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Candy Girls: Sexismus in der Musikindustrie (Nautilus Flugschrift)

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Junge Frauen und ihre Körper – selbstverständlich normschön, jugendlich, sexy – sind das Rohmaterial, aus dem die Musikindustrie und die Logik des Pop gemacht sind. Sie werden in Songtexten angeschmachtet und fetischisiert, beschimpft und degradiert, sie dienen auf der Bühne und im Backstage als Projektionsfläche. Weibliche Fans werden als kreischende Masse oder willenlose Groupies betrachtet, nicht fähig zu einem ernsthaften Interesse an der Musik oder einem ernstzunehmenden Geschmack. Und wenn eine Frau als Künstlerin auftritt, dann ist sie zunächst eine Frau und erst dann eine Musikerin, dann ist ihr Körper entweder zu dick, zu dünn, zu perfekt oder sonst wie falsch, dann ist sie entweder Hure oder Heilige, und dann – plötzlich – ist sie sowieso zu alt.
In einer so wütenden wie lehrreichen Mischung aus Analyse und Abrechnung zeigt Sonja Eismann, wie tief Sexismus und Ageismus in die Musikindustrie eingeschrieben sind, wie wir als Konsument*innen den male gaze erlernt und verinnerlicht haben, wie Missbrauch und Pädosexualität in fast allen Szenen und Genres akzeptiert werden. Sie schreibt über alte Männer, die minderjährige Sängerinnen sexualisierte Songs performen lassen, über die scheinbare Unmöglichkeit eines richtigen Alterns, sexistischen Musikjournalismus, Superstars wie Taylor Swift, Beyoncé oder Peaches, über Feminizide in Songlyrics – und natürlich über Beispiele der selbstbewussten Aneignung, des Widerstands, der wütenden Mittelfinger gegen das Musikpatriarchat.

»Feminismus ist nicht Fun, er ist komplex und er kotzt die Leute an – und er macht Arbeit! Und die hat sich Sonja Eismann gemacht, indem sie mit Verve und Zorn und zahllosen Beispielen beweist, wie patriarchal es in der Musikindustrie immer noch zugeht.« Christiane Rösinger

191 pages, Kindle Edition

Published September 1, 2025

9 people are currently reading
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About the author

Sonja Eismann

17 books3 followers
Sonja Eismann a German journalist and cultural scientist . She is co-founder and co-editor of Missy Magazine and lives in Berlin and Vienna.

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Displaying 1 - 8 of 8 reviews
Profile Image for Ileana (The Tiniest Book Club).
230 reviews39 followers
August 24, 2025
Sonja Eismann beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit Popkultur. Als Kulturwissenschaftlerin und Journalistin bei der Spex und der taz, sowie seit 2008 beim Missy Magazine, das sie mitgegründet hat.

Eismann hat viel gesehen, viel geschrieben und vermittelt in „Candy Girls“ ein klares Bild von der Musikindustrie und ihrer inhärenten Misogynie. Auch ihr eigenes Analysieren und Schreiben spart sie dabei nicht aus, denn den male gaze der Unterhaltungsmaschinerie haben wir alle internalisiert. „Die gesamte Musikindustrie basiert fast ausnahmslos darauf, dass jugendliche, normschöne Frauenkörper als quasi unendliche Ressource zur Verfügung stehen, an denen sich der öffentliche männliche Blick (den im Übrigen nicht nur Männer, sondern alle kulturell erlernt haben) labt.“

Frauenkörper sind das Rohmaterial, aus dem alles entsteht. Sie sind überall und sie sind zugleich eine Leerstelle. Zwischen pädosexuellem Verhalten und Ageismus werden Frauenkörper be- und verurteilt.
Weibliche Fans sind das Schmiermittel für die Industrie und werden gleichzeitig abgewertet (schon seit der sogenannten Lisztomania im 19. Jahrhundert!). Musiker gelten einerseits als der Gegenentwurf zur spießigen Elterngeneration/ Gesellschaft, stabilisieren allerdings andererseits das patriarchale System, indem sie Frauen ausbeuten und abwerten. Die Beispiele, die Sonja Eismann findet, nehmen kein Ende.

Die Autorin lässt endlich keine mildernden Umstände, keinen Deckmantel der „Kunst“ mehr gelten: der Zorn ist in diesem Sachbuch von vorne bis hinten spürbar. Nach dem Lesen bleibt mir gar nichts anderes übrig: ich will die Branche brennen sehen.

Die dicken, fetten Content Notes muss ich hier eigentlich gar nicht mehr erwähnen. Misogynie, Pädosexualität, sexualisierte Gewalt und Femizid werden beim näheren Hingucken in allen Genres und Zweigen der Industry sichtbar.
Profile Image for ~•verena•~.
492 reviews8 followers
September 6, 2025
4.5 ⭐️
Candy Girls sind süß...

