Christian Hubers bewegender Roman über Schuld und Vergebung, über Liebe und Flucht. Und über die Kraft eines einzigen Moments, der so viel erzählen kann wie ein einziges Leben.
Bohm lebt seit fünf Jahren auf der Straße. Wie er mit Mitte dreißig aus seinem früheren Leben gerutscht ist, darüber schweigt er. Mit seinem Hund Fox schlägt er sich gerade so durch.
Alina, eine ehemals aufstrebende Journalistin, scheint in ihrer Laufbahn an einem toten Punkt angekommen zu sein. Ihre letzte Chance auf eine Karriere ist der Auftrag für eine Dokumentation über Obdachlosigkeit, die sie für ihren TV-Sender drehen soll.
Zufällig trifft sie auf Bohm, der sich widerstrebend auf das Projekt einlässt. Zu seinem Entsetzen erkennt er, dass er dabei ist, sich in die zielstrebige Frau zu verlieben. Doch er ist überzeugt, dass diese Liebe niemals eine Chance haben wird. Aber das Leben geht seine eigenen Wege …
»Ein Buch, das so besonders ist … eine leise Melancholie durchzieht diesen Roman.« Christine Westermann über Christian Hubers ersten Roman ›Man vergisst nicht, wie man schwimmt‹
Der Roman „Solange ein Streichholz brennt“ hat mich von der ersten Seite an emotional erreicht. Im Mittelpunkt steht Bohm, der seit Jahren auf der Straße lebt und sich gemeinsam mit seinem Hund Fox durch den Alltag kämpft. Dem gegenüber steht Alina, eine Journalistin, deren Karriere ins Stocken geraten ist und die in einer Reportage über Obdachlosigkeit ihre letzte Chance sieht. Schnell merken sie beide, dass mehr zwischen ihnen ist als eine Zweckbeziehung.
Besonders gelungen finde ich, wie der Roman das Thema Obdachlosigkeit behandelt. Es wird weder beschönigt noch sensationsheischend dargestellt, sondern mit viel Empathie und Feingefühl erzählt. Man bekommt einen Einblick in eine Lebensrealität, die im Alltag oft übersehen wird, obwohl sie in allen Städten ein wachsendes Problem ist. Gerade diese Perspektive macht das Buch so wichtig. Auch die Beziehung zwischen Bohm und Alina wird überzeugend entwickelt. Sie entwickelt sich vorsichtig, ohne kitschig zu werden.
Sprachlich hat mich das Buch ebenfalls überzeugt. Der Stil ist flüssig, zugänglich und gleichzeitig emotional treffend, ohne dabei überladen zu wirken. Man merkt, dass der Autor, wie schon in seinem Debütroman, ein gutes Gespür für Figuren und Stimmungen hat.
Für mich ist „Solange ein Streichholz brennt“ ein berührender und wichtiger Roman, der nicht nur unterhält, sondern auch den Blick für ein oft verdrängtes Thema richtet. Ich hoffe, dass viele Leserinnen und Leser nach dieser Lektüre anders auf obdachlose Menschen schauen.
Wir alle sind nur einen Unfall, einen Schicksalsschlag, eine falsche Entscheidung, oder eine Erkrankung von Armut und Obdachlosigkeit entfernt.
,Solange ein Streichholz brennt‘ erinnert genau daran. Und daran, wie schnell wir das vergessen.
In der Geschichte über die Begegnung zwischen dem Obdachlosen Bohm und der Reporterin Alina greift Christian Huber ein Thema auf, für das ich ihm kaum dankbarer sein könnte. Eines, das uns täglich begegnet, aber allzu gern ignoriert oder stigmatisiert wird. Das Buch führt uns einmal mehr vor Augen, wie Wohnungslose nicht nur übersehen, sondern aktiv entmenschlicht werden und wie leichtfertig wir Menschen als ‚minderwertig’ betrachten, wenn uns oft nur eine tragische Verkettung von Umständen von ihnen trennt. Eine vermeintliche Grenze, die in Wahrheit keine ist.
Dass die Handlung an manchen Stellen konstruiert, klischeehaft und stellenweise vorhersehbar wirkt, verzeihe ich dem Autor in jeder Hinsicht- ich habe die Geschichte schlichtweg verschlungen. Dass meine Heimatstadt dabei als Schauplatz dient, hat sein Übriges getan: Das Buch hat mich eingefangen, durchgekaut und nicht wieder ausgespuckt. Nicht nur, weil es wirklich schön und einfühlsam geschrieben ist und an den richtigen Stellen trifft, sondern einen auch dazu zwingt, die eigenen, oft unbewussten Vorurteile schonungslos zu hinterfragen.
Und von jedem der es liest, wünsche ich mir fortan mehr Empathie, vielleicht mal einen Euro in den Bechern der Stadt mehr, aber vor allem die Anerkennung, dass uns von der Person auf der Straße manchmal nichts weiter als pures Glück trennt.
