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Huize Zwaan

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Yu Ling is nanny bij een welgestelde familie. Met haar vriend ontvoert ze het zevenjarige zoontje, Kuankuan, met het doel om losgeld van de familie te krijgen om er dan vandoor te gaan. Als Kuankuans vader evenwel wordt gearresteerd wegens corruptie, beseft Yu Ling dat ze het losgeld kan vergeten. Maar wat moet ze nu doen met Kuankuan?

Kuankuan zelf is zich niet bewust van de ernst van zijn hij heeft vriendschap gesloten met een gans.

Huize Zwaan is een vlot geschreven, maar vooral ook zeer gelaagde roman van Zhang Yueran, die in Nederland grote indruk maakte met haar vorige roman, De spijker. In Huize Zwaan schrijft Zhang over klassenverschil, over de positie van vrouwen in een zich ogenschijnlijk moderniserend land en over eenzaamheid in een grote stad. Maar bovenal is Huize Zwaan een even origineel als spannend boek.

Zhang Yueran (1982) is een van de populairste en invloedrijkste Chinese schrijvers van deze tijd. Haar roman De spijker, die in 2023 in vertaling verscheen, betekende haar literaire doorbraak in Nederland. Huize Zwaan is haar nieuwste roman.

Over De spijker:

'Zhang Yueran heeft in alle opzichten een knappe en indringende roman afgeleverd, in de behandeling van het onderwerp, de verhaallijnen, structuur en schrijfstijl. Dat alles samen maakt de roman tot een bijzonder boek.' nrc ****

'In haar sfeervolle, duistere roman merk je aan alles dat Zhang niet uit is op eenvoudige verklaringen.' de volkskrant ****

'Zhang Yuerans zinnen en beelden hebben een onwerkelijke glans van zowel hard bevochten inzichten als eeuwige waarheden. Deze roman is een triomf.' ian mcewan

192 pages, Kindle Edition

Published August 8, 2025

7 people are currently reading
342 people want to read

About the author

Zhang Yueran

33 books136 followers
Zhang Yueran (Chinese:张悦然, born 1982) is a Chinese writer. Her main works include short stories and novels. She won the 2001 New Concept Composition Competition organised by Mengya magazine.She is one of a small group of successful Chinese authors known as the "post-'80s" generation.
She began writing at the age of 14, and as a high school student, won first prize in the nationwide New Concept Composition Competition. After studying English and law at Shandong University, she completed a graduate degree in computer science at Singapore University. She is one of the most popular young writers in mainland China today. Her published works include Red Shoes (Hong Xie), Ten Tales of Love (Shi Ai) and Oath Bird (Shi Niao).

张悦然,1982年出生于山东济南,初中于山东大学附属中学毕业。2001年毕业于山东省实验中学,后考入山东大学英语、法律双学位班,于新加坡国立大学计算机专业本科毕业,中国传媒大学新闻专业研究生毕业,现就读北京语言大学,攻读古典文学专业。已出版作品有:短篇小说集《葵花走失在1890》、《 张悦然十爱》。长篇小说《樱桃之远》、《水仙已乘鲤鱼去》、《誓鸟》,图文小说集《红鞋》,主编主题书《鲤》系列等,是中国最具影响力的青年作家之一。
  张悦然从14岁开始发表文学作品,先后在《青年思想家》、《收获》、《人民文学》、《芙蓉》、《花城》、《小说界》、《上海文学》等重要文学期刊发表作品。其作《陶之陨》、《黑猫不睡》等作品在《萌芽》杂志发表后,在青少年文坛引起巨大反响,并被《新华文摘》等多家报刊转载。2001年获第三届"新概念作文大赛"一等奖。2002年被萌芽网站评为“最富才情的女作家”,"最受欢迎女作家"。2003年在新加坡获得第五届"新加坡大专文学奖"第二名,同年获得《上海文学》"文学新人大奖赛"二等奖。2004年获第三届"华语传媒大奖"最具潜力新人奖。2005年获得春天文学奖。最新长篇小说《誓鸟》被评选为"2006年中国小说排行榜"最佳长篇小说。2008年,张悦然以《月圆之夜及其他》获得2008年度“茅台杯”人民文学奖优秀散文奖。2010年10月诺贝尔文学奖揭晓之际,在强烈的诺贝尔奖情结驱动下,网络忽然风传黄士诚、韩寒、张悦然和郭敬明入选为中国“文坛四大天王”,组成了一支能够有希望劈开中国无缘诺贝尔文学奖魔咒的中国文坛劲旅。

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Profile Image for le.lyssa.
162 reviews525 followers
November 29, 2025
Sagt mir: Womit habe ich es verdient ein Buch 2 Wochen zu lesen und dann das Ende nicht zu verstehen? Womit??

„Schwanentage“ ist ein Buch über Konkurrenz unter Frauen, Klassismus, die chinesische Elite und kriminelle Machenschaften. Wir begleiten die unnahbare Yu-Ling, die das Kindermädchen einer reichen Familie ist und sich für den Sohn aufopfert. Der Anfang vom Buch hat mich sehr mitgerissen, die Sprache fand ich ganz toll, aber irgendwann hat die Geschichte abgenommen.

Ich konnte als Leserin nicht tief in die Geschichte blicken. Es blieb alles sehr oberflächlich und mir hat hier auch eine gut durchdachte Metaebene gefehlt, die die Spannung bis zum Schluss aufrecht erhält. Ich mochte das Cover und den Titel aber sehr gerne!
Profile Image for Jessi ❤️ H. Vojsk [if villain, why hot?].
843 reviews1,025 followers
December 15, 2025
Was tust du, wenn deine Arbeitgeber verhaftet werden und du als Kindermädchen nun alleine mit dem Sohn bist? Verschwindest du? Hält dich noch etwas außer die Liebe eines Kindes?

Es hieß, die Armen liebten es zu träumen, doch das stimmte nicht; Träume gehörten zu den Privilegien der Reichen, und die Welt sorgte auf alle erdenkliche Arten dafür, ihnen diese Träume vorzubehalten.

Ich hab dieses Buch durch Zufall in einer Buchhandlung gesehen und es mir letztendlich in meiner Bibliothek ausgeliehen.
Mein erstes Buch einer chinesischen Autorin und auch wenn die Geschichte recht langsam und auch nicht schockierend oder verrückt war, mochte ich wie fesselnd sie trotz allem war.
Profile Image for Buchdoktor.
2,367 reviews190 followers
September 23, 2025
Das Kindermädchen Yu Ling plant einen Ausflug mit ihrem siebenjährigen Schützling Hu Yikuan/Kuan Kuan. Da beide Eltern abwesend sind, verspricht der Junge sich einen Tag, an dem er endlich einmal nichts lernen muss. Anders als sonst werden die Ausflügler nicht vom Chauffeur der Familie ans Ziel kutschiert, sondern von einem Bekannten Yu Lings – und die Lebensmittel, die Yu vorbereitet hat, werden für drei Tage reichen. Es kommt jedoch anders als geplant, als Qin Xinwei, der prominente Großvater des Jungen, unter Korruptionsverdacht verhaftet und der Vater zum Verhör abgeholt wird. Die Hausherrin taucht unter, das zweite Dienstmädchen Hui verschwindet und Yu Ling ist überraschend auf sich allein gestellt. Bisher in einem wie am Schnürchen organisierten Haushalt integriert, muss sie sich völlig neu orientieren. Die veruntreuten Geldbeträge, über die man munkelt, kann sie sich kaum vorstellen und die Eheschließung ihrer Arbeitgeber steht plötzlich in anderem Licht. Der Hausherr hat mit Billigung seiner ersten Frau offenbar mit Kuan Kuans Mutter Qin Wen eine zweite Ehe geschlossen, um wirtschaftliche und politische Verbindungen seines Schwiegervaters zu eigenen lukrativen Geschäften zu nutzen. Für europäische Leser:innen verblüffend, erleben wir, dass eine Ehe als Geschäft und Verpflichtung gilt, jedoch selten im Zusammenhang mit dem Begriff Liebe genannt wird. Während Kuan Kuan eine Gans von einem Tiertransport freikauft und mit ihr mitten im Wohnzimmer ein Zelt als gemeinsames Hotel bezieht, muss Yu entscheiden, ob sie den Jungen zu seinen Großeltern bringen und wie sie die Reise überhaupt bezahlen soll.

In Rückblenden erhalten wir Einblick in den Weg, auf dem Yu ohne ihre Einwilligung wie ein Gegenstand in den Haushalt der Frau Qin gelangte, weil ihre neue Herrin sie als Assistentin in ihrem Atelier begehrte – unabwendbar, weil ihre erste Familie der neuen Familie einen Gefallen schuldete. Wie eng die Verbindung zwischen Yu und Kuan Kuan sich entwickeln würde, ahnte vermutlich niemand. Vielseitig und lernwillig mehrt Yu das Ansehen ihrer Chefin gegenüber deren wichtigen Gästen, wird gering bezahlt und erlangt selbst kaum Ansehen für eine eigene Berufslaufbahn. Kollegin Hui ist überzeugt, dass Yu alles daran setzt, mit der Familie in die USA auszuwandern; denn in dieser Gesellschaftsschicht besitzt man Immobilien im Ausland, gern in verschiedenen Ländern. „Ich liebe dich“ von einer Frau ausgesprochen, kann hier bedeuten „Ich weiß, dass du Kapital im Ausland besitzt und wie du es verdient hast“. Beim Blick über Yu Lings Schulter müssen wir als Leser:innen unsere Einschätzung der Ereignisse mehrfach neu justieren und zugleich unsere gewohnte westlich geprägte Brille absetzen.

