Gedankenkreiseln und ihrer Unsicherheit tierisch auf die Nerven? Ebenfalls ja.
"Die Liebe später" von Gisa Klönne handelt von Kora, die mit ihren zwischenmenschlichen Beziehungen, dem Älter werden und auch der eigenen Vergänglichkeit hadert. Insbesondere ihre "Wochenend-Beziehung" zu ihren Mann Amseln stellt hierbei auf den Prüfstand.
Zunächst einmal muss man sagen, dass das Buch nicht viel Handlung im klassischen Sinne hat. Der größte Teil der Geschichte sind die Gedanken die sich Kora macht. Wer also lieber plot-driven Bücher mag wird dieses Buch vermutlich nicht mögen. Wer jedoch gerne über innere Beweggründe, tiefe Gefühle und eigene Unsicherheit lesen möchte wird mit "die Liebe später" ein Buch mit vielen schönen und interessanten Denkanstößen zum Altern, zu Liebe und Freundschaft finden. Die Geschichte ist hierbei an vielen Stellen melancholisch und gespickt mit "was wäre wenn"-Szenarien. Trotzdem bleibt die Handlung auf ihre eigene Art dabei optimistisch. Diese Kontraste sind eine interessante und lesenswerte Mischung.
Es gibt verschiedene Ereignisse im Leben eines Menschen, die einen das Leben neu orden und zurückschauen lassen, das sind schwere Erkrankungen und der Eintritt in den Ruhestand. Solche Ereignisse können herausfordernd sein und sogar Krisen auslösen, bei den betreffenden Personen selbst, aber auch in der Partnerschaft. Dieses Thema greift Gisa Klönne in ihrem Buch " Die Liebe später " auf.
Cora und Amseln sind seit über zwanzig Jahren ein Paar und ein eingespieltes Teal. Amseln ist Biologe, Cora erfolgreiche Journalistin mit eigener Sendung. Sie leben eine Ehe auf Augenhöhe, die in der Balance zwischen Nähe und berufsbedingter Distanz perfekt funktioniert. Amseln lebt unter der Woche in Berlin, Cora im gemeinsamen Haus in Köln. Doch dann muss sich Cora einer schweren Herz OP unterziehen, die ihr ganzes Leben verändert. Ihr Arbeitgeben bietet ihr einen Aufhebungsvertrag an, weil er die Sendung verjüngen will und Cora merkt ihre körperlichen Einschränkungen aufgrund der OP. Sie tut sich schwer das anzunehmen. Amseln freut sich auf den gemeinsamen Ruhestand mit ihr, will sich endlich seinen Traum vom Libellenteich erfüllen und endlich viel Zeit mit Cora verbringen. Doch Cora gerät in eine Lebenskrise. Was will sie, will sie mit 61 Jahren schon die Hände in den Schoss legen?Wie ist es den ganzen Tag mit Amselm zu verbringen. Hält ihre Beziehung das aus? Cora fühlt sich überfordert und eine wachsende Entfremdung zu Amseln, ist das der Mann. mit dem sie im Ruhestand leben möchte und den Libellen beim Fliegen zushen will?Cora bricht aus , fährt nach Berlin in " ihre Wohnung" und begibt sich auf die Spuren in ihre Vergangenheit und auf die Suche nach sich selbst.
Der Autorin ist es in diesem Buch meisterhaft gelungen die Gefühle eines Menschen aufzuzeigen, der ungewollt in die letzte Lebensphase katapultiert wird, hier durch eine Krankheit. Sich einzugestehen, dass der Körper einem Grenzen setzt, man kürzer treten muss und einem berufliche Grenzen aufgezeigt werden, obwohl man sich selbst das nicht eingestehen mag,man es nicht fühlt, ist hart und macht Angst. Man fragt sich,war es das, wie wird es mit dem Partner, der dann tagtäglich 24 Stunden um einen ist, wie geht man selbst mit der vielen Zeit um, gibt ihr einen Sinn und sich selbst eine Aufgabe? Ich glaube jeder, der diesen Schritt schon gegangen ist, kann das nachvollziehen. Man muss einen neuen Lebensentwurf finden, der einen ausfüllt und einem weiterhin Autonomie zusichert.
