Die UKRAINE, das ist für den durchschnittlich gebildeten Mitteleuropäer: einer der Austragungsorte der Fußballeuropameisterschaft 2012, das ist Tschernobyl, das ist der Holodomor, eine der größten – und künstlich herbeigeführten – Hungerkatastrophen des 20. Jahrhunderts, das ist der schon zwanzig Jahre dauernde schwierige Weg zur nationalen Selbstfindung, und das ist Oksana Sabuschko, die wütendste und leidenschaftlichste epische Stimme dieses Landes. In ihren Romanen und Essays, Analysen und Kommentaren wird sie nicht müde, die verkommene Moral der herrschenden Klasse anzuprangern und deren Wurzeln in den Geschichtsmythen des Landes offenzulegen. Glauben Sie aber bloß nicht, das alles seien rein ukrainische Probleme und gingen uns nichts an! Der Umgang mit der Geschichte, mit Fragen des Geschlechterverhältnisses, mit Sexualität, mit Kolonialismus, das führt tief in die moralische Verantwortung jedes Einzelnen hinein, und niemand analysiert diese Verflechtungen lebendiger, kraftvoller und unverwechselbarer als Oksana Sabuschko, deren Romane ja immer für beides gerühmt werden: ihren Stil und ihren politisch-philosophisch-historischen Horizont."Planet Wermut" enthält Aufsätze über Fußball und Tschernobyl und Lars von Trier, über die politische Verantwortung im Zeichen virtueller Realitäten und – mit ihrem Essay über die Autorin in kolonialen Kulturen – einen programmatischen und für das ganze östliche Europa grundlegenden Text zu Feminismus und Postkolonialismus.
Oksana Zabuzhko is a contemporary Ukrainian writer, poet and essayist.
Born in Lutsk, Ukraine, Zabuzhko studied philosophy at the Kyiv University, where she also obtained her doctorate in aesthetics in 1987. In 1992 she taught at Penn State University as a visiting writer. Zabuzhko won a Fulbright scholarship in 1994 and taught Ukrainian literature at Harvard and University of Pittsburgh. Currently Zabuzhko works at the Hryhori Skovoroda Institute of Philosophy of the National Academy of Sciences of Ukraine.
Zabuzhko is known both for her literary works and criticism. Her controversial bestselling novel Field Work in Ukrainian Sex was translated in eight languages. In her writing Zabuzhko draws a lot of attention to the questions of Ukrainian self-identification, post-colonial issues and feminism. Her book Let My People Go won the Korrespondent magazine Best Ukrainian documentary book award in June 2006, and The Museum of Abandoned Secrets, Best Ukrainian Book 2010.
Ein weiteres Buch, was ich nicht gut zu bewerten weiß. "Planet Wermut" besteht aus Essays, Essays zur Geschichte, zu Colonialism, zu Sexualität / Gender, zur Ukraine im Kleinen und Großen, und zur Verbindung zu uns hier in Deutschland. Einige Essays waren wirklich brilliant, andere gingen mir viel zu sehr in die philosophische Ecke (ich habe einen MA in Philosophie, aber hier fehlte mir irgendwie die Handfestigkeit) und es wurde zu anekdotisch. Die Autorin fangirlt außerdem extrem in Bezug auf Lars von Trier und das war etwas befremdlich. Einzelne Essays zu lesen und nicht alle wäre vielleicht besser für mich gewesen, Fußball interessiert mich z.B. null. Trotzdem ist es schwierig, etwas so persönliches wie "Planet Wermut" zu bewerten. Da ich aber sehr viel gelernt habe und einige Essays wirklich gut waren: 4 Sterne
verwoben, verwirrend, bedrückend, belebend. ich habe vieles nicht verstanden, aber eine menge wichtiger eindrücke mitgenommen. am einschneidendsten die beispiele der grauen des stalinismus, die für mich sonst oft eine undeutliche, weit entfernte wolke sind. der text hat für mich auf jeden fall auch den jetzigen angriffskrieg, die grössenwahnsinnigen, menschenfeindlichen ideen über ein angebliches grossrussland, nochmal viel perverser erscheinen lassen.
ich habe nur den titelgebenden essay gelesen für meine vorlesung zur anthropologie der atomwaffen
Kurios: Bisher hat erst eine weitere Person auf Goodreads neben mir dieses Buch (in seiner deutschen Übersetzung) gelesen? Was soll ich sagen? Essays über die ukrainische Kolonialgeschichte inklusive der Nachwirkungen der Nazi- und Sowjetbesetzungen sowie ein wenig Feminismus und (Pop)Kulturgeschichte. Das alles in einem beißenden, wortgewandten Schreibstil, der selten langweilig – wenn auch manchmal langwierig – wird.