Der Zahl der Menschen, die keinen festen Wohnsitz haben und ohne Obdach sind, ist besonders seit der Pandemie enorm angestiegen. Auch in Köln ist mir aufgefallen, dass so viele - meist Männer-auf der Straße leben. Ich gebe ihnen oft einen Euro oder zwei, schon aus Dankbarkeit, dass mein Leben in anderen Bahnen verläuft. Auch wenn diese Lebensart oft freiwillig gewählt wird, bin ich mir doch bewusst, dass das niemand gerne getan hat. Meistens steht ein Schicksalsschlag dahinter.
Bohm ist so einer. Dem Alkohol verfallen hangelt er sich von Tag zu Tag, muss sich mit Diebstahl und großen Schmerzen herumschlagen. Alina hat es auf die hellere Seite des Lebens geschafft. Sie arbeitet im Medienbereich und soll für eine neue Talkshow eine Reportage darüber drehen, wie tief Menschen fallen können. Die beiden begegnen sich und ein Hund wird zum Bindeglied.
Die Skizzierung des Plots auf dem Klappentext hat mich sofort angesprochen. Dem Autor ist die Figurenkonstruktion richtig gut gelungen. Nichts schreit hier, nichts ist schrill und laut (außer vielleicht der durchgeknallte Moderator). Die Gedanken der Protagonisten kann ich zu jederzeit nachvollziehen. Dass sich Bohm auch in der „Szene“ eher zurücknimmt, macht ihn umso geheimnisvoller. Das hat Huber gut gemacht, denn natürlich möchten wir wissen, wie es soweit kommen konnte. Am Ende wird das Geheimnis gelöst und ist gleichzeitig alltäglich und berührend. Ich glaube, es gibt viele Schicksale, die ähnlich verlaufen. Die Auflösung der Geschichte hat mir richtig gut gefallen. Die ganze Geschichte rund um die Talkshow hat maßvoll dosierten Raum eingenommen und den Rahmen nicht gesprengt. Alinas Reaktion am Ende habe ich sehr gefeiert! Tja, und Bohm? Seine Geschichte bekommt genauso viel Happy End, dass es nicht kitschig ist und mich trotzdem vor Rührung ein paar Tränen vergießen lässt
Die verschiedenen Perspektiven brachten Lebendigkeit und Abwechslung in die Geschichte. Das Buch entwickelt einen Sog, der mich immer wieder zu ihm hin zog. Christian Huber kann schreiben, das steht mal fest und ich bin sehr gespannt, was von ihm noch so alles kommt.
Meine Empfehlung geht an euch alle, die Bücher und gute Geschichten lieben. Das könnte was für jeden sein und da der Plot schon ein bisschen besonders ist, empfehle ich es besonders den Leser*innen, die auf der Suche nach Abwechslung sind und die zum Beispiel „Kein guter Mann“ von @andreasi sehr mochten.
Wow. Ich bin zur Zeit sowieso etwas emotional, aber die Geschichte hat mich wirklich kalt erwischt. Wohnungslosigkeit ist so ein großes Thema in unserer Gesellschaft, auch wenn wir alle oftmals nicht genau genug hinschauen. Zu realisieren dass wir alle näher an einer etwaigen Wohnungslosigkeit dran sind, als an finanziellem Reichtum und das ganze gepaart mit einer vielleicht unlogischen, aber schönen Geschichte, macht das Buch für mich zu einem meiner Favoriten des bisherigen Jahres.
Ich hatte so hohe Erwartungen an dieses Buch, weil ich die Thematik - das Aufeinandertreffen und die Annäherung zwischen einer jungen Fernsehjournalistin und einem Obdachlosen - so interessant fand. Leider konnte es keine dieser Erwartungen erfüllen, es ist so voller künstlich konstruierter und kaum nachvollziehbarer Momente und Klischees, das ich fast schon froh war, als es vorbei war 🫣🙃
Sehr starkes Ende. Tränen sind immer ein gutes Zeichen. Lange war ich mir nicht ganz sicher, ob ich die Geschichte glaubwürdig finden soll, aber die Charaktere gewinnen zunehmend an Tiefe und machen sich!
Leider kann ich nur 5 Sterne geben. Eigentlich sind es 7 Ein wunderschönes modernes Märchen zwischen Alltag und Abgrund, Medien Wahnsinn und Traum vom einfachen Glück. Zwei Suchende , Irrende und doch liebenswerte Menschen und die Idee eines guten, besseren Lebens Hubert Worte ziehen uns ab der ersten Seite, der ersten Zeile in den Bann und lassen uns nicht los, bei allen Höhen und Tiefen die das Schicksal für Alina und Bohm bereit hält. Traumhaft schön und ein buch zum wohlfühlen ohne Schmalz nur ein wahnsinnig gutes gefühl
"Wie entgleitet ein Leben?" das ist das Hauptthema des Buches. Eine wunderschöne Geschichte über Hoffnung, die Chance auf einen Neuanfang und eine scheinbar unmögliche Liebe. Für mich eines der wichtigsten Bücher des Jahres. Ein Buch, was einem zwingt die Perspektive zu wechseln und mich persönlich sensibilisiert hat. Erzählt wird die Geschichte von Bohm, einem Obdachlosen. Die Geschichte jener Menschen die man nicht sieht, weil man nicht hinschaut. Und genau das schafft der Autor. Man schaut hin.
