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Weißglut: Die inneren Kriege der USA

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Was ist bloß mit den USA los? Woher kommt das Gift im politischen Betrieb? Das Lügen, Denunzieren und Dämonisieren, der Hass auf Minderheiten und die Unerbittlichkeit gegenüber den Schwachen? Wie konnte die Weißglut zur politischen Betriebstemperatur werden? Donald Trump und sein MAGA-Movement haben Wurzeln, die weit zurückreichen ins «amerikanische Jahrhundert». Dieses Buch legt sie frei.

Bernd Greiner erzählt eine andere Geschichte der USA der letzten hundert Jahre, die ebenso erhellend wie bedrückend ist. Es ist die Geschichte einer Gesellschaft, die sich innere Kriege leistet, befeuert von einem Extremismus der Mitte, der sich als das politische Metronom des Landes erweist. Im Mittelpunkt stehen weder Präsidenten noch Parteien. Im Mittelpunkt steht selbsternannte Hüter des Gemeinwohls, Bürgerinnen und Bürger, die im Namen der Demokratie anderen die demokratische Teilhabe streitig machen - mit minimaler Toleranz für politisch Unangepasstes, mit kompromisslosem Beharren auf eigenen Zielen, mit missionarischem Sendungsbewusstsein. Sie haben der Arbeiterbewegung das Rückgrat gebrochen, Linke aus dem politischen Leben verbannt, Rüstungs- und Kriegskritiker marginalisiert und die Dominanz der Weißen zementiert. Über allem thront die Maxime, dass wahre Macht auf der Angst der anderen beruht. Und dass Verunsicherung und Furcht den größeren Gewinn abwerfen. Anders Wenn Donald Trump das einzige Problem wäre, hätte Amerika nur ein geringes Problem.

619 pages, Kindle Edition

Published September 18, 2025

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About the author

Bernd Greiner

29 books9 followers
Bernd Greiner is a German historian, political scientist and Americanist, who has headed the "Theory and History of Violence" department at the Hamburg Institute for Social Research since 1994 and teaches at the Department of Philosophy and History at the University of Hamburg. He works on US history, the history of the Cold War, transatlantic relations and the relationship between the military, politics and civil society.

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Profile Image for Wandaviolett.
470 reviews67 followers
December 4, 2025
Kurzmeinung: Die meisten Bürger der USA leben in einer Blase!
Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten
bloß halt nicht für alle!

Präliminarien: Ich habe durch die Lektüre von diversen Sachbüchern lernen dürfen, dass der Begriff „alle“ ein schwieriger ist und nicht eine schnell eingängige Formel. Es beginnt mit der Frage, für wen gelten die Menschenrechte und wer soll sie gegebenenfalls „für alle“ durchsetzen.

„Alle“ kann definiert werden auf „alle Menschen, die in einem bestimmten Staat leben“, oder auch „alle, die eine entsprechende Staatsbürgerschaft habe. „Alle“ kann jedoch auch meinen „alle, die meiner Meinung sind“ oder „alle in meiner Blase“.

Inhalt: Der Autor, der Außereuropäische Geschichte an der Universität Hamburg lehrte, zeigt auf, wie weit der Slogan Amerika First“ in der Historie zurückgeht und dort quasi immer schon (spätestens seit 1945) fest verwurzelt war. Die MAGA-Bewegung ist nämlich keineswegs neu, wenn es auch dem unbedarften naiven kenntnisfreien Westeuropäer so vorkommt, der sich an den Möglichkeiten eines freien unabhängigen Landes erfreut, in dem jeder seines Glückes Schmied ist.

Dies gilt jedoch nur, wenn man die Ideale eines wahren Amerikaners mitbringt und den entsprechenden Zuschnitt aufweist: weiß, männlich, patriotisch, eigenständig, kapitalistisch, Anbeter des Großkapitals, feste fundamentalistisch geprägte Moralvorstellungen, kriegs- und gewaltbereit.

Die Feinde des „wahren Amerikaners“ sind: Kommunismus, Gewerkschaften, Gleichberechtigung (von Hautfarbe bis Geschlecht und Klasse), Arbeiterbewegungen, Soziale Verantwortung, soziale Gerechtigkeit, Krankenkasse für „alle“ (da haben wir es wieder), Sozialhilfe, staatliche Regelungen per se, eine unabhängige Justiz. Ja, auch das. Unabhängige kritische Presse, Recht auf allgemeine soziale Teilhabe und Unmoral. Umweltschützer! Klimaschützer. Vegetarier.

