Mann, Du hast es nicht leicht. Von Natur aus Jäger, Sammler und Verführer bist Du seit 68ff., Feminismus und Patchmurks völlig ortlos. Du bevölkerst Spielplätze, liest Ratgeber und gehst in Elternzeit. Soziologen bezeichnen Dein Befinden als „postheroisch“. Anders gesagt: Du bist ein Weichei, ein Selbsterfahrungskrüppel.
Was ist aus dem guten, alten Helden geworden? Dem Vater Courage, der nicht zuallererst an sich und sein Wohlbefinden denkt? Rückgrat, Mut, Leidenschaft - Werte wie diese sind zäher als vermutet. Und sogar wieder en vogue. Darf/soll Mann also wieder männlich sein?
Der Journalist und Publizist Michael Klonovsky geht in seinem Essay diesem Thema auf den Grund. Sein Credo lautet: Der Held ist tot. Es lebe der Held.
Michael Klonovsky, geboren 1962 im Erzgebirge, ist Romanautor, Essayist und Publizist. Bis zum Mauerfall lebte er in Ost-Berlin, wo er als Maurer, Gabelstaplerfahrer, Sportplatzwart und Korrekturleser tätig bzw. eher untätig war. Von 1992 bis 2016 war er in verschiedenen Positionen beim Magazin Focus beschäftigt, inzwischen arbeitet er als politischer Berater. Den Prozess der deutschen Wiedervereinigung beschrieb er in seinem Roman "Land der Wunder" (2006). Klonovsky ist verheiratet mit der israelischen Pianistin Elena Gurevich.