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Abschied vom Phallozän: Eine Streitschrift

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Der Showdown des Anthropozäns scheint Vor der Kulisse aus Klimakrise und Kriegen droht eine Handvoll machttrunkener und skrupelloser Politiker im Verein mit rücksichtslosen Techmilliardären die Welt gegen die Wand zu fahren. Was all diese Akteure von nie dagewesener globaler Wirkmacht gemein haben? Es sind ausnahmslos Männer. Ignoriert man diesen weißen Elefanten im Raum, hilft auch aller Aktivismus nicht, Nicht der Mensch hat die Erde im Würgegriff, sondern das Patriarchat! Es zu überwinden hieße, den gröbsten globalen Problemen gebündelt entgegenzutreten. Sklaverei, Rassismus, Kolonialismus und Imperialismus schienen bis vor Kurzem noch »alternativlos«, doch sie konnten weitestgehend aufgearbeitet werden, weil sie entlarvt als Missstände, die der Spezies Mensch unwürdig sind. Warum sollte das mit dem Patriarchat nicht auch gelingen? 

Gertraud Klemm nimmt sich in ihrem leidenschaftlichen Essay matriarchale Gesellschaften aus Vergangenheit und Gegenwart zum Vorbild für ihre Ankündigung des Abschieds vom Phallozän – ein kraftvolles Gedankenspiel über matriarchale Inspiration, patriarchale Dekonstruktion und die Notwendigkeit der kolonialen Schubumkehr.

144 pages, Kindle Edition

Published July 31, 2025

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About the author

Gertraud Klemm

12 books18 followers

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Displaying 1 - 8 of 8 reviews
Profile Image for Aniya.
341 reviews37 followers
July 31, 2025
“(...) die vaterrechtliche Männlichkeit hat sich ihre erhabene Position durch Erniedrigung alles Weiblichen ertrampelt. (...) 

Sie ist der Grundstein für eine Vaterschaft, die die Mutterschaft ausbeutet, für eine Herrschaft, die Gewalt und Ungerechtigkeit legitimiert, für eine Wissenschaft, die das Weibliche pathologisiert hat, für eine Religion, die sich Götter ohne Penis nicht vorstellen kann und will.”


Großartige Streitschrift!

Gertraud Klemm holt zum Rundumschlag aus, stellt jede Menge Fragen, wünscht und hofft. 


Sie zeigt sehr gut auf, dass Matriarchate eben keine umgekehrten Patriarchate sind, sondern unser Weg raus aus Kapitalismus, Gewalt, Umweltzerstörung, Einsamkeit, Ungleichheit. 

Die aktuelle Situation, Kriege und auch den Klimawandel sollte man eben nicht nur dem Kapitalismus andichten, sondern explizit dem Patriarchat! 


Besonders gefallen hat mir die allumfassende Religionskritik, ohne Spiritualität an sich gänzlich zu verteufeln. Klemm versteht den Wunsch nach großen Festen, Abschieden, Hoffnung, Versöhnung mit der eigenen Sterblichkeit. Allerdings haben wir momentan keine Religion, die nicht zutiefst frauenfeindlich und patriarchal ist!

Und ja, die Linke hat einen blinden Fleck, was den Islam angeht.


Überhaupt stimme ich Klemm zu, dass wir Linken uns zu sehr von inneren Grabenkämpfen um korrekte Wörter ablenken lassen. Es wäre viel sinnvoller, sich auch bei kleinen Unstimmigkeiten klar und solidarisch zueinander zu stellen. Das Fortbestehen unserer Menschheit und Freiheit ist zu wichtig, um sich von solchen Streitigkeiten entzweien zu lassen.


Scharfsinnig zeigt die Autorin außerdem auf, wie akzeptiert viele Formen von Misogynie gegenüber anderen Diskriminierungsformen noch sind. Indem sie uns Lesende darum bittet, sich mal vorzustellen an Feiertagen würden Schwarze Menschen statt Frauen gejagt und verprügelt werden (Klaasohm und andere Traditionen dieser Art), legt sie den Finger in die Wunde aus Akzeptanz eines unbändigen Frauenhasses, der uns vollkommen normal erscheint. 


Kritik an der nuklearen Kleinfamilie, die komplett ins “Private” verschoben wird, ist ebenfalls super wichtig. Die klassische Großfamilie ist bereits ausgestorben, die Kleinfamilie macht vor allem Frauen unglücklich und führt zu Einsamkeit. Deshalb entscheiden sich immer mehr von ihnen dagegen. Allerdings ist Individualismus keine Lösung und uns fehlen Konzepte, die die Paarbeziehung mit ein oder zwei Kindern ablösen. Unsere patriarchale Weltsicht hindert uns daran, dieses Thema neu zu denken. Matriarchate können da doch zumindest einen Versuch wert sein. 


