Kurt Tucholsky - Gesammelte Werke - Prosa, Reportagen, Gedichte: Schloß Gripsholm, Das Lottchen, Rheinsberg, Was darf Satire?, Einer pfeift sich einen, ...
Kurt Tucholsky war gleichzeitig Chronist seiner Zeit und Leidender an derselben. Einer Zeit zwischen den Weltkriegen, die in Deutschland geprägt war von Militarismus, Obrigkeitsdenken und gnadenloser Ausbeutung der Unterschicht. Wer mehr über unsere Gegenwart wissen will, muss den vergangenen Tucholsky lesen. Sein Werk hat leider nichts, absolut nichts, von seiner Relevanz eingebüßt. Wer die Texte liest, wird sie sofort verstehen, sie bedürfen keiner geschichtlichen oder sozialen Erläuterung.
Warnung: Nur in geringen Mengen einnehmen, sonst droht eine Überdosis an schmerzhafter Realität.
Mit den wichtigsten Reportagen, Glossen, Gedichten und seinem Roman »Schloß Gripsholm« - jede Generation verdient es, diesen Mahner für sich zu entdecken.
- Schloß Gripsholm - Das Lottchen - Rheinsberg - Was darf Satire? - Einer pfeift sich einen - Jonathan's Wörterbuch - Die fünfte Jahreszeit u.a.
300 Werke auf 1200 Seiten - mit einem Aufsatz zu Leben und Werk.
Kurt Tucholsky was a German-Jewish journalist, satirist and writer. He also wrote under the pseudonyms Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger, and Ignaz Wrobel. Born in Berlin-Moabit, he moved to Paris in 1924 and then to Sweden in 1930.
Tucholsky was one of the most important journalists of the Weimar Republic. As a politically engaged journalist and temporary co-editor of the weekly magazine Die Weltbühne he proved himself to be a social critic in the tradition of Heinrich Heine. He was simultaneously a satirist, an author of satirical political revues, a songwriter, and a poet. He saw himself as a left-wing democrat and pacifist and warned against anti-democratic tendencies—above all in politics, the military, and justice—and the threat of National Socialism. His fears were confirmed when the Nazis came to power in 1933: his books were listed on the Nazi's censorship as "Entartete Kunst" ("Degenerate Art") and burned, and he lost his German citizenship.
Was darf Satire? Am Ende muss das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Kurt „Ku-ert“ Tucholsky war jedenfalls einer der wenigen, der das Thema erfolgreich satirisch an- und verpacken konnte, wie hier in seinem Gedicht (das es auch als Lied gibt und hier von Ernst Busch interpretiert wird: https://www.youtube.com/watch?v=IuOQa... Musik: Hanns Eisler)
Rosen auf den Weg gestreut
Ihr müßt sie lieb und nett behandeln, erschreckt sie nicht – sie sind so zart! Ihr müßt mit Palmen sie umwandeln, getreulich ihrer Eigenart! Pfeift euerm Hunde, wenn er kläfft —: Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft!
Wenn sie in ihren Sälen hetzen, sagt: „Ja und Amen – aber gern! Hier habt ihr mich – schlagt mich in Fetzen!“ Und prügeln sie, so lobt den Herrn. Denn Prügeln ist doch ihr Geschäft! Küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft.
Und schießen sie —: du lieber Himmel, schätzt ihr das Leben so hoch ein? Das ist ein Pazifisten-Fimmel! Wer möchte nicht gern Opfer sein? Nennt sie: die süßen Schnuckerchen, gebt ihnen Bonbons und Zuckerchen … Und verspürt ihr auch in euerm Bauch den Hitler-Dolch, tief, bis zum Heft —: Küßt die Faschisten, küßt die Faschisten, küßt die Faschisten, wo ihr sie trefft —!