Der Kommentar und das Leseerlebnis:
Die Amerikaner lebten immer schon in einer Blase. Es ist erschreckend wie viele Vereinigungen es gibt und es lange schon vor dem Trumpismus gegeben hat, die weder vor Mord noch vor Folter zurückschreckten, um „unamerikanisches“ Verhalten zu maßregeln bis hin zur Liquidierung ohne Gerichtsverfahren (gar nicht selten). Der amerikanische Amerikaner steht über dem Gesetz. Was er als unamerikanisch brandmarkt, definiert er selbst. Und gegebenenfalls übt er Selbstjustiz um seine Vorstellung von Vaterlandsliebe zu verteidigen, Zensur, Verleumdung, Fälschung, Lüge, es fehlt nichts im Repertoire entsprechender flächendeckender Gruppierungen!

Der Autor erzählt nicht viel, er zählt auf, teilweise bringt er lange Namenslisten. Wer sich alles in welcher militanten Organisation befunden hat und sich engagiert hat. Das ist mein einziger Kritikpunkt, denn diese Namenslisten werden hauptsächlich für amerikanische Bürger interessant sein. Namedropping ist niemals eine gute Wahl für ein Sachbuch.

Bernd Greiner merkt man seine Empörung an. Obwohl er nicht viel erzählt, sondern aufzählt. Die Fakten sprechen für sich. Ja, die Lektüre ist wahrhaftig erschreckend. Ein Zitat, das auf Ronald Reagan zurückgeht: "Klassenkampf von oben - Steuersenkungen für eine vermögende Minderheit, Lohnverzicht für die Mehrheit, Zähmung oder idealerweise die Ausschaltung von Gewerkschaften. Und selbstverständlich drastische Kürzungen von Sozialleistungen, denn Armut gilt weniger als Ausdruck der sozialen Stellung, sondern als Beleg einer geistigen Haltung, sprich als Folge von mangelnder Disziplin und fehlender Leistungsbereitschaft."

Fazit: Es ist wirklich erstaunlich, dass trotz des starken, teils von staatlicher Seite unterstützten Widerstands gegen den humanistischen Gedanken, überhaupt irgendwelche Fortschritte in Bezug auf Gleichberechtigung und Durchsetzung von allgemeinen Menschenrechten erzielt wurden in den Staaten. Kein Wunder, dass der Kampf gegen Rassismus voll entbrannt ist. Und keine Wende zum Besseren in Sicht. Bald haben die Amerikaner ihr Land vollends ruiniert.