Fazit
In einem leicht grotesken Rahmen – nicht ohne Tierleid abzubilden – vereint Zhang Yueran Einblick in das Leben superreicher chinesischer Familien und ihrer Dienstboten mit hinreißend gestalteten Figuren.
Profile Image for Fiona.
134 reviews28 followers
October 31, 2025
Yu Ling arbeitet als Kindermädchen für ein wohlhabendes Ehepaar der chinesischen Elite. Deren siebenjähriger Sohn Kuan Kuan ist vernarrt in Yu Ling, während Vater und Mutter eher kühl und oft abwesend sind. Eines Tages fasst Yu Ling den Plan, Kuan Kuan zu entführen und Lösegeld zu fordern – in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Doch alles kommt ganz anders: Am Tag der geplanten Entführung werden Vater und Großvater des Jungen verhaftet, die Mutter verschwindet spurlos. Yu Ling bleibt allein mit dem Jungen zurück und plötzlich sind die Rollen nicht mehr klar verteilt…

»Schwanentage« ist eine fein komponierte Mischung aus gesellschaftspolitischem Roman, Thriller, Komödie sowie Kritik am ebenso festgefahrenen wie fragilen Klassensystem. Es geht um patriarchale Hierarchien und Machtstrukturen. Durch einen einzelnen Vorfall wird das Leben mehrerer, sehr unterschiedlicher Personen sowie deren Familiengebilde – und damit stellvertretend das System selbst – brüchig und droht zusammenzubrechen.

Die Geschichte spitzt sich in ihrem Verlauf immer weiter zu und nimmt spannende Entwicklungen, die ich so oft nicht kommen sah. Yu Ling, aus deren Perspektive erzählt wird, fand ich als Figur leider sehr unnahbar. So bietet das Buch zwar einen spannenden Einblick in die chinesische Gesellschaft, es bleibt jedoch stets eine gewissen Distanz bewahrt. Das Ende hat mich etwas ratlos zurückgelassen.
13 reviews1 follower
October 11, 2025
Leider befürchte ich, das ist einer dieser Fälle, in dem es sich lohnen würde, die Originalsprache zu lesen. Ich glaube, dass es sich um ein ganz tolles Buch handelt, aber die durch die Übersetzung viel verloren geht - was nicht an einer schlechten Übersetzung, sondern in der Natur der Sache liegt. Was hier toll umgesetzt ist, ist dass man vor allem zu Beginn als Leserin die spröde Fassade der Protagonistin Yu Ling zu spüren bekommt. Nur kurz blitzt jeweils auch etwas anderes durch, was im Laufe des Buches immer sichtbarer wird und man immer mehr Sympathien für die Frau gewinnt, deren Motive am Anfang noch etwas undurchsichtig erscheinen. Yu Ling hat ein Geheimnis, was über weite Teile des Buchs auch eine gewisse Spannung aufrechterhält. Was ist mit den Eltern passiert? Was wird aus Yu Ling und Kuan Kuan? Am Ende formen sich unerwartete Allianzen und zwischendurch nimmt die Handlung fast bizarre Gestalt an. Es geht um die Rolle von Menschen in der Gesellschaft, deren Job es ist unsichtbar zu bleiben, steile Hiarchien und reale alltagsauswikrkungen von Politik (ob man sich nun interessiert oder nicht), um Frauenleben von denen Selbstaufgabe wie selbstverständlich erwartet wird und um Frauenfreundschaft zwischen Loyalität und Konkurrenz.
Profile Image for PiaReads.
352 reviews7 followers
November 26, 2025
3.5 ⭐ | Dieses Buch hat mich überrascht. Es ist anders als alles, was ich bisher aus China gelesen habe. Vor allem die moderne Perspektive macht es besonders. Wir begleiten Yu Ling, ein Kindermädchen, das für eine wohlhabende Familie arbeitet und deren Geheimnisse kennt, während sie selbst einiges verbirgt.

Man schliesst den kleinen Kuan Kuan sofort ins Herz, aber als Leserin merkt man immer wieder: Hier stimmt doch etwas nicht. Diese subtilen Verdachtsmomente sind grossartig eingesetzt und machen die Geschichte zu einer spannenden Gesellschaftskritik. Der Plot ist clever, weil er nicht nur von einer geplanten Entführung erzählt, sondern auch die Dynamik von Macht, Klasse und Abhängigkeit beleuchtet. Dabei kippt es leider(?) irgendwann auch mal ins Groteske (*hust* Tierleid).

Ich könnte mir das Buch sehr gut als Film vorstellen. Gerade die Atmosphäre und die psychologische Spannung würden perfekt funktionieren. Das Ende hat mich nicht ganz befriedigt, aber vielleicht ist es gerade deshalb realistisch.
Profile Image for LilaNyx.
19 reviews
January 3, 2026
Zhang Yuerans Schwanentage vermittelt ein klares Bild der chinesischen Gesellschaft, in der soziale Herkunft und Status das Leben der Menschen stark bestimmen. Im Mittelpunkt steht Yu Ling, deren Handlungsspielraum durch ihre soziale Position von Beginn an begrenzt ist. Der Roman macht deutlich, wie schwer es ist, bestehende gesellschaftliche Grenzen zu überwinden.
Die Figuren sind bewusst stereotyp dargestellt und wirken dadurch oft unsympathisch und distanziert. Sie stehen weniger für individuelle Persönlichkeiten als für feste gesellschaftliche Rollen. Diese Zuspitzung verstärkt die Kritik an sozialen Strukturen, geht jedoch auf Kosten emotionaler Nähe.
Ein zentrales Symbol ist die Gans, die vom Jungen als Schwan wahrgenommen wird, obwohl sie immer eine Gans bleibt. Dieses Bild verdeutlicht, dass Wunschdenken Realität nicht verändert. Das offene Ende lässt viele Fragen unbeantwortet und unterstreicht die Beständigkeit sozialer Ungleichheit.
Profile Image for Aalt Swiebel.
43 reviews
October 25, 2025
Het boek begint met een ogenschijnlijk harde nanny, maar gaandeweg kantelt haar personage en ontvouwt zich een bijzondere band met het jongetje dat ze verzorgt. De kracht zit in de alledaagsheid: eten bereiden, zorgen, ritme — kleine dingen die grote betekenis krijgen.

De aandacht voor koken doet denken aan De vier maaltijden van Meir Shalev, waarin voedsel ook een emotionele laag toevoegt. Daarnaast biedt het verhaal een inkijkje in de Chinese maatschappij, via het huishouden van een partijbons. De hiërarchie en sociale dynamiek zijn subtiel maar voelbaar aanwezig.

Een mooi boek, ingetogen en rijk aan sfeer. Misschien niet zo overdonderend als sommige recensies doen vermoeden, maar zeker de moeite waard voor wie houdt van stille transformaties en menselijke verbinding.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for Laura Van Rijnsbergen.
216 reviews61 followers
August 21, 2025
Ik vind het interessant om boeken uit andere culturen te lezen die ik niet ken, maar bij Chinese literatuur (en zo is dat ook bij Japanse en Zuid-Koreaanse literatuur) blijven de personages altijd best droog. Nu heb ik gelezen in de recensie in de Volkskrant dat dat vaker is in hun boeken, dus toch ook wel logisch, maar dat is een stijl die mij niet heel erg prikkelt. Toch heb ik heb boek met plezier uitgelezen en vond ik vooral de thematiek macht, hiërarchie en vrouwen heel interessant. Het verhaal was goed bedacht, een beetje grappig hoe het hele plan dat al op de achterflap verklapt wordt op niets uitloopt.
Profile Image for Camille Vandeputte.
108 reviews
November 3, 2025
Hoewel Zhang Yueran kort ingaat op thema’s als klassenverschil en de positie van vrouwen, blijft de uitwerking oppervlakkig. De roman leest vlot, maar mist diepgang. Het verhaal kabbelt voort zonder echt te raken. Uiteindelijk weet Huize Zwaan niet volledig te overtuigen.
Profile Image for Jil.
7 reviews
December 27, 2025
Schöne bilder, spannender einblick in chinesische high society, aber iwie hatte ich das gefühl zu wenig verstanden zu haben. gewisse figuren hätte man tiefer entwickeln können, aber hatte auch das gefühl vlt liegt es an meinem mangelnden verständnis von chinesischer kultur.

auf jeden fall easy read, nicht zu aufregend aber auch nicht langweilig.
Profile Image for Sini.
601 reviews161 followers
October 17, 2025
Zhang Yueran (1982) geldt als een van de belangrijkste Chinese schrijvers van haar generatie. Voor "De spijker" en de verhalenbundel "Tien liefdes" kreeg zij veel lof. Net als haar vaste vertaalster Annelous Stiggelbout. Zelf ken ik die boeken niet, maar ik ben heel benieuwd. Want haar gloednieuwe roman "Huize Zwaan" smaakt voor mij naar meer.