Hoffnung bietet die Erkenntnis, dass das Patriarchat zwar grade ähnlich unausweichlich scheint wie der Kapitalismus, aber das galt einst auch für reine Monarchien, in denen das Volk kein Mitspracherecht hatte, und den Sklavenhandel, die wir erfolgreich überwunden haben. Eine andere, gerechtere Welt ist also möglich!


“Zu den größten Errungenschaften des Patriarchats gehört die akribische Ausblendung von allem, was unseren patriarchalen Tunnelblick erweiterten und unsere Weltsicht infrage stellen könnte.”


Was Mutterschaft angeht, bin ich nicht ganz bei Klemm, denn ich finde nicht, dass diese aus dem Feminismus rausgehalten wird. Im Gegenteil ist Mutterschaft hier eines der zentralen und wichtigsten Themen und der Großteil der publizierenden und lauten Feministinnen sind selbst Mütter. Tatsächlich wird mittlerweile sogar von feministischer Seite, die sich “Feminismus für alle” auf die Fahnen schreibt, auf bösartige Weise gegen kinderfreie Frauen gehetzt. Die wiederum zeigen sich zu Recht entsetzt, waren sie doch eigentlich Allys, die ebenfalls für eine bessere Welt für Kinder eingestanden sind (dafür braucht man nämlich gar keine eigenen, krass, ich weiß). 

Kinderfreie Frauen sind eine Minderheit, die von allen Seiten kritisiert, lächerlich gemacht und teilweise sogar bedroht wird. Dass Feministinnen dort jetzt mitmischen und sich (wie Rechte) pronatalistisch positionieren, kann nur als sehr gruseliger Teil des patriarchalen Backlashes verstanden werden. 


Ich muss Klemm aber nicht in allem zu 100 Prozent zustimmen, um diese Streitschrift zu mögen und die Autorin zu bewundern. 

Bitte lest sie!
Profile Image for Kat Scriptophil.
48 reviews7 followers
October 8, 2025
Sehr kluges, pointiertes Werk mit einem präzisen Blick dafür, welche Missstände auf patriarchale Strukturen zurückzuführen sind und warum das Patriarchat nicht "naturgegeben" ist (auch wenn es sich für viele so anfühlt), sondern etwas vom Menschen gemachtes und zudem junges - gemessen an der Menschheitsgeschichte.

Klemm zeigt außerdem auf subtile (und weniger subtile) Weise, was das Problem des modernen Feminismus ist: Lagerbildung, ablenkende Endlos-Diskussionen über Begrifflichkeiten, interne Zwistigkeiten und teilweise ein "Influencer-Feminismus", der sich auf Social-Media-Präsenz beschränkt und abseits davon nicht ins TUN kommt.

Weiters - und das ist der interessanteste Teil für mich gewesen - stellt sie die Idee in den Raum, dass wir von den verbliebenen 20 Matriarchat-Gesellschaften, die es weltweit noch gibt, womöglich etwas Wertvolles lernen und eine neue feministische Zukunftsperspektive entwickeln könnten. Es wird auch klar, dass "Matriarchat" nicht bedeutet: "Wie Patriarchat, nur umgekehrt", sondern dass Matriarchate vollkommen anders funktionieren und für beide/alle Geschlechter eine bisher unbekannte gesellschaftliche Struktur mit vielen Vorteilen anbieten könnten.

Besonders gefallen hat mir, dass Klemm auf verschiedenste Themenbereiche eingeht (Politik, Religion/Spiritualität, Gesundheitssystem, Geschichte, Kulturbetrieb, Familienstrukturen, Bildung, Umweltschutz, etc.) und dass sie schnell "zum Punkt" kommt und auf jeder einzelnen Seite Wesentliches bespricht! Ich habe mir viele Passagen markiert, die vergnüglich treffend und scharf formuliert sind.

Wovon ich gerne noch mehr gelesen hätte:
- Ich persönlich hätte mir noch mehr Information über die immer wieder erwähnten 20 verbliebenen Matriarchate gewünscht, hätte hier gerne noch mehr über das alltägliche Leben von matriarchal organisierten Gesellschaften erfahren.
- Was ist mit den Männern? Welche Rolle spielen sie in einer matriarchalen Utopie? Was tun sie, wenn sie nicht grad "auf Besuch" sind oder "die Dorfgrenzen" verteidigen? Wie könnte wohl unsere (mitteleuropäische) Gesellschaft in 100, 200, 500 Jahren aussehen, würden wir ihr zunehmend matriarchale Strukturen zugrundelegen?

Jedenfalls regt das Buch an, sich genau mit diesen Fragen selbst näher zu beschäftigen.

Insgesamt ein kluges, sehr interessant zu lesendes Buch, das mir als "Wiedereinsteigerin" in feministische Themen einen guten Überblick über verschiedenste Missstände und deren aktuellen Stand vermittelt hat. Kann ich jedem Menschen, unabhängig vom Geschlecht, sehr empfehlen!
Profile Image for ~•verena•~.
488 reviews8 followers
August 5, 2025
5+ ⭐️
Es hat 35 Grad, wir stehen im Innenhof von Elmina Castle, einer sogenannten »Sklavenburg« in Ghana, vor der kleinen Kirche...