Es geht auch um Alina, eine junge Reporterin, die im Laufe der Geschichte vieles hinterfragt und am Ende weiß, was wirklich zählt.
Es geht um Menschen, die für Erfolg alles machen würden, so unmoralisch es auch sein mag. Die Geschichte zeigt einem, das Charakter keine Frage des Standes ist. Für mich als Hundebesitzerin gab es ein paar Stellen im Buch die unerträglich waren, regelrecht angeekelt war ich. Umso freudiger war dann doch das Ende der Geschichte. Es ist ein Ende das hoffnungsvoll erscheint. Ein sehr unterhaltsamer, kurzweiliger Roman, der einem dazu anregt sich selbst zu hinterfragen und einem erinnert, dass jeder Mensch ein Schicksal, eine Geschichte hat und man niemals vorschnell urteilen soll.
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Christian Hubers Roman „Solange ein Streichholz brennt“ ist ein tief bewegendes Buch, das mit einfachen, aber eindringlichen Worten eine Geschichte erzählt, die uns alle angehen könnte. Im Mittelpunkt stehen zwei Menschen aus völlig unterschiedlichen Welten, deren Leben jedoch gleichermaßen an einem Wendepunkt stehen.
Da ist zum einen Bohm, ein Mann 36 Jahre alt, der seit fünf Jahren auf der Straße lebt. Er ist ein „netter Bohm“, ein eher stiller Charakter, der zusammen mit seinem Hund Fox ( einem kleinen Streuner mit verletzlichem Wesen) versucht, sich in der harten Realität der Obdachlosigkeit durchzuschlagen. Auf der anderen Seite lernen wir Alina kennen, eine einsame Journalistin, deren einst glanzvolle Karriere ins Stocken geraten ist. Ihr letzter Strohhalm ist ein Dokumentarfilm über Obdachlosigkeit, bei dem sie sich der Frage widmet: „Wie entgleitet ein Leben?“.
Das Thema des Buches ist universell und beklemmend zugleich: Wie schnell kann ein Mensch abstürzen? Christian Huber spielt dabei geschickt mit der Empathie der Leser und hält uns einen Spiegel vor, indem er zeigt, mit welchen Vorurteilen wir insbesondere obdachlosen Menschen begegnen. Die Geschichte macht deutlich, dass ein solcher Schicksalsschlag im Grunde jedem von uns passieren kann.
Inmitten dieser harten Realität entwickelt sich zwischen Alina und Bohm eine Verbindung, die eigentlich keine Chance haben dürfte. Man beginnt als Leser sofort, mit den beiden Hauptfiguren mitzufiebern und mitzuleiden, was das Buch zu einem echten Pageturner macht. Man wünscht ihnen so sehr ein Happy End, während sie gemeinsam versuchen, der Frage nachzugehen, ob man vor seinem eigenen Leben davonlaufen kann. Dabei wird klar: Ein Neuanfang ist nur dann möglich, wenn man mit der Vergangenheit abschließt und innerlich aufräumt.
Ein interessanter, wenn auch weniger facettenreich gezeichneter Charakter ist Jakob, ein skrupelloser Journalist im Umfeld von Alina. Er wirkt fast wie ein Klischee des karrierefixierten Medienmenschen. Doch auch bei ihm zeigt sich eine tragische Note: Während er krampfhaft versucht, alles in seinem Leben festzuhalten, scheint ihm genau dieses gerade selbst zu entgleiten.
Nicht unerwähnt bleiben sollte die hochwertige Gestaltung des Buches. Das Hardcover überzeugt durch eine exzellente Qualität und liegt sehr angenehm in der Hand. Auch die Seiten fühlen sich beim Umblättern wertig an, was das Leseerlebnis zusätzlich verschönert.
Insgesamt ist „Solange ein Streichholz brennt“ ein Roman, der lange nachhallt. Er erinnert uns daran, dass das Leben oft seine eigenen, unvorhersehbaren Wege geht und dass hinter jedem Menschen auf der Straße eine Geschichte steckt, die es wert ist, gehört zu werden.
„Solange ein Streichholz brennt“ von Christian Huber ist ein Buch, das ein gesellschaftlich extrem relevantes Thema in den Mittelpunkt stellt – und allein dafür schon Aufmerksamkeit verdient. Die Auseinandersetzung mit Obdachlosigkeit, sozialer Ungleichheit und Wahrnehmung im Alltag ist eindringlich und regt definitiv zum Nachdenken an.
Im Kern begleitet die Geschichte Bohm, der auf der Straße lebt, und Alina, eine Journalistin, die seine Lebensrealität für ein TV-Format dokumentieren möchte. Besonders zu Beginn entwickelt die Handlung eine gewisse Sogwirkung: Man wird direkt hineingezogen in diese Begegnung zweier völlig unterschiedlicher Lebenswelten und stellt sich unweigerlich die Frage, wie groß die Distanz zwischen ihnen wirklich ist.