Gisa Klönne findet eine wundervolle Sprache in diesem Buch, um Coras Findungsphase zu beschreiben, aber auch die Veränderung, die es für die Partnerschaft bedeutet. Mir waren sowohl Cora, aber auch Amselm nahe und ich konnte beide verstehen und ihr Denken und Handeln nachvollziehen. Eine Liebe, die auf die Probe gestellt wird durch einen neuen Lebensabschnitt ist eine Herausforderung.
Ein Buch das für mich von Seite zu Seite besser wurde und das ich sicherlich nicht vergessen werde.
Die 60-jährige Nora findet nach ihrer überstandenen Herzoperation nicht mehr in ihren Alltag zurück. Wie auch, wenn sich scheinbar alles verschoben hat. Ihr Mann Amsel, der während der OP nicht von ihrer Seite wich, ist inzwischen im Ruhestand und pendelt erstmals seit ihrem gemeinsamen Leben nicht mehr zwischen den Städten. Stattdessen ist er nun ständig präsent im Kölner Haus, richtet sich häuslich ein, erfüllt sich den lang gehegten Traum von einem Gartenteich und streicht an Regentagen die Innenwände. Auch Noras eigenes Berufsleben steht zur Disposition: Ein Aufhebungsvertrag vom Radio liegt auf ihrem Sekretär, unterschriftsreif, aber noch ohne Entscheidung.
Während Amsel sich auf das neue gemeinsame Zuhause freut, beginnt Nora zu zweifeln. Ist das wirklich das Leben, das sie führen möchte? Vergangene Entscheidungen drängen sich auf, alte Freundschaften werfen lange Schatten, und ihr bisher so stabiles Dasein gerät ins Wanken. Lohnt es sich, in diesem Alter noch einmal alles infrage zu stellen und neu anzufangen – und warum sollte sie das tun, wo sie doch den Mann an ihrer Seite hat, den sie all die Jahre geliebt und geschätzt hat?
Zusätzlich beschäftigt Nora das rätselhafte Verschwinden von Leonie, der Frau eines Bekannten. Liegt ein Verbrechen vor oder hat Leonie ihr Leben einfach hinter sich gelassen, um einen neuen Weg einzuschlagen?
Gisa Klönne erzählt in ruhigem, klarem Ton von einem kinderlosen Ehepaar im Übergang und vom Älterwerden mit all den leisen Erschütterungen, die damit einhergehen. Authentisch und feinfühlig lässt sie ihre Protagonistin auf ein gelebtes Leben mit all seinen Brüchen, Verlusten und verpassten Möglichkeiten zurückblicken. Besonders gefallen haben mir Noras immer wiederkehrende fünf Gedanken, mit denen sie Situationen und Menschen einordnet – ein kluges erzählerisches Mittel, das dem Roman zusätzliche Tiefe verleiht.
Ich habe das Buch sehr gern gelesen. DIE LIEBE, SPÄTER empfehle ich vor allem Leserinnen und Lesern in der Lebensmitte; ob jüngere Menschen denselben Zugang finden, bezweifle ich.
Fazit: Ein kluger, ruhiger und sehr authentischer Roman über das Älterwerden mit all seinen Reizen und Ambivalenzen. 4/5
Vom Verschwinden Gisa Klönnes Roman kreist um die Vorstellung von Flucht und möglichem Neuanfang. Kora, die im Mittelpunkt steht, weiß nach einer überstandenen schweren HerzOP und mit dem Eintritt ihres Mannes in den Ruhestand plötzlich nicht mehr, ob sie ihr Leben fortsetzen will wie bisher. Drumherum - und von ihr bei der eigenen Suche auch angesteuert - werden andere Erfahrungen mit Verschwinden und Verlassen(werden) erzählt. Den Wunsch, einfach fort zugehen, haben vielleicht viele schon gehabt, dem Leben einen Ausweg abtrotzen… Flucht und Neuanfang eignen sich so sehr für literarische Spannungsbögen wie es letztlich schwierig ist, daraus einen wirklich gelungenen Plot zu gestalten.