- Abschied vom Phallozän, S. 1

Abschied vom Phallozän. Eine Streitschrift. ist eines der Bücher, wo jeder Satz zum Nachdenken anregt. Klingt nach Übertreibung? Ich habe 20 Seiten Notizen in einem GoogleDoc gemacht. 😃

Klemm erklärt in ihrer Streitschrift nicht nur, was in einer matriarchalen Gesellschaft anders läuft im Vergleich zur Phallokratischen, in der wir aktuell leben. Sie zeigt auch auf, dass unser kaputtes System potential hat, sich dahin zu entwickeln. Und mit "dahin" ist eine fairer und wertschätzendere Gesellschaft gemeint, wo die Gemeinschaft und nicht das Individuum im Mittelpunkt steht und wo übermäßiger Reichtum als verpönt gilt. Wo Frauen frei leben können, ohne sich der Isolierung in der patriarchalen Kleinfamilie unterzuordnen. Etc etc, einfach lesen!
... Regeln, die extra für Frauen aufgestellt wurden: Es gilt, die weibliche Sexualität zu verachten und gleichzeitig die »Superkraft« der Gebärfähigkeit auszubeuten...
... gilt es, die Männlichkeit mit aller Kraft zu erhöhen, indem die Weiblichkeit erniedrigt wird und all das religiös zu begründen...


- Abschied vom Phallozän, 78%

Besonders spannend fand ich den Teil über Spiritualität in matriarchalen Gesellschaften, da mir darüber noch nie Gedanken gemacht habe.
... Eine Spiritualität, die das sichtbare, alltagsgeprüfte Leben - und nicht den imaginierten Himmel ins Zentrum der Spiritualität stellt, eignet sich schlecht zur Kontrolle oder Manipulation der Gläubigen. Die Natur demonstriert in unseren Breiten Jahr für Jahr, dass das Licht kommt und geht, so wie das Leben kommt und geht...

- Abschied vom Phallozän, 80%

Ein Essay, der trotz der Kürze einen umfassenden Einblick gibt. Man hat danach direkt Lust noch tiefer in das Thema einzutauchen, da es noch so viel zu entdecken gibt um diese Utopie zu bauen.
... Das Patriarchat ist kein Naturgesetz. Hören wir auf, es als eines zu behandeln.

- Abschied vom Phallozän, 52%
Profile Image for Nixennacht.
114 reviews9 followers
September 1, 2025
Ein beeindruckender Assay mit einer feministischen Stimme wie ich sie mir schon lange gewünscht habe sie zu hören. Ein Aufruf, sich auf die relevanten Kämpfe und Forderungen zu konzentrieren und letzten Endes nicht klein sondern revolutionär zu denken.

Wie könnte eine wirklich fundamental gerechtere Gesellschaftsordnung aussehen und wo finden wir Beispiele für solche Gesellschaftsordnungen, die funktionieren? Gertraud Klemm nennt die wenigen bekannten Matriarchate und wie sie als Vorbild dienen können.

Sie verlangt Dinge, die mir aus der Seele sprechen. Eine Verdrängung alle patriarchalen Weltreligionen in den privaten Bereich, raus aus jeder Verbandelung mit den Staaten, egal in welchem Land und welche Religion genau.

Weiters geht sie auf ein gern verdrängtes Kernproblem unserer Geselllschaft, die unvermeidlich scheinende heternormative Familienstruktur. Sie ist halt nicht so unvermeidlich und entspricht auch nicht so sonderlich unserer Biologie. Damit zusammenhänged fordert Klemm auch der Mutterschaft den Status einzuräumen, der ihr gebührt. Als eine geschätzte gesellschaftlich relevante Aufgabe, die nicht als reines Privatvergnügen gesehen werden sollte und die auch nicht unvermeidlich in die Armut führen sollte wenn sie eben nicht in einer heteronormativen Beziehung gelebt wird.

Ich wünschte ja, dieses Buch würde von sehr vielen Menschen gelesen werden und wir würden diesen notwendigen fundamentalen Umbau der Gesellschaft endlich angehen. Ansätze gibt es.
Profile Image for Melanie R..
76 reviews
August 22, 2025
Man darf diesen Essay gerne als das nehmen was es ist: Eine Streitschrift. Einiges befremdet mich, manches sehe ich anders, aber alles regt zum nachdenken an und zeigt wie wichtig es ist offen zu sein für nicht direkt offensichtliche Ansätze.
2 reviews
October 12, 2025
großartig! viel stoff zum nachdenken! spricht pointiert alle themen zur patriarchatskritik an und bringt lösungsvorschläge.
Displaying 1 - 8 of 8 reviews

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