Was mir gut gefallen hat, ist der Ansatz, Vorurteile sichtbar zu machen und aufzubrechen. Immer wieder wird deutlich, wie schnell Menschen abgestempelt werden – und wie wenig es manchmal braucht, um selbst in eine ähnliche Situation zu geraten. Diese Botschaft kommt an und bleibt auch hängen.
Allerdings hat die Umsetzung für mich nicht durchgehend funktioniert. Einige Entwicklungen wirkten auf mich konstruiert, insbesondere in Bezug auf Bohms Hintergrundgeschichte, die ich persönlich als wenig überzeugend empfunden habe. Auch die Dynamik zwischen den Figuren – vor allem rund um Alina – blieb für mich stellenweise schwierig. Ihre Perspektive wirkte teils distanziert und wenig reflektiert, was es mir erschwert hat, eine echte emotionale Bindung aufzubauen.
Die eingebaute Liebesgeschichte hat für mich ebenfalls nicht vollständig gegriffen. Sie fühlte sich eher wie ein zusätzliches Element an, das nicht unbedingt nötig gewesen wäre, um die eigentliche Thematik zu tragen. Hier hätte ich mir gewünscht, dass der Fokus konsequenter auf den gesellschaftlichen Aspekten bleibt.
Positiv hervorzuheben ist hingegen das Hörbuch, das durch die wechselnden Perspektiven und die zwei Sprecher*innen eine zusätzliche Ebene gewinnt und die Geschichte lebendiger macht.
Insgesamt ein wichtiges, aber nicht immer stimmig umgesetztes Buch, das zum Nachdenken anregt, emotional jedoch nicht durchgehend erreicht.
Bewertung: ★★★☆☆
Ein herzliches Dankeschön an NetGalley und den Verlag für das Rezensionsexemplar.
Schon beim Lesen des Klappentextes wusste ich, dass mir dieser Roman sehr gefallen würde. Kürzlich steckte ich noch in einer kleinen Leseflaute – und bin dann auf dieses Buch gestoßen. Von Anfang an war ich neugierig auf Bohms Geschichte und habe die Seiten förmlich inhaliert.
Der Schreibstil von Christian Huber macht es leicht, schnell in die Geschichte einzutauchen. Es ist eine zugleich schöne und traurige Erzählung, die einen berührt und nachdenklich zurücklässt. Besonders eindrücklich ist die Erkenntnis, dass das, was Bohm widerfährt, im Grunde jeden treffen kann.
Und jetzt hätte ich auch gerne eine Ein-Million-Dollar-Maus – und einen kleinen Weggefährten wie Fox.
Dieses Buch ist für mich mein absolutes Lesehiglight 2026. Ich glaube kaum, dass dieses Jahr noch etwas Besseres auf mich wartet. Ich bin sprachlos, weil die Geschichte über Bohm und Alina so, so schön war. ❤️
Wie kann man so tief fallen? Wie landet ein Mensch in der Obdachlosigkeit? Diese Geschichte hat mich tief berührt. In zwei Perspektiven nimmt sie mit in die Lebenswelten zweier Menschen, die sich berühren. Kann das gut ausgehen? Das kann doch nicht gut ausgehen!
Liebe den Schreibstil von Christian Huber und fand das Buch wirklich toll! Zwischendurch ein bisschen rosa-rot aber finde die Idee des Buches toll und neu und spannend!
So unfassbar realistische Gedankengänge, in denen man sich wiederfindet. Alina, Bohm und Fox sind mir richtig ans Herz gewachsen. Und das Frühstück mit Alina‘s Eltern ist eine der tollsten Szenen, die ich bisher gelesen habe, die hätte gerne noch so, so viel länger sein können!
Sehr angenehm leicht zu lesen. Die Geschichte ist etwas flach, jedoch nie langweilig. Gut für den Urlaub, kurzweilig und empfehlenswert. Christian Huber kann schreiben!
„Vergessen konnte leicht sein. Sich zu erinnern, das war das Schwere.“
Wenn die Flamme der Ehrlichkeit brennt, wirst du die Wahrheit willkommen heißen.
Vielschichtig, witzig, informativ, ernst.
Alina braucht dringend eine gute Hiobsbotschaft. Ihr Traum von der Arbeit als Fernsehjournalistin steht inzwischen auf sehr wackligen Füßen. Eine Reportage rund um gesellschaftliche Auf-, und Abstiege könnte ihre letzte Option sein, der Kündigung zu entgehen. Rasch hat sie erste Ideen und macht sich auf die Suche nach Teilnehmern. Dabei begegnet ihr Blohm. Anfangs widerstrebend erklärt er sich doch dazu bereit von ihr eine Weile begleitet zu werden. Dabei lernt Alina mehr über das Leben auf der Straße, aber auch viel über sich selbst kennen.