Der Roman baut mit diesem fast schon manischen Dauermotiv durchaus Spannung auf. Gleichzeitig fand ich einiges ärgerlich, hölzern, konstruiert. Auf jeden Fall spielen sich die existenziellen Fragen vor einer enorm bürgerlichen Kulisse ab. Paare, die mit Renteneintritt nicht die Altersarmut fürchten müssen, sondern sich entfremden über einzurichtende Billardzimmer im großen Eigenheim, anzulegende Libellenteiche im ebenso großen Garten oder Wohnmobilpläne der Oberliga. Die sich über Dinge und einen bildungsbürgerlichen Status mehr definieren als über wirkliche Themen und Gespräche. Und diese vage, aber drängende Sehnsucht nach etwas ganz anderem, noch einmal.
Das wirkt streckenweise geschmeidig erzählt, aber dann auch wieder aseptisch und getrickst: Wenn der Figur die nötige Tiefe fehlt, wird sie mit Dingen ausstaffiert, und sei es ein Tischtennisball. Und by the way, der überwiegende Teil der Freund:innen von früher trägt Namen, die viel später in Mode kamen: Mia, Sascha, (Mo)ritz, eine seltsame Häufung von Nicht-Boomer-Namen, soll das schicker wirken?
Der Roman schillert zwischen Themen, die wirklich tief gehen und auf jeden Fall für eine Angehörige der gleichen Generation wie mich echte Triggerpunkte haben - und einer bodenlosen Oberflächlichkeit an mancher Stelle.
Kora und Anselm sind schon sehr lang verheiratet. Haben viel erlebt und vor allem Anselm freut sich jetzt auf seinen Ruhestand. Möchte im Garten einiges verändern und Zeit mit seiner Frau verbringen.
Kora ist an einem anderen (Lebens)Punkt, sie arbeitet gern und ihr Beruf als Journalistin macht ihr Freude und sie kann sich auf das „zur Ruhe kommen“ noch nicht endgültig einlassen.
Die beiden waren die letzten 20 Jahre oft getrennt unterwegs, Dienstreisen und durch den Job von Anselm haben sie sich nur am Wochenende gesehen. Nun aber diese ständige Nähe? Was macht das mit einer Ehe?
Nach einer schweren Erkrankung steht Kora nun da, möchte Antworten auf ihre Fragen haben und sucht irgendwie Abstand zu Anselm, um allein zu schauen, was für sie nun wichtig ist. Möchte sie einfach weiter machen? Zuhause sein und dort ein neues Leben beginnen? Oder ganz woanders neu anfangen?
Und dann gibt es da auch noch Menschen aus ihrer Vergangenheit, mit denen auch noch Dinge zu besprechen und zu klären gibt.
Es ist ein sehr ehrliches Buch über eine langjährige Ehe. Ohne Schnörkel, Kitsch und doch auch mit Romantik und der Beschreibung einer intensiven Nähe, die auch Mut macht. Und zwischendurch gibt es auch immer wieder lustige Stellen und Situationen, die mich sehr zum Lachen gebracht haben. Und diese abwechslungsreiche Listen, die zwischendurch auftauchen und die ich mir am liebsten in die Wohnung hängen würde…. Besonders toll:
„Fünf Nachteile einer langjährigen Liebe“ … und ja, es gibt auch fünf Vorteile.
In 'Die Liebe, später' wird über Kora, einer ehemaligen erfolgreichem Radiosprecherin erzählt, die sich nach einer schweren Herzoperation erholen und sich wieder im Leben zurecht finden muss. Es müssen ein paar Entscheidungen getroffen werden, sei es der Verkauf einer alten Wohnung, Frührente, ein Teich im Garten, gehen oder bleiben, helfen oder nicht.
Für mich werden hier zu viele Themen angerissen, die für mich nicht ordentlich auserzählt wurden. Man versteht, dass sie ihr Leben neu sortieren möchte nach so einer einschneidenden Operation, aber man bekommt gleichzeitig nicht genug von ihren wirklich Beweggründen erzählt, sondern nur ständig wiederholendes Hin und Her. Diese dauernden Sprünge haben mich wirklich genervt, den die Geschichte kam bei keinem Thema auf dem Punkt.
Es hat mich leider extrem gelangweilt, der Schreibstil war für diese Erzählung dann für meinen Geschmack zu nüchtern und distanziert. Man hätte die innere Zerrissenheit von Kora mehr ausarbeiten müssen, dann hätte man auch vielleicht mehr von ihrem Verhalten verstanden.