Hoofdpersoon is Yu Ling, een nietige nanny bij een machtige, zeer welgestelde en bovengemiddeld geprivilegieerde familie. Met haar vriend, chauffeur bij diezelfde familie, ontvoert ze het zevenjarige zoontje, Kuankuan (een koosnaam). Het plan is: losgeld krijgen, en “een plekje voor zichzelf te vinden in de wereld”. En ontsnappen aan de onderdrukking die zij binnen die familie steeds voelt. Concreter dan dat is het plan niet. Bovendien gaat de ontvoering mis, omdat de familie ineens in ongenade valt vanwege een diffuse corruptiezaak. Yu Ling kan het losgeld dus wel vergeten. Want de hele familie is gevlucht, en heeft geen cent meer. Niet wetend wat te doen keert Yu Ling terug naar het verlaten ouderlijk huis. Samen met Kuankuan, en een gans die ze onderweg voor Kuankuan hebben gekocht.

De mislukte ontvoering is aanleiding tot veel fatalistische gelatenheid: “Ze hadden hun plan niet uitgevoerd, of misschien hadden ze het wel uitgevoerd maar dan was het precies alsof ze het niet hadden uitgevoerd. Als schrijven op water, of als stompen tegen een berg katoen. Tegenover een veel grotere macht bleek hun macht verwaarloosbaar nietig”. Die “veel grotere macht” die Yu Ling zo nietig maakt is bovendien even ongrijpbaar en onontkoombaar als het blinde noodlot zelf. Alsof de mislukking van de ontvoering al vanaf het begin vaststond. En alsof Yu Ling ook na de ontvoering alleen kan schrijven op water of stompen tegen katoen.

De “enorme inertie van het leven”, die Yu Ling belette om al eerder de benen te nemen, is na de ontvoering zelfs nog vele malen groter. Exact één keer poogt ze om het door de familie verlaten huis te ontvluchten. Maar ook dat leidt tot niets: “De hemel was zwaar bewolkt, wilgenpluis dwarrelde door de lucht. Ze had nog niet nagedacht over waar ze heen wilde, maar waar dat ook was, ze moest met de bus”. Alsof haar vluchtgedachten zo onsubstantieel zijn als dwarrelend wilgenpluis…. Ja, ze bereikt het busstation, en komt ook verder dan dat. Maar ineens keert ze, zonder aanwijsbare reden, weer terug. En mijmert ze weer haar meanderende mijmeringen, over de vreemde meanders van haar nietige leven en haar troosteloze lot.

De nietigheid van Yu Ling, als nanny en als vrouw, heeft alles te maken met de repressieve klassenscheidingen in China. In haar mijmeringen, en dialogen met de andere personages, wordt Yu Lins lot voortdurend gespiegeld of gecontrasteerd met het lot van andere onderdrukte personages. Maar ook met diverse geprivilegieerden, die eveneens slachtoffer zijn van het Chinese klassenbewustzijn dat zij zelf in stand houden. De “veel grotere macht” die Yu Ling nietig maakt, maakt dus ook andere mensen nietig. En dat op steeds andere wijze, die elke keer weer ongrijpbaar is. Die macht heeft dus niet één gezicht, maar vele ongrijpbare gezichten. Net als ‘goed’ en ‘kwaad’. Want een regelrechte machtswellusteling kan tegelijk een opmerkelijk gespleten en gewonde persoon blijken, met verrassende filosofische inzichten over gemis en kunst. En de slachtoffers hebben allerlei repressieve trekjes. De daders zijn dus slachtoffers, en de slachtoffers daders. Dat maakt die “veel grotere macht” extra diffuus en ongrijpbaar.

Deze ongrijpbaarheid komt fraai tot zijn recht door de wijze waarop Huize Zwaan verteld wordt. En die lijkt mij typisch Chinees. In een inspirerend essay (De Gids nummer 3, jaargang 2024) betoogt Mark Leenhouts dat Chinese romans doorgaans geen plot hebben. Waar Westerse romans zich veelal richten op de lineaire en causale opeenvolging van gebeurtenissen, hechten Chinese romans juist waarde aan de ruimte tússen die gebeurtenissen. Dus aan non-gebeurtenissen, uitweidingen, momenten van alledaagsheid, mijmeringen. Niet aan een verklarende verband tussen gebeurtenissen A en B, maar aan de open ruimte tussen A en B. Zodat het verhaal geen lineair verloop van A naar B kent, maar zich ontvouwt via contrasten, spiegelingen, associaties, overlappingen, en mijmerende vergelijkingen.

Dat doorbreekt tevens de neiging om chronologisch lezen. Uiteraard worden de scènes na elkaar verteld, maar elke scène nodigt uit tot associaties met scènes ervoor en erna. Zodat je als lezer geregeld moet pauzeren om die associaties op je in te laten werken en het geheel te overzien. De personages maken bovendien geen psychologische ontwikkeling door, maar bewegen mee met de ongrijpbare stroom. Hun ‘ik’ heeft namelijk geen grijpbare en verder te ontwikkelen betekeniskern, maar laat zich alleen omcirkelen.

Dit alles herken ik in "Huize Zwaan". Te meer omdat de hoofdpersoon Yu Ling weinig scherpe contouren krijgt. We volgen alles hoofdzakelijk vanuit haar perspectief, maar via een verteller die haar gedachten in eigen afstandelijke woorden parafraseert. En die Yu Lings gedachten bovendien vaak verzwijgt. Zodat we het vaak moeten doen met korte beschrijvingen van Yu Lings houding, die ‘iets’ over haar gemoedstoestand lijken te suggereren. Zonder dat we precies weten wat. En dat maakt Huize Zwaan nog extra ongrijpbaar.

Deze roman blinkt uit door poëtische beelden. Zo hoort Yu Ling haar bazin zeggen: “Een nanny moet haar leven binnen het leven van een ander plaatsen, als een schilderij – in – een- schilderij - heb je zulke schilderijen wel eens van dichtbij bekeken? Dan zou je verbaasd staan van hoe simpel en slordig ze zijn, als organen die niet tot ontwikkeling zijn gekomen”. Alsof zij, als nanny, nooit meer is dan een slordig geschilderd schilderij dat verstopt is in een ander schilderij. En later, na allerlei crisissen, lijkt zelfs de hele realiteit op een onbeschilderd schilderdoek: “De maan was verdwenen. Er stonden ook geen wolken aan de hemel, er stond helemaal niets. Er was alleen leegte, een nauwelijks zichtbaar lichtgrijs dat als een net opgespannen schilderdoek leek te wachten tot er iets op zou verschijnen”.

Dergelijke beelden stemmen niet vrolijk. Tegelijk echter raken zij mij door hun poëtische kracht. Bovendien biedt het laatste beeld ook voorzichtige hoop: het doek is nu nog leeg, maar er zou ‘iets’ op kunnen verschijnen. En misschien zelfs iets positiefs. In andere beelden is die hoop manifester. Fraai is bijvoorbeeld hoe het zevenjarige jongetje Kuankuan, na de ontvoering, een “Huize Zwaan” inricht in zijn verlaten ouderlijk huis. “Huize Zwaan” is een groene tent, bedoeld voor hem en zijn tijdens het ‘uitje’ gekochte gans. In zijn fantasie echter is die gans een majestueus statige zwaan. Zoals die tent voor Kuankuan écht een nieuw huis is, dat het ouderlijk huis vervangt. Bovendien, in de traditionele Chinese symboliek vertegenwoordigt de zwaan zuiverheid en schoonheid, en de harmonie tussen Yin en Yang. De groene tent biedt dus, als “Huize Zwaan”, een gefantaseerd- symbolisch onderdak aan die zuiverheid en schoonheid. Of aan het hoopgevende verlangen ernaar. Ook zegt Kuankuan niet voor niets: “Het is niet erg om geen vriendjes te hebben, we kunnen gewoon zelf spelen”. Dat is treurig, temeer omdat hij dit zegt tegen de slapende gans en een dode kat en omdat hij die gans gevangen houdt. Maar toch, Kuankuan kan, dankzij die speelse kinderfantasie, wél “zelf spelen”. Juist nu hij verlaten is door zijn niet heel liefdevolle ouders.

Yu Ling gaat vaak mee in Kuankuans fantasiewereld. Bovendien koestert zij diep- moederlijke gevoelens voor dat jongetje. Zij en Kuankuan leven in “Huize Zwaan” dus voor even als een gezinnetje van substituut-moeder en substituut-zoon. Buiten alle repressieve conventies om. Met de zo symbolische ‘zwaan’ als gezinslid. Dat is een uiterst fragiele, heel provisorische, tot mislukken gedoemde constructie. Maar ook een heel ontroerende. En dat Yu Ling, ondanks alles, naar dat soort fantasievolle constructies blijft zoeken, getuigt naar mijn gevoel van voorzichtige maar dapper volhoudende hoop.