Es handelt sich hier weder um einen Thriller noch einen reinen Liebesroman. Wie der Klappentext bereits andeutet, wird dem Leser hier keine leichte Kost geboten. Vielmehr hat man das Gefühl zwei Menschen einen kurzen Moment begleiten zu dürfen. Zwei Menschen, deren Leben gerade auch von einigen Problemen gekennzeichnet ist. Von beiden wird der Alltag geschildert, der so auch genau den eines Menschen in Deutschland wiedergeben könnte. Es ist ein fiktives Buch und doch so realitätsnah. Das macht es so unglaublich authentisch und spannend zu lesen. Das Buch selbst liest sich vom Erzählstil her mehr wie eine Reportage als ein Roman. Generell hat mir der Schreibstil so gut gefallen, dass ich sogar an meiner Haltestelle erstmal weiterlesen musste, bevor ich den endgültigen Heimweg antrat. Man verliert sich regelrecht in der Geschichte. So nebenbei würde ich sie nicht lesen, wenn, dann sollte man sich genug Zeit nehmen, um alles wirklich gut zu erfassen und kein Detail zu überlesen.
Beide Figuren sind mir mehr und mehr auf ihre Art ans Herz gewachsen. So auch Fox. Blohm brachte mir Einblicke in eine Welt, die ich selbst nie kennengelernt habe, und die manchmal doch auch näher sein kann als man denkt. Es war von Anfang bis Ende faszinierend, ihn zu begleiten und so auch eine ganz andere Perspektive auf so manche Angelegenheit zu erfahren und den eigenen Horizont zu erweitern.
Alina hat klar ihre Vorurteile. Schön fand ich jedoch, dass sie auch dazu bereit ist, diese zu überdenken. Sie begegnet Blohm auf Augenhöhe und sieht in ihm den Menschen, der er ist und nicht nur den Obdachlosen, wie so manch anderer es gewiss tun würde. So verstehen sich beide nach und nach immer besser als sie es anfänglich gedacht hätte. Ein weiterer schöner Punkt ist, dass die Geschichte dabei ohne Kitsch auskommt.
Auch Stillstand gibt es in diesem Buch keinesfalls. Wie auch im realen Leben liegen hier ebenfalls Freud und Leid sehr nah beieinander. Dadurch, dass die Kapitel abwechselnd aus Blohms und Alinas Perspektive geschrieben sind entgeht dem Leser kein wichtiges Detail und man kann beide direkt kennenlernen, nicht nur über die Einschätzung der anderen Figur.
War der Titel des Buches bereits einprägsam, steht die Geschichte diesem in nichts nach. Im Gegenteil der Titel bietet vielmehr den Rahmen, der sich immer wieder in der Handlung wiederfindet, eben genau so wie es ein gelungener Titel tun sollte. Auch die einzelnen Abschnitte nehmen mit ihren einzelnen Ausgestaltung Bezug darauf. Man merkt einfach auch daran, wie viel Herzblut in dieser Geschichte steckt.
So schafft es dieses Buch vollumfänglich mit all seinen Facetten zu berühren. Schneller als man möchte, muss man so auch schon wieder Abschied nehmen vom Leben dieser wunderbar ausgearbeiteten Figuren. Beseelt von schönen, aber auch unschönen Emotionen schreibe ich so diese Rezension und gebe eine klare Leseempfehlung für jeden, der sich nach mehr als einfacher Lektüre sehnt und den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus liebt.
Solange ein Streichholz brennt“ von Christian Huber, erschienen im @dtv_verlag , erzählt eine zarte Liebesgeschichte und ein Leben am Rande der Gesellschaft.
Bohm ist 36 Jahre alt und lebt seit 5 Jahren auf den Straßen von Köln.Fox ist ein Straßenhund und entscheidet sich bei Bohm zu leben und so meistern die beiden ihr Leben gemeinsam. Alina arbeitet als Fernsehjournalistin und bekommt ihre letzte Chance mit einer Reportage über das Leben auf der Straße und genau dies ist der Anknüpfpunkt, der beide Leben verbindet. Alina macht Bohm den Vorschlag eine Reportage über sein Leben am Rande der Gesellschaft zu drehen und ihn dafür zu bezahlen, doch Bohm lehnt ab. Erst als sein Freund Fox ärztliche Hilfe braucht, die sehr kostspielig ist, willigt Bohm ein und so lernt der Leser sowohl Bohm‘s Leben , als auch die sich langsam entwickelte Beziehung zwischen Alina und Bohm kennen.
Mich hat diese Geschichte, der ich sehr gern gefolgt bin, sehr stark berührt. Wir alle sehen oft Menschen, die am Rande unserer Gesellschaft leben und gerade in der heutige Zeit werden es immer mehr.Oft sitzen sie in Einkaufsstraßen auf einer Decke, einen Becher für Spenden vor sich, manchmal auch einen Hund wie Fox neben sich. Die Menschen gehen häufig an ihnen vorbei, oft den Blick der Personen meidend oder kopfschüttelnd, wie jemand so leben kann. Wir machen uns häufig keine Gedanken darüber, welches Schicksal hinter diesen Leben steckt, denn ich denke freiwillig lebt niemand so und doch sind auch diese Menschen Teil unserer Gesellschaft, den man nicht einfach ignorieren kann, indem man den Kopf abwendet, oder sich loskauft durch eine Münze, die man in den Becher wirft und denkt “Gott sei Dank geht es mir besser „.