Ich habe das Buch nur beendet weil ich wissen wollte wie es mit einer einer Figur in der Geschichte weitergeht, ansonsten hätte ich es spätestens bei der Hälfte abgebrochen. Das ärgerliche war dann aber, das man nicht mal mehr erfährt was mit der Person den nun war, obwohl es dauernd thematisiert wurde..
Die Ausgangslage hat mich eigentlich sofort angesprochen: Kora und Anselm sind seit über zwanzig Jahren verheiratet, doch nach Koras Herz-OP gerät alles ins Wanken: ihr Körper, ihr Job, ihre Ehe. Während Anselm in den Ruhestand starten und seinen Traum vom Libellenteich leben will, flüchtet Kora in einen Rechercheauftrag und in die Vergangenheit, auf der Suche nach dem, wer sie einmal war und wer sie noch sein kann. Ich konnte Koras Zweifel, ihre depressive Stimmung und das Ringen um Freiheit grundsätzlich gut nachvollziehen. Aber ich bin leider nie richtig in die Geschichte reingekommen. Die Erzählweise ist sehr langsam und reflektierend, oft wirkten die Passagen wie endlose Gedankenschleifen. Ich habe mich durch viele Kapitel geschleppt, in der Hoffnung, dass noch mehr Handlung kommt. Statt mit Kora mitzufühlen, habe ich mich irgendwann immer mehr auf Abstand wiedergefunden. Ihre Entscheidungen wirken oft impulsiv und wenig reflektiert im Umgang mit den Menschen um sie herum. Vor allem, dass sie die Sorgen anderer kaum an sich heranlässt, etwa bei dem Freund mit seiner verschwundenen Frau oder bei Gabriella, der es sichtbar schlecht geht, hat mich frustriert. Dadurch blieb bei mir weniger Verständnis übrig und mehr das Gefühl, dass sie sich in ihrer Suche nach sich selbst zu sehr von allem anderen abkoppelt. Fazit: Ein Buch mit starkem Thema und nachvollziehbarem Ansatz, aber für mich zu viele Längen und eine Protagonistin, die eher genervt als berührt hat.
In “Die Liebe, später” von Gisa Klönne geht es um Kora, die um die 60 Jahre alt ist und nach einer Herz-OP das Leben mit ihrem Ehemann Anselm, der gerade in Ruhestand geht, in Frage stellt und auf der Suche nach dem Sinn für den Rest ihres Lebens ist. Nebenbei spielen auch ein “Freund” von ihr, dessen Frau verschollen ist und nach der Kora als Journalistin suchen soll, eine Rolle, sowie ihr Ex-Freund, auf den während des gesamten Buches immer wieder verwiesen wird, bis man am Ende nach vielen Andeutungen erfährt, warum diese Beziehung Kora auch nach 20 Jahren noch so in Schockstarre versetzt, sowie Geheimnisse um ihre früh verstorbenen Eltern. Insgesamt will dieses Buch sehr viel und hält wenig, fängt viele Nebenstränge an, um sie dann nicht weiter zu verfolgen oder aufgebauschte Handlungen dann verpuffen zu lassen. Die Erzählgeschwindigkeit ist langsam; man befindet sich durchgehend in Koras Perspektive, die gedanklich zwischen verschiedenen Zeitebenen hin- und her springt, und der eigentliche Konflikt zwischen Anselm und ihr wird quasi nebenbei ausgetragen. Insgesamt hätte man für meinen Geschmack die ersten 70% der Handlung um mindestens die Hälfte einkürzen können, weil extrem langatmig extrem wenig erzählt wird; die eigentlichen handlungstreibenden Elemente häufen sich dann zum Ende des Buches. Davon hätte ich mir mehr früher gewünscht. Ich habe beim Hören immer wieder den Faden verloren, weil ich gefühlt schon dreimal jeden Gedankengang erklärt bekommen habe und dachte, ich hätte versehentlich zurück gespult, wobei mir die stimmliche Darbietung durch Nicole Engeln an sich sehr gefallen hat und stimmig war. Insgesamt wird mir dieses Buch jedoch nicht im Gedächtnis bleiben, da ich gefühlt schon einen Tag nach dem Fertighören einige der Handlungsstränge vergessen habe.
*Das Hörbuch wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt.
