Wieso fährt ein Mensch mit der eigenen Muskelkraft Berge hinauf – auch mit mäßigen Erfolgsaussichten und unter allergrößten Qualen? Und wieso setzt er sich am nächsten Tag aufs Rad und beginnt von vorn? Was ist das Geheimnis dieses Sports, der das größte Opfer und das größte Glück vereint? Rick Zabel kennt die Antwort.
Als Sohn eines erfolgreichen Sprinters wurde er selbst Profi, fuhr alle großen Rennen – mit deutlich weniger Siegen, aber mit derselben Hingabe und Leidenschaft. Das Gefühl, sich für den Teamerfolg zu schinden, hat ihn in den letzten Jahren ebenso begleitet wie das tiefe Glück, fürs Radfahren bezahlt zu werden. Rick Zabel hat die Schattenseiten des Rennradfahrens kennengelernt – Druck, Doping und Konkurrenzkampf –, und die ›On the road‹ hat er einige der schönsten Orte der Welt gesehen, hat ganz allein die höchsten Pässe Europas bezwungen, auf der Abfahrt den kühlen Wind und die spektakuläre Aussicht genossen. Davon erzählt er klug, eindringlich und lustvoll – und so, dass man selbst sofort in die Pedale treten möchte.
Für eine (Renn-)Sport-Autobiographie überraschend gut, aber letztlich ist dieses Genre einfach ein bisschen ausgeschrieben und Sportler, die schreiben, schreiben selten gut. Was mir trotzdem gut gefallen hat, ist, dass Rick Zabel nicht nur über einzelne Rennen referiert, wie z.B. Peter Sagan, sondern vor allem auf Themen abseits der Straße eingeht. Natürlich ist vor allem interessant, wie es ist, als Sohn von Erik Zabel selber Rennradprofi zu sein; und in dem Rahmen hat er mich wirklich positiv überrascht: er geht tatsächlich sowohl auf Nachteile als auch auf Vorteile des "Nepo-Baby"-Seins ein. Aber auch die Zeit im Sportinternat und das Aushandeln von Verträgen war mal etwas Neues. Dass er das Hörbuch selber eingesprochen hat, macht es (wie er am Ende selber sagt) authentischer; musste aber auch nicht unbedingt sein.