Welches Schicksal Bohm auf die Straße getrieben hat, erfahren wir erst am Ende des Buches und es ist ein Schicksal, dass viele ereilen könnte und sicherlich auch andere Gründe, die dazu führen können. Arbeitslosigkeit und damit verbunden Liquiditätsprobleme, die ,wenn man eine Wohnung sucht, gerade in heutigen Zeiten, sicherlich zu großen Schwierigkeiten führen können.
Ich fand es sehr gut, dass dieses Thema einmal in einem Buch aufgegriffen wurde und der Autor kann erzählen. Ich habe mich nicht eine Minute gelangweilt, habe Bohm im Laufe des Lesens immer mehr lieb gewonnen und fand auch das Ende sehr schön, weil es frei von Kitsch war. Auch die Schilderung von Jacob, der in einer Nebengeschichte auftaucht, zeigt, dass ein Absturz in allen Variationen möglich ist, auch da, wo man es nicht vermutet. Ich wünsche diesem Buch sehr viele Leser, auch deshalb, damit unsere Mitmenschen, die am Rande der Gesellschaft leben,stärkere Aufmerksamkeit bekommen und wir das nächste Mal hinschauen und vielleicht auch mal ein Gespräch beginnen, um dann zu erfahren, dass es Menschen sind, die unsere Aufmerksamkeit verdienen.
Solange ein Streicholz brennt von Christian Huber / Rezension
Das war mein erstes Buch des Autors und ich muss gestehen, dass es mich psychisch stark belastet und herausgefordert hat. So viel zum Thema: Was hast du denn, es ist nur ein Buch. Nun, dieses Buch hier hat mich im ersten Drittel komplett hyperventilieren lassen 😢😢.
✨Zitat
„Egal, wohin er gegangen war, durch die Parkanlagen, unter den Brücken am Rhein entlang oder durch die Innenstadt: Gefolgt war ihm der Hund. Er hatte sich nicht abschütteln lassen. Beschleunigte Bohm den Schritt, verfiel der Hund in Trab, ging Bohm langsamer, schien das Tier das als Aufforderung zu sehen, um näher zu kommen.“
✨Inhalt
Bohm lebt auf der Straße. Er hat aufgrund von Umständen, über die er nicht spricht, alles verloren und schlägt sich als Obdachloser durch die Straßen von Köln durch. Alina ist gescheiterte Journalistin, der sich eine letzte berufliche Chance bietet: eine Reportage über Bohm und seinen harten Alltag…
✨Meinung
Ich bin froh, dass ich dieses Buch beendet habe, sage ich Euch wie es ist. Es hat mich extrem aufgewühlt. Eine Situation kommt vor, die ich so nicht habe kommen sehen und es macht mich einfach kaputt, wenn ich daran denke.
Ansonsten muss man sagen, dass der Autor sehr sensibel mit dem Thema Obdachlosigkeit umgeht. Schonungslos, ehrlich, ohne Rücksicht darauf, dass jedes Wort, das er schreibt, einfach schmerzt, aber trotzdem sehr sensibel und respektvoll. Das war für mich das allerwichtigste und ein wichtiger Grund, warum ich dieses Buch unbedingt lesen wollte.
Ich wurde vermutlich noch ein wenig mehr getriggert, als es normalerweise der Fall wäre, denn ich habe durch Vorerfahrungen (lange Tätigkeit als studentische Hilfskraft in einem spanischen Obdachlosenzentrum, als ich jünger war) einfach auch in real life schon viel gehört, gesehen und erfahren. Das ist natürlich alles hochgekocht. Denn es kann jedem passieren, die Umstände müssen nur besonders unglücklich ineinandergreifen. Ich heule wieder!
Jedenfalls!!!
Das Buch ist sehr sehr schön geschrieben. Bohm war mir von Anfang an sympathisch, was jedoch im späteren Verlauf auch auf die Probe gestellt wurde, denn die Geschichte verlief in eine für mich unerwartete Richtung. Alina musste man längere Zeit erst mal tolerieren oder versuchen zu tolerieren, aber ihr Charakter macht eine gute Reise durch. Auch ist in dem Buch klar, wer die Antagonisten sind, nämlich alle diejenigen, die sich von oben herab äußern, ganz zu schweigen von den „Ideen“ um die Einschaltquoten zu verbessern 🤬🤬🤬.
Wie eingangs schon gesagt, bin ich hauptsächlich froh, dass ich fertig bin, also schaut, was Eure Belastungsgrenzen sind.
✨Fazit
Ich würde mir wünschen, dass mit der Zeit möglichst viele Menschen die Gelegenheit ergreifen, Bohm und Alina (und Fox 💘) kennenzulernen.
