Sie ist die perfekte Nanny. Zu perfekt. Und jetzt nimmt sie mir alles – meinen Mann, mein Kind, meinen Verstand.
Wir haben sie eingestellt, um unsere Tochter zu beschützen.
Mein Mann versteht nicht, warum ich wieder arbeiten will, vor allem, wenn unsere Tochter noch so klein ist. Sie ist erst vier Wochen alt. Aber ich laufe Gefahr, meinen Job zu verlieren, wenn ich es nicht tue.
Ein Kindermädchen einzustellen scheint die beste Lösung zu sein, und Bree Miller ist die perfekte Lösung – sie ist jung, intelligent und vergöttert Delilah sofort.
Dann liegen bedrohliche Fotos vor meiner Haustür. Sie jagen mir einen Schauer über den Rücken.
Jemand ist hinter mir und meiner Familie her. Und plötzlich kann ich nicht anders, als mich zu Ist die Gefahr draußen? Oder habe ich sie in mein Haus eingeladen?
In diesem Thriller ist nichts so, wie es auf den ersten Blick scheint. Im Mittelpunkt steht Lucinda, eine erfolgreiche Börsenmaklerin, die nach ihrer Elternzeit in den Job zurückkehrt – sehr zum Missfallen ihres Mannes Andrew. Während sie Karriere und Muttersein unter einen Hut bringen will, hat Andrew seinen gut bezahlten Job als Anwalt aufgegeben, um sich als Künstler zu verwirklichen – bislang ohne Erfolg oder echten Einsatz im Familienalltag.
Da Andrew weder arbeiten noch sich um das Baby kümmern möchte, wird eine Nanny eingestellt. Bree Miller scheint die perfekte Lösung zu sein: jung, intelligent und vom ersten Moment an liebevoll und beinahe schon überfürsorglich gegenüber der kleinen Delilah. Doch kaum ist sie Teil des Haushalts, beginnt die scheinbar perfekte Fassade zu bröckeln. Eine beinahe-Entführung, bedrohliche Fotos vor der Haustür, aufkommende Gerüchte und manipulativ wirkende Situationen lassen die Ehe zunehmend eskalieren. Die Nanny mischt sich immer stärker ein – und Lucinda wirkt nach außen hin immer labiler, sodass man sich als Leser schnell fragt, ob sie der Realität noch trauen kann.
Parallel dazu wird eine zweite Geschichte erzählt, die sich wie das traumatische Schicksal eines jungen Mädchens liest. Diese Perspektivwechsel sorgen für ein hohes Tempo und einen konstanten Spannungsaufbau – man fliegt regelrecht durch die Seiten und muss seine Einschätzung der Ereignisse immer wieder neu überdenken.
Der Schreibstil ist flüssig, bildhaft und atmosphärisch dicht. Besonders die psychologischen Aspekte erzeugen ein stetig beklemmendes Gefühl und lassen einen zweifeln, wo die wahre Gefahr lauert: draußen oder direkt im eigenen Zuhause. Auch die Figuren – sympathische wie unsympathische – greifen gut ineinander und ergeben ein stimmiges Gesamtbild.
Kritisch anzumerken ist, dass Lucinda stellenweise sehr naiv wirkt und sich vieles gefallen lässt, was ihr Verhalten teils schwer nachvollziehbar macht. Die Grundidee der Geschichte ist nicht neu, doch durch den spannenden Erzählstil und die ständigen Richtungswechsel bleibt der Thriller durchgehend fesselnd.
Am Ende bleibt die beunruhigende Frage: Wen hat man sich ins Haus geholt – und zu welchem Preis? Trotz bekannter Thematik ein spannender Psychothriller, der konstant unter die Haut geht.
Der Schreibstil von D.L. Fisher hat mir sofort gefallen. Schon mit den ersten Seiten wird man mitten ins Geschehen geworfen und nimmt nach anfänglichen Bedenken seitens der Protagonisten an einem "Nanny - Casting" teil. Diese Passagen konnten mich wirklich zum Schmunzeln bringen und rein vom Gefühl her, hätte ich Bree wahrscheinlich auch eingestellt. Oder nicht?
Der Spannungsbogen schlängelt sich durch das Buch, ohne dabei abzuebben. Mit den Fotos, die Lucinda erhält, nimmt das Unheil seinen Lauf und auch ich habe mich an so mancher Passage gefragt, ob ich meinen eigenen Gedankengängen überhaupt noch selbst trauen kann. Die Vorkommnisse häufen sich immer mehr und als sogar Lucindas Tochter Deliah fast entführt wird, gerät die Börsenmaklerin nicht nur einmal an ihre Grenzen. Die Fotos und das verfüstete Atelier ihres Mannes Andrew sorgen auch für Spannungen innerhalb des Ehepaares. Denn nicht einmal Andrew glaubt ihr, dass sie mit all dem nichts zu tun hat. Erst als die Situation vollkommen eskaliert, erkennt auch Andrew, dass er seine Ehefrau die ganze Zeit zu unrecht verdächtigt hat.
D.L. Fisher hat es mit "Die Nanny" geschafft, dass ich mich von dem Ende vollkommen überraschen lassen konnte. Ich habe mit dieser Wendung nicht gerechnet und der Weg dorthin hat es mir auch nicht unbedingt einfach gemacht, um meinen eigenen Theorien zu folgen. Durch Manipulation und gezielte Psychotricks gelingt es der Autorin nicht nur dafür zu sorgen, dass sich Lucinda hinterfragt, sondern man tut es auch als Leser. Liebe und Vertrauen, Verrat und Paranoia. Das Buch bietet eine ganze Bandbreite dessen, was einen Psychothriller für mich ausmacht. Durch humorvolle Passagen hat das Buch trotzdem ein wenig Leichtigkeit behalten, ohne zu sehr davon in Besitz genommen zu werden.
Die perfekte Nanny wird sicher nicht das letzte Buch der Autorin gewesen sein, dass ich gelesen habe, das kann ich bereits jetzt versprechen.