Ufff, eine der krassesten Journalistinnen, die ich kenne, erzählt über ihre zwei Jahre in Palästina und Israel. Sie hat durch ihre Familie dort Teile ihre Kindheit dort verbracht, daher kennt sie sich auch gut aus, kennt Menschen überall und schafft es gleichzeitig überall, mit Menschen ins Gespräch zu kommen und ihren Geschichten zuzuhören: in palästinensischen Dörfern auf isrealischem Gebiet, die Siedler immer weiter einnehmen, in Ost-Jerusalem, wo Siedler unmittelbare Nachbarn von Palästinenser:innen sind, in Flüchtlingscamps, in denen Palästinenser:innen seit Jahrzehnten leben.
Im Buch beschreibt sie ihre Erfahrungen, in denen es ganz natürlich um die Geschichten der Menschen geht, denen sie dort begegnet. Zum Beispiel besucht sie öfter eine Freundin und ihre Familie, bei der regelmäßig israelische Soldat:innen nachts einbrechen, Unruhe stiften, das Inventar durchsuchen oder den Bruder festnehmen. Auch sie ist manchmal dabei. Sie erzählt vom Ende des Ramadan, das sie mit Freund:innen in eine der heiligsten Moscheen der Welt in Ost-Jerusalem feiern will. Dafür müssen ihre palästinensischen Freund:innen aus dem Westjordanland in fremde Kofferräume steigen, um über die Grenze zu kommen. Oder sie ist vor Ort in einem der Dörfer, in denen Siedler regelmäßig ihr Gebiet erweitern, palästinensische Häuser zerstören und Menschen willkürlich angreifen. Die Facetten des Leids werden greifbar und sind doch kaum zu glauben. Es ist unvorstellbar und zugleich schmerzhaft zu lesen, wie Palästinenser:innen immer weiter bekämpft und vertrieben werden, wie sie dazu gedrängt werden, ihre Häuser und ihr Land zu verlassen, und es ist umso bemerkenswerter und mutiger, dass so viele Menschen dem Stand halten, unter den Umständen weiterleben und trotzdem Gäste mit offenen Armen empfangen.