Berührende Handlung, die in Erinnerung bleibt In seinem Roman „Solange ein Streichholz brennt“ führt Christian Huber zwei sehr unterschiedliche Figuren behutsam aufeinander zu: Zum einen Alina Alev, die als Fernsehjournalistin für einen großen Sender in Köln arbeitet, und andererseits den 36-jährigen Daniel Bohm, der seit fünf Jahren auf der Straße lebt. Der Titel bezieht sich auf ein Spiel zwischen der beiden Hauptfiguren und verweist zugleich auf die Kürze eines Moments, der lebensverändernd sein kann.
Alinas Eltern haben hart dafür gearbeitet, damit ihrer Tochter einmal den Beruf ergreifen kann, den sie sich wünscht. Bisher hat Alina als Reporterin nur überschaubare Erfolge verzeichnet. Im Augenblick sieht es sogar so aus, als ob sie ihr die Entlassung droht. Als der Sender ihr stattdessen aber anbietet, sich an einem Projekt über das Sozialgefüge der Republik zu beteiligen, sieht sie darin eine Chance, sich nicht nur zu beweisen, sondern auch Anerkennung zu gewinnen und damit auch ihre Eltern stolz zu machen.
Im Umgang mit Bohm zeigt sich bald, dass Alina nicht die taffe Journalistin ist, die für Ruhm und Erfolg alles zu tun bereit ist. Sie Eine Mitarbeiter der Bahnhofsmission gibt ihr den Hinweis, wo sie Bohm finden kann, der ihr als geeignet für das angefragte Fernsehprojekt scheint. Alina lernt den Obdachlosen kennen, kurz nachdem ihm ein Hund zugelaufen ist, der schnell dessen Herz erobert hat. Letztlich wird er der Grund dafür sein, dass Bohm sich für die Teilnahme am Projekt entscheidet. Der Autor gewährt einen Blick hinter die Kulissen der Fernsehberichterstattung und zeigt auf mit welchen fragwürdigen Mitteln manche Beiträge aufsehenerregend dramatisiert werden können.
Gleich von Beginn an schildert Christian Huber das Leben von Bohm auf der Straße mit all seiner Härte, so dass sich ein berührendes und glaubhaftes Bild entsteht. Bohm trägt einen geheimnisvollen Brief bei sich, der durch das Nichtwissen über den Inhalt für subtile Spannung sorgt. Der Grund, warum der Obdachlose ihn nicht öffnet, bleibt lange im Verborgenen. Erst sein Inhalt zeigt die Persönlichkeit Bohms in all seinen Facetten, zu denen auch sein zynischer Wortwitz gehört, der der bewegenden Geschichte immer wieder eine aufheiternde Seite verleiht.
Der Roman ist mehr als eine Liebesgeschichte zwischen zwei Personen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten. Er ist auch eine einfühlsame Auseinandersetzung mit der Würde jedes Menschen und den Vorurteilen, die unser Verhalten beeinflussen.
Der Roman „Solange ein Streichholz brennt“ überzeugt mit vielschichtigen Figuren und einem denkbaren Szenario in einem herausfordernden sozialen Umfeld, das Christian Huber feinfühlig beschreibt. Die Geschichte fasziniert mit einer gelungenen Handlung, die bewegt und in Erinnerung bleibt. Sehr gerne empfehle ich das Buch weiter.
Wie oft geht man gedankenverloren an einem obdachlosen Menschen vorbei, ohne ihn wirklich zu sehen. Man nimmt dieses menschliche Schicksal kaum noch wahr, stört sich – wenn überhaupt – eher an dem Geruch oder den herumliegenden Sachen. Doch dort liegen echte Menschen. Menschen mit Schicksalsschlägen, mit Krankheiten und mit falschen Abzweigungen im Leben. Genau diesen Menschen gibt Christian Huber in seinem Buch „Solange ein Streichholz brennt“ eine Stimme.
Die Geschichte lebt vor allem von dem starken Kontrast zwischen zwei völlig unterschiedlichen Leben, die nebeneinander gestellt werden: auf der einen Seite eine Reporterin, die versucht, ihre Karriere in Gang zu bringen, auf der anderen Seite ein obdachloser Mann, dessen einziges Ziel es ist, den nächsten Tag zu überleben. Dieser Gegensatz zwischen den beiden Protagonisten bringt die Kernaussagen des Buches besonders eindringlich auf den Punkt. Während die eine um beruflichen Erfolg kämpft, kämpft der andere schlicht um Würde, Wärme und eine Chance auf einen weiteren Morgen.
Dabei zeigt das Buch auch die weniger sichtbaren Seiten dieses Lebens: Gefühle von Scham, Angst und ständiger Ungewissheit begleiten den obdachlosen Protagonisten und machen deutlich, wie belastend der Alltag auf der Straße sein kann. Gerade diese leisen, inneren Momente verleihen der Geschichte ihre emotionale Tiefe.