Kategorie: Sachbuch. Sozialgeschichte. Politik.
Verlag: C.H. Beck, 2025
Profile Image for A YOGAM.
1,855 reviews4 followers
January 5, 2026
Bernd Greiner nimmt uns in „Weißglut“ mit auf eine Tour durch den Giftschrank des amerikanischen Jahrhunderts – eine Lektüre, bei der selbst einem rheinisch-stoischen Adenauer-Fan der Kaffee im Hals stecken bleibt. Wer Donald Trump bislang für einen spontanen Betriebsunfall der Weltgeschichte hielt, gewissermaßen für ein politisches One-Hit-Wonder, wird hier gründlich eines Besseren belehrt. Greiner zeigt, dass MAGA keine eruptive Neuschöpfung ist, sondern die logische Fortschreibung einer langen Tradition selbsternannter „Hüter des Gemeinwohls“, die seit über hundert Jahren mit missionarischem Eifer alles aus dem öffentlichen Raum drängen, was nicht in ihr weißes, militärisch aufgerüstetes Weltbild passt. „Weißglut“ erzählt die Geschichte einer Gesellschaft, die ihren politischen Motor so lange im roten Bereich laufen ließ, bis die Zylinderköpfe des demokratischen Anstands geschmolzen sind – und Trump ist am Ende nur der Mann, der nun mit einem Benzinkanister in der Hand danebensteht und zufrieden nickt.
Der analytische Kern des Buches liegt in Greiners These vom „Extremismus der Mitte“. Nicht die Ränder sprengen hier das System, sondern eine bürgerliche Mitte, die im Namen von Ordnung, Sicherheit und Freiheit systematisch die Freiheiten anderer schleift. Greiner beschreibt eine Form von „Stabilität durch Angst“: ein politisches Geschäftsmodell, das auf Verunsicherung, Ausgrenzung und moralischer Panik beruht – mit Hass als verlässlichster Rendite. Für einen KAS-Alumnus, der Stabilität stets als hohes Gut gelernt hat, ist diese Diagnose besonders unerquicklich: Sie zeigt, wie leicht Stabilität in bloße Erstarrung kippt, wenn sie nicht mehr normativ, sondern affektiv begründet wird.
War Amerika einst der Spitzenreiter in der Hitparade moralischer Vorbilder, macht „Weißglut“ deutlich, dass hinter den Kulissen längst mit gezinkten Karten gespielt wurde – Payola nicht in Umschlägen, sondern in Form von Dämonisierung, Rassifizierung und permanentem Bedrohungsnarrativ. Greiner liefert das Porträt einer Weltmacht, die sich im inneren Kulturkrieg selbst zerlegt, während sie nach außen weiterhin den Refrain der Freiheit pfeift. Nur: Die Melodie ist längst schief, und man fragt sich unweigerlich, ob die USA gerade dabei sind, ihre Rolle im globalen Drehbuch neu zu besetzen – vom „Leader of the Free World“ zum unberechenbaren Charakterdarsteller mit Hang zur Brandstiftung.
Und wer nach dieser Lektüre immer noch glaubt, es handle sich hier um eine moderne Entgleisung der politischen Moral, dem sei ein kurzer Blick in Platons Gorgias empfohlen. Dort erklärt Kallikles bereits mit bewundernswerter Offenheit, dass das Gute nichts anderes sei als die möglichst ungehinderte Befriedigung der eigenen Begierden – und dass die Starken nach Naturrecht jedes Recht haben, sich zu nehmen, was sie wollen, während Moral und Gerechtigkeit bloß Erfindungen der Schwachen zur Selbstverteidigung seien. Greiners „Weißglut“ liest sich damit fast wie eine empirische Fußnote zu diesem antiken Lehrstück: MAGA als Reenactment eines sehr alten Arguments, nur mit Fernsehstudios, Social Media und größerem Budget. Man könnte also sagen, das amerikanische Jahrhundert hat hier weniger Neuland betreten, als vielmehr bewiesen, dass selbst zweieinhalbtausend Jahre Philosophie nicht ausreichen, um eine einfache Versuchung dauerhaft aus der Welt zu schaffen.
Ein kurzer Realitätscheck: Die „Komplexitäts-Falle“: Wenn Diplomatie zum Offenbarungseid wird
Dass die Bundesregierung die mutmaßliche Entführung Maduros durch US-Spezialkräfte mit dem Prädikat „rechtlich komplex“ versieht, ist nicht nur eine diplomatische Ausrede – es ist der Offenbarungseid eines völkerrechtlichen Denkens, das vor der schieren Machtpolitik kapituliert. Während historische Analysen der amerikanischen Machtpolitik seit Langem zeigen, dass das Recht dort eher als „Vorschlaghammer“ denn als verbindliches Regelwerk verstanden wird, flüchtet sich Berlin in eine semantische Nebelkerze. Zu sagen, man brauche „Zeit zur Einordnung“, während ein amtierender (wenn auch höchst umstrittener) Staatschef unter offenkundiger Verletzung des Völkerrechts aus dem Verkehr gezogen wird, ist das intellektuelle Äquivalent dazu, bei einem Banküberfall erst einmal ein Gutachten über die Statik des Tresors anzufordern, bevor man die Polizei ruft.
Analytisch betrachtet ist dieses „Es ist komplex“ die ultimative Leerformel spätmoderner Außenpolitik. Sie dient nicht der Wahrheitsfindung, sondern dem Zeitgewinn, bis die Fakten so zementiert sind, dass eine rechtliche Prüfung ohnehin nur noch als archäologische Übung taugt. Wer „Komplexität“ sagt, meint meist: politische Kostenminimierung. Als KAS-Stipendiat hat man gelernt, dass Politik Gestaltungswille und moralischen Kompass braucht – was wir hier jedoch erleben, ist die institutionalisierte Selbstentlastung, die man treffend als „Bürokratisierung der Feigheit“ bezeichnen kann.
Wenn ein „Oberschurke“ (wie Greiner die USA in ihrer dunklen Rolle skizziert) handelt, braucht man keinen Rechtsbeistand, der erst einmal die Akten sortiert, sondern eine Regierung, die den Mut zur klaren normativen Trennung besitzt: Man kann Maduro für einen Despoten halten und gleichzeitig die Cowboy-Diplomatie der USA als das benennen, was sie ist – ein kalkulierter Bruch mit allem, was wir seit 1945 mühsam als internationale Ordnung aufgebaut haben. Wer hier von „Komplexität“ faselt, hat entweder den Schuss nicht gehört – oder hofft darauf, dass er im Lärm der nächsten Schlagzeile unauffällig verhallt.
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