Ausgezehrt sein, nach Hilfe suchen, sich verletzt fühlen, auf schwachen Beinen stehen – diesen existenziellen Gefühlen und emotionalen Kämpfen widmet sich Sirka Elspaß in ihren neuen Gedichten: von der alltäglichen Beobachtung, »wie oft da keine sorge / steht im chatverlauf«, bis hin zum Schutzengel, der hinwirft, nicht mehr erreichbar ist, »sogar die mailbox hat er ausgemacht«. Der Blick fällt auf den eigenen Körper, das eigene prekäre Sein, bevor er sich dem Außen zuwendet, der Natur, den Tieren, allen voran den Vögeln am Himmel. Wehklagen und helle Harmonien, Zetern und Lachen wechseln sich ab, während über allem die Suche nach Trost schwebt: »ich suche / sie immer die engel / den trost per boten«. Sirka Elspaßʼ Suche nach Trost ist genau das: tröstlich. Bei aller Verletzlichkeit, allem Schmerz wirkt ihre Poesie schwebend leicht. So helfen die Gedichte über die wunden Punkte des In-der-Welt-Seins hinweg. Denn hungern beten heulen schwimmen zeigt uns, dass es weitergeht, dass wir nicht allein sind – und manchmal reicht dafür ein kleiner Moment, eine humorvolle Beobachtung, ein versöhnlicher Vers.
sirka elspaß nutzt lyrik als ausdrucksform, wie ich es lang nirgends mehr gelesen habe. jeden vers lass ich mir auf der zunge zergehen, wenn da steht: „die dunkelheit zahlt/die miete nicht“. das lyrische ich begibt sich auf die suche nach dem metaphysisch großen im kleinen: in zweigen, flügeln, robben. dem gedichtband, programmatisch unterteilt in die vier titelgebenden verben, ist ein zitat von john ashbery vorangestellt: „perhaps an angel looks like everything.“ vielleicht sehen für mich engel aus, wie die worte, die elspaß findet und sich auf ihre eigene art in die tradition der confessional poets wie sylvia plath einreiht, wenn sie schreibt: „iss was schwimm schnell I hope this finds you well/ es gibt orte die haben viele rettungsschwimmer/und es gibt orte da gibt es noch keine.“ content note: essstörungen
der titel lol das bin ich. schon alleine der selbstidentifikation wegen musste ich es lesen. wieder solide (hab auch den ersten gedichtband gelesen) aber muss sagen, dass mir dieser band weniger gefallen hat als der davorige. ich finde auch man hätte die einteilung in die titelwörter (ein bereich hungern, ein bereich beten etc.) weg und es einfach abschnittslos/themenlos machen können, denn es kam mir teilweise etwas forciert vor jetzt wieder das 'hauptthema' des jeweiligen bereich aufzugreifen bzw. zu rechtfertigen im gedicht, warum es jetzt 'hungern' oder 'heulen' zugeordet wurde. keine ahnung, vielleicht bin das auch nur ist haha.