Mit „Die Liebe, später“ schlägt Gisa Klönne leise, nachdenkliche Töne an und erzählt von Kora, einer ehemaligen Radiosprecherin aus Köln, die nach einer Herzoperation und zeitgleich mit dem Ruhestand ihres Mannes Anselm ihr Leben hinterfragt. Auf einer Reise durch mehrere Städte begegnet sie Menschen aus ihrer Vergangenheit – und vor allem sich selbst. Themen wie Identität, Liebe, Vergänglichkeit und Neuanfang stehen dabei im Mittelpunkt.
Die Erzählweise in kurzen Kapiteln und Rückblenden soll Koras innere Zerrissenheit widerspiegeln, wirkte auf mich jedoch häufig zäh und wenig fokussiert. Viele Themen und Begegnungen werden angerissen, bleiben aber offen oder entwickeln sich nicht weiter, was bei mir den Eindruck hinterließ, dass der Roman erzählerisch nicht ganz zu Ende gedacht ist.
Sprachlich ist das Buch ruhig und stellenweise poetisch, bleibt dabei jedoch sehr distanziert. Gerade diese emotionale Zurückhaltung war für mich der größte Schwachpunkt: Eine wirkliche Nähe zur Protagonistin oder ein emotionales Mitgehen wollte sich nicht einstellen, sodass mich Koras Geschichte trotz der ernsten Themen kaum berührt hat.
Auch das Cover weckte bei mir andere Erwartungen, als der Inhalt letztlich einlöste, was den Zugang zusätzlich erschwert hat.
Insgesamt erkenne ich die literarischen Ansätze und die Ernsthaftigkeit der behandelten Themen an, für mich blieb „Die Liebe, später“ jedoch zu zurückhaltend, zu offen und emotional zu wenig greifbar. Für mich reicht das daher nur für zwei Sterne. Leser:innen, die sehr leise, fragmentarische Selbstreflexionen mögen, könnten hier dennoch fündig werden – meine Erwartungen wurden jedoch nicht erfüllt.
Ein herzliches Dankeschön an NetGalley und den Verlag für das Rezensionsexemplar.
Mit zunehmendem Alter werden Krankheiten und Gebrechen immer häufiger. Seien es Rückenschmerzen, Probleme mit den Zähnen oder Knochen oder gar organische Beschwerden. Das muss auch Cora in „Die Liebe, später“.
Nach einer Herzoperation ist viel Unklarheit in Coras Kopf. Sie reflektiert berufliche Erfolge , zerbrochene Freundschaft und eine Fehlgeburt. Aber auch ein Vermisstenfall lässt ihr keine Ruhe…
Ich fand das Buch vorrangig anschaulich und spannend geschrieben. Sowohl für die Vergangenheit als auch in der Gegenwart nutzt die Autorin bildhafte und vergleichende Beschreibungen, was einen Lesegenuss gewährleistet. Die prosaische Sprache untermauert dies für mich, sorgt sie doch für Ruhe und Ästhetik. Auch die immer wieder auftauchenden Fünf Dinge Aufzählungen geben Struktur und Überblick. Allerdings herrscht viel Unklarheit. Was hat es mit den Vermisstenfall auf sich? Und warum stellt Cora so viel in Frage? Ist ihre Beziehung zu Amseln, das Wochenendballett, das, was sie sucht? Dieses Wirre im Roman passt nur bedingt zur Sprache. Ich gebe den Roman vier Sterne und freue mich auf ähnliche Bücher.
Kora und Anselm sind lange verheiratet und eigentlich lief es doch immer gut. Lief es das wirklich? Und auch so, wie man es sich wirklich wünscht? Anselms Renteneintritt und Koras Leben nach einer schweren Operation in einer Zeit beruflicher Unsicherheit, sind sehr viele Punkte an denen die beiden anfangen darüber nachzudenken, was sie vom Leben noch erwarten und wie ihre Liebe das alles begleiten kann. Ein Vermisstenfall in Koras Umfeld, bringt sie dazu viel darüber nachzudenken, ob sie bereits wirklich alles erlebt hat, Dinge geklärt hat und wo es noch hingehen kann.
