Eine Gewalterfahrung hat die Protagonistin zu einer Art Seismograph gemacht: Das Geschehene hallt in ihr nach und will aufgezeichnet werden. Und je lauter die Gegenwart, desto lauter auch ihre Vergangenheit, stellt sie fest, als sie in den ersten großen Schweizer #MeToo-Skandal verwickelt wird. Also begibt sie sich auf eine Reise, um dem Trauma auf den Grund zu gehen und sich ihrer Geschichte wieder zu ermächtigen: New York, Wien, Lissabon, Meran und die Zentralschweiz. In der Gegenwart der Protagonistin spiegelt sich das fragmentarische Echo ihres Stammbaums: von Urgroßmüttern, die in den 1920ern in Manhattan arbeiteten, bis zu Dorothea von Flüe im 14. Jahrhundert. »Gaslicht« stellt als #MeToo-Roman die Bruchstückhaftigkeit der Erinnerung dar. Wie kann die Natur des Traumas erzählt werden? Wie kann ein Text der überlebten Gewalt gerecht werden? Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, schält Jurassica Zeitschichten und seziert patriarchale Erzählungen. »Gaslicht« bricht in seiner sprachlichen und erzählerischen Vielschichtigkeit immer wieder aus dem inhärenten popkulturellen Rahmen aus und baut auf ein starkes feministisches Fundament. So verweist «Gaslicht» auf Werke von Louise Bourgeois, Judith Hermann, Verena Stefan, Annie Erneaux oder Carmen Maria Machado.
Der Roman beschreibt das Leben der Protagonistin, nachdem sie eine Gewalterfahrung erleiden musste. Fragmentarisch, geschmückt von Erinnerungen, Aufarbeitung und popkulturellen Einschüben wird das Erlebte beschrieben. Dabei steht aber weniger das Erlebnis selbst im Vordergrund, sondern der Umgang und die Nachwirkungen dessen. Gab es Warnzeichen? Hätte früher gehandelt werden können? Wo beginnt ein Trauma und wie gehen wir damit um? Die Autorin zieht einige Querverweise auf feministische Autor*innen wie Carmen Maria Machado (liebte ich ja doll) oder Verena Stefan. In ihrem Schreibstil experimentiert Jurassica, so dass es sich teilweise liest wie eine Kurzgeschichte, andererseits wieder wie ein Essayband und dann doch wieder ganz emotional und berührend. Der Sprachgebrauch ist dabei sehr modern. „Ich ging ja zu Hause in keine Bars mehr, weil da überall Gaslighter und Gatekeeper waren, die ich nicht mehr sehen mochte und ich sowieso lieber alleine zu Hause vor mich hin girlbosste.“ [Gaslicht, 2025, S. 49] Mich hat „Gaslicht“ sehr positiv überrascht, ich habe ganz viele Textstellen markiert, weil sie humorvoll, auf den Punkt oder einfach meiner Situation passend waren. Zusätzlich empfinde ich die grafische Gestaltung mit dem Verweis auf die Orangenmännchen extrem gelungen. Von mir gibt es eine deutliche Leseempfehlung. Wer genauere Informationen zu den TWs haben möchte, darf mir gerne schreiben! 🍊
mir schwirrt der kopf. (muss glaub morn nomal drüber schriibe) der wiederhall der erlebten gewalt, die sich unter die haut tief eingräbt bis in den stein, die dünnen schichten darüber, die so schnell und leicht aufreissen.
"Ich hatte im Meer gelebt, als der Planet noch flüssig war. War aus dem Wasser gekrochen und wieder hinein. War in Gletschern eingefroren, von Felsen umschlossen, in Bernstein versteinert[...], auch der härteste Stein brach auf, irgendwann."
diese suchende frage, wie gerechtigkeit (wieder) hergestellt werden kann, verlangen und finden der emanzipation. so viel frust und erschöpfung, so viel sich nebeneinander alleine fühlen, sich verlieren in erniedrigung und wut und gleichzeitig daraus die grösste kraft ziehen. wie tief trauma eindringt, jede kleinste ritze ausfüllen kann. lähmend und fordernd. das gegenteil von schweigend. spiralen des patriarchats so offen.
Flowt zwischen happigen Auseinandersetzungen mit Gewalterfahrungen und gewaltsamen Strukturen unserer Gesellschaft und spezifisch in der Literaturwelt und poetischen Momenten. Super aktuell& on point, mal super schmerzhaft, mal auf ne abgefahrene Art witzig. Im Gymer hätte ich das halbe Buch angestrichen, teils weil super relevant, teils weil so schön geschrieben, teils weils nicht besser gesagt werden könnte, was da steht. Grosse Leseempfehlung.
Das buech nimmt gäg s änd mega a fahrt uf. Es liest sich irritierend liecht für das dases inhaltlich heavy isch. D reisebeschribige händ mi null abgholt, defür d gstaltig.