Natürlich ist der Werdegang der Geschichte nicht unbedingt die Realität, die viele wohnungslose Menschen tatsächlich erleben oder die auch nur annähernd denkbar wäre. Das Elend vieler Betroffener ist oft noch viel schlimmer und schwerer zu ertragen. Dennoch gelingt es dem Buch, eine berührende und sehr emotionale Geschichte zu erzählen. Es schafft es, das Ungesehene ein Stück sichtbarer zu machen und den Blick auf Menschen zu lenken, an denen man im Alltag vielleicht viel zu oft achtlos vorbeigeht.
„Solange ein Streichholz brennt“ ist damit nicht nur eine bewegende Erzählung, sondern auch eine Erinnerung daran, dass hinter jedem Menschen auf der Straße ein individuelles Schicksal steht – und dass ein kurzer Moment des Hinsehens manchmal schon viel verändern kann.
Christian Hubers Roman hat mich von der ersten Seite an durch seine unglaublich bildhafte Sprache gefesselt. Während des Lesens hatte ich das Gefühl, keinen Text vor mir zu haben, sondern einen Film zu sehen. Besonders die Beschreibungen von Bohms „Zuhause“ sind so lebendig, dass man die Atmosphäre fast physisch spüren kann. Das Buch liest sich dadurch wunderbar flüssig und kurzweilig.
Das Cover der gebundenen Ausgabe ist schlicht, aber keinesfalls langweilig und es hat ein geprägtes Streichholz, das uns auch im inneren des Buches immer wieder begleitet.
Im Zentrum stehen zwei Charaktere, die auf den ersten Blick nicht unterschiedlicher sein könnten: Bohm, der Obdachlose, und Alina, die Journalistin. Bohm ist mir sofort ans Herz gewachsen. Er ist feinfühlig, humorvoll und liebevoll – und genau das macht das große Rätsel seiner Figur so spannend: Warum lebt dieser Mann auf der Straße? Man spürt, dass er vor etwas wegläuft, und diese Ungewissheit hält die Spannung bis zum Ende hoch.
Alina bildet dazu das perfekte Gegenstück in der glitzernden Medienwelt Kölns. Doch Huber zeigt schnell: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Die unangenehmen Kollegen und der enorme Druck machen deutlich, dass auch in ihrer vermeintlich „perfekten“ Welt tiefe Risse existieren. Ein Satz eines anderen Obdachlosen ist mir besonders in Erinnerung geblieben: „Ich sag immer, man muss sein eigenes Zuhause sein – sonst verliert man sich.“ Dieses Zitat fasst die Suche der beiden Protagonisten perfekt zusammen.
Mein Geheimtipp: Am Ende des Buches gibt es eine Musiktrackliste mit passenden Soundtracks zu den einzelnen Kapiteln. Ich wünschte, ich hätte das schon zu Beginn gewusst! Mein dringender Rat an alle Leser: Schaut erst hinten ins Buch, legt euch die Playlist bereit und lasst euch dann von der Geschichte und der Musik davontragen. Fazit: Ein absolut lesenswerter, emotionaler Roman, der den Blick auf unsere Mitmenschen verändert.
SOLANGE DER STREICHHOLZ BRENNT Christian Huber ET: 26.03.26
"Wie entgleitet ein Leben?" (S.61) Bohm lebt auf der Straße – mit kaum mehr als einem Rucksack, seinem Schnitzmesser, einem ungeöffneten Brief und Fox, einem zugelaufenen Hund, der sich entschieden hat, zu bleiben. Sein Alltag ist rau: Misstrauen, Kälte und der ständige Kampf ums Nötigste prägen sein Leben. Selbst der Schlafsack ist ihm inzwischen verloren gegangen. Die überfüllten Notunterkünfte meidet er, nur die Ausgabestellen, an denen es Essen gibt, sucht er regelmäßig auf.
Alina Alev ist Journalistin. Zumindest auf dem Papier. Warum sie diesen Weg eingeschlagen hat, kann sie selbst kaum beantworten. Vielleicht war da die Hoffnung, an frühere Erfolge anzuknüpfen – doch ihre letzten Recherchen für die RTI verhallten ohne Echo. Statt der erwarteten Kündigung erhält sie jedoch einen neuen Auftrag: Gemeinsam mit dem gefeierten Nachwuchsreporter Jakob soll sie das Leben auf der Straße dokumentieren. Eine Spurensuche – und die Frage, wie ein Leben aus der Bahn geraten kann.
Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht vorwegnehmen. Nur so viel: Diese Geschichte entfaltet eine ungeheure Sogwirkung und geht unter die Haut.
Christian Hubers Sprache ist eindringlich und klar zugleich, und in der Hörbuchfassung tragen die Stimmen von Maria Wördemann und Robert Stadlober die Erzählung mit großer Intensität. Besonders gelungen ist der Perspektivwechsel: Beide Protagonisten erzählen als Ich-Erzähler, wodurch ihre Gedanken und Gefühle unmittelbar erfahrbar werden. Der Epilog hat mich schließlich tief berührt – wenn die beiden Stimmen aufeinandertreffen und in einen direkten Dialog treten, entsteht ein Moment, der lange nachhallt.
Fazit: Ein eindringliches, bewegendes Werk, das nachwirkt. Unbedingt lesen oder hören. 5/5