Ook significant is het steeds terugkerende beeld van de magnolia. In de Chinese cultuur symboliseert de magnoliabloem grootsheid en zuiverheid. Maar "Huize Zwaan" start, veelzeggend, met het beeld van een magnolia die alle magnoliabloemen heeft afgeschud “als een geëmotioneerde vrouw”. Even veelzeggend is dat de vroegere bewoners van het verlaten huis weinig ruimte maakten voor de magnoliaboom, en haar bloei hebben versmoord. Maar hoopgevend is dat Yu Ling naast de magnolia haar eigen moestuintje maakt, en van groene grassprietjes droomt. Die groene grassprietjes roepen bovendien associaties op met de groene tent van Kuankuan. Zowel die groene grassprietjes als die groene tent zijn immers een nieuw begin. Of een prille poging om te leren spelen in een onttakelde wereld.

Voorts zijn diverse passages verrassend speels. Bijvoorbeeld passages waarin Yu Ling ultieme vrijheid voelt, omdat zij kan picknicken in de zon. Of over haar geluk vanwege de weldadige rust in een moderne keuken die alleen zij gebruikt. Ook denkt zij dat “het mooie van [keuken]apparaten niet lag in nog lekkerder eten dat je ermee kan maken […] maar [in] het plezier dat ze brachten aan wie die apparaten gebruikte. Als een apparaat je een tevreden lach ontlokte doordat het je begreep en voorzag wat je nodig had, dan had je het gevoel dat de wereld speciaal voor jou gemaakt was”. Precies dat geluk kan Yu Ling ervaren en haar bazen niet. Tenminste, als zij met die apparaten speelt. En ze met speelse fantasie bekijkt.

Dit boek is niet lineair, maar meanderend: een associatieve mozaïek vol mysterie en meerduidigheid. In die mozaïek worden onderdrukking en gemis pregnant voelbaar, als een ongrijpbaar kluwen. Maar is er ook speelsheid en voorzichtige hoop. Bovendien bevat het fraaie poëtische beelden. Ik was kortom onder de indruk. En ik dompel mij nu onder in ander werk van Zhang Yueran.
74 reviews4 followers
September 23, 2025
Die Fragilität der Eliten

Chinesische Literatur, die im deutschsprachigen Raum erscheint, trägt fast immer eine gesellschaftliche oder politische Dimension in sich. Häufig sind es Texte, in denen Autoren die Missstände ihres Landes anklagen oder die Spannungen innerhalb der Gesellschaft sichtbar machen. In diese Tradition fügt sich auch Zhang Yuerans Roman „Schwanentage“ nahtlos ein. Das Werk legt den Schwerpunkt vor allem auf die tief verankerten Klassenunterschiede in der chinesischen Gesellschaft und erzählt davon, wie diese Gräben das Leben der Menschen prägen – bis in die intimsten Beziehungen hinein.
Im Zentrum steht Yu Ling, ein Kindermädchen, das sich mit Hingabe um den Sohn einer wohlhabenden Familie kümmert. Ihre Arbeitgeber sind typische Vertreter der urbanen Elite: Der Hausherr hat sich durch geschäftliche Aktivitäten ein beträchtliches Vermögen aufgebaut, während seine Frau sich künstlerisch betätigt und Porträts malt, ohne dabei sonderlich erfolgreich oder originell zu wirken. Für Yu Ling macht es im Alltag kaum einen Unterschied, ob die Herrschaften anwesend oder unterwegs sind – ihre Rolle bleibt stets die der Dienenden. Sie hat gelernt, sich in dieser Position zurechtzufinden, auch wenn sie insgeheim von einem anderen Leben träumt. Doch sowohl ihre bescheidene Herkunft als auch ihr niedriger Bildungsstand halten sie davon ab, soziale Grenzen zu überschreiten. Hinzu kommt eine dunkle Vergangenheit, die sie unauflöslich mit der Familie verbindet. Denn die Arbeitgeber kennen ein Geheimnis, das sie zur Abhängigkeit zwingt. Gleichzeitig weiß aber auch Yu Ling einiges über die Abgründe ihrer wohlhabenden Dienstherren.
Dieses fragile Gleichgewicht gerät ins Wanken, als der Großvater, der eigentliche Architekt des Reichtums, wegen Korruption verhaftet wird. Plötzlich sind die Rollen nicht mehr klar verteilt: Die vormals Mächtigen verlieren ihren Status, die Zugehörigkeiten innerhalb des Hauses verschieben sich. Yu Ling bleibt zwar weiterhin für den Sohn zuständig, doch eine Bezahlung erhält sie nun nicht mehr. In ihrer Verzweiflung erwägt sie sogar, den Jungen zu entführen, um auf diese Weise kurzfristig Geld zu erpressen. Aus dieser Konstellation ergibt sich ein ständiges Hin und Her, ein Spiel der Machtverhältnisse, das den Roman bestimmt. Während die gesellschaftliche Ordnung ins Rutschen gerät, scheint nur eines unverändert: der Hausschwan, ein exzentrisches Haustier des Sohnes, der unbeeindruckt von allem Chaos durch den Garten stolziert und so etwas wie eine groteske Konstante verkörpert.
Zhang Yueran entwickelt ihren Roman aus genau diesem Durcheinander heraus. Sie zeigt, wie brüchig ein System ist, das nach außen hin festgefügt und unerschütterlich wirkt, im Inneren jedoch auf instabilen, moralisch verrotteten Fundamenten ruht. Ein Korruptionsskandal reicht aus, um alles ins Wanken zu bringen. Aus Yu Lings Perspektive erzählt, entfaltet sich ein manchmal durchaus amüsantes Panorama, in dem die Verwirrungen und Umbrüche der Oberschicht mit einer gewissen Schadenfreude zu beobachten sind.
Gelegentlich unterbricht die Autorin die Handlung mit Exkursen, in denen Yu Ling über ihre Herkunft, ihre Wünsche und ihre geheimen Gedanken spricht. Dabei wird schnell klar, wie sehr sie ihre Arbeitgeber verachtet – auch wenn sie ihnen das niemals ins Gesicht sagen würde. Diese Einschübe sind jedoch eher knapp gehalten und reichen kaum über die Oberfläche hinaus. So bleibt manches unerschlossen, was dem Roman zusätzliche Tiefe hätte verleihen können. Besonders gegen Ende neigt die Geschichte sogar dazu, ins Slapstickhafte zu kippen. Wenn die Handlung sich plötzlich um die fieberhafte Suche nach einem USB-Stick mit brisanten Daten dreht, wirkt das Geschehen eher wie eine Komödie, die mit leichtfertigen Gags operiert. Dadurch fällt es schwer, das Werk als Ganzes ernst zu nehmen.
„Schwanentage“ erscheint somit weniger als realistische Milieustudie, sondern eher als überzeichnete Parabel über Klassismus. Die Figuren sind stark typisiert, fast karikaturenhaft. Sie stehen nicht für sich selbst, sondern verkörpern gesellschaftliche Rollenbilder. Yu Ling ist die fleißige, unscheinbare junge Frau, die aufgrund ihrer benachteiligten Herkunft um Anerkennung kämpft. Der Hausherr wird zum Stereotyp des oberflächlichen Geschäftsmannes, der ohne besondere Begabung auskommt, dafür aber jede Gelegenheit nutzt, sein Umfeld für eigene Zwecke auszubeuten. Seine Frau wiederum ist die reiche Dame, die sich ein wenig Selbstständigkeit über eine Kunstform sichert, die kaum Talent verrät. Und ihr Sohn entspricht dem Bild des verwöhnten Kindes der Elite, das mit überzogenen Erwartungen konfrontiert ist, sich aber gegen den Druck seines Vaters zur Wehr setzt – etwa, indem es die Pflichtübungen am Klavier mit offenem Widerwillen absolviert.
Durch diese klare Rollenverteilung wirkt der Roman stellenweise eindimensional. Die Handlung entwickelt sich zwar temporeich und unterhaltsam, doch bleibt das erzählerische Spektrum beschränkt. Verstärkt wird dieser Eindruck durch Zhang Yuerans Schreibstil, der überwiegend beschreibend bleibt, ohne tiefere Reflexionen oder komplexe innere Monologe zuzulassen. Die Sprache erinnert eher an leichte Kost als an literarische Feinschmeckerei.
Und dennoch entfaltet „Schwanentage“ seine Wirkung. Gerade die Überspitzung erlaubt es, gesellschaftliche Strukturen deutlich herauszuarbeiten. In den überzeichneten Zügen steckt ein Wahrheitsgehalt, der das Lesen lohnend macht. Das Werk zeigt, wie dünn die Fassade von Wohlstand und Macht sein kann, wie schnell eine vermeintlich stabile Ordnung zerfällt und wie hartnäckig zugleich soziale Grenzen bestehen bleiben. Yu Ling bleibt trotz aller Verschiebungen letztlich die Untergeordnete, gefangen in Abhängigkeiten, die sie nicht zu durchbrechen vermag.
Am Ende ist Zhang Yuerans Roman also ein vielschichtiges, wenn auch nicht immer ausgewogenes Werk: teils Gesellschaftssatire, teils Komödie, teils Kritik am Klassensystem. „Schwanentage“ mag nicht die große literarische Tiefe erreichen, überzeugt aber durch seine pointierte Darstellung sozialer Gegensätze und die humorvolle Schärfe, mit der es die Absurditäten einer privilegierten Welt entlarvt.
Profile Image for Sue Wid.
23 reviews
October 11, 2025
Titel: Die Übersehenen

Kurzmeinung: Ein feinfühlig erzählter Roman über gesellschaftliche Schranken, der durch seine Beobachtungsgabe beeindruckt.

