Müsste ich mein Sachbuch-Regal bis auf drei Bücher aussortieren, wäre 'Das violette Hündchen' einer der Titel, die ich behalten würde.
An was denken wir im Rückblick auf unser bisheriges Leben? Es sind die Details, die in Erinnerung bleiben. So verhält es sich auch bei Büchern. Klug, humorvoll und dort, wo es sein muss auch schonungslos, behandelt Michael Maar eine Auswahl großer literarischer Werke, die heutzutage als Klassiker gelten. Er stellt dabei keineswegs den Anspruch, einen Kanon aufzubauen, macht aber immer wieder deutlich, warum den besprochenen Autorinnen und Autoren auch heute noch eine große Bedeutung beigemessen wird. Maar geht dabei von zwei Ausgangspunkten aus: (1) Kein Detail ist sinnlos. Das Beiläufige, scheinbar Unwesentliche, ist das, was gute Literatur von großartiger Literatur unterscheidet. Details zu entdecken macht Spaß und ist letztendlich das, was wir von Büchern erinnern. (2) Autor und Werk sind untrennbar miteinander verwoben. Egal ob Jane Austen, Vladimir Nabokov, Virginia Woolf oder Thomas Mann; alle haben auf unterschiedliche Weise ihre tiefsten Sorgen, Nöte und Erfahrungen in ihrer Literatur verarbeitet. Dies geschieht mal humorvoll und mal tragisch, mal offensichtlich und mal codiert.
Michael Maar besitzt die wunderbare Fähigkeit, seine eigene Begeisterung über Literatur an uns weiterzureichen. Während der Lektüre ist mein tbr-Stapel um fünf Bücher gewachsen, weil mich die Kapitel so begeistert haben. Solltet ihr mal keine Idee haben, was ihr als nächstes Lesen sollt oder den Eindruck haben, keine Zeit zum Lesen zu haben, dann schlagt ein Kapitel im violetten Hündchen auf - ihr werdet nicht enttäuscht.