- Candy Girls - Sexismus in der Musikindustrie, 0,01%


Mit großen Artists wie Taylor Swift, Beyonce, Lady Gaga, Chappell Roan, Sabrina Carpenter, Charli XCX, Olivia Rodrigo... könnte man denken das goldene Zeitalter des Popmatriarchats wäre angebrochen. Oberflächlich betrachtet ist das auch so. Aber sobald man etwas tiefer gräbt, findet man (wie fast überall) zutiefst misogyne Strukturen. In Candy Girls werden diese Strukturen aufgedröselt. So geht es unter anderem darum, wie viele Pädokriminelle sich im Musikbusiness herumtreiben und wie das nicht nur vertuscht wird, sondern auch gar nicht so selten verharmlost oder gar zelebriert und somit normalisiert wird (ich kann nie wieder I'm on fire hören, wie früher).
Auch das Genres/Bewegungen wie Rock oder Punk, die eigentlich ein anti-establishment Image pflegen, paradoxerweise das Patriarchat hochhalten und stärken (Stichwort: misogyne Lyrics) war mir so nie bewusst.
Und dann sind da natürlich noch die Glamorisierung des Groupietums (was mich an die Glamorisierung von Playmate/Girls of the Playboy Mansion erinnert hat), dass Frauen nie richtig sind (zu alt, zu dick...), #metoo in der Musikindustrie und dass misogyne Vorurteil, dass Frauen sowieso nichts interessantes kreiren können und es sich deshalb nicht lohnt ihnen zuzuhören...

Ich habe auch eine Playlist auf Spotify kreiert, mit allen erwähnten Songs (ein paar fehlen, da ich sie nicht gefunden habe): https://open.spotify.com/playlist/1hc...

Alles in allem super interessant. Da ich schon viel allgemeine feministische Literatur gelesen habe, war dies ein interessanter Deep Dive ins Musikbusiness.

... Einblicke in die weibliche – und nicht eben menschliche – Seele, als gefühlsgesteuert und irrational...

- Candy Girls - Sexismus in der Musikindustrie, 66%
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Profile Image for himbeerbuch.
428 reviews43 followers
September 9, 2025
Wer einen Rundumschlag über Sexismus in der Musikindustrie sucht, wird hier fündig! Eismann spricht viele Themen an - von sexistischen Tropen in Lyrics, der Vermarktung von minderjährigen Sängerinnen, hin zu sexistischen Strukturen in der Musikindustrie in Deutschland.
Der Ton ist berechtigterweise wütend, der Inhalt macht einen umso wütender.
Für mich war nicht sooo viel Neues dabei, aber ich beschäftige mich jetzt schon jahrelang aus wissenschaftlicher Perspektive mit Arbeitsbedingungen und Gesundheit in der Branche. Daher war es mir an einigen Stellen auch etwas zu ungenau, wenn z.B. ein Artikel aus dem Spiegel von 2005 zitiert wird, der recht oberflächlich auf eine Studie hinweist - das geht aktueller und gründlicher. Teilweise habe ich mir auch mehr Input zu geschlechtsspezifischer Prekarität (gesundheitlich, finanziell und die Zusammenhänge) gewünscht, schließlich steht im Titel ja auch das Wörtchen Industrie :)
Ich glaube aber, für super viele Leute ist das krasse Ausmaß von Sexismus in der Branche gar nicht bewusst und denke, "Candy Girls" ist ein guter Anfang, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Anfangs im Text erwähnt wurden übrigens die Memoiren von Vanessa Springora - auf deutsch: Die Einwilligung - ich kann ebenfalls nur empfehlen, sie als weiterführende Lektüre zu lesen, um sich tiefergehender mit P*dokriminalität in der künstlerischen-kreativen und linken Szene im europäischen Kontext zu befassen.
24 reviews1 follower
December 1, 2025
Das Buch bietet einen sehr guten Überblick und Einstieg in die Thematik. Insbesondere die ersten Kapitel, in denen auch der Fokus auf die Fankultur gelegt wird, haben mir sehr gut gefallen, auch weil es der Autorin meiner Meinung nach gelungen ist, wertfrei über Fans und deren Handlungen zu berichten. Die letzten beiden, insbesondere das letzte Kapitel, fand ich dann aber im Vergleich doch eher schwach und schwammig, meiner Meinung nach eine etwas misslungene Zusammenfassung des Gesamttextes, in die aber dennoch neue Aspekte eingeflossen sind, die aber dann etwas zu kurz kommen. Manche Takes fand ich auch sehr a den Haaren herbeigezogen, wenn ich ehrlich bin, und das Buch bietet auch keine wirklichen “Lösungsansätze” (was ich aber auch nicht erwartet habe). Dennoch sollten alle (Frauen), die entweder selbst in der Musikbranche tätig oder Teil von Fankulturen sind, dieses Buch einmal gelesen haben. Was mir persönlich auch noch etwas zu kurz gekommen ist, sind Erfahrungen von Frauen, die nicht primär in der Szene als Künstlerinnen arbeiten, sondern beispielsweise in der Technik/Fotografie etc. und inwiefern sich das patriarchale System auf diese “Nebenberufe” in der Musikindustrie auswirkt.
Profile Image for Miriam.
32 reviews2 followers
November 25, 2025
Eismanns Blick auf die sexistische Musikindustrie und Popkultur umfasst
- Pädosexualität,
- Ageism,
- die Abwertung von „Frauenmusik“,
- die Abwertung von Groupies,
- misogyne Songtexte,
- frauenfeindliches musik-journalistisches Schreiben
- und den strukturellen Sexismus in der Musikbranche.