Normalerweise zieht mich ein Buch bereits durch ein ausdrucksstarkes oder besonders schön gestaltetes Cover in seinen Bann. Bei „Schwanentage" war das jedoch nicht der Fall. Vielmehr weckte die Autorin Zhang Yueran mein Interesse. Sie gilt heute als eine der einflussreichsten Schriftstellerinnen Chinas und zählt zu den wichtigsten Stimmen der jungen, urbanen Literatur.

Die Geschichte von „Schwanentage“ wird aus der Sicht des Kindermädchens Yu Ling erzählt. Sie ist der stille, gute Geist der Familie und hütet hingebungsvoll den siebenjährigen Kuan Kuan. Sie backt, kümmert sich um die Gäste und erahnt selbst den kleinsten Wunsch im Voraus.
Eines Tages beschließt sie, ihr Leben verändern zu wollen, und plant, den Sohn der Familie zu entführen, um Lösegeld zu erpressen und sich so ein besseres Leben zu ermöglichen.
Als der Großvater und der Vater wegen Korruptionsverdachts festgenommen werden und die Mutter spurlos verschwindet, gerät alles aus den Fugen – und plötzlich steht Yu Ling vor Entscheidungen, die das Leben von ihr und dem Jungen für immer verändern kann.

Die Figur der Yu Ling hat mich fasziniert. Sie ist keine einfache, skrupellose Entführerin, die ohne Rücksicht nur ein besseres Leben sucht. Vielmehr wägt sie ihre Zukunft ab, in der ihr als Frau kaum Möglichkeiten offenstehen. Obwohl sie vielseitig begabt ist, hat sie ohne starken familiären und finanziellen Rückhalt nur wenige Optionen.
Yu Ling repräsentiert viele Menschen, die in der Gesellschaft unbeachtet bleiben und vergessen werden. Care-Arbeit in all ihren Formen wird von ihnen vorausgesetzt, ihr stilles Leiden dagegen akzeptiert.
Die komplexen Beziehungsdynamiken im Roman sind äußerst fein herausgearbeitet, jedes Wort sitzt perfekt. Mit ihrem Schreibstil gelingt es der Autorin, kleine Alltagsszenen mit unterschwelliger Intensität einzufangen. Dabei hebt sie den tiefgreifenden Klassismus, die unüberbrückbaren Hierarchien und das Aushalten von Ungerechtigkeiten gekonnt hervor.
Und obwohl die Geschichte in China spielt, ist sie universell gültig für Orte auf der Welt, an denen soziale Schranken das Leben vieler Menschen begrenzen und jene, die oft im Verborgenen wirken, selten wahrgenommen werden.

Als Kritikpunkt bleibt allerdings, dass ich mir mehr tiefgehende innere Monologe oder reflektierende Passagen gewünscht hätte.
Yu Ling bleibt in ihrer Loyalität gegenüber dem Kind und der Familie zu sehr gefangen, und ihre eigenen Wünsche und Gedanken treten nur am Rande in den Vordergrund. Sie scheint kaum die Möglichkeit zu haben, sich selbst und ihre innere Welt wirklich zu entfalten. Ihre Wünsche wirken für mich etwas zu fern, um mich in sie hineinversetzen zu können.

Der Roman „Schwanentage“ ist für all jene geeignet, die keine hochglanzpolierten und dramatisch überfrachteten Geschichten suchen.
Die leise, poetische Erzählung besticht durch ein feines Gespür für Zwischenmenschliches und soziale Ungleichheiten.
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133 reviews
September 21, 2025
Schwanentage ist eine nachdenkliche, zugleich feinfühlige Geschichte, die Einblicke in die chinesische Gesellschaft und in zwischenmenschliche Dynamiken gewährt. Im Zentrum steht Yu Ling, ein Kindermädchen aus einfachen Verhältnissen, das sich hingebungsvoll um den siebenjährigen Kuan Kuan kümmert. Durch ihre Augen erfährt man nicht nur den Alltag einer privilegierten Familie, sondern auch die subtile Dynamik von Macht, Klassismus und Erwartungen, die zwischen den Generationen bestehen.

Yu Lings Charakter ist besonders facettenreich: Sie ist loyal, aufmerksam und reflektiert, gleichzeitig aber auch gezwungen, schwierige Entscheidungen zu treffen, als sich ihr Leben durch unerwartete politische Ereignisse verändert. Kuan Kuan, das Kind, das sie betreut, wird dabei zu einer zentralen Figur für ihre Selbstreflexion. Sein Verhalten und seine Bedürfnisse zwingen Yu Ling, Verantwortung zu übernehmen und zeigen auf, wie sehr persönliche Entscheidungen von äußeren Umständen beeinflusst werden können.

Zhang Yuerans Schreibstil ist poetisch und gleichzeitig präzise. Die Autorin beobachtet alltägliche Szenen und zwischenmenschliche Nuancen mit großer Aufmerksamkeit, sodass selbst kleine Gesten und Momente voller Bedeutung sind. Die Geschichte verbindet Leichtigkeit und Nachdenklichkeit, Humor und Ernst, und lässt dabei immer Raum für die Reflexion über Loyalität, Moral und gesellschaftliche Hierarchien.

Es gibt auch ein paar Punkte die mir etwas negativer aufgefallen sind: Aus meiner Sicht wirkte Yu Lings Entwicklung an manchen Stellen schwer nachvollziehbar. Besonders ihre Entscheidungen im Umgang mit Kuan Kuan erschienen mir teils abrupt, ohne dass ich den inneren Antrieb vollständig nachvollziehen konnte. Auch die Nebenfiguren blieben für mich eher schemenhaft; ihre Handlungen und Motive waren nicht immer klar erkennbar. Zudem gab es einige Wendungen der Geschichte, die auf mich etwas konstruiert wirkten und nicht immer natürlich in den Verlauf der Handlung passten.

Für mich ist Schwanentage eine Mischung aus zärtlicher Charakterstudie und subtiler Gesellschaftskritik, bei der die Figuren und ihre Entscheidungen tief im Gedächtnis bleiben, wenn auch manchmal fragwürdig. Yu Ling und Kuan Kuan verleihen der Geschichte emotionale Tiefe, während der flüssige, poetische Stil das Lesen angenehm und zugleich eindringlich macht.
144 reviews
November 29, 2025
Chinesische Gesellschaft

In Büchern kann ich viel über andere Kulturen lernen. Sei es über Religionen, Feiertage oder das Gesellschaftsbild. So lerne ich in Zhang Yuerans Schwanentage mehr über das Leben in China.

Yu Ling arbeitet als Kindermädchen für die wohlhabenden Eltern von Kuan Kuan. Sie selbst, aus ärmeren Verhältnissen, erlebt im Alltag der Familie Luxus pur, kennt aber auch deren Geheimnisse. Sie plant, Kuan Kuan zu entführen- doch dann kommt alles anders….

Ich finde die Idee, mehr über Chinas Gesellschaft zu erfahren, sehr interessant. Allein der Klappentext zeigt, wie groß die Diskrepanz zwischen Arm und Reich ist. Viele Arme werden von wenig Reichen beschäftigt und klein gehalten, was Yueran gut verdeutlicht. Sei es, dass die Mutter Yu von oben herab behandelt oder der Vater sie nicht wahrnimmt. Auch werden die Entscheidungen oft in Frage gestellt (sei es der Ausflug oder der Umgang mit der Abwesenheit der Eltern).

Doch auch Yu Ling selbst ist nicht ohne. Sie zeigt den anderen deutlich, dass sie als Kindermädchen die Macht um Falle der Abwesenheit hat und wirkt manipulativ und falsch. Allerdings kümmert sie sich intensiv um Kuan Kuan, zeigt taktische Kompetenzen bei der Vorbereitung der Entführung und ist zuverlässig in ihren Aufgaben. Das macht sie für mich zu einem schwierigen Charakter.

Auch die übrigen Charaktere kommen für mich manipulativ, kühl und ichbezogen rüber. Sei es die Lehrerin, die Yu klar macht, dass sie keine Kompetenz hat, Kuan Kuan abzumelden, oder Yus Partner bei der Entführung, der prahlt, er könnte alleine alles besser. Dadurch entsteht ein kühles, egoistisches Bild der Chinesen und ihrer Geselschafft, was in den Medien auch mal anders gezeichnet wird.