Mit einer unglaublichen Nähe schreibt Gisela Klönne über diese Zeit der Umbrüche und Unsicherheiten nach der Lebensmitte. Man kann sich unglaublich gut in Kora und Anselm hineinversetzen und beginnt über sein eigenes Leben zu sinnieren. Es bleibt niemandem ewig Zeit. Ein tolles Buch über das richtige Verhältnis zwischen Nähe und Distanz mit feinen Zwischentönen. Eine Geschichte, mitten aus dem Leben gegriffen. Es hat mir große Freude bereit Kora und Anselm leserisch zu begleiten.
Die Schriftstellerin Gisa Klönne schreibt in ihrem Roman, Die Liebe, s+älter, über das Älter werden. Die Journalistin Cora muss mit sechzig Jahren eine neue Herzklappe hingepflanzt werden. Das ist für jeden ein eingreifendes Erlebnis. Ihr wird nahe gelegt in Frührente zu gehen. Das wurde hier plastisch erzählt. Ihr Mann Anselm ist etwas älter und geht schon von sich aus in Rente. Das war gut gemeint. Ist dann doch auf einmal Zuviel Nähe. Das konnte ich genau nachvollziehen. Dann denkt Cora viel an ihre Kindheit und Jugend. Zwischendurch driftet sie immer an ihre Operation ab. Dann macht sie sich Sorgen, kann sie weiter mit Anselm zusammen leben? Sie fährt oft nach Berlin, da hat sie von ihrem Vater eine Wohnung geerbt. Anselm lässt sie viel im Unklaren, wann sie wiederkommt. Bis er selber dann auf Reisen geht, um aufzuräumen in seiner Vergangenheit. Das bringt Cora endlich zu einem Ergebnis. Der Roman ist wunderbar echt und lebensnah. Ich war von ihm begeistert.
Nach einer schwierigen OP fällt es Kora schwer, wieder ins Leben zurück zu finden. Sie fragt sich, ob sie und ihr Mann noch die gleichen Ziele verfolgen, ob sie in ihren Job zurückkehren möchte und was sie eigentlich von ihrem weiteren Leben erwartet. Kora spürt, dass wichtige Entscheidungen anstehen und sie ihr Leben in die Hand nehmen muss.
Die Stimmung des Buches ist vor allem zu Beginn recht melancholisch, ein schwelgen in der Vergangenheit, was-wäre-wenn-Szenarien und man spürt die Ungewissheit, welche die Protagonistin begleitet. Gisa Klönne gibt Koras Gedanken Raum und beschreibt das Durcheinander an Gefühlen, welche durch ein einschneidendes Erlebnis hervorgerufen werden können. Es spricht viel Lebenserfahrung aus der Geschichte und man hat das Gefühl an den Lebensweisheiten der Autorin teilhaben und von ihr lernen zu können. Durch Rückblicke in die Zeit kurz nach der Operation wird der Kontrast in Koras Gedanken und ihrem eingeschränkten Bewegungsradius zu ihrem Erleben der Welt im Jetzt eindrücklich dargestellt. Ein Buch was zum nachdenken anregt und mit dem sich wahrscheinlich vor allem Menschen identifizieren können, die in einem ähnlichen Alter sind, doch auch Jüngere können davon profitieren.
Zum Inhalt: Kora und Anselm sind schon lange verheiratet und zufrieden mit ihrem Leben. Eine Herz-OP wirft Kora plötzlich in Zweifel an allem, was bisher so richtig und normal erschien, während ihr Mann Anselm die Rente einreicht und eigentlich die Zeit gemeinsam mit Kora und einem Projekt genießen will. Doch ist es das, was Kora will. Sie begibt sich auf die Suche, nachdem was sie einmal war. Meine Meinung: Das Buch fand ich richtig gut, beleuchtet es doch ein Thema, dass wahrscheinlich jeden mal ereilt hat, ob man nun vorher einen gravierenden Einschnitt hatte oder auch nicht. Man hinterfragt, das Leben, dass man führt und wie man eigentlich war und wohin man mal wollte. Das hat die Autorin sehr feinfühlig aufgenommen und verarbeitet ohne zu theatralisch zu werden. Diese Zerrissenheit und das Chance auf ein vielleicht ganz anderes Leben ist total interessant und berührend geschrieben. Ich hatte die Hörbuchversion, die mir auch gut von der Art des Vortrags gefallen hat. Fazit: Berührend Geschichte