Und daneben liefert sie auch noch einen genreübergreifenden feminist-music-101-Crashkurs beginnend in den 1920ern mit Gertrude „Ma“ Raineys Vorreiterrolle für den Sapphic Pop bis zu Hyperpop-Ikone Ikkimel.

Absolute Pflichtlektüre, wenn du dir auch die Musik von David Bowie, Nick Cave, den Beatles und Rolling Stones versauen willst.

„Männer haben primär Expertise, Agency und Bewunderung, Frauen haben primär ein Geschlecht.“
Profile Image for Seitenmusik.
397 reviews22 followers
January 16, 2026
Candy Girls sind süß. Sie sind frisch und lecker. […] Sie lassen sich schnell konsumieren oder unauffällig wegwerfen. (S. 8)


Mit „Candy Girls – Sexismus in der Musikindustrie“ legt Sonja Eismann (Journalistin, Kulturwissenschaftlerin und Mitgründerin des Missy Magazine) ein Buch vor, das nicht erklären will, warum Pop problematisch sein kann, sondern zeigt, warum er es ist. Erschienen im September 2025 im Edition Nautilus Verlag, verbindet dieses Buch kulturwissenschaftliche Analyse, Popgeschichte und feministische Theorie zu einer schmerzhaft klaren Bestandsaufnahme.

Meine Meinung
Schon auf den ersten Seiten wird deutlich, worum es Eismann geht: Nicht um Einzelfälle, nicht um „schwarze Schafe“, nicht um moralische Panik, sondern um ein strukturelles Problem: „Wie und wo ist die Musikbranche sexistisch? Kurze Antwort: überall.“ (S. 10)
Dieser Satz klingt zunächst provokant und auch etwas oberflächlich, aber im Verlauf des Buches wird er (leider!) erschreckend präzise belegt.

Eismann analysiert, wie Frauen und weiblich gelesene Personen im Pop gleichzeitig begehrt, entwertet und austauschbar gemacht werden. Der Begriff der Candy Girls steht dabei sinnbildlich für eine Industrie, die weibliche Körper konsumierbar macht: süß, verfügbar, ersetzbar. Besonders beeindruckt hat mich der intersektionalen Blick, den die Autorin einnimmt, und wie sie unterschiedliche Kontextebenen zusammendenkt: Musikerinnen, Fans, Groupies, Musikjournalismus, Kanonbildung und ökonomische Macht. Eismann zeigt, dass Sexismus nicht nur auf der Bühne passiert, sondern auch in Rezensionen, Line-ups, Backstage-Räumen und Fan-Narrativen.

Und immer wieder geht es um Gewalt. Nicht "nur" physisch, sondern auch symbolisch: um das Verharmlosen von Übergriffen, die Romantisierung männlicher Grenzüberschreitungen und die systematische Unsichtbarmachung weiblicher Perspektiven. Besonders betroffen gemacht haben mich Beispiele, bei denen nicht die übergriffigen Männer, sondern die Künstlerinnen gecancelt wurden. Viele der Täter waren mir als Künstler bekannt, jedoch bisher nicht als Täter. Mich hat schockiert, wie viele es sind, welches System dahintersteckt und wie konsequent Täter geschützt werden, während Betroffene gecancelt werden oder verschwinden.

Stilistisch ist „Candy Girls“ fordernd. Die Sätze sind teilweise lang, die Argumentation dicht, theoretische Begriffe werden nicht vereinfacht. Aber genau darin liegt auch eine Stärke: Eismann traut ihren Leser:innen zu, mitzudenken. Trotz aller Wut bleibt das Buch nicht im Zynismus stehen. Es öffnet Räume für Kritik, für Verantwortung und für kollektives Umlernen. Nicht als Happy End, sondern als Aufgabe. Denn „Popkultur ist nur ein Bestandteil einer sexistischen Gesellschaft, die wir gemeinsam bekämpfen müssen.“ (S. 171)

Fazit
„Candy Girls“ ist unbequem, wütend und notwendig. Ein Buch für alle, die Popkultur lieben, aber nicht länger wegsehen wollen. Für Leser:innen feministischer Sachbücher ein absolutes Must-read und vor allem für Menschen, die ihre Idole wie David Bowie, Justin Timberlake und co. bisher nicht hinterfragt haben. Danke an netgalley.de und an Edition Nautilus für das Rezensionsexemplar.
Profile Image for Savage Reader.
48 reviews3 followers
January 10, 2026
Bis Seite 123 top und sehr zu empfehlen , danach leider gähnend langweilig, u.a. wegen Taylor Swift... und insgesamt dem Fokus auf unerträglichen Mainstream Acts, um diese als Feministinnen zu adeln. Greift zu kurz
Displaying 1 - 8 of 8 reviews

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