Auch wenn das Gesellschaftsbild durchaus interessant ist, fällt es mir schwer, den Roman einzuordnen. Ist es ein Krimi? Belletristik? Oder gar eine Satire? Das erschließt sich mir leider nicht.

Versöhnlich stimmt mich die Sprache im Buch. Es ist gut lesbar und viele Details sowie bildhafte Beschreibungen ermöglichen es mir, eine Vorstellung vom Geschehen vor den inneren Auge zu haben. Das macht es einfacher, der Geschichte zu folgen.

Insgesamt bekommt das Buch von mir aufgerundet vier Sterne. Besonders empfehlen kann ich das Buch für alle Interessierten an gesellschaftlichen Romanen und der chinesischen Kultur.
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September 22, 2025
Schon seit Jahren arbeitet Yu Ling als Kindermädchen für eine reiche Familie und kümmert sich liebevoll um den kleinen Kuan Kuan. Eines Tages beschließt sie jedoch, den Kleinen zu entführen, um endlich ein unabhängiges Leben führen zu können. Alles kommt jedoch ganz anders: aus dem Radio erfährt sie, dass Großvater des Jungen wegen Korruption verhaftet wurde und den restlichen Familienmitgliedern dasselbe Schicksal droht. Yu Ling muss sich entscheiden, wo ihre Loyalität liegt und was sie bereit ist, für ihren Job und ihren Schützling aufzugeben.

Zhang Yueran ist eine der einflussreichsten Autorinnen Chinas und gehört zu den wichtigsten Stimmen junger Literatur. „Schwanentage“ ist ihre erste Übersetzung ins Deutsche, verfasst wurde sie von Karin Betz. Der Titel bezieht sich auf die gemeinsame Zeit von Yu Ling, Kuan Kuan und einer Gans, die der Kleine unbedingt freikaufen wollte. So wie er diese Gans als einen Schwan wahrnimmt und von seinem Kindermädchen dabei nicht korrigiert wird, so bewegt er sich auch völlig ahnungslos durch diese schwierige Zeit. Für ihn ist, dank Yu Ling, alles ein einziges Spiel und Abenteuer.

Der Roman macht die Diskrepanz zwischen den beinahe mittellosen, wenig geschätzten Hausangestellten und dem Reichtum, von dem sie umgeben sind, deutlich. So ist es an sich nicht verwunderlich, dass Yu Ling für ihre Treue gerne ein Stück des großen Kuchens abhaben möchte, vor allem ihr neuer Freund Chen Donghu bestärkt sie immer wieder in diesen Gedanken. Während Yu Ling jedoch Gewissensbisse hat, handelt eine weitere Angestellte sofort, als die Vorwürfe gegen die Familie lautwerden und verschwindet mit Schmuck und einem Teil der Einrichtung.

Auch wenn das Thema ein wichtiges ist, plätschert der Roman die meiste Zeit leider nur vor sich hin und beschreibt ausführlich, was Yu Ling kocht und was Kuan Kuan so anstellt. Das Ende jedoch hat es in sich und zeigt noch einmal umso deutlicher, welchem Konflikt Yu Ling ausgesetzt ist und welche folgenschweren Entscheidungen sie treffen muss. Hier ist „Schwanentage“ wirklich stark – die Hinleitung hätte aber kürzer sein dürfen!
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September 23, 2025
Es geht um Loyalität, Ehrlichkeit, Anständigkeit und Gerechtigkeit im heutigen China.
Das auffällige Fabelwesen auf dem Cover könnte der chinesische Phoenix als König der Vögel darstellen, in der Zusammensetzung von verschiedenen Vögeln. Will die Autorin Missstände ihres Landes beklagen und Spannungen innerhalb der immer noch stark hierarchisch gegliederten Gesellschaft sichtbar machen, so bedient sie sich auch der Symbolik der Gans und des Schwans. Von allen Vögeln besitzt die Wildgans in der chinesischen Tradition wahrscheinlich die meisten Tugenden. Sie gilt als wohlwollend, weil sie immer in Gruppen fliegt und die jungen und gesunden Vögel die Schwachen oder Alten nicht aufgeben; sie gilt als diszipliniert, weil ein Schwarm Wildgänse immer die Formation halten kann; sie gilt als vertrauenswürdig, weil sie regelmäßig und zuverlässig von Norden nach Süden zieht. Und vor allem gilt sie als treue Liebhaber, die nur einen Partner fürs Leben haben. Mit ebensolcher Loyalität, Integrität und Liebe ist die Hauptperson Yu Ling, Kindermädchen des wohlhabenden Ehepaars der chinesischen Elite in Peking, ausgestattet. Deren 7-jähriger Sohn Kuan Kuan vergöttert Yu, die aus ihrer Perspektive Einblick gibt in gesellschaftspolitische Dynamiken von Disziplinarverfahren auf höherer Ebene, aber auch auf niederer Arbeitnehmerebene. Der Junge sieht in der vom LKW gekauften Gans, verkörpert durch Yu, einen fliegenden Schwan, gilt dieser doch als Symbol für Schönheit, Freiheit, Wandel und Transformation. Er verkörpert aber auch Reinheit und eine sanfte, aber starke Energie, die zu innerem Wachstum und der Entdeckung verborgener Weisheiten führen kann. Und so wächst Yu Ling schließlich erzwungenermaßen in eine neue Rolle hinein, mit dem geheimnisvollen USB-Stick in ihrer geballten Faust, und gibt dem Leben einiger Menschen eine andere Richtung. In einem Kalkül zwischen dem Gefühl der Macht aufgrund des USB-Sticks und Groll gegen Ungerechtigkeit und Korruption, jedoch ohne Vertrauen ins politische System, endet der Roman und lässt viel Freiheit für Fantasie.
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September 28, 2025
Der Schwan ist eigentlich eine Gans und auch sonst ist vieles nicht, wie es scheint. Zhang Yueran gibt in ihrem mitreißenden Roman "Schwanentage" Einblicke in das Leben einer wohlhabenden Familie, die weit oben in der chinesischen Gesellschaft steht, und deren Hausangestellten. Das eingespielte Leben wird plötzlich durch mehrere Ereignisse komplett auf den Kopf gestellt. Der Großteil der Handlung spielt im Haus der Familie und die Autorin schafft einen Mikrokosmos, in dem sehr unterschiedliche Lebensmodelle, Erwartungen und Wünsche aufeinanderprallen.

"Für ärmere Leute ist Geld etwas Persönliches, für Reiche ist es eine Familienangelegenheit." (S.191)

Klasse und Klassenunterschiede sind ein zentrales Motiv des Romans. Da die 2 wichtigsten Hausangestellten im Haus der Familie leben und dort ihr eigenes Zimmer haben, sind ihre Leben völlig mit dem der Familie verwoben. Die Autorin zeigt geschickt den Unterschied zwischen den Hausherren, obwohl die während der Geschichte fast vollständig abwesend sind, und besonders dem Kindermädchen Yu Ling. Gleichzeitig verdeutlicht sie aber auch, dass die im Haus lebenden Angestellten ganz anders leben als Bedienstete, die beispielsweise Lebensmittel liefern, aber nicht in direkten Kontakt mit den wohlhabenden Familien stehen. Die im Haus wohnenden Angestellten erhalten nicht nur Einblicke in Geheimnisse der Reichen und Mächtigen, sie erleben deren Luxus auch hautnah mit, ohne wirklich selbst daran teilhaben zu können. Dieser Widerspruch zeigt sich besonders gut im Kindermädchen Yu Ling, die den Sohn der Familie mit Liebe betreut und ihn zum Mittelpunkt ihres Lebens macht, und ihn gleichzeitig für eine fingierte Entführung nutzen will, um Geld von ihrem Arbeitgeber zu erpressen und selbst mit ihrem Freund ein besseres Leben führen zu können. Ein faszinierender Charakter, der sich im Laufe des Romans auf interessante Weise entwickelt.

Der nüchterne, klare Schreibstil hat mir hervorragend gefallen. Hätte ich die Zeit gehabt, hätte ich das Buch in einem Rutsch durchgelesen, so flüssig ließ es sich lesen.
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September 28, 2025
Wer Bücher aus dem asiatischen Raum liest, merkt schnell: Hier erzählt man anders, oft leiser, mit mehr Zwischentönen. Auch Zhang Yuerans Schwanentage entführt uns mitten ins Geschehen. Der Blick richtet sich auf die Entwicklung der Figuren und ihre Beziehungen. Eine reiche Familie, zwei Haushälterinnen – und im Zentrum die verbitterte Yu Ling, deren Perspektive den Roman prägt.

Die Autorin Zhang Yueran macht in einer turbulenten Geschichte deutlich, dass nicht alles so klar erscheint, wie es scheint. Arm oder reich, mit Geheimnissen oder Fehlern, niemand ist eindimensional. Der Einstieg wirkt zwar zunächst entrückt, führt aber bald zu den titelgebenden Schwanentagen. Der Schwan selbst ist stets präsent, nimmt fast eine Hauptrolle ein und verändert sich wie die Figuren. Er verkörpert gemeinsam mit dem Sohn der Familie die Reinheit einer noch unbescholtenen Seele.

Der Roman erzeugt Spannung vor allem zu Beginn und am Ende. Das spurlosen Verschwinden der Frau und die Festnahme des Vaters bleiben hier leider oberflächlich. In der Mitte jedoch verlangsamt sich das Tempo. Wir beobachten Yu Ling, wie sie zwischen ihren eigenen Bedürfnissen und den Ansprüchen des Kindes ihrer Arbeitgeber schwankt.

Zhang Yueran bringt viele Charaktere ins Spiel. Fast jede Figur erhält einen kurzen Abschnitt, bevor sie wieder verschwindet. Ein verbindender Erzählstrang fehlt – vermutlich bewusst –, sodass jede Geschichte für sich steht. Das lenkt den Blick auf das Wesentliche.

Für mich ist die asiatische Schreibeweise oft auf eine spezielle Art reizvoll. Sie lädt dazu ein, innezuhalten, zu reflektieren und die Nuancen zu betrachten. Yueran zeigt in ihrem Roman, dass Machtgefälle und Abhängigkeiten sich in westlichem und asiatischem Raum kaum unterscheiden. Ein vollständiges Bild bleibt offen – stattdessen entfaltet sich im Schwanenhotel ein Geflecht aus Metaphern und Bildern, das surreal und zugleich tief berührend wirkt.
Profile Image for Franziska Dreßler.
140 reviews
November 12, 2025
„Schwanentage“ erzählt die leise, aber eindringliche Geschichte eines Kindermädchens, das nach der Verhaftung des Vaters und dem Weggang der Mutter die Fürsorge für ein Kind übernimmt, das nicht ihr eigenes ist. Mit jeder Seite spürt man, wie sie ihr eigenes Leben für das Wohl anderer aufgibt – bis sie sich selbst darin verliert.

Besonders eindrucksvoll gelingt es der Autorin, das Paradox des Lebens im Luxus zu zeichnen: im Überfluss zu wohnen, aber nicht dazuzugehören; alles zu berühren, ohne etwas davon wirklich besitzen zu dürfen. Dieses stille, nagende Bewusstsein – dass der Reichtum, den man täglich um sich hat, nie der eigene sein wird – schafft eine bedrückende Atmosphäre, die sich durch jede Seite zieht. Und als dieses fragile Konstrukt aus Loyalität, Pflicht und Illusion schließlich zusammenbricht, bleibt die Protagonistin vor der nackten Frage zurück: Wer bin ich noch, wenn das Leben, das ich geführt habe, nie wirklich meines war?

„Schwanentage“ verhandelt Armut und Klassismus nicht laut oder plakativ, sondern mit einer feinen, fast schmerzhaften Zurückhaltung. Gerade diese kühle Distanz, die asiatische Literatur oft auszeichnet, findet sich hier wieder – eine Sprache, die Emotionen nicht ausschmückt, sondern sie durch Schweigen, durch kleine Gesten und unausgesprochene Gedanken spürbar macht. Anfangs mag diese Emotionslosigkeit befremden, als hielte sie den Leser auf Abstand. Doch je länger man liest, desto deutlicher erkennt man: Genau in dieser Distanziertheit liegt die eigentliche Intensität.

Trotz einer reduzierten Handlung entfaltet sich eine Spannung, die nicht aus äußeren Ereignissen entsteht, sondern aus inneren Brüchen – aus der stillen Revolte gegen ein Leben, das nie das eigene war. „Schwanentage“ ist kein lautes Buch, aber ein nachhaltiges. Es bleibt im Kopf, weil es die großen Fragen in die kleinsten Momente legt. Und weil es zeigt, wie schwer es ist, sich selbst wiederzufinden, wenn man jahrelang jemand anderes gewesen ist.
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January 4, 2026
Yu Lin arbeitet als Kindermädchen für eine wohlhabende und einflussreiche Familie, bis sie eines Tages mit ihrem Freund beschließt, ihren Zögling Kuan Kuan zu entführen, um ein hohes Lösegeld zu erpressen. Doch noch während der Entführungsaktion erfährt sie, dass der Vater des Jungen verhaftet wurde und die Mutter flüchtig ist. Sofort kehrt sie in das Haus zurück, wo sie nun diejenige ist, die die Entscheidungen treffen muss. Und nicht alle werden die richtigen sein.

Mit „Schwanentage“ hat Zhang Yueran einen interessanten Roman über die Labilität der oberen Schichten in China geschrieben. Ich habe es nur zufällig entdeckt, zumindest in meinem Umfeld scheint es nicht sehr präsent zu sein, und das ist schade. Dieser Zufallsfund hat sich durchaus gelohnt, obwohl ich mir vorstellen kann, dass dieses Buch sehr unterschiedliche Besprechungen bekommen wird, es scheint mir eines jener zu sein, bei denen die Chemie halbwegs stimmen muss.

Mir hat, neben der Tatsache, dass die Geschichte in einer anderen Kultur spielt, die Zeichnung der Figuren besonders gefallen. Man kommt nicht zu nah an sie heran, aber jede einzelne ist auf ihre Weise originell und interessant, ohne übertrieben zu wirken. Und trotz dieser Distanz vermittelt die Geschichte eine Unmittelbarkeit, die einem das Gefühl gibt, dabei gewesen zu sein.

Allein die Story ist für mich gegen Ende ein wenig abgeflacht. Ich muss zugeben, da hätte ich mir zwar auf einer Ebene weniger erhofft, auf einer anderen aber doch mehr erwartet. Yueran lässt einen ziemlich unvermittelt mit fast schon metaphorischen Bildern stehen.


Insgesamt war „Schwanentage“ ein Buch, das ich immer wieder gerne zur Hand genommen habe, weil ich gespannt war, wie es weitergeht. Und ja, ich hätte mir ein anderes Ende gewünscht, aber trotzdem möchte ich mehr von Yueran lesen, die ihren eigenen Weg, über ihre Themen zu erzählen, gefunden zu haben scheint. Und darum gibt es eine Leseempfehlung.
9 reviews
October 6, 2025
In „Schwanentage“ beleuchtet Zhang Yueran das Thema Klassismus in China am Beispiel eines Kindermädchens, das den Sohn ihrer wohlhabenden Arbeitgeber entführt, um Lösegeld zu erpressen. Doch der Plan scheitert, als die Familie just in diesem Moment wegen Korruptionsvorwürfen verhaftet wird. Was folgt, ist eine dichte, teilweise bedrückende Erzählung über soziale Ungleichheit, Schuld und Machtverhältnisse.

Man wird sehr abrupt in die Geschichte hineingeworfen und begegnet einer Reihe teils skurriler Momente (etwa einer Gans, die der Junge von einem Tiertransport „rettet“ und liebevoll „Schwan“ nennt). Dieses absurde Detail sorgt zwar für eine gewisse Leichtigkeit, wirkte aber auf mich eher deplatziert und bricht die Ernsthaftigkeit des Themas. Insgesamt hätte ich mir etwas mehr Tempo und eine stärkere Fokussierung auf die gesellschaftliche Dimension gewünscht.

Zhang Yuerans Stil ist sehr beschreibend und detailreich, was gut zur introspektiven Erzählweise passt. Besonders eindringlich fand ich den Hintergrund der Protagonistin Yu Ling:
Ihr Weg zeigt deutlich, wie ungleich Bildungschancen verteilt sind und wie selbstverständlich wir hier in Deutschland oft Privilegien betrachten, die anderswo unerreichbar bleiben!

Trotz dieser spannenden Ansätze konnte mich das Buch emotional nicht ganz abholen. Das Ende ließ mich etwas ratlos zurück, und der skurrile Ton hat den ernsten Kern für mich teilweise überdeckt.

Fazit: „Schwanentage“ ist empfehlenswert für alle, die einen ersten Einblick in den chinesischen Klassismus suchen und sich für soziale Realitäten unterhalb der Oberschicht interessieren. Wer jedoch auf der Suche nach Tiefgang und klarer gesellschaftlicher Analyse ist, oder mit surrealen Elementen wenig anfangen kann, dürfte hier nicht ganz auf seine Kosten kommen.
Profile Image for Jasi.
470 reviews31 followers
October 12, 2025
Yu Ling arbeitet als Kindermädchen bei einer reichen Familie in China. Als der Familienvater aufgrund dunkler Machenschaften plötzlich von der Polizei abgeholt wird und daraufhin die Mutter untertaucht, sieht sie sich mit dem Jungen alleine im Haus wieder und findet dabei heraus, welche Position sie in ihrem Leben eigentlich einnimmt und was ihre Prioritäten sind.

Der Klappentext des Buches hat mich sehr neugierig gemacht, da ich gerne einen eher kritischen Blick auf das Leben von wohlhabenden Familien werfen. Oftmals stellt sich dann heraus, dass sich hinter dem Schein einige dunkle Ecken verbergen. So auch in der Familie von Kuan Kuan. Er ist der siebenjährige Junge, den die Hauptfigur als Kindermädchen im Roman betreut. Die Geschichte dreht sich dabei jedoch nicht darum, aufzudecken, warum der Familienvater festgenommen wurde, sondern vielmehr darum, was für Auswirkungen dies auf das Leben von Yu Ling hat und wie sie in dieser Ausnahmesituation zu sich selbst findet. Als Kindermädchen agierte sie stets still im Hintergrund und dementsprechend nahm sie sich anfangs auch wahr. Im Laufe des Romans zeigt sich jedoch ein Wandel in Yu Lings Gedankenwelt und auf eher bissige Weise wird das glamouröse Leben der Familie beschrieben.

Der Schreibstil der Autorin ist klar und direkt, man spürt zwar die Abneigung gegen die Oberschicht, ohne dass diese jedoch konkret beschrieben wird. Diese gesellschaftspolitische Kritik ist somit perfekt in den Lauf der Geschichte eingewoben und wird durch eine facettenreiche Hauptfigur in Form von Yu Ling ergänzt.

Fazit: Ein herausragender und spannender Roman, der einen Einblick in die gesellschaftlichen Krisen Chinas gibt und mit vielseitigen Charakteren überzeugt!
Profile Image for Carla.
1,037 reviews134 followers
October 11, 2025
"Für Wunden, die niemand sah, übernahm man keine Verantwortung."

Yu Ling arbeitet als Kindermädchen für eine sehr wohlhabende und einflussreiche chinesische Familie. Sie ist eine von vielen Angestellten und hat ein ganz besonderes Verhältnis zum Spross der Familie, dem siebenjährigen Kuan Kuan. Yu hat ihr Leben nicht wirklich im Griff und gemeinsam mit ihrem Partner plant sie, den Jungen zu entführen, um ein hohes Lösegeld erpressen zu können. Doch ihr Timing ist denkbar schlecht - gerade als sie sich mit dem Jungen auf den Weg macht - was sie ihm als Frühjahrsausflug verkauft - wird der Vater von Kuan Kuan verhaftet. Überall läuft im Radio, dass rund um die Familie nun ermittelt wird. Plötzlich ist niemand mehr da, der sich um den Jungen kümmern kann - außer Yu Ling.

Ich habe noch nicht viel chinesische Literatur gelesen, "Schwanentage" hat mir aber schon sehr gut gefallen! Am Beispiel von Yu Ling wird die Organisations- und Wertestruktur der chinesischen Gesellschaft aufgezeigt. Als Kindermädchen wird ständig auf die Protagonistin herabgeschaut und sie hadert damit, nicht alles frei entscheiden zu können - sie realisiert jedoch, das sie trotzdem noch selbst die Fäden in der Hand hält. Das hat mir sehr gut gefallen.

Der Schwan bzw. die Gans lässt einen großen Spielraum bezüglich der Metaphorik und Bedeutung. Sie verkörpert Yu Ling, die wie eine Art Haustier an Kuan Kuan bzw. seine Familie gebunden ist. Sie hat nur einen bedingten Handlungsspielraum, auch durch ihren eigenen Charakter.

Große Leseempfehlung!

4,25/5
55 reviews
November 27, 2025
"Schwanentage" war ein Buch, auf das ich sehr gespannt war. Die Thematik von Arm und Reich und den unterschiedlichen Gesellschaftsschichten in China fand ich äußerst spannend und ich war sehr neugierig, mehr über diese Kluften zu erfahren. Das Thema Klassismus ist auch tatsächlich sehr präsent im Raum und die Einblicke, die man als Leser bekommt, sind erschreckend. Ein bisschen fühlte ich mich an Konstellationen aus vergangenen Zeiten erinnert, was so gar nicht zu meinem Bild eines modernen Chinas passt, in denen das Personal auch menschlich noch als minderwertiger betrachtet wurde. Also ein wirklich wichtiges Thema, auf das dringend noch mehr Licht geworfen werden sollte.

Auf der literarischen Ebene hat die Geschichte für mich leider nicht so gut funktioniert. Sie ist gut und schnörkellos erzählt und lässt sich flott weglesen, trotzdem ist die ganze Zeit über eine ziemlich starke Distanz zum Text vorhanden. Das Geschehen und auch die Figuren konnten mich emotional leider nicht wirklich abholen. Das ist mir bei asiatischen Werken schon häufiger aufgefallen, aber wo ich diese Erzählhaltung oft mag, hat sie mich hier eher kalt und unberührt gelassen, was gerade bei dem Thema schade war.

Insgesamt ist "Schwanentage" ein wichtiges Buch, weil das Thema wichtig ist - wenn ich nur die Geschichte betrachte, hat mir etwas gefehlt und leider ist gerade das die Schwäche des Buches.
Profile Image for Anna.
22 reviews
October 14, 2025
Yu Ling arbeitet als Kindermädchen des Sohnes einer reichen chinesischen Familie. Gemeinsam mit ihrem Freund beschließt sie den Jungen zu entführen; ein Versuch, weniger ihre, als vielmehr die Probleme ihres Partners zu lösen. Doch noch während der Umsetzung fällt der Plan in sich zusammen, als die Familie wegen Korruptionsvorwürfen festgenommen wird und die Mutter spurlos verschwindet. Plötzlich ist Yu Ling mit dem Jungen ganz auf sich gestellt.


Ich fand den kritischen Blick auf die chinesische Gesellschaft unheimlich interessant. Nicht nur Yu Lings Loyalität, ihr Pflichtbewusstsein ihrem Schützling gegenüber und die Beziehung zu ihrer Arbeitgeberin, der Mutter, werden in der Geschichte eingehend betrachtet. Yu Lings Charakter gefiel mir trotz oder vorallem wegen ihrer gewissen Unnahbarkeit gut, ich bin selbst nicht sicher, ob mir die anderen Charaktere stellenweise etwas übertrieben wirkten oder der Situation angemessen. Besonders interessant fand ich auch, dass die Geschichte so spannend beginnt, der kleine Nervenkitzel dann nachlässt, es aber trotzdem spannend bleibt, weil man absolut keine Ahnung hat, wohin sich diese Geschichte entwickeln soll.

Obwohl ich es an ein, zwei Stellen etwas zäh fand, wurde ich doch immer wieder überrascht. Wer Gesellschaftsromane und chinesische Literatur mag, wird hier sicher nicht enttäuscht.
Profile Image for Sophia Kaiser.
66 reviews
October 27, 2025
Yu Ling ist Kindermädchen und arbeitet für ein wohlhabendes chinesisches Ehepaar und kümmert sich um dessen siebenjährigen Sohn. Als Teil des Haushalts ist sie immer da, in alles integriert und dennoch allen untergeordnet. Der Roman startet damit, dass Yu Ling, die Entführung des Sohnes der Familie plant, um sich Geld dazu zu verdienen. Doch dann erfährt sie währenddessen, dass der Großvater und Vater des Jungen im Gefängnis sitzen, die Mutter ist spurlos verschwunden. Der Vorwurf: Korruption. Yu Lings Plan zerschlägt sich, denn jetzt ist sie die letzte Person, die dem Sohn geblieben ist. Sie muss sich entscheiden, ob sie sich auch wie alle anderen Bediensteten absetzt und den Jungen zurücklässt, oder sich weiterhin um ihn kümmert.

Zhang Yuerans handelt von der chinesischen Gesellschaft, der Ungleichheit, die herrscht, und auch den Schwierigkeiten in der Politik, dem Macht-Ungleichgewicht. Ich habe noch keinen Roman einer chinesischen Autorin gelesen und fand den Einblick in die Gesellschaft sehr spannend. Dennoch sind die Figuren mir nicht wirklich ans Herz gewachsen, gegen Ende wirkt die Handlung etwas gehetzt und überspitzt und auch das offene Ende hat mich nicht so wirklich zufrieden gestellt. Dennoch war das Buch kurzweilig und schnell zu lesen und ich empfehle es allen, die einen Einblick in eine andere Kultur bekommen wollen.
38 reviews
October 2, 2025
Yu Ling ist 30 Jahre alt und arbeitet als Kindermädchen. Die Familie scheint sehr viel Geld zu haben, ist einflussreich und lebt in Peking. Das Kindermädchen ist für den siebenjährigen Sohn zuständig. Die Eltern haben leider sehr wenig Zeit und so ist es eigentlich nur eine Frage der Zeit, dass der Junge eine intensive Bindung sucht und sie findet …in seinem Kindermädchen.
So ganz ehrlich und offen ist sein Kindermädchen aber nicht. Sie plant eine Entführung des Kindes, um dann Lösegeld zu fordern. Es ist für sie und ihren Freund, die Möglichkeit, sich ein neues Leben mit ein bisschen mehr Geld aufzubauen. Doch all diese Pläne werden durch kreuzt, durch verschiedene ereignisreiche Dinge. Die Eltern des Jungen sind nicht mehr da, und sie begibt sich mit dem Sohn wieder zurück in das Haus, wo sie ganz allein zurecht kommen muss.

Es ist ein sehr kritischer Roman, ein gesellschaftskritischer Roman. Puh… und er hat mich ganz schön nachdenklich zurückgelassen und ich frage mich, ob ich das Thema Recht und Unrecht und was ist Überhaut Gerechtigkeit für mich